Veronika schaltete die Musik drei Kilometer vor der Abzweigung aus, nur um zu hören, wie der Kies unter den Rädern raschelte.
Der Tag war lang und ehrlich gewesen: zwei Gruppen, einhundertachtzig Stufen hinunter, danach genauso viele wieder hinauf, Taschenlampe, Helm und acht Menschen, die vor Begeisterung an der rostigen Druckschutztür quietschten.

Ihr Rücken dröhnte, ihre Handflächen rochen nach Metall und altem Beton.
Sie war bis in die letzte Zelle mit sich selbst zufrieden.
Vor ihr tauchte das helle Dach des Hauses mit dem neuen First auf und die großen Apfelbäume, die sie und Artjom drei Jahre lang so gut zurückgeschnitten hatten, wie sie eben konnten.
Zwanzig Ar Grundstück bedeuteten, dass der Rasenmäher irgendwann zum Familienmitglied wurde.
Veronika lächelte und verlangsamte das Tempo.
Vor dem Tor stand ein fremdes Auto.
Alt, grau, mit einem eingedrückten hinteren Kotflügel und einem Aufkleber an der Scheibe.
Veronika erkannte es sofort und seufzte — nicht böse, sondern eher so, wie man vor einem ungeplanten Marathon seufzt.
— Na, guten Tag, liebe Gäste, — sagte sie laut zu sich selbst. — Vorher Bescheid zu sagen, war natürlich jenseits menschlicher Möglichkeiten.
Sie fuhr ihr Auto unter das Vordach, holte den Rucksack, den Helm und das Bündel Taschenlampen heraus.
Artjom kam auf die Veranda — im T-Shirt, mit einem Handtuch über der Schulter, und sein Gesicht sagte alles: sowohl „Entschuldige“ als auch „Ich bin selbst völlig überrascht“.
— Hallo, Schönheit, — er nahm ihr den Rucksack ab. — Wir haben Zuwachs bekommen. Kirill und Milana.
— Das habe ich am Fahrzeug erkannt, — Veronika küsste ihn auf die Wange. — Gib mir eine halbe Stunde. Ich brauche eine Dusche, denn ich rieche nach Abwasser, Staub und einem vergangenen Jahrhundert.
— Geh nur. Ich habe Lebensmittel gekauft, alles ist im Kühlschrank.
Im Flur standen zwei Personen.
Kirill trug ein Poloshirt, hatte die Hände in den Taschen und einen so selbstherrlichen Blick, als wäre er hier seit zwanzig Jahren gemeldet.
Seine Frau Milana hielt das Handy in der Hand und trug eine Bluse, die offensichtlich nicht für Abenteuer auf dem Land gedacht war.
— Hallo, — Veronika nickte beiden zu. — Entschuldigt, ich bin völlig verstaubt, deshalb werde ich euch nicht umarmen. Eine halbe Stunde, dann bin ich wieder ein Mensch.
Milana verzog das Gesicht und trat demonstrativ einen Schritt zurück.
— Oh … du riechst wirklich nach Abwasser. Entschuldige, aber das ist unmöglich.
Artjom spannte sich an.
— Das ist berufsbedingt, — sagte er ruhig. — Sie hat heute Menschen durch einen Luftschutzbunker geführt. Oder durch eine alte Station. Veronik, was war es denn heute?
— Ein Schutzbunker, — antwortete sie aus dem Flur. — Drei Ebenen, unten steht Wasser. Romantik.
Kirill schnaubte und grinste breit.
— Hör mal, deine Frau ist wirklich wie eine Ratte — sie kriecht in jedes Loch. In jede Öffnung.
Artjom schwieg.
Sein Schweigen war schwer wie eben jene Druckschutztür.
Zwanzig Minuten später kam Veronika in Hauskleidung zurück, mit nassen Haaren, frisch und genau so wütend, dass es noch nützlich war.
Sie holte ein Schneidebrett und ein Messer hervor und öffnete den Kühlschrank.
— Artjom! — rief sie. — Was kochen wir? Hier sind Fleisch, Paprika, Zwiebeln und aus irgendeinem Grund vier Gläser Oliven.
— Die Oliven wollte Milana, — antwortete ihr Mann schuldbewusst und erschien in der Tür. — Komm, ich schneide.
— Geh zu deinem Bruder und seiner Frau. Du bist der Gastgeber, unterhalte sie. Ich komme allein zurecht, dann bin ich ruhiger.
— Sicher?
