Am Freitag räumte ich sämtliches Fleisch weg und holte Sellerie hervor.
— Dascha, warum liegst du noch im Bett?

Es ist schon fast neun!
Stasik ist von der Fahrt völlig erschöpft, er braucht jetzt ein Spiegelei aus fünf Eiern und knusprigen Speck!
Ich öffnete mühsam meine schweren Augenlider.
Im Schlafzimmer roch es nicht nach dem frischen Morgentau, wegen dessen wir dieses Haus auf dem Land gekauft hatten, sondern nach dem scharfen Blumenparfüm von Sinaida Markowna.
Meine Schwiegermutter stand mit in die Hüften gestemmten Händen in der Tür und sah mich fordernd an.
— Sinaida Markowna, wir haben doch gestern bis zwei Uhr nachts die Beete gejätet, — antwortete ich heiser und spürte, wie meine Rückenmuskeln schmerzten.
— Macht nichts, irgendwann schlafen wir uns aus.
Los, steh auf, im Kofferraum stehen leere Behälter, wir sollten Suppe für die ganze Woche kochen!
Die Tür fiel krachend zu.
Ich vergrub mein Gesicht im Kissen und spürte, wie sich in mir vor tiefer Kränkung alles zusammenzog.
Sieben Jahre.
Sieben Jahre lang hatten Maxim und ich uns alles versagt.
Wir waren nicht ans Meer gefahren, hatten unsere alten Jacken weitergetragen und in einem winzigen Studio-Apartment gelebt, um für dieses hölzerne Blockhaus am Waldrand zu sparen.
Maxim hatte die Bretter selbst abgeschliffen, und ich hatte mir bei der Arbeit Blasen geholt, während ich Hortensien pflanzte.
Es sollte unser stiller Zufluