— Wir werden uns scheiden lassen, die Sache ist entschieden.

Geh von selbst, ohne Szenen und unnötige Gespräche, — verlangte ihr Mann.

Die Werkhalle summte gleichmäßig und zufrieden.

Ein Dutzend Maschinen arbeitete ohne eine einzige Störung, die Späne fielen in glänzenden Locken in die Auffangbehälter, und unter den Fräsen kamen gebogene Blütenblätter für Parkkarussells und Bühnenkonstruktionen hervor.

Gleb ging an der Produktionslinie entlang und legte die Hand auf die warme Seite der nächstgelegenen Maschine.

Alles lief, alles brachte Geld ein, und dieses Gefühl machte ihn innerlich ruhig und frei.

Timur kam zu ihm, wischte sich die Hände an einem Lappen ab und stellte sich neben ihn, während er den laufenden Schlitten beobachtete.

— Eine Schönheit.

Wir haben Aufträge für zwei Monate im Voraus, — sagte er.

— Sag mal, hast du schon mit Violetta gesprochen?

— Noch nicht, — Gleb wandte den Blick ab.

— Ich habe mich nicht dazu durchgerungen.

— Er hat sich nicht dazu durchgerungen, — Timur grinste freudlos.

— Du bist ein erwachsener Mann und kein Teenager mit einer Gitarre.

Alisa wird nicht warten, sie ist neunundzwanzig, sie hat Pläne und kein Hobby.

— Ich verstehe.

— Nein, das tust du nicht.

Etwas hinauszuzögern ist der teuerste Luxus der Welt.

Wenn du dich entschieden hast, dann tu es.

Meine Schwester gehört nicht zu denen, die jahrelang im Status „Es ist kompliziert“ sitzen.

— Heute werde ich mit ihr reden, — sagte Gleb entschlossener, als er sich fühlte.

— Na also.

Und ohne Gejammer, wie ein Mann: gesagt, einen Punkt gesetzt und auseinandergegangen, — Timur klopfte ihm auf die Schulter und ging zum Schweißplatz.

Gleb blieb allein mitten im Arbeitslärm zurück.

Alisa tauchte wie ein heller Blitz in seiner Erinnerung auf: klug, unbeschwert, schlagfertig und mit Ambitionen, die selbst ihm mehr Luft zum Atmen gaben.

Ein halbes Jahr.

Ein halbes Jahr Doppelleben, in dem die eine Hälfte ein Fest und die andere eine Verpflichtung gewesen war.

Und dann gab es noch Violetta.

Die Frau, mit der er neun Jahre zusammengelebt hatte.

Die Frau, die damals mit nur einem Koffer und einem alten Rucksack in seine Wohnung eingezogen war.

Die Wohnung hatte er von seinem verstorbenen Vater geerbt, und sein Vater wiederum von seinem Großvater.

Eine Zweizimmerwohnung in einer guten Gegend, hohe Decken, dicke Wände, ein Familiennest zwischen vier Wänden.

Violetta hatte sie geputzt, gestrichen und in Ordnung gebracht, aber diese Geschichte gehörte seinem Blut und nicht ihren Händen.

Er setzte sich ins Auto und fuhr zu seiner Mutter.

Larisa öffnete die Tür, sah ihren Sohn an und verstand sofort, dass er nicht einfach zu Besuch gekommen war.

— Setz dich.

Rede, — sagte sie.

— Ich will die Scheidung einreichen.

— Gibt es einen Grund für diesen Wunsch? — seine Mutter setzte sich ihm gegenüber und verschränkte die Hände auf dem Tisch.

— Ja.

Sie heißt Alisa.

Timurs Schwester.

— Ist sie schön?

— Sehr.

— Klug?

— Ja.

— Und ist sie es wert, neun Jahre aus deinem Leben zu streichen? — sie sah ihn weder verurteilend noch warm an.

— Ich habe mich nie in euer Leben eingemischt.

Weder mit Ratschlägen noch mit Vorwürfen.