— Absolut. Los, geh. Und sieh mich nicht mit dem Blick eines Menschen an, der auf einen Sturm wartet.
Artjom ging.
Veronika schaltete den Ofen ein, das Messer begann auf dem Brett zu klopfen, und sofort wurde das Haus wieder zu ihrem Haus: warm, lebendig und erfüllt von einem Geräusch, das sie liebte.
Draußen wurde es dunkel, die Apfelbäume verwandelten sich in schwarze Gestalten, und das war gut so.
Ein paar Minuten später erschien Kirill in der Tür.
Er lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen und ließ seinen Blick träge durch die Küche schweifen.
— Na, Ratte, gibt’s bald was zu fressen?
Veronika hob den Kopf nicht.
Das Messer klopfte weiterhin gleichmäßig wie ein Metronom.
— Rattenfänger, — sagte sie sanft, — geh zu deiner eigenen Ratte. Bei euch beiden sind die Rollen offenbar bereits verteilt.
Kirills Gesicht bekam rote Flecken, und er öffnete den Mund.
Doch ihm fielen keine Worte ein.
Er drehte sich um und ging, wobei er seine Ferse lauter als nötig auf den Boden setzte.
— Flug verläuft normal, — sagte Veronika zum Fleisch.
Etwa fünf Minuten später kam Milana herein, natürlich mit dem Handy, setzte sich auf einen Hocker und schlug die Beine übereinander.
— Hör mal, hast du das nicht langsam satt? — begann sie ohne Umschweife. — Wirklich. Wie alt bist du eigentlich? Such dir doch eine normale Arbeit. Büro, Klimaanlage, alles nach Zeitplan, Kollegen, Respekt.
— Wird der Respekt im Büro zusammen mit dem Dienstausweis ausgegeben? — Veronika lächelte. — Dann beschaffe ich mir meinen lieber selbst.
— Ich meine das ernst. Sauber, schön, Kaffeemaschine. Und du kriechst durch Keller.
— Milana, es gibt Urlaub, bei dem man mit dem Bauch am Strand liegt. Es gibt Berge. Es gibt Flüsse und Höhlen. Und es gibt die Bartheke. Jedem das Seine, und das ist völlig normal.
Milana verdrehte die Augen und begann verträumt zu sprechen, als würde sie einen auswendig gelernten Text aufsagen.
— Ich möchte nach London. Wirklich. Diese roten Busse, die Brücken. Danach Paris — in einem Café sitzen, ein Croissant, Frühling …
— Ein Croissant bekommst du auch hier, — Veronika drehte das Fleisch um. — Mit den Brücken wird es schwieriger, das gebe ich zu.
— Du verstehst das nicht. Dort ist ein anderes Niveau. Dort ist das Leben.
— Auf den zentralen Plätzen wird dort inzwischen Müll herumgetreten, und welcher Stadtteil wie ist, hängt davon ab, wer dort am lautesten ist. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was ich mir dort ansehen soll. Da gehe ich lieber in ein Bergwerk.
Milana sprang so abrupt auf, als hätte man sie persönlich beleidigt.
— Klar. Du fühlst dich eben in einem Loch wohler.
Und sie ging hinaus.
Aus dem Gästezimmer war Flüstern zu hören.
Artjom ging gerade vorbei und hörte alles deutlich, weil Milana grundsätzlich nicht flüstern konnte.
— Selbst gewaschen ist sie immer noch eine Ratte. Im Kopf steckt sie trotzdem in ihrem Loch …
— Hört auf damit, — sagte Artjom in die Türöffnung hinein.
Seine Stimme war ruhig und sehr unheilvoll.
— Beide.
Kirill kam heraus, klopfte seinem Bruder auf die Schulter und grinste.
— Tjom, was ist denn mit dir? Das war doch nur ein Witz. Nimm dir das nicht so zu Herzen, du warst schon immer unerträglich ernst.
Artjom sah ihn an und antwortete nichts.
Er konnte Dinge lange in sich sammeln.
Eine halbe Stunde später stellte Veronika ein Backblech mit Fleisch auf den Tisch — dunkle Kruste, Zwiebeln, Paprika und in Scheiben gebackene Kartoffeln.
Artjom brachte Wein und einen Korkenzieher und stellte die Gläser auf den Tisch.
Er fummelte noch an der Folie um den Flaschenhals herum, als Kirill ihm die Flasche aus der Hand nahm.
— Gib her, du Trödler.
