Als mein Sohn den letzten Sack mit den Kartoffeln, die ich geerntet hatte, aus dem Hof trug, sagte meine Schwiegertochter lächelnd:
— Ab morgen wohnen hier andere Leute. Pack deine Sachen, Mama.
Ich stand am Zaun, in meiner roten Jacke und mit dem geblümten Kopftuch, das unter meinem Kinn verknotet war.

Neben meinen Füßen stand der Korb mit Beeren. Ich hatte sie den ganzen Vormittag gepflückt, um die Lieblingsmarmelade meiner Enkelin zu kochen.
— Und wo soll ich wohnen? — fragte ich.
Mein Sohn Vahe schloss den Kofferraum.
— Vorübergehend bei Tante Sona. Danach überlegen wir uns etwas.
Vor achtzehn Jahren hatte mich mein Sohn auf demselben Hof nach der Beerdigung meines Mannes umarmt und mir versprochen:
„Mama, ich werde dich niemals alleinlassen.“
Jetzt sah er mir nicht einmal in die Augen.
Mein Mann und ich hatten das Haus gemeinsam gebaut. Ich rührte Mörtel an, schleppte Ziegel und nähte nachts für andere Leute, damit wir das Geld für das Dach zusammenbekamen. Mein Mann starb in jenem Herbst, in dem wir endlich die Fenster erneuert hatten.
Vahe war damals siebzehn.
Ich verkaufte alles außer dem Haus und dem Garten. Sein Studium bezahlte ich mit dem Geld aus dem Verkauf von Kartoffeln, Beeren und Eingemachtem für den Winter. Die Risse an meinen Händen konnten kaum verheilen, aber mein Sohn trug bei seiner Abschlussfeier einen neuen Anzug.
Als er heiratete, überließ ich ihnen die hellen Zimmer im Haus.
— Ihr seid jung, ihr braucht Platz — sagte ich.
Ich selbst zog in das kleine Zimmer neben der Küche.
Anfangs bedankte sich meine Schwiegertochter Lilit sogar für eine Tasse Tee. Dann begann sie nach und nach alles zu verändern: die Vorhänge, die Anordnung der Möbel, die Gewohnheiten im Haus.
Schließlich beschloss sie, auch mich zu verändern.
— Nimm vor Gästen dieses Kopftuch ab — sagte sie immer wieder. — Und bitte stell deine Säcke nicht neben den Eingang.
Genau diese Säcke füllten ihren Kühlschrank.
Aber ich schwieg. Die kleine Mane wuchs im Haus auf, und ich wollte nicht, dass sie zwischen Streitigkeiten leben musste.
Alles änderte sich im Frühling, als ich nach einer Operation mehrere Wochen lang nicht aus dem Bett aufstehen konnte.
Vahe brachte Unterlagen mit.
— Mama, das sind die Formulare für die Unterstützung. Unterschreib, damit ich die Angelegenheiten für dich erledigen kann.
Meine Brille war kaputt. Von den Schmerzmitteln war mein Kopf schwer.
— Das hat nichts mit dem Haus zu tun, oder?
— Nein! Was denn für ein Haus? Vertraust du mir nicht?
Ich unterschrieb.
Jetzt, als ich neben den Säcken stand, verstand ich zum ersten Mal, warum Lilit mir an jenem Tag die Hand auf die Schulter gelegt und so zärtlich gelächelt hatte.
— Habt ihr das Haus verkauft? — fragte ich.
Meine Schwiegertochter steckte ihr Handy in die Tasche.
— Es lief schon auf Vahes Namen. Wir haben entschieden, dass es so besser ist.
— Seit wann läuft mein Haus auf seinen Namen?
Mein Sohn drehte sich endlich um.
— Mama, bitte mach keine Szene auf dem Hof.
Ich umklammerte den Henkel des Korbes, damit sie meine zitternde Hand nicht bemerkten.
— Und weiß Mane, dass ihr ihre Oma wegschickt?
— Zieh das Kind da nicht mit hinein — sagte Lilit scharf.
In diesem Moment öffnete sich das Fenster im oberen Stockwerk.
— Oma, nimmst du meine blaue Tasse mit?
Mane winkte mit ihrer kleinen Hand aus dem Fenster.
Ich lächelte.
— Das mache ich, mein Schatz.
Als sie mit dem Auto weggefahren waren, setzte ich mich auf eine leere Kiste. Die gepflückten Beeren waren kalt, meine Finger voller Erde. Ich wusste nicht, was ich zuerst aus dem Haus mitnehmen sollte. Das Foto meines Mannes? Die Nähmaschine meiner Mutter? Oder die Decke, in die ich meinen Sohn gewickelt hatte?
Das Gartentor quietschte.
Meine Nachbarin Seda kam herein.
Sie fragte nichts. Sie setzte sich neben mich und legte mir eine Mappe auf den Schoß.
— Gestern hat Vahe mich gebeten, heute Morgen bei dir zu bleiben, bis der Umzugswagen kommt. Er sagte, du seist einverstanden.
Ich sah sie an.
Seda presste die Lippen zusammen.
— Als ich deinen Blick gesehen habe, wollte ich zuerst mit dir sprechen.

