Noch am selben Abend stellte ich ihre Sachen vor die Tür.
Der zerknitterte rosa Kassenbon aus dem Kosmetikgeschäft lag ganz unten in ihrem Schulrucksack.

Viertausendzweihundert Rubel.
Genau die Summe, die heute Morgen aus meinem Portemonnaie verschwunden war.
Ich strich das Papier mit den Fingern glatt.
Die Farbe auf dem Bon war ein wenig verschmiert.
Gekauft worden waren eine Lidschattenpalette und zwei Lipglosse.
Das Schloss der Wohnungstür klickte.
Lera polterte in den Flur.
Laut streifte sie ihre Turnschuhe ab, ohne die Schnürsenkel zu öffnen.
Ihre Jacke warf sie auf den Hocker.
— Bist du zu Hause? — rief sie in die Wohnung hinein.
Ihre Stimme klang gut gelaunt.
Zu gut gelaunt.
Ich kam aus dem Zimmer und hielt den Kassenbon in der Hand.
Lera blieb wie angewurzelt stehen.
Sie ist vierzehn.
Ihre Haare sind schwarz gefärbt, ihre Augen dick mit frischem Kajal umrandet.
— Willst du mir nichts sagen? — Ich hielt ihr den Bon hin.
Sie kniff die Augen zusammen.
Keine Spur von Angst.
Nur ein kalter, berechnender Blick.
— Du hast kein Recht, in meinen Sachen herumzuwühlen, — schnappte Lera.
— Das ist mein Zuhause.
Und das Geld gehörte mir.
— Ich habe es mir geliehen.
— Gestohlen.
Aus meinem geschlossenen Portemonnaie.
Sie verdrehte die Augen.
Sie drängte sich an mir vorbei in die Küche.
Die Kühlschranktür knallte.
Sie holte eine Saftpackung heraus und begann direkt daraus zu trinken.
— Ich erzähle es deinem Vater, — sagte ich zu ihrem Rücken.
— Mach doch, — grinste Lera.
— Er wird dir sowieso nicht glauben.
Ich sage einfach, dass du mir das Geld selbst als Taschengeld gegeben hast.
Und dass du es dir danach anders überlegt hast.
Ich trat näher.
Ich riss ihr die Saftpackung aus der Hand.
Tropfen spritzten auf das Linoleum.
— Im elektronischen Klassenbuch stehen sechzehn Fünfen für diesen Monat, — sagte ich leise.
— Du gehst nicht zur Schule.
Und jetzt stiehlst du auch noch.
Heute Abend führen wir ein ernstes Gespräch.
Lera wischte sich mit dem Handrücken über die Lippen.
Sie legte den Kopf schief.
— Versuch nur, mich anzuschreien, — zischte sie.
— Du wirst es bereuen.
Sie drehte sich um und ging in ihr Zimmer, wobei sie die Tür laut zuschlug.
Kostja kam um acht Uhr abends von seiner Schicht zurück.
Er roch nach billigem Kaffee und Tabak.
Schwerfällig ließ er sich auf einen Hocker sinken.
Ich stellte ihm einen Teller Nudeln hin.
— Deine Tochter hat schon wieder Geld gestohlen, — begann ich ohne Umschweife.
Kostja hörte auf zu kauen.
Er legte die Gabel hin.
Schwer seufzte er.
— Marina, wir haben doch darüber gesprochen.
— Viertausendzweihundert Rubel.
Das ist kein Kleingeld für Kaugummi.
Das ist Geld für die Nebenkosten.
— Ich gebe es dir von meinem Gehalt zurück, — winkte er ab.
— Es geht nicht um das Geld, Kostja!
Es geht darum, dass sie stiehlt.
Und die Schule schwänzt.
Ich legte einen Ausdruck aus dem elektronischen Klassenbuch auf den Tisch.
Alles war rot markiert.
Kostja warf nicht einmal einen Blick auf das Blatt.
Er rieb sich den Nasenrücken.
— Sie hat es schwer.
Versteh das doch.
Sie ist in der Pubertät.
Ihre Mutter ist vor drei Jahren gestorben.
— Vor drei Jahren, Kostja.
Ich erziehe sie seit diesen drei Jahren.
Ich koche für sie, kaufe ihr Kleidung, fahre mit ihr zu Ärzten.