Er schenkte sich ein, schenkte Milana ein, und beide tranken schnell, ohne darauf zu warten, dass sich die Gastgeber überhaupt setzten.
Veronika legte die Topflappen beiseite, setzte sich und betrachtete die beiden bereits leeren Gläser mit ehrlichem Interesse.
— Also, — sagte sie. — Den Toast „Auf die Gesundheit der Gastgeberin“ habe ich offenbar verpasst. Oder fand der nur in Gedanken statt?
— Sei doch nicht so geizig, — schnaubte Milana. — Wein ist Wein.
— Der Wein ist ausgezeichnet. Ich spreche vom Timing. Ihr seid gestartet wie Sprinter.
Milana schmollte und starrte auf ihren Teller.
Kirill lehnte sich im Stuhl zurück, spießte ein Stück Fleisch auf, kaute und schnupperte plötzlich.
— Nein, also entschuldige mal. Du hast dich gewaschen, und trotzdem riechst du noch nach Schlamm. Es haut einen richtig um.
Veronika legte die Gabel beiseite.
— Kirill, es gibt Männer, die einen ganzen Liter Eau de Toilette über sich kippen können, aber der Geruch von saurem Schweiß dringt trotzdem durch jedes Parfüm. Das ist, weißt du, keine Frage von Seife, sondern vom inneren Inhalt.
Am Tisch wurde es still.
Artjom stellte schnell sein Glas ab und mischte sich ein.
— Also gut. Was führt euch eigentlich hierher? So plötzlich und noch dazu am Abend.
Kirill kaute zu Ende, wischte sich den Mund ab und sagte beiläufig, als würde er über das Wetter sprechen:
— Ich habe die Einzimmerwohnung verkauft. Alles erledigt, die Unterlagen sind durch. Bis wir die Hypothek für eine Zweizimmerwohnung abgeschlossen haben, bleiben wir bei euch. Einen Monat, anderthalb höchstens.
— Bei uns? — fragte Veronika nach.
— Bei euch, bei euch. Das Zimmer da steht doch sowieso leer.
Milana wurde sofort lebendig, ihre Augen leuchteten.
— Die Zweizimmerwohnung wird in einem neuen Wohnviertel sein! Dort gibt es einen Spielplatz, Parkplätze und ein Fitnessstudio im Erdgeschoss. Nicht so wie hier … — sie deutete mit der Hand auf die Wände. — Hör mal, wie viel ist dieser Schuppen eigentlich wert? Ganz ehrlich, interessiert mich einfach.
Veronika nahm langsam einen Schluck Wein und sah sie direkt an.
— Milana, sag mal, versuchst du mich absichtlich zu beleidigen? Oder ist das einfach deine angeborene und unheilbare Art zu kommunizieren?
— Ich habe doch nur gefragt!
— Du hast „nur“ nach dem „Schuppen“ gefragt. In dem Haus, in dem man dich gerade bewirtet.
Kirill winkte hastig mit der Hand.
— Schon gut, schon gut, was soll das. Reden wir über etwas anderes. Tjom, erinnerst du dich noch, wie wir …
— Nein, reden wir nicht über etwas anderes, — Veronika wandte sich ihm zu. — Du bist in mein Haus gekommen und hast mich eine Ratte genannt. Die Hausherrin, bei der du wohnen möchtest. Wie nennt man das in deiner Sprache? Umgekehrte Gastfreundschaft?
Milana fuhr auf.
— Wage es nicht, meinen Mann …
— Sei still, — Veronika hob nicht einmal die Stimme. — Bitte. Büroplankton nimmt an dieser Diskussion nicht teil.
Kirill zuckte zusammen, als hätte man ihn gestochen.
— Tjom! Bring deine Frau zur Vernunft!
Artjom breitete mit vollkommen gelassener Miene die Hände aus.
— Ich stimme meiner Frau zu. Die Frage ist berechtigt: Milana, was machst du eigentlich beruflich? Was tust du so Bedeutendes?
— Ich … ich kümmere mich um Dokumentenmanagement, — begann sie. — Ich bearbeite eingehende Unterlagen, führe Tabellen zusammen …
— Papierkram, — nickte Artjom. — Genau das nennt man Büroplankton. Ein vollkommen harmloses Wort. Genau wie „Ratte“. Stimmt doch?
Milana verzog das Gesicht und rückte demonstrativ mitsamt ihrem Stuhl zur Seite, als säße neben ihr etwas Verdorbenes.
Veronika bemerkte die Geste, stand ruhig auf, nahm die leere Salatschüssel und ging in die Küche.
