— Was für ein Hotel! Mach auf! — schrie meine Schwiegermutter, die mich vor einem Monat auf die Straße gesetzt hatte.

— Du musst uns reinlassen, wir sind schließlich Familie!

Die Stimme von Galina Stepanowna hallte scheinbar durch das ganze Treppenhaus.

Die Klingel schrillte bereits seit drei Minuten ununterbrochen und schnitt mit ihrem durchdringenden Läuten in die Ohren.

— Mama, schrei doch nicht so, sonst kommen die Nachbarn raus, — murmelte Michail irgendwo im Hintergrund.

Viktoria stand im Flur und lehnte mit dem Rücken an dem Durchgang, der zur Küche führte.

Neben ihr trat Grom unruhig von einer Pfote auf die andere — ein großer Mischlingshund, den sie vor zwei Jahren als Welpen aufgenommen hatte.

Er knurrte leise und ließ die sich bewegende Türklinke nicht aus den aufmerksamen Augen.

— Grom, auf deinen Platz, — befahl Viktoria leise.

Der Hund ging gehorsam zu seiner Decke, ließ die Ohren jedoch weiterhin aufgerichtet.

Viktoria trat zur Tür und blickte durch den Türspion.

Ihre Schwiegermutter stand auf dem Treppenabsatz in einer völlig durchnässten Nylonjacke und drückte zwei prall gefüllte Taschen an ihre Brust.

Wasser tropfte von ihren Haaren und hinterließ schmutzige Pfützen auf den Fliesen.

Ihr Mann drückte sich an die Wand, hatte den Kopf gesenkt und die Hände in den Jackentaschen versteckt.

— Ich weiß, dass du da drin bist! — brüllte die Schwiegermutter und schlug mit der Handfläche gegen die Metallverkleidung der Tür.

— Ich werde nicht öffnen, Galina Stepanowna, — antwortete Viktoria ruhig, ohne auch nur die Stimme zu heben.

Die Türklinke wurde noch heftiger heruntergedrückt.

— Vika, hör doch auf damit, — erklang Michails unzufriedene Stimme.

— Wir haben ein Unglück.

Die Datscha wurde überschwemmt.

Das gesamte Erdgeschoss steht unter Wasser, und der Zaun ist einfach weggeschwemmt worden.

Mama hat keinen Platz zum Übernachten.

— Mein Beileid, — antwortete Viktoria knapp.

— Ruft euch ein Taxi und fahrt in ein Hotel.

— Was für ein Hotel?! — empörte sich die Schwiegermutter, und Viktoria konnte sich genau vorstellen, wie sie dabei die Hände in die Luft warf und ihr Lieblingsring mit dem roten Stein aufblitzte.

— So viel Geld dafür bezahlen!

Mach sofort auf!

Ich bin völlig durchnässt, mein Blutdruck spielt verrückt!

Viktoria trat ein wenig von der Tür zurück.

Vor einem Monat hatte sich Galina Stepanowna noch ausgezeichnet gefühlt.

Ihr Blutdruck hatte sie überhaupt nicht gestört, als sie die Sachen ihrer Schwiegertochter von der Veranda eben jener Datscha geworfen hatte.

Damals war alles sehr schnell gegangen.

Viktoria und Michail hatten einen beträchtlichen Teil ihrer Ersparnisse in die Renovierung des Hauses seiner Mutter gesteckt.

Das Dach war neu gedeckt, Kunststofffenster waren eingebaut und die Elektrik war erneuert worden.

Michail sagte ständig, dies werde ihr zukünftiges Familiennest.

Doch als sie nach Abschluss der Arbeiten dorthin fuhren, um sich zu erholen, lief Grom versehentlich durch ein Blumenbeet mit seltenen Zuchttulpen, die die Schwiegermutter per Post bestellt hatte.

Galina Stepanowna war damals derart außer sich geraten, dass sogar Nachbarn drei Grundstücke weiter über ihre Zäune hinwegschauten.

— Ich will euch hier nie wieder sehen! — hatte sie vor einem Monat geschrien und mit dem Finger auf das Gartentor gezeigt.

— Und nimm deinen verlausten Köter gleich mit!

Mein Haus, meine Regeln!

Ihr Schmarotzer könnt nur alles kaputtmachen!

Viktoria hatte damals keinen Streit angefangen.

Sie hatte einfach ihre Reisetasche gepackt, Grom an die Leine genommen und war mit dem Zug weggefahren.

Michail war geblieben, um seine Mutter zu beruhigen.

Er beruhigte sie ganze drei Tage lang, während Viktoria sich eine eigene Unterkunft suchte und schließlich eine gemütliche Wohnung am anderen Ende der Stadt mietete, weit weg von ihren lieben Verwandten.

Und nun waren sie selbst angeschwemmt worden.

Im wahrsten Sinne des Wortes.

— Galina Stepanowna, — Viktoria trat wieder näher an die Tür.

— Was ist denn mit Ihren Regeln?

Mein Haus — meine Regeln.

Und in meinem Haus lebt ein Hund.

Sie können doch angeblich kaum mit ihm im selben Raum atmen, weil sofort Ihre Allergie anfängt.

Hinter der Tür wurde es still.

Nur der Regen trommelte gegen das Fenster im Treppenhaus.

— Um Himmels willen! — begann die Schwiegermutter erneut laut zu jammern.

— Willst du mir jetzt alte Geschichten vorhalten?

Jetzt, wo uns so ein Unglück getroffen hat?

Der Zaun war praktisch neu, und das Hochwasser hat ihn einfach weggerissen!

Im Erdgeschoss steht der Schlamm knietief!

Die ganze Renovierung ist ruiniert!

— Michail, — rief Viktoria.

Ihr Mann wurde sofort aufmerksam, als hätte er nur darauf gewartet.

— Ja, Vik?

Machst du auf?

— Warum seid ihr nicht zu Tante Ljuba gefahren? — fragte sie.

— Von der Datschensiedlung aus sind es mit dem Kleinbus doch nur zwanzig Minuten zu ihr.

Michail zögerte.

Viktoria wusste ganz genau, warum.

Eine Nachbarin hatte ihr bereits am Morgen erzählt, dass Galina Stepanowna die ganze Verwandtschaft angerufen und über die Naturkatastrophe geklagt hatte.

Tante Ljuba hatte behauptet, bei ihr würden plötzlich die Rohre repariert.

Michails Cousin war einfach nicht ans Telefon gegangen.

Niemand wollte die herrische Frau bei sich aufnehmen, die es gewohnt war, alle herumzukommandieren und ihnen vorzuschreiben, wie man Brot richtig schneidet und den Boden richtig wischt.

— Bei Ljubow werden die Rohre ausgetauscht, — warf die Schwiegermutter trocken ein.

— Hör auf, dich über mich lustig zu machen!

Lass mich wenigstens rein, damit ich mich umziehen kann!

Meine Füße sind eiskalt!

— Ich lasse Sie nicht rein, — erklärte Viktoria endgültig.

— Ich habe Sie verstanden.

Aber Sie werden hier nicht übernachten.

— Im Ernst? — explodierte Michail.

— Vika, das ist meine Mutter!

Wir sind doch eine Familie!

— Familie? — Viktoria grinste und verschränkte die Arme vor der Brust, obwohl niemand sie sehen konnte.

— Als man mich mit dem Hund wegen zwei zerdrückter Blumen in den strömenden Regen hinausgeworfen hat, was waren wir da?

Fremde Menschen?

Und als ich dich, Michail, gebeten habe, mit mir zu gehen, was hast du da gesagt?

„Mama braucht jetzt Unterstützung, sie ist aufgewühlt.“

— Das habe ich doch nur im Affekt gesagt! — versuchte die Schwiegermutter sich herauszureden.

— Wer hätte denn gedacht, dass du so nachtragend bist!

Was fällt dir ein, deine eigene Schwiegermutter im Treppenhaus stehen zu lassen!

Jetzt zeigt sich also dein wahres Gesicht!

— Es ist Ihr Recht, mich für nachtragend zu halten.

Und es ist mein Recht, Menschen nicht die Tür zu öffnen, die mich hinausgeworfen haben.

Michail atmete hinter der Tür laut aus.

— Vika, ich habe Schlüssel, — sagte er drohend.

— Ich mache jetzt selbst auf.

Blamier uns nicht vor den Nachbarn, hier hört man alles.

Man hörte das Klirren eines Schlüsselbundes.

Ein Metallschlüssel glitt in das obere Schloss und wurde einmal herumgedreht.

Dann versuchte Michail, den zweiten langen Schlüssel in das untere Schloss zu stecken.

Ein metallisches Kratzen ertönte.

Der Schlüssel passte nicht hinein.

— Was soll das denn? — murmelte Michail und rüttelte an der Klinke.

— Klemmt das Schloss etwa?

— Ich habe das Schloss ausgetauscht, Michail, — antwortete Viktoria ausdruckslos.

— Schon vor einer Woche.

Grom bellte leise von seiner Decke aus, als würde er ihre Worte bestätigen.

— Bist du völlig verrückt geworden?! — kreischte Galina Stepanowna.

— Mein Junge, sie lässt dich nicht einmal in deine eigene Wohnung!

Und das für dein eigenes Geld!

Wirf sie raus!

Ruf die Polizei, die sollen die Tür aufbrechen!

— Die Wohnung ist gemietet, Galina Stepanowna, — Viktoria lehnte sich an den Türrahmen.

— Und der Mietvertrag läuft auf meinen Namen.

Und ich bezahle sie von meinem Gehalt.

Sie können natürlich die Polizei rufen.

Nur werden Sie dann wegen Ruhestörung und Randale mit ihnen aufs Revier fahren.

— Michail!

Tu etwas! — schrie die Schwiegermutter weiter und schlug mit einer Tasche gegen die Tür.

— Lass dich sofort von ihr scheiden!

Undankbares Miststück!

— Mama, komm, wir gehen, — sagte ihr Mann müde.

— Ich rufe ein Taxi.

— Wohin sollen wir gehen?!

In ein Hotel, wo sie für eine Nacht so viel verlangen wie sonst für einen ganzen Monat?!

Da fahre ich nicht hin!

Ich lege mich lieber hier auf die Fußmatte!

— Komm jetzt endlich!

Hör auf, hier so ein Theater zu veranstalten!

Man hörte ein Gerangel, das Rascheln nasser Taschen und Schritte, die die Treppe hinuntergingen.

Die Schwiegermutter jammerte weiterhin durchs ganze Treppenhaus und verfluchte ihre Schwiegertochter, den Hund, das Hochwasser und ihren undankbaren Sohn, der nicht einmal seine Frau in die Schranken weisen konnte.

Viktoria entfernte sich erst von der Tür, als unten die Haustür ins Schloss fiel.

Sie ging in die Küche und schenkte sich Wasser aus dem Filter ein.

Ihre Hände zitterten ein wenig.

Jemanden vor der Tür stehen zu lassen, war schwieriger gewesen, als sie gedacht hatte, doch nachgeben wollte sie nicht.

Sie setzte sich auf einen gewöhnlichen Küchenstuhl.

Grom kam zu ihr, legte seinen Kopf auf ihre Knie und blickte sie treu an.

— Alles ist gut, mein Junge, — sagte Viktoria und strich ihm über das raue Fell.

— Wir sind zu Hause.

In dieser Nacht schlief sie überraschend fest.

Am Morgen, als Viktoria Kaffee kochte, begann das Telefon auf dem Tisch zu vibrieren.

Michail rief an.

Sie ging nicht sofort ans Telefon.

Sie wartete, bis der Anruf endete, goss sich Kaffee in eine Tasse und drückte erst beim zweiten Klingeln auf die Annahmetaste.

— Ja.

— Vika, das geht zu weit, — die Stimme ihres Mannes klang heiser, offenbar hatte er sich tatsächlich erkältet.

— Wir haben irgendeine Bruchbude am Stadtrand genommen.

Mama hat die ganze Nacht geweint.

Ihr Blutdruck ist gestiegen, wir mussten Medikamente kaufen.

Bist du jetzt zufrieden?

— Ich bin zufrieden, dass ihr eine Unterkunft gefunden habt, — antwortete Viktoria ruhig.

— Und was ihren Blutdruck betrifft, sind das Fragen des Alters und der Nerven und nicht meine Angelegenheit.

— Du bist so grausam geworden, — beharrte Michail.

— Früher warst du nicht so.

Wir haben so viel Geld in diese Datscha gesteckt.

Mama war einfach wegen der Tulpen aufgebracht.

Na gut, sie hat etwas gesagt, ohne nachzudenken.

Man hätte ihr auch verzeihen können.

— Michail, lass uns offen reden, — Viktoria setzte sich an den Esstisch.

— Es geht nicht um die Tulpen.

Und auch nicht um die Datscha.

Es geht darum, dass sie mich hinausgeworfen hat und du auf der Veranda stehen geblieben bist.

Du hast nicht einmal versucht, sie aufzuhalten.

Du hast dich entschieden, dort zu bleiben.

Dann bleib auch dort.

Aus dem Hörer war schweres Atmen zu hören.

Michail suchte offensichtlich nach den richtigen Worten.

— Ich bin immerhin dein Mann, — brachte er schließlich hervor.

— Und ich habe das Recht, dort zu wohnen, wo meine Frau lebt.

Ich komme jetzt und hole meine Sachen.

— Komm nur.

Deine Sachen sind gepackt.

— Was meinst du mit „gepackt“?

— Genau das, was ich gesagt habe.

Drei Sporttaschen stehen im Flur.

Ich habe sie schon vorgestern gepackt, als ich verstanden habe, dass du nicht zurückkommen wirst, solange deine Mutter es dir nicht erlaubt.

— Vika, mach keinen Unsinn! — Michails Stimme wurde zu einem Schrei.

— Was für eine Scheidung?

Weswegen?

Wegen eines Blumenbeets?!

— Weil wir in unserer Ehe zu dritt sind.

Und ich in dieser Reihenfolge immer an letzter Stelle komme.

Komm vorbei, die Taschen sind schwer, ich werde sie nicht selbst tragen.

Sie beendete das Gespräch, ohne seine Antwort abzuwarten.

Der Kaffee war inzwischen etwas abgekühlt, schmeckte ihr jedoch ungewöhnlich gut.

Michail kam zwei Stunden später.

Allein.

Er klingelte lange an der Tür und klopfte danach, während er verlangte, dass sie ihn hineinließ, um „wie normale Menschen miteinander zu reden“.

Viktoria stellte einfach eine Tasche nach der anderen auf den Treppenabsatz.

— Einer Scheidung stimme ich nicht zu, — brummte er und hob die erste Tasche auf.

— Wenn du dich wieder beruhigt hast, wirst du schon selbst anrufen.

— Ganz bestimmt, — nickte Viktoria und schloss die Tür.

Zwei Wochen vergingen.

Das Wasser an der Datscha war zurückgegangen und hatte eine Schicht Schlamm und ruinierte Möbel hinterlassen.

Galina Stepanowna kehrte in ihre Stadtwohnung zurück und beschwerte sich jeden Tag telefonisch bei ihren Verwandten über ihre herzlose Schwiegertochter.

Viktoria rief nicht an.

Sie reichte einfach den Scheidungsantrag beim Gericht ein und wechselte ihre Telefonnummer.

Grom schlief nun auf seiner Decke im Flur, und niemand schimpfte mehr mit ihm wegen seiner nassen Pfoten.

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