Violetta hat den Haushalt geführt, und sie hat ihn gut geführt.

Ich liebe sie auf meine Art, still.

— Ich habe mich entschieden.

— Du hast dich entschieden, — wiederholte Larisa.

— Dann hör mir jetzt einmal zu.

Violetta ist keine Frau, die Skandale macht.

Sie wird sich nicht an die Tür klammern und dich anflehen.

Sie gehört zu denen, die einmal antworten, dafür aber endgültig.

— Sie ist eine ganz normale Frau.

Sie wird weinen und zu einer Freundin ziehen.

— Bereite dich auf eine Belagerung vor, mein Sohn, — sagte seine Mutter ruhig.

— Du gehst jetzt nicht los, um deine Frau zu brechen.

Du gehst los, um einen Menschen zu brechen, der neun Jahre lang investiert hat.

Und Investitionen haben die Eigenschaft, zurückzukehren.

Manchmal mit Zinsen.

— Bist du auf ihrer Seite?

— Ich bin auf der Seite des gesunden Menschenverstands.

Der ist allerdings selten auf deiner.

Gleb stand auf, küsste seine Mutter auf die Wange und ging hinaus.

Im Treppenhaus war es kühl und hallend, seine Schritte warfen ein Echo zurück.

Larisa wartete, bis unten im Hof die Autotür zuschlug, nahm ihr Telefon und rief ihre Schwiegertochter an.

— Violettotschka, hallo.

Ich mache es kurz.

Heute wird Gleb nach Hause kommen und ein Gespräch mit dir führen.

Bereite dich darauf vor, mein Mädchen.

Und stimme nicht dem Ersten zu, was du hörst.

— Was ist passiert? — fragte Violetta beunruhigt.

— Er wird es dir selbst sagen.

Ich mische mich nicht in fremde Gespräche ein, aber schweigen werde ich auch nicht, — und Larisa beendete das Gespräch.

Gleb fuhr und dachte, dass alles sogar ziemlich gut gelaufen war.

Seine Mutter hatte ihn nicht unterstützt, aber sie hatte auch nicht versucht, ihn aufzuhalten.

Das war schon einmal gut.

Violetta legte das Telefon weg und setzte sich auf das Sofa, während sie auf die Tür blickte.

Der Anruf ihrer Schwiegermutter war seltsam gewesen, kurz und sehr eindeutig, wie ein kleiner Hammerschlag gegen Glas.

Der Schlüssel drehte sich im Schloss.

Gleb kam herein, zog die Schuhe aus und hängte seine Jacke auf.

Sie stand auf und ging ihm entgegen.

— Rede, — sagte Violetta.

— Ich höre zu.

Du brauchst es nicht hinauszuzögern.

— Was hat man dir schon erzählt? — fragte er misstrauisch.

— Nichts.

Du hast einfach das Gesicht eines Menschen, der seine Rede im Aufzug geprobt hat.

Er atmete aus.

Na gut, dann eben sofort.

— Wir werden uns scheiden lassen, die Sache ist entschieden.

Geh von selbst, ohne Szenen und unnötige Gespräche, — verlangte ihr Mann.

Violetta stand einige Sekunden da und sah ihn an, als hätte er einen Satz in einer fremden Sprache gesagt.

Dann drehte sie sich schweigend um, ging ins Zimmer und schloss die Tür hinter sich.

Gleb ging ihr nicht nach.

Sie sollte es erst einmal verdauen.

Eine Frau braucht Zeit, um das Unvermeidliche zu akzeptieren, das war normal.

Eine Stunde später öffnete sich die Tür.

Violetta kam heraus — gefasst, nüchtern und ohne eine einzige rote Ader in den Augen.

— Warum die Scheidung?

— Stell diese Frage nicht.

— Gut, dann stelle ich eine andere.

Ist dir überhaupt klar, dass Entscheidungen Konsequenzen haben?

— Ich gebe dir eine Woche.