Sie kannte ihren Mann in- und auswendig: Er musste mit seinem Bruder allein bleiben.
Sie stellte sich an die Arbeitsplatte, drehte das Wasser auf und ließ es laufen.
Trotzdem konnte man alles hervorragend hören.
— Sie riecht trotzdem schlecht, — sagte Milana in ihrer Abwesenheit. — Nach Schlamm. Oder nach etwas noch Schlimmerem.
Artjom legte die Gabel hin.
Er schrie nicht.
Im Gegenteil, er sprach sogar leiser als vorher.
— Kirill. Diese Ratte, wie ihr sie nennt, ist die Eigentümerin dieses Hauses. Und der zwanzig Ar Grundstück, auf dem es steht. Fünfzehn Millionen, falls du Zahlen brauchst.
Milana verschluckte sich und pfiff leise.
Kirill erstarrte mit einem Stück Fleisch auf der Gabel.
— Wie viel?..
— Fünfzehn. Vom Verkauf deiner Einzimmerwohnung habt ihr dreieinhalb Millionen, damit hast du gestern selbst geprahlt. Ich bin noch nicht fertig. Diese Ratte verdient im Monat hundert- bis hundertfünfzigtausend. Mit ihren eigenen Händen, ihren eigenen Beinen und ihrem eigenen Kopf. Indem sie an Orte hinuntersteigt, an die du für kein Geld der Welt gehen würdest.
Milanas Augen wurden rund und plötzlich sehr aufmerksam.
— Ich wusste nicht … — begann sie.
— Ich habe dir nicht das Wort erteilt, — unterbrach Artjom sie. — Weiter. Diese Ratte hat heute eine schwierige Gruppe betreut, kam völlig erschöpft nach Hause, ging duschen und stellte sich anschließend an den Herd. Sie hat das Abendessen gekocht, in dem du, Milana, gerade mit angewidertem Gesicht herumstocherst. Und ihr beide habt sie alle fünf Minuten gedemütigt. Alle fünf Minuten. Ich habe mitgezählt.
— Tjom, ich habe doch nur gescherzt! — Kirill warf die Hände hoch. — Das ist eben mein Humor!
— Humor, — wiederholte Artjom. — Weißt du, was mein Fehler war? Als du meine Frau zum ersten Mal eine Ratte genannt hast, habe ich geschwiegen. Schweigen bedeutet Zustimmung. Das heißt, ich habe sie damit selbst so genannt. Das werde ich mir selbst nicht verzeihen, nicht dir.
— Hör doch mal …
— Halt den Mund. Ihr beide. Jetzt rede ich — der Ehemann der Eigentümerin dieses Hauses.
Milana öffnete den Mund, verstummte jedoch sofort.
Kirill wurde dunkelrot und beugte sich nach vorne.
— Wie redest du eigentlich mit deinem Bruder?
— Du bist hier zu Gast, — erinnerte Artjom seinen Bruder. — Veronika hat sich Mühe gegeben, und du hast sie beleidigt. RAUS hier!
Er stand auf, trat an den Tisch und nahm Milana den fast unberührten Teller mit Fleisch direkt vor der Nase weg.
Danach nahm er ebenso ruhig Kirills Teller und brachte beide auf die Küchenarbeitsplatte.
— Der Abend ist beendet, — sagte er, als er zurückkam. — Ob ihr über Nacht, eine Woche oder einen Monat bleiben könnt, werde ich nicht mehr diskutieren. Du stehst jetzt auf, nimmst deine Frau, und ihr verlasst mein Haus.
— Was soll dieser Zirkus! — explodierte Kirill. — Darf man jetzt nicht einmal mehr scherzen?
— Scherz ruhig. Über deine eigene Frau. Erinnerst du dich noch, wie du sie vorgestern genannt hast?
Artjom sprach das Wort nicht aus.
Er sah seinen Bruder einfach nur an.
Milana drehte langsam den Kopf zu ihrem Mann, und ihr Blick wurde so, dass Kirill sich regelrecht in die Rückenlehne drückte.
— Du … was hast du ihm erzählt? — zischte sie.
— Ich habe gar nichts erzählt!
— Packt eure Sachen, — sagte Artjom.
— Ich habe getrunken! — Kirill stand auf und tastete seine Taschen ab. — Wohin soll ich denn fahren? Ich hatte zwei Gläser!
