— Deine Frau haut ab!

— Sie lässt uns an den Feiertagen hungrig zurück! — kreischte die Schwägerin.

— Von jetzt an kommt ihr selbst zurecht, meine Lieben!

Margarita blieb mitten im Flur stehen, den nassen Putzlappen in der Hand.

Es war der zweite Januar, elf Uhr vormittags.

Im Eingangsbereich lagen fremde Stiefel wie ein Berg herum, dicke Daunenjacken rutschten von den Haken, und über das Laminat rasten bereits zwei Jungen in warmen Jogginghosen.

Sie stürmten ins Wohnzimmer und ließen sich mit Anlauf auf das helle Sofa fallen.

— Wir haben unsere eigene Limonade mitgebracht! — verkündete Schanna fröhlich.

Die Schwägerin schwebte in die Küche und strahlte wie eine frisch polierte Münze.

Leuchtende Maniküre, ein Seidentuch um den Hals und ein selbstzufriedenes Lächeln auf den Lippen.

Hinter ihr zwängte sich Wadim herein und zog schuldbewusst den Kopf zwischen die Schultern.

Der Ehemann trat von einem Fuß auf den anderen und versuchte, seiner Frau nicht in die Augen zu sehen.

— Wadik, was soll das? — Rita warf den Lappen in den Plastikeimer.

— Ach, Rita.

Wadim begann zu murmeln und spielte dabei mit dem Reißverschluss seiner Hausjacke.

— Die Verwandtschaft ist doch gekommen.

— Es sind Feiertage.

— Sie wollten uns besuchen und gratulieren.

— Als Überraschung!

Schanna schob den Hocker mit einer selbstverständlichen Geste beiseite und setzte sich an den Esstisch, wobei sie ihre lackierte Handtasche direkt auf die Baumwolltischdecke warf.

— Wir gehören doch zur Familie, wozu dieses ganze Zeremoniell mit vorherigen Anrufen?

— Außerdem ist es zu Hause sterbenslangweilig, und ihr habt viel Platz.

— Eine geräumige Zweizimmerwohnung, da kann man sich richtig austoben.

Aus dem Wohnzimmer ertönte ein feuchtes Ploppen und anschließend begeistertes Kreischen.

Einer der Neffen hatte gerade eine Plastikflasche geöffnet und den Teppich großzügig mit süßer Limonade bespritzt.

Wadim zuckte nervös zusammen, bewegte sich aber nicht vom Fleck.

Rita spülte ihre Hände unter dem Wasserhahn ab und trocknete sie mit einem Geschirrtuch.

Gestern, am ersten Januar, hatte sie bis spät abends die Wohnung nach der Silvesternacht geputzt.

Sie hatte die Teppiche gereinigt und einen Berg von Tellern abgewaschen.

Wadim hatte sich währenddessen nach dem anstrengenden Jahr ausgeruht und sich im Schlafzimmer eingeschlossen.

— Also gut.

Sie lehnte sich an den Rand der Arbeitsplatte.

— Wie lange soll diese Überraschung bleiben?

— Bis Mittwoch!

Schanna griff in die Tasche ihrer Strickjacke, ohne sich im Geringsten vom Ton ihrer Schwägerin stören zu lassen.

— Wadik muss morgen zur Arbeit, und wir beide werden hier eine schöne Zeit verbringen.

— Frauengespräche, Salate.

— Meine Jungs mögen es bei euch, hier gibt es viel Platz.

— Zu Hause stellen sie alles auf den Kopf, aber hier können sie sich richtig austoben.

Sie zog ein in der Mitte gefaltetes Blatt aus einem Schulheft hervor und strich es auf dem Tisch glatt.

Ihr lackierter Ring mit einem Stein funkelte im Licht der Küchenlampe.

— Hier, nimm.

— Was ist das?

— Der Speiseplan für Vorspeisen und warme Gerichte.

Die Schwägerin zwinkerte verschmitzt.

— Ich habe ihn aufgeschrieben, damit du dich leichter orientieren kannst.

— Meine Jungs essen keine Leber, und Schweinefleisch ist ihnen zu schwer.

— Mach morgen zum Mittagessen gedämpfte Hähnchenfrikadellen, und heute begnügen wir uns mit Kartoffelpüree und Koteletts.

— Lebensmittel haben wir nicht mitgebracht, du hast doch noch jede Menge von gestern übrig!