In der Mappe lagen Kopien der alten Unterlagen meines Mannes. Vor Jahren hatte Seda geholfen, sie zu ordnen.
— Wir müssen uns die Papiere ansehen, die du unterschrieben hast — sagte sie. — Aber heute gehst du nirgendwohin.
Ihre Tochter Nare war Anwältin.
Am Abend kam Nare, ohne lange tröstende Reden zu halten. Sie hörte mir zu, notierte die Daten, bat um meine Krankenhausunterlagen und fand die Kopien der von mir unterschriebenen Dokumente in der Schublade von Vahes Schreibtisch.
Ich hatte ihr erlaubt, dort nachzusehen. In diesem Moment hatte ich nicht einmal mehr die Kraft, mich zu schämen.
Nare prüfte die Unterlagen lange.
— Hiermit haben Sie ihm das Haus nicht geschenkt — sagte sie schließlich. — Sie haben eine Vollmacht unterschrieben. Wir müssen feststellen, welche Geschäfte auf dieser Grundlage abgeschlossen wurden.
Am nächsten Tag kam Vahe noch vor dem Umzugswagen.
Als er Nare am Küchentisch sah, blieb er stehen.
— Was soll das bedeuten?
— Setz dich, mein Sohn — sagte ich.
Lilit kam hinter ihm herein.
— Wir haben keine Zeit. Die Käufer kommen um zwölf.
Nare schloss die Mappe.
— Ihre Mutter ficht den Verkauf an. Wir bereiten bereits die nötigen Anträge vor. Auch die Käufer müssen informiert werden.
Vahe wurde blass.
— Mama, du verstehst das nicht. Ich habe Schulden.
Im Zimmer wurde es still.
Lilit sah ihn ruckartig an.
— Was sagst du da?
— Es hat keinen Sinn mehr, etwas zu verheimlichen — antwortete mein Sohn.
Es stellte sich heraus, dass er mir monatelang von seinem erfolgreichen Geschäft erzählt hatte, während er in Wirklichkeit Geld verlor. Dann machte er neue Schulden, um die alten zu begleichen. Den Hausverkauf hatte er als günstige Gelegenheit für einen Umzug dargestellt.
Lilit wusste, dass ich dagegen war. Die tatsächliche Höhe der Schulden kannte sie jedoch nicht.
— Du hast mir gesagt, deine Mutter sei einverstanden — flüsterte sie.
— Und hast du mich gefragt? — sagte ich.
Sie senkte den Blick.
Ich sah meinen Sohn an.
— Als du klein warst und die Fensterscheibe zerbrochen hast, hast du dich den ganzen Tag versteckt. Erinnerst du dich, was ich dir gesagt habe?
Vahe nickte schweigend.
— Ich sagte, die Scheibe können wir ersetzen. Du sollst mich nur nicht anlügen.
Er setzte sich.
Zum ersten Mal sah ich, wie müde er war. Einen Augenblick lang wollte ich zu ihm gehen, wie ich es immer getan hatte. Aber ich ließ meine Hände auf dem Tisch liegen.
— Ich werde deine Schulden nicht mit dem Dach über meinem eigenen Kopf bezahlen.
Vahe vergrub das Gesicht in den Händen.
Die Angelegenheit war nicht an einem Tag erledigt. Es gab Dokumente, Befragungen und schlaflose Nächte. Die Sache mit den Käufern wurde geregelt, und mit Nares Hilfe konnte ich meine Rechte an dem Haus verteidigen.
Vahe und Lilit zogen in eine kleine Wohnung. Er verkaufte das Auto und begann, seine Schulden nach und nach abzubezahlen.
Einige Monate lang rief er mich nur an, damit ich mit Mane sprechen konnte. Dann fragte er eines Abends:
— Mama, ist das Dach immer noch undicht?
— Ja.
— Ich komme am Samstag.
Er kam allein, in alter Arbeitskleidung. Bis zum Einbruch der Dunkelheit arbeitete er auf dem Dach. Als er herunterkam, stellte ich Tee auf den Tisch.
— Wirst du mir verzeihen? — fragte er.
— Heute tut es noch weh — antwortete ich.
Er nickte und trank seinen Tee, ohne zu versuchen, sich zu rechtfertigen.

Im nächsten Herbst stand ich wieder am Zaun, in meiner roten Jacke und mit dem geblümten Kopftuch. Neben mir standen die Kartoffelsäcke, zu meinen Füßen der Korb mit Beeren.
Vahe kam heran und hob einen Sack auf seine Schulter.
— Wohin soll ich ihn bringen, Mama?
Ich öffnete die Kellertür.
— Bring ihn hinein. Wir werden sie diesen Winter noch brauchen.