— Niemand zwingt dich, dich ans Steuer zu setzen, — Artjom zuckte mit den Schultern. — Das Auto kann hier stehen bleiben. Schlaf im Wagen, die Sitze lassen sich umklappen. Oder geh einen Kilometer zu Fuß die Straße entlang — dort gibt es ein Hotel für Fahrer. Bett, Dusche, alles zivilisiert.
— Meinst du das ernst?!
— Ich bin selten nicht ernst, du hast es nur nie bemerkt.
Milana riss bereits ihre Tasche vom Stuhl.
Sie war blass und schwieg, aber ihr Schweigen war laut — ihre Lippen bewegten sich, als würde sie ihre Kränkungen zählen.
Kirill lief hektisch herum, suchte nach den Schlüsseln und stellte dann fest, dass er sie die ganze Zeit in der Hand hielt.
Zehn Minuten später standen sie im Flur herum.
Sie murrten leise, fauchten sich gegenseitig an, aber niemand wagte es, laut zu streiten.
Die Tür schloss sich sanft, ohne Knall.
Artjom drehte den Schlüssel im Schloss um.
Draußen im Hof heulte der Anlasser auf.
Kirill setzte sich tatsächlich ans Steuer.
Das graue Auto wendete, wobei ein Rad den Rand des Rasens streifte, und fuhr davon, während nur eines der Bremslichter funktionierte.
Artjom kehrte in die Küche zurück.
Veronika stand an der Arbeitsplatte, trocknete ihre Hände mit einem Handtuch ab und sah ihn an.
Er ging zu ihr und umarmte sie fest mit beiden Armen.
— Tja, — sagte sie an seiner Schulter. — Und jetzt haben wir so viel Fleisch übrig. So viel kann ich gar nicht essen.
— Das Fleisch ist ausgezeichnet, — Artjom küsste sie auf die Schläfe. — Der Wein ist offen. Wir beide haben es nicht eilig.
Sie kehrten zu zweit an den Tisch zurück.
Über seinen Bruder und dessen Frau fiel kein einziges Wort — kein einziges, als wären sie überhaupt nie dagewesen.
Veronika legte ihrem Mann Kartoffeln auf den Teller, Artjom schenkte Wein ein, und das Haus wurde wieder normal.
Etwa dreißig Minuten später klingelte das Telefon.
Artjom sah auf das Display, es war seine Mutter, nahm ab und begann sofort zu sprechen.
— Hallo. Gleich vorweg: Wenn du Kirill verteidigen willst, lege ich auf.
Aus dem Lautsprecher kam hastiges Gemurmel.
Artjom hörte drei Sekunden zu und legte auf.
Das Freizeichen ertönte.
Er legte das Telefon auf den Tisch und zog seinen Teller näher zu sich.
— Hier, — Veronika reichte ihm das Glas.
Er machte es sich neben ihr bequem, streckte die Beine aus und lächelte.
— So. Jetzt bin ich bereit, mir deine Abenteuer in den Katakomben anzuhören. Aber mit allen Einzelheiten. Wasser auf der unteren Ebene — wie muss ich mir das vorstellen?
— Bis zu den Knien. Ein Mann beschloss, dass er ein U-Boot-Fahrer wäre, — Veronika lachte. — Weißt du, ich war nur zwei Schritte von meinem eigenen Drehbuch entfernt. Ich hatte vor, jemandem Ketchup ins Gesicht zu werfen und mit dem Schneidebrett auf die Wange zu schlagen. Schön, effektvoll, mit Spritzern.
— Ketchup ins Gesicht? Wem genau?
— Je nach Situation. Ich hatte eine große Auswahl an Zielen.
Artjom schnaubte und verschüttete beinahe seinen Wein.
— Danke, dass du mich zuerst hast reden lassen.
— Danke, dass du überhaupt etwas gesagt hast. Und so schnell. Weißt du, ich ertrage Dinge niemals jahrelang — ich kann das einfach nicht. Aber es ist schön, wenn neben einem ein Mensch ist, der einen nicht zwingt, allein zu kämpfen.
— Ich habe ziemlich lange gebraucht, um es zu kapieren, — gab er zu. — Ganze zwanzig Minuten.
— Für Familienverhältnisse war das Lichtgeschwindigkeit.
Sie stießen miteinander an.
Draußen zeichneten sich die dunklen Apfelbäume ab, irgendwo weit entfernt rauschten die Autos auf der Landstraße, und im Haus war es warm, still und sehr sauber — in jeder Bedeutung dieses Wortes.