— Wir haben in den Kühlschrank geschaut, dort steht eine ganze Schüssel Oliviersalat.

— Und Aufschnitt ist auch noch reichlich da.

Rita trat an den Tisch und nahm das Blatt.

Darauf war in ordentlicher Handschrift, unterteilt in Frühstück, Mittagessen und Abendessen, das Menü für die Schwägerin und ihre beiden Kinder für vier Tage aufgeschrieben.

Ganz unten stand noch der Zusatz: „Pfannkuchen mit Kefir sind Pflicht!

Die Jungs mögen sie mit Erdbeermarmelade, aber bloß keine gekaufte.“

— Wadim.

Rita richtete den Blick auf ihren Mann.

Er wich bereits rückwärts zur Türöffnung zurück und versuchte, dem bevorstehenden Gespräch zu entkommen.

— Hast du diesen Speiseplan genehmigt?

Wadim begann hastig mit den Händen zu wedeln.

— Rita, sei doch etwas leiser.

— Die Kinder brauchen Feiertage.

— Wir müssen es eben aushalten, es sind doch nur ein paar Tage.

— Sie ist immerhin meine Schwester, wir haben uns zuletzt im Sommer gesehen.

— Ich setze mich an den Computer, ich muss arbeiten.

— Die Berichte sind dringend.

Er schlüpfte ins Schlafzimmer und schloss die Tür fest hinter sich.

Rita kannte diese Arbeit.

Panzer.

Zuverlässige, rettende virtuelle Panzer, in denen es weder seine Schwester mit ihrem Anhang noch seine Frau gab, deren Geduld allmählich zu Ende ging.

Dort war er ein Kommandant, der Schrecken der feindlichen Truppen, und hier war er ein Laufbursche, der sich bis zur Besinnungslosigkeit vor Streit mit seiner Verwandtschaft fürchtete.

— Rita, warum stehst du da herum?

Schanna rückte das Tuch an ihrem Hals zurecht und klopfte fordernd mit dem Fingernagel auf den Tisch.

— Stell den Wasserkocher an.

— Und hol deine Pfanne heraus, die gute mit der Antihaftbeschichtung.

— Darin werden die Koteletts saftiger.

— Beim letzten Mal habe ich gesehen, wie geschickt du darin brätst.

— Nichts brennt an, einfach herrlich.

Im Wohnzimmer fiel etwas mit lautem Krachen zu Boden.

Gleich danach hörte man das Klirren von zerbrechendem Glas.

Der jüngere Neffe begann wie am Spieß zu schreien und verlangte, dass man den Fernseher und Zeichentrickfilme einschaltete.

— Tjomka, schrei nicht so! — rief Schanna in Richtung des Zimmers, ohne sich vom Fleck zu bewegen.

— Tante Rita wird gleich alles einschalten und aufräumen!

— Sie ist schließlich die Hausherrin!

Rita blickte auf das rosafarbene Hähnchenfilet, das die Schwägerin bereits aus dem Kühlschrank geholt und auf das Schneidebrett geworfen hatte.

Das Messer daneben erschien ihr unerträglich schwer.

Sie erinnerte sich daran, wie sie am dreißigsten Dezember mit tonnenschweren Einkaufstaschen durch die Geschäfte gerannt war und das beste Fleisch für den Neujahrstisch ausgesucht hatte.

Wie Wadim damals gesagt hatte, dass das Geld gerade so für Lebensmittel reiche und sie deshalb die Geschenke später vom Februargehalt kaufen würden.

Und wie Schanna jetzt in einem selbstsicheren Ton über ihr Essen, ihre Zeit und ihre Pfannen verfügte.

— Rita!

Wadim steckte erneut den Kopf in die Küche.

Er trug riesige Gaming-Kopfhörer, die er auf ein Ohr geschoben hatte.

Sein Gesicht war unzufrieden, seine Augenbrauen zusammengezogen.

— Warum ist das Internet so langsam?

— Ich fliege ständig aus dem Gefecht!

— Keine Ahnung, Wadik, — antwortete Rita ruhig und blickte auf das Schneidebrett.

— Wie meinst du das, du hast keine Ahnung?

— Geh und starte den Router neu!

Verärgert deutete er mit der Hand in Richtung Flur.

— Und außerdem bittet Schanna dich, das Tablet für die Kinder einzurichten.