Du packst deine Sachen und ziehst aus.

Die Wohnung gehört mir, sie stammt von meinem Vater und meinem Großvater.

— Eine interessante Dynastie habt ihr, — Violetta lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen.

— Neun Jahre lang habe ich dieses Nest gebaut, gestopft und geflickt.

Erinnerst du dich noch daran, wie du dich selbst gesucht hast?

Drei Jahre lang hast du dich übrigens gesucht, und ich habe dir dabei mit der Taschenlampe geleuchtet.

— Fang nicht damit an.

— Ich fange nicht an, ich ziehe Bilanz.

Erinnerst du dich daran, wie Timur irgendwo heruntergeladene Firmware für die Maschinen angeschleppt hat?

Schief, fehlerhaft, mit Fehlern in den Modulen.

Wer hat sie Zeile für Zeile durchgesehen?

Wer hat sie für eure Hardware umgeschrieben, damit die Schlitten nicht gegen den Anschlag krachten?

— Du hast geholfen.

Danke.

— Mit einem Danke bezahlt man keine Leasingraten, — Violetta lächelte nur mit den Lippen.

— Eine offizielle Lizenz des Herstellers kostet Zehntausende Dollar im Jahr.

Jedes Jahr.

Ihr habt sie nicht gekauft.

Ihr habt meine Arbeit genommen und sie „familiäre Unterstützung“ genannt.

— Willst du mir das jetzt in Rechnung stellen? — Gleb lief rot an.

— Wir haben zusammen gelebt, zusammen gegessen und zusammen Urlaub gemacht!

— In dem Jahr, in dem du dich selbst gesucht hast, haben wir Buchweizen gegessen.

Beschönige den Speiseplan nicht.

— Pack deine Sachen und verschwinde!

— Nein, — sagte Violetta ruhig.

— Und ich sage dir auch, warum.

Wenn du dich scheiden lassen willst, überschreibst du mir die Wohnung.

Als Schenkung.

Beim Notar.

Gleb brach in Gelächter aus.

Sein Lachen klang böse und abgehackt.

— Bist du noch bei Verstand?!

Das Familiennest?!

Für dich?!

Du bist mit einem Koffer hier eingezogen, in dem ein Pullover und ein Föhn waren!

— Und ich werde mit Dokumenten ausziehen.

Ein klarer Fortschritt.

— Du bist einfach nur eine Raffgierige!

Neun Jahre lang habe ich dir ein Dach über dem Kopf gegeben!

— Das Dach hat mir der Beton gegeben, der 1978 gegossen wurde.

Du warst hier genauso Bewohner wie ich, — Violetta zuckte mit den Schultern.

— Denk bis morgen Abend darüber nach.

Das ist keine Drohung, das ist eine Frist.

— Ich habe schon darüber nachgedacht! — schrie er und zog seine Schuhe an.

— Hast du überhaupt eine Vorstellung davon, wie widerlich das klingt?!

— Widerlich klingt der Satz „Geh ohne Szenen“.

Alles andere sind Verhandlungen.

Er ging hinaus und lachte noch im Treppenhaus weiter.

Jetzt war er sich sicher, dass es richtig war, diese gierige Frau loszuwerden.

Am nächsten Morgen lief die Werkhalle wie ein Uhrwerk.

Ein Dutzend Maschinen, die jeweils fast eine Million Dollar wert waren, liefen alle über Leasing, und als Bürge für den Vertrag stand Marat, Timurs Vater, ein Mann mit schwerem Charakter und schwerem Geldbeutel.

Gleb ging zwischen den Maschinen umher und summte beinahe vor sich hin.

— Warum strahlst du wie eine neue Fräse? — Timur kam mit einem Tablet auf ihn zu.

— Ich habe gestern mit ihr gesprochen.

— Und?

— Sie hat die Wohnung verlangt.

Als Abfindung, — Gleb breitete die Arme aus.

— Eine Zweizimmerwohnung im Zentrum.

Dafür, dass sie dort neun Jahre gewohnt hat.