Und als Dank bekomme ich Diebstahl und Frechheiten.
Die Küchentür öffnete sich einen Spalt.
Lera stand im Türrahmen.
Sie hatte sich einen weiten Schlafanzug angezogen.
Auf ihrem Gesicht stellte sie großes Leid zur Schau.
— Papa, — jammerte sie.
— Marina schreit mich schon wieder an.
— Ich schreie nicht, ich nenne nur Fakten!
— Siehst du? — Lera schniefte.
— Sie hasst mich.
Sie provoziert mich absichtlich, damit ich von zu Hause weglaufe.
Und ihr Geld hat sie mir selbst in die Tasche gesteckt, um mir etwas anzuhängen.
Ich klammerte mich an die Kante der Arbeitsplatte.
Meine Finger wurden weiß.
Kostja stand abrupt auf und schob den Stuhl mit einem unangenehmen Kratzen zurück.
— Hör auf, das Kind fertigzumachen, Marina! — brüllte er.
— Sie braucht Unterstützung und nicht ständig deine Vorwürfe.
Sie ist nur ein Teenager.
— Sie ist eine Manipulatorin, die genau weiß, dass ihr nichts passiert!
— Schluss jetzt! — Kostja schlug mit der Faust auf den Tisch.
Die Gabel klirrte kläglich gegen den Teller.
— Du bist zweiundvierzig Jahre alt.
Sei vernünftiger.
Das Thema ist beendet.
Er ging zu seiner Tochter und legte einen Arm um ihre Schultern.
Lera versteckte ihr Gesicht an seiner Brust.
Aber ich sah ganz deutlich, wie sie ihre Augen zu mir herüberwandern ließ.
Sie sah mich direkt an und lächelte triumphierend.
Am nächsten Morgen ging Kostja zur Arbeit.
Ich spülte Geschirr.
Das Wasser rauschte im Waschbecken.
Lera legte ihr Handy auf den Tisch.
— Gib mir anderthalbtausend, — verlangte sie.
Ich drehte den Wasserhahn zu.
Ich trocknete meine Hände mit einem Handtuch ab.
Dann drehte ich mich zu ihr um.
— Wofür?
— Ich gehe mit den Mädchen ins Kino.
Und danach zum Foodcourt.
— Kein Kino.
Du bleibst zu Hause und verbesserst deine schlechten Noten in Algebra.
Lera presste die Lippen zusammen.
Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
Ihr Blick wurde wieder hart und stechend.
— Ich werde deine Algebra ganz bestimmt nicht büffeln.
Und du bist nicht meine Mutter, also hast du mir nichts vorzuschreiben.
— Solange du in meinem Haus lebst und mein Essen isst, hältst du dich an die Regeln.
— Dein Haus? — Lera schnaubte spöttisch.
— Mein Vater zahlt doch auch dafür.
— Die Wohnung gehört mir.
Ich habe sie von meiner Großmutter geerbt.
Dein Vater ist hier nicht einmal gemeldet.
Lera trat auf mich zu.
Ganz dicht.
Es roch nach genau diesem künstlichen Erdbeer-Lipgloss, den sie von meinem Geld gekauft hatte.
— Weißt du eigentlich, dass ich nirgendwo hingehen muss?
Ich kann einfach anrufen.
— Wen? — Ich wich keinen Schritt zurück.
— Das Jugendamt.
Sie sagte es langsam und genoss jedes einzelne Wort.
— Ich sage, dass meine Stiefmutter mich schlägt.
Dass sie mich hungern lässt.
Dass sie mich psychisch unter Druck setzt.
Weißt du, wie schnell die kommen?
Ich lachte.
Bitter und kurz.
— Ruf an.
Sollen sie kommen.
Dann sehen sie den vollen Kühlschrank und dein mit Sachen vollgestopftes Zimmer.
Lera zog ihr Handy heraus.
Sie entsperrte den Bildschirm.
— Bist du sicher?
Wenn sie erst anfangen zu ermitteln, kann meinem Vater das Sorgerecht entzogen werden.
Oder sie machen euch so viel Ärger, dass ihr gar nicht mehr wisst, wo euch der Kopf steht.
— Du würdest Kostja niemals da mit hineinziehen.
Er trägt dich doch auf Händen.