— Gib ihnen das WLAN-Passwort ein, sonst schreien sie herum und stören mich beim Spielen.

— Und schließt die Tür zum Wohnzimmer, bei mir gibt es Rückkopplungen!

— Und schalte ihnen auf dem Tablet Zeichentrickfilme ein, aber mach den Ton lauter!

Das war wieder Schanna, die inzwischen ins Wohnzimmer gegangen war, um zu prüfen, wie bequem das Sofa war.

— Und vergiss den Tee nicht!

— Ich nehme grünen Tee ohne Zucker!

Rita verschränkte sorgfältig die Finger.

Die Wut, die sie eigentlich mit voller Wucht hätte überrollen müssen, blieb aus irgendeinem Grund aus.

Stattdessen entstand in ihrem Inneren eine erstaunliche, klingende Leere.

Eine kristallklare Erkenntnis, dass sie dieses Filet bis zum Ende ihres Lebens für sie schneiden würde, wenn sie es jetzt tatsächlich schnitt.

Sie würde hinter fremden Kindern die Böden wischen, gedämpfte Frikadellen zubereiten und sich die Beschwerden ihres Mannes über langsames Internet anhören.

Schweigend ging sie um den Tisch herum, an ihrer Schwägerin vorbei und ins Schlafzimmer.

Wadim saß bereits vor dem Monitor, murmelte etwas über den unerträglichen Ping und unfähige Teamkameraden und klickte wütend mit der Maus.

Rita trat an den kleinen Schrank am Fenster, auf dem ein Gerät mit grünen Lämpchen blinkte.

Sie streckte die Hand aus.

Die Schranktür öffnete sich lautlos.

Rita holte eine geräumige Reisetasche heraus, die sie für Ausflüge in ein Erholungsheim gekauft hatte.

— Wohin willst du? — fragte Wadim verblüfft und riss sich vom Bildschirm los.

Er beobachtete, wie seine Frau einen warmen Pullover, eine bequeme Hose, eine Kosmetiktasche und ein paar T-Shirts in die Tasche warf.

Sie handelte schnell und ohne Hektik.

— Zur Datscha.

Rita zog den Reißverschluss der Tasche zu.

Dann ging sie zu dem Schränkchen mit dem Router und zog entschlossen das Stromkabel aus der Steckdose.

Die Lämpchen erloschen augenblicklich.

— Rita!

Ihr Mann brüllte so laut, dass der Kater, der unter dem Bett gedöst hatte, erschrocken aufsprang.

Wadim riss sich die Kopfhörer vom Kopf und sprang vom Stuhl auf.

— Was machst du da?!

— Ich habe ein Turnier!

— Ich habe dir gesagt, du sollst ihn neu starten und nicht alles mit der Wurzel herausreißen!

— Schließ ihn sofort wieder an!

Rita antwortete nicht.

Sie wickelte ruhig die Kabel zusammen, legte das Gerät in die Seitentasche ihrer Reisetasche und zog den Reißverschluss zu.

— Das ist mein Gerät, Wadim.

— Ich habe es von meinem eigenen Geld gekauft.

Wadim richtete sich auf und traute seinen Augen nicht.

— Was für eine Datscha?!

— Was für ein Internet?!

— Es ist der zweite Januar!

— Wir haben das ganze Haus voller Gäste!

— Meine Schwester ist hier, die Kinder!

— Ganz genau.

— Bei euch.

Rita warf sich die Tasche über die Schulter und verließ das Schlafzimmer.

In der Küche öffnete sie die untere Schublade des Küchenschranks.

Sie nahm ihre beiden geliebten Teflonpfannen heraus, die sie wie ihren Augapfel hütete und in denen Schanna so gern fremde Koteletts briet.

Die Pfannen landeten in einer großen Tüte.

Dazu kam auch das angebrochene Glas mit teurem Kaffee.

Schanna erschien in der Türöffnung.

Die Schwägerin lächelte nicht mehr, und ihr Gesicht hatte einen harten, räuberischen Ausdruck angenommen.

— He!

Sie stemmte die Hände in die Hüften.

— Was hast du vor?

— Wohin schleppst du das Geschirr?

Rita ging an ihr vorbei in den Flur.

Sie nahm ihre Daunenjacke vom Haken und schlüpfte in ihre Stiefel.