Timur lachte so laut, dass er sich vor Lachen krümmte.

— Sag mal, hat sie schon mal versucht, ihre Ansprüche etwas herunterzuschrauben?

Vielleicht sollst du ihr auch gleich die Werkhalle überschreiben?

Und mich noch dazu?

— Ich werde ihr die Feige zeigen.

— Genau so macht man es als Mann.

Am Abend kehrte Gleb nach Hause zurück.

Violetta saß auf dem Sofa und hatte ihr Telefon auf die Knie gelegt.

Keine Tränen und keine gepackten Taschen im Flur.

— Deine Antwort, — sagte sie.

— Bekomme ich die Wohnung bei der Scheidung?

Gleb formte schweigend mit den Fingern eine Feige und hielt sie ihr vors Gesicht.

— Verständlich, — nickte Violetta.

— Ich liebe visuelle Kommunikation.

Sie nahm ihr Telefon und wählte eine Nummer.

Dann schaltete sie den Lautsprecher ein.

— Marat Ildarowitsch, guten Abend, hier ist Violetta.

Sagen Sie, sind die Maschinen aus dem Leasing bereits vollständig abbezahlt?

— Violettotschka, hallo, — erklang eine tiefe Stimme.

— Nein, wir müssen noch ungefähr zwei Jahre zahlen.

Danach gehören sie den Jungs.

— Und was passiert mit dem Unternehmen, wenn die Maschinen stillstehen?

Sagen wir, für eine Woche.

— Das wäre eine Katastrophe, — schnaubte Marat.

— Miete, Gehälter, Zinsen.

Etwa hundertfünfzigtausend am Tag an Kosten.

Dazu kommen nicht eingehaltene Aufträge und Vertragsstrafen.

Warum fragst du?

— Ich beschäftige mich mit Wirtschaft.

Danke und einen schönen Abend.

Sie beendete das Gespräch.

Gleb stand da und spürte, wie ihm ein kalter Schauer über den Rücken kroch.

Er kannte sich mit den Zahlen nicht besonders tiefgehend aus, aber diese Zahlen kannte er auswendig.

— Wozu war das jetzt gut? — fragte er leise.

— Ich wiederhole meine Frage, — Violetta sah ihm in die Augen.

— Bekomme ich die Wohnung?

Er hatte keine Zeit nachzudenken.

Seine Hand formte von selbst erneut die Feige und schnellte wieder nach vorn.

— Wunderbar, — sagte Violetta, tippte schnell etwas auf ihrem Bildschirm und steckte das Telefon in die Tasche.

Diese Ruhe machte Gleb misstrauisch.

— Wann wirst du packen? — fragte er.

— Ich habe schon gepackt.

Und alles weggebracht.

Noch heute Nachmittag, — Violetta stand auf und zog ihren Mantel an.

— Ich wusste deine Antwort ungefähr seit dem Moment, als du gestern Abend deine Schuhe ausgezogen hast.

Gleb atmete erleichtert aus.

Unglaublich, wie reibungslos alles gelaufen war.

— Den Scheidungsantrag stellst du über das staatliche Onlineportal.

Ich warte, — sagte sie an der Tür.

— Und Gleb … mach in den ersten vierundzwanzig Stunden keine hektischen Bewegungen.

Das sieht nicht gut aus.

Die Tür fiel ins Schloss.

Er rief sofort seine Mutter an.

— Sie ist gegangen!

Von selbst!

Ohne einen einzigen Skandal!

— Wunderbar, — antwortete Larisa gleichmäßig.

— Mein Sohn, kauf dir morgen Baldrian.

Und noch etwas Stärkeres, irgendwelche Tropfen.

— Für wen?! — lachte Gleb.

— Kauf es einfach, sage ich, — und sie legte auf.

Der Anruf kam um sieben Uhr zwanzig am Morgen.

— Gleb Sergejewitsch, wir haben ein Problem, — die Stimme des Meisters klang verwirrt.