— Ach, komm schon, — Lera zuckte gleichgültig mit den Schultern.
— Dafür hältst du endlich den Mund mit deinen Noten und deinem Geld.
Ich brauche Freiheit.
Sie drehte sich um und ging.
Eine Stunde später fiel die Wohnungstür ins Schloss.
Ich blieb allein in der Küche zurück.
Auf dem abgekühlten Tee hatte sich eine dünne dunkle Haut gebildet.
Du bist erledigt.
Erwarte Besuch.
— 13:42 Uhr.
Die Nachricht von Lera erschien auf meinem Handy.
Ich las sie und löschte sie.
Ich hielt es für eine weitere leere Drohung eines Teenagers.
Am Mittwochmorgen klingelte es an der Tür.
Zweimal kurz.
Ich war gerade dabei, im Flur Staub zu wischen.
Ich öffnete.
Vor der Tür standen zwei Frauen.
Eine war älter und trug einen strengen grauen Mantel.
Die andere war jung und hielt ein Tablet in den Händen.
— Wohnung der Familie Smirnow? — fragte die Ältere trocken.
— Ja.
— Jugendamt und Vormundschaftsbehörde.
Leitende Inspektorin Rogowa.
Dürfen wir hereinkommen?
Sie betraten den Flur.
Ohne die Schuhe auszuziehen, zogen sie blaue Überschuhe darüber.
Der Schnee an ihren Stiefeln begann zu schmelzen und bildete schmutzige Pfützen auf der Fußmatte.
— Bei uns ist eine Meldung eingegangen, — begann Rogowa.
Mit metallischem Klacken öffnete sie eine feste Mappe.
— Es geht um psychische und körperliche Gewalt gegen die minderjährige Valeria Smirnowa.
Ich lehnte mich an die Wand.
Mir stockte der Atem.
— Was für eine Meldung?
Wer hat Ihnen das gesagt?
— Valeria selbst, — meldete sich die Jüngere zu Wort.
— Sie ist zur Schulpsychologin gegangen.
Sie erklärte, ihre Stiefmutter misshandle sie regelmäßig, verweigere ihr Essen und sperre sie in ihrem Zimmer ein.
Und gestern soll sie ihr angeblich ins Gesicht geschlagen haben.
— Das ist eine Lüge! — Meine Stimme zitterte.
— Ich habe sie niemals angefasst.
Sie will einfach nicht lernen und stiehlt Geld!
Rogowa sah mich über den Rand ihrer Brille hinweg an.
Prüfend.
— Zeigen Sie uns bitte das Zimmer des Kindes.
Und den Kühlschrank.
Außerdem müssen wir die gemeinschaftlich genutzten Räume überprüfen.
Die nächsten vierzig Minuten wurden zur Folter.
Fremde Menschen öffneten meine Schränke.
Sie überprüften das Haltbarkeitsdatum der Quarkprodukte.
Sie kontrollierten, ob die Bettwäsche in Leras Schlafzimmer sauber war.
Die junge Inspektorin tippte ununterbrochen etwas in ihr Tablet.
— Warum hat das Kind nur drei warme Pullover im Schrank? — fragte Rogowa.
— Weil sie nur diese trägt!
Die anderen Sachen hat sie weggeworfen und gesagt, sie seien totaler Mist.
— Bitte ohne Emotionen, — unterbrach die Inspektorin mich kühl.
— Und wo ist der Vater des Mädchens?
— Bei der Arbeit.
Er arbeitet als Wachmann in einem Lager.
— Wir werden ihn zu einem Präventionsgespräch einbestellen.
Und Sie ebenfalls.
Rogowa klappte die Mappe zu.
— Die Familie wird unter Beobachtung gestellt.
Wenn sich die Gewaltvorwürfe bestätigen, werden wir die Unterbringung des Kindes in einer sozialen Einrichtung einleiten.
Bis die Umstände geklärt sind.
— Sie sehen doch, dass hier alles völlig normal ist! — Ich zeigte auf die renovierte Wohnung und auf Leras teuren Computer.
— Wir sehen eine angespannte Situation.
Das Mädchen hat zwei Stunden lang bei der Psychologin geweint.
So etwas kann man nicht spielen.
Sie gingen.
Auf dem Boden hinterließen sie graue, schmutzige Spuren.
Ich rutschte an der Wand hinunter und setzte mich auf den Boden.
Die Stille in der Wohnung wirkte ohrenbetäubend.
Lera kam gegen Abend zurück.
Ich saß am Küchentisch.
Vor mir stand eine Tasse mit längst kalt gewordenem Wasser.
Sie kam herein.
Sie warf ihren Rucksack hin.
Dann ging sie zum Kühlschrank, holte einen Apfel heraus und biss laut hinein.
— Waren sie da? — fragte Lera in beiläufigem Ton.
— Sie waren da, — ich hob den Blick zu ihr.
Sie setzte sich mir gegenüber.
In ihren Augen war keine Spur von Angst oder Reue.
Nur kalte Berechnung.
— Na also.
Ich habe es dir doch gesagt.
Aber du hast mir nicht geglaubt.
— Warum hast du das getan, Lera?
Ich habe dich doch nie geschlagen.
Kein einziges Mal.
Lera lehnte sich auf dem Stuhl zurück.
Sie schlug ein Bein über das andere.
— Weil du mir auf die Nerven gehst.
Mit deinen Regeln.
Mit den schlechten Noten.
Mit dem Putzen.
Mit deinem Geschrei wegen ein paar lächerlicher Kopeken.
— Du hast mich der Gewalt beschuldigt.
Das Jugendamt hat die Familie unter Beobachtung gestellt.
— Genau.
Sie lächelte breit.
— Und jetzt wirst du den Mund halten.
Wenn ich will, komme ich um Mitternacht nach Hause.
Wenn ich will, nehme ich Geld aus deinem Portemonnaie.
Wenn ich will, breche ich die Schule ab.
Und du wirst kein Wort sagen.
— Warum?
— Weil ich wieder zum Jugendamt gehe, wenn du mich anschreist.
Dann sage ich, du hättest mich gewürgt.
Und weißt du, was dann passiert?
Papa bekommt eine Geldstrafe, wird durch Gerichtsverfahren geschleppt und ich komme ins Heim.
Lera beugte sich zu mir vor.
— Vater wird dir das niemals verzeihen.
Er wird verrückt werden.
Also wirst du von jetzt an schön den Mund halten.
Schachmatt.
Die Wohnungstür fiel ins Schloss.
Kostja.
Wegen des Anrufs vom Jugendamt hatte man ihn früher von der Arbeit nach Hause geschickt.
Bleich und mit offener Jacke stürmte er in die Küche.
— Was ist hier los?! — schrie er schon im Türrahmen.
— Die Sozialbehörde hat mich angerufen!
Marina, was hast du ihr angetan?!
Lera zog sofort die Schultern ein.
Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Ihre Unterlippe begann zu zittern.
— Papa, — piepste sie und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen.
— Sie hat mich wieder beschimpft.
Sie hat gedroht, mich auf die Straße zu setzen.
Ich habe Angst.
Kostja stürzte zu ihr.
Er umarmte sie.
Dann drehte er sich zu mir um.
Sein Gesicht war vor Wut verzerrt.
— Bist du noch ganz bei Trost?! — zischte er.
— Du hast das Kind bis zum Nervenzusammenbruch getrieben!
Sie musste zum Jugendamt laufen, um sich vor dir zu retten!
— Sie hat das absichtlich gemacht, — sagte ich ruhig.
— Um mich zu erpressen.
Sie hat es mir gerade selbst gestanden.
— Lüge!
Sie ist ein Kind!
Sie versucht sich nur vor deiner Grausamkeit zu schützen!
Kostja stand auf.
Seine Fäuste waren geballt.
— Ich will in diesem Haus kein einziges geschrienes Wort mehr hören.
Keine Vorwürfe mehr.
Lass sie in Ruhe, Marina.
Sonst lassen wir uns scheiden.
Er nahm Lera an der Hand und führte sie in ihr Zimmer.
Ich hörte, wie das Schloss klickte.
Das System funktionierte perfekt: Der Vater beschützte sein kleines Mädchen vor der bösen Stiefmutter.
Ich saß noch eine Stunde lang in der Küche.
Ich starrte auf den Sekundenzeiger der Wanduhr.
Zwanzig Jahre lang hatte ich mein Leben aufgebaut.
Ich hatte diese Wohnung nach meiner Großmutter renoviert.
Ich hatte zwei Jobs gleichzeitig gehabt.
Ich hatte Kostja und seine damals zehnjährige Tochter hier aufgenommen.
Ich hatte meine Nerven, meine Zeit und mein Geld investiert.
Und jetzt sollte ich in meinem eigenen Haus zur Dienstmagd und Geisel werden.
Schweigen, damit das Mädchen nicht verärgert wird.
Diebstahl ertragen, damit mein Mann nicht die Scheidung einreicht.
Ich stand auf.
Ich ging ins Schlafzimmer.
Vom obersten Regal des Schranks holte ich eine alte Reisetasche herunter.
Nein, ich hatte nicht vor, meine eigenen Sachen zu packen.
Ich ging zu Kostjas Schrank.
Ich öffnete die Tür.
Systematisch warf ich seine Pullover, Jeans und Unterwäsche in die Tasche.
Dann ging ich ins Badezimmer.
Ich fegte seinen Rasierer, Leras Zahnbürste und ihre Shampoos vom Regal.
Die Tasche war schnell voll.
Ich holte Müllsäcke heraus.
Dicke schwarze Säcke mit einem Fassungsvermögen von hundertzwanzig Litern.
Dann ging ich in Leras Zimmer.
Ich klopfte nicht.
Ich drückte einfach die Tür auf.
Kostja saß am Bettrand, Lera spielte auf ihrem Handy.
— Raus hier, — sagte ich.
— Was? — Kostja runzelte die Stirn.
— Verschwindet aus meiner Wohnung.
Beide.
Ich warf den ersten schwarzen Sack auf Leras Bett.
— Ihr habt genau vierundzwanzig Stunden Zeit, den Rest zusammenzupacken.
Morgen um diese Uhrzeit lasse ich die Schlösser austauschen.
Kostja sprang auf.
Sein Gesicht lief rot an.
— Bist du verrückt geworden?
Wo sollen wir hin?
Draußen ist es Nacht!
Ich verdiene achtundvierzigtausend Rubel, wir können uns jetzt nicht einmal eine Einzimmerwohnung leisten!
— Das sind nicht meine Probleme.
Die Wohnung gehört mir.
Ich weigere mich, weiter mit euch unter einem Dach zu leben.
Lera legte ihr Handy weg.
Die Maske des verängstigten Kindes fiel von ihr ab.
— Du hast kein Recht dazu! — schrie sie.
— Wir rufen das Jugendamt an!
Die machen dich fertig!
Ich trat ganz dicht an sie heran.
Ich sah von oben auf sie hinunter.
— Ruf an.
Sofort.
Ich holte mein Handy heraus und warf es ihr auf den Schoß.
— Ruf Inspektorin Rogowa an.
Weißt du, was sie dir sagen wird?
Dass die Eigentümerin der Wohnung jedes Recht hat, nicht gemeldete Verwandte hinauszuwerfen.
Ich drehte mich zu meinem Mann um.
— Das Jugendamt wird eure neuen Wohnverhältnisse überprüfen, Kostja.
In irgendeinem gemieteten Zimmer in einem Wohnheim, das du dir leisten kannst.
Und wenn die Bedingungen schlecht sind, kommt Lera ins Heim.
Kostja schluckte schwer.
Er senkte den Blick.
Sein ganzes Selbstvertrauen war plötzlich verschwunden.
— Marina … lass uns reden.
Triff keine voreiligen Entscheidungen.
Wir sind doch eine Familie.
— Eine Familie erpresst nicht.
Und sie stiehlt nicht.
Ich ging in den Flur.
Ich warf die Tasche mit Kostjas Sachen neben die Eingangstür.
Das Schloss klirrte, als ich die Wohnungstür weit öffnete.
Aus dem Treppenhaus drangen Kälte und der Geruch von Feuchtigkeit herein.
Sie wollte absolute Freiheit und Schutz vor meinen Regeln?
Jetzt hatte sie weder mein Geld noch ihr Zimmer in meiner Wohnung noch meinen Kühlschrank.
Ist es richtig, einen Ehemann mit einem schwierigen Teenager auf die Straße zu setzen und ihnen ihr gewohntes Leben zu nehmen, nur um selbst wieder Ruhe zu haben?