— Ich verstehe nicht, — presste die Schwägerin hervor und beobachtete, wie ihre Schwägerin den Schal um den Hals wickelte.

— Und die Frikadellen?

— Und wir?

— Wer soll das Mittagessen kochen?

— Ich bin schließlich von der Reise müde!

— Von jetzt an kommt ihr selbst zurecht, meine Lieben.

Rita nahm die Tasche und die Tüte mit den Pfannen.

— Der Speiseplan liegt auf dem Tisch.

— Die Lebensmittel gibt es im Laden an der Ecke, dort ist Hähnchen heute im Angebot.

— Braten könnt ihr in der alten gusseisernen Pfanne, sie steht im Backofen.

— Spart nur nicht am Öl, sonst klebt alles für immer fest.

— Wie kannst du es wagen!

Schanna beugte sich vor und bekam vor Empörung beinahe keine Luft.

— Wadim!

— Deine Frau haut ab!

— Sie lässt uns an den Feiertagen hungrig zurück!

— Und in ihrer Tüte ist unser Kaffee!

Wadim stürzte auf den kleinen Flur vor der Eingangstür und klopfte sich ratlos auf die Seiten.

— Rita, was ist denn los mit dir?

— Wohin willst du bei dieser Kälte?

— Es sind doch Feiertage!

— Lass uns doch ganz normal zusammensitzen.

— Soll ich vielleicht selbst die Kartoffeln schälen?

— Ehrlich, ich schäle sie!

— Schäle sie, Wadik.

— Schäle sie unbedingt.

— Und gib mehr Zwiebeln dazu, damit sie saftiger werden.

Rita drehte den Schlüssel um und öffnete die Tür.

Im Treppenhaus roch es nach fremden Salaten, altem Tabak und winterlicher Frische.

— Ich werde den Ofen anheizen, — sagte sie mehr zu sich selbst als zu ihnen.

— Ich werde den Schnee im Hof wegschaufeln.

— Ruhe und frische Luft.

— Einfach herrlich.

— Und was sollen wir hier machen?!

— Ohne WLAN und ohne Essen?! — kreischte die Schwägerin hinter dem Rücken ihres Bruders und wedelte mit dem Speiseplan in der Luft.

— Die Kinder brauchen Zeichentrickfilme!

— Ihnen ist langweilig!

— Das nennt man Selbstbedienung, Schanna.

— Gewöhnt euch daran.

Rita trat über die Schwelle.

Sie ging ins Treppenhaus hinaus und zog die Tür hinter sich zu.

Der Riegel des Schlosses klickte.

Aus der Wohnung waren noch immer die empörten Schreie ihrer Schwägerin und das ratlose Gemurmel ihres Mannes zu hören, doch diese Geräusche hatten keinerlei Bedeutung mehr.

Sie blieben dort zurück, in der stickigen Wohnung mit den schmutzigen Böden und den Regeln anderer Leute.

Der Schnee knirschte hell und fröhlich unter ihren Füßen.

Bis zum morgendlichen Vorortzug blieb noch eine halbe Stunde.

Rita ging zum Bahnhof und lächelte, während sie die Tasche auf ihrer Schulter zurechtrückte.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren Ehe wusste sie ganz genau, dass sie dieses Wochenende so verbringen würde, wie sie selbst es wollte.

Mit gutem Kaffee, Ruhe und ohne ein einziges Kotelett.

Margarita kehrte erst Ende Januar nach Hause zurück, als die Feiertage längst vorbei waren und der Arbeitsalltag wieder seinen gewohnten Lauf genommen hatte.

In der Wohnung war es ungewöhnlich still und überraschend sauber.

Das Internet schloss sie nicht sofort wieder an, sondern legte eine kunstvolle Pause von ein paar Tagen ein, und die Pfannen nahmen ihren rechtmäßigen Platz in der unteren Schublade ein.

Wadim empfing sie schweigend, nahm ihr ohne Vorwürfe die Tasche an der Tür ab und ging, um den Wasserkocher anzustellen.

Schanna und ihre Neffen kamen weder an den Frühlingsfeiertagen noch im Sommer wieder zu Besuch.

Es stellte sich heraus, dass verwandtschaftliche Beziehungen ohne kostenlosen Speiseplan, eine rund um die Uhr verfügbare Köchin und schnelles WLAN viel zu anstrengend waren.

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