— Die Maschinen funktionieren nicht.

Alle.

— Starte sie neu.

— Habe ich gemacht.

Zweimal.

Es erscheint eine Fehlermeldung.

— Welcher Code?

— Eins-vier-null-neun.

Gleb setzte sich im Bett auf.

Der Schlaf war mit einem Schlag verschwunden, als hätte jemand ihn an einer Ecke weggerissen.

Fehler 1409 bedeutete nur eines: Die Steuerungssoftware auf den Maschinen war nicht vorhanden.

Eine Stunde später war er in der Werkhalle.

Zehn Maschinen standen da wie tote Felsblöcke, und die Arbeiter liefen zwischen ihnen umher wie Menschen an einem Bahnhof, an dem alle Züge gestrichen worden waren.

Timur stürmte herein — bleich und mit zitterndem Kiefer.

— Wer war an der Steuerung?!

Wer?! — brüllte er schon von der Tür aus.

— Niemand, — der Meister hob die Hände.

— Die Einheit ist versiegelt.

Die Siegel sind unversehrt, ich habe es dreimal überprüft.

— Die Siegel sind ganz, aber die Software ist weg!

Wie soll das gehen?!

Und in diesem Moment traf Gleb die Erkenntnis, kalt und vollständig.

Fernzugriff.

Sie hatte ihn selbst damals eingerichtet, damit sie nachts nicht ständig in die Werkhalle fahren musste.

— Sie war es, — sagte er dumpf.

— Wer ist „sie“?! — Timur packte ihn an der Schulter.

— Deine?!

Hat deine Frau das gemacht?!

— Violetta.

— Ruf sie an!

Ruf sie sofort an!

Gleb wählte ihre Nummer.

Es klingelte, dann hörte er ihre geschäftsmäßige, leicht distanzierte Stimme.

— Ich höre.

— Gib die Software zurück.

— Ich habe keine Zeit, ich bin bei der Arbeit, — dann ertönten kurze Signaltöne.

Den ganzen Tag rannten sie hektisch umher.

Sie rechneten, telefonierten und schrieben Nachrichten.

Eine offizielle Lizenz für zehn Maschinen kostete einmalig fast hunderttausend Dollar, dazu kamen jährliche Zahlungen.

In seiner Verzweiflung holte Timur eine alte heruntergeladene Installationsdatei heraus und spielte sie auf eine der Maschinen.

Zwölf Minuten später klingelte das Telefon.

Ein Vertreter des Herstellers teilte ihnen höflich mit, dass der Versuch registriert worden sei, nicht autorisierte Software zu installieren, dass dies einen Vertragsverstoß darstelle und dass die weiteren Schritte an die Rechtsabteilung übergeben würden.

— Runter damit!

Lösch es sofort! — brüllte Gleb.

Am Abend fanden sie Violetta in einem Café.

Sie aß zu Abend — langsam und mit gutem Appetit, während sie das Fleisch mit sorgfältigen Bewegungen schnitt.

Die beiden Männer setzten sich ungefragt an ihren Tisch.

— Ist dir überhaupt klar, dass das nach einem Strafverfahren riecht? — begann Gleb.

— Hier riecht es nur nach Rosmarin, — Violetta legte die Gabel beiseite.

— Jungs, ich erkläre es euch jetzt, damit ihr eure Nerven nicht verschwendet.

Die Firmware, die ihr benutzt habt, hat Timur irgendwo im Internet heruntergeladen.

In ihrem ursprünglichen Zustand funktionierte sie auf keiner einzigen eurer Maschinen.

Ich habe sie umgeschrieben.

Meine Algorithmen, meine Module, meine Überarbeitung.

Das ist meine eigene Bearbeitung.

— Das war Hilfe für die Familie!

— Bezahlte Hilfe? — sie hob eine Augenbraue.

— Es gibt keinen Vertrag, keine Bezahlung und die Urheberrechte wurden nicht übertragen.

Ich habe meine eigene Arbeit zurückgenommen.

Rechtlich gibt es keine Ansprüche gegen mich.

Gegen Timur dagegen schon.

Und gegen dich.

Vonseiten des Herstellers.

Timur öffnete und schloss den Mund, und sein Gesicht war grau geworden.

— Du Schlange, — zischte er.

— Du hast uns alle reingeritten!

— Neun Jahre lang habe ich euch abgestützt, — Violetta wandte sich wieder ihrem Essen zu.

— Niemand hat es bemerkt.

Aber kaum nimmt man die Stütze weg, sieht man sofort, wo die tragende Wand war.

Timurs Telefon klingelte.

Auf dem Display stand „Vater“.

Er nahm ab und zog den Kopf zwischen die Schultern.

— Ja, Papa … nein … ich weiß Bescheid … — er warf Violetta einen Blick zu.

— Nein.

Misch dich nicht ein.

Wir regeln das selbst.

Er legte das Telefon auf den Tisch und starrte auf die Tischdecke.

— Kluger Junge, — bemerkte Violetta.

— Marat Ildarowitsch würde sehr schnell herausfinden, woher eure kostenlose Firmware stammt.

— Ist das Rache für die Scheidung? — Gleb sprach fast nur noch im Flüsterton.

— Es ist mir vollkommen egal, mit wem du schläfst, isst und deine Zukunft planst, — sie sah ihn direkt an.

— Du bist ein freier Mensch, herzlichen Glückwunsch.

Aber meine Arbeit kostet Geld.

Du hast beschlossen, dass du mich wie einen abgenutzten Fräser wegwerfen und alles für dich behalten kannst — die Wände, die Maschinen und deinen Ruf.

So funktioniert das nicht.

Für den Eintritt zahlen alle, für den Ausgang erst recht.

Gleb lachte, doch sein Lachen brach mitten darin ab.

— Ich esse jetzt mein Abendessen zu Ende, — Violetta tupfte sich sorgfältig mit der Serviette die Lippen ab.

— Dann gehe ich.

Den Rest entscheidet ihr selbst.

Oder ich rufe Marat Ildarowitsch an und erzähle ihm, woher die Firmware auf den Maschinen stammt, für die er gebürgt hat.

Timur zog Gleb am Ärmel und schleppte ihn hinter eine Säule.

Das Gespräch war heftig und wurde mit leisen, immer wieder brechenden Stimmen geführt.

Violetta konnte sie nicht hören und wollte es auch nicht.

In Glebs Kopf ratterte ein Zähler: hundertfünfzigtausend am Tag, eine Lizenz, die jedes Jahr so viel wie eine Wohnung kostete, Vertragsstrafen und platzende Aufträge.

Er kehrte an den Tisch zurück und setzte sich.

— Einverstanden.

Starte die Maschinen.

— Guter Junge, — nickte Violetta.

— Nur ist die Reihenfolge umgekehrt.

Zuerst die Wohnung, dann die Maschinen.

Morgen um neun beim Notar.

Um zehn Uhr morgens hielt Violetta die Schenkungsurkunde für die Wohnung und eine unterschriebene Vereinbarung in den Händen, nach der Gleb bei der Scheidung keinerlei Anspruch auf das Eigentum seiner Ehefrau erhob.

Die Notarin sprach ruhig und routiniert, als würde sie eine Bescheinigung über das Wetter ausstellen.

Draußen holte Violetta ihr Telefon heraus, gab einen langen Code ein und drückte auf „Ausführen“.

— Eine Stunde für die Bereitstellung, — sagte sie.

— Ruft mich nie wieder an.

Niemals.

Eine Stunde später rief der Meister an: Die Maschinen waren wieder zum Leben erwacht, alle zehn, keine Fehler, die Produktionslinie lief.

Aber gut war die Situation trotzdem nicht.

Genau jene fremde Installationsdatei, die Timur am Vortag in Panik aufgespielt hatte, hatte bereits einen Bericht an die Zentrale des Herstellers gesendet.

Bis zum Mittag ging eine E-Mail ein: Der Leasingvertrag werde einseitig gekündigt.

Die Seriennummern aller zehn Maschinen waren aufgeführt.

Die Forderung lautete, die Anlagen stillzulegen und an den Lieferanten zurückzugeben oder eine Vertragsstrafe sowie den gesamten noch offenen Restwert auf einmal zu bezahlen.

— Wir haben es doch gelöscht!

Wir haben es nach zwanzig Minuten gelöscht! — schrie Timur ins Telefon.

— Der Vorgang wurde registriert, — antwortete man ihm trocken.

Am Abend bestellte Marat die beiden zu sich.

Das Gespräch verlief hart, knapp und ohne Pausen.

Er erklärte seinem Sohn, dass jemand, der gestohlene Software auf Millionenanlagen installiere, kein Recht habe, sich Unternehmer zu nennen.

Zu Gleb sagte er, dass ein Mann, der nicht in der Lage sei, eine Ehe anständig zu beenden, auch kein Geschäftsjahr ordentlich beenden könne.

— Ich habe mit meinem Geld und meinem Namen gebürgt, — sagte Marat zum Schluss.

— Meinen Namen habt ihr bereits beschädigt.

Mit Geld werde ich euch nicht retten.

Räumt euren Mist selbst auf.

Gleb kam spät in der Nacht nach Hause.

Er steckte den Schlüssel ins Schloss, doch er ließ sich nicht drehen.

Das Schloss war ausgetauscht worden.

Er drückte auf die Klingel.

Die Tür öffnete sich bis zur Sicherheitskette, dahinter stand Violetta.

— Die Wohnung gehört mir, — sagte sie ruhig.

— Die Schenkung wurde heute um neun Uhr vierzig registriert.

Deine Sachen kannst du morgen zwischen elf und zwei abholen, ich habe alles zusammengepackt.

— Violetta …

— Gute Nacht, — und die Tür schloss sich.

Gleb blieb auf dem leeren Treppenabsatz unter einer gelben Glühbirne stehen.

Das Familiennest, die Zweizimmerwohnung seines Großvaters und die dicken Wände — all das befand sich nun auf der anderen Seite der Metalltür.

Die Maschinen liefen, aber sie durften nicht benutzt werden.

Die Verzugszinsen liefen weiter.

Die Vertragsstrafe war bereits verhängt worden.

Die Aufträge platzten.

Timur gab ihm die Schuld daran, dass er nicht in der Lage gewesen war, sich wie ein erwachsener Mensch scheiden zu lassen.

Marat machte seinem Sohn die gestohlene Firmware zum Vorwurf und beiden ihre Dummheit.

Gleb ging die Treppe hinunter und beschimpfte nicht sich selbst.

Er beschimpfte die Frau, die mit der Wohnung zurückgeblieben war, während er nun auf der Straße stand.

Raffgierig.

Berechnend.

Neun Jahre lang hatte sie so getan, als gehöre sie zu ihnen.

Draußen stand er lange neben seinem Auto, dann wählte er widerwillig die Nummer seiner Mutter.

— Ich komme zu dir.

Ich werde bei dir übernachten.

— Hast du den Baldrian gekauft? — fragte Larisa kalt.

— Ich habe es dir doch gesagt.

Er schwieg.

Jetzt begriff er, dass das keine Fürsorge gewesen war.

Es war eine Warnung gewesen: Violetta würde ihm diese zynische Scheidung nicht verzeihen, die er im Vorbeigehen, über die Schulter und mit einer Feige statt eines Gesprächs durchziehen wollte.

— Komm, — sagte seine Mutter und legte auf.

Gleb setzte sich ans Steuer.

Noch ein Tag, höchstens zwei, und alles würde zusammenbrechen: Die Maschinen würden abgeholt werden, die Schulden würden bleiben und das Unternehmen wäre am Ende.

Und daran würde allein er schuld sein.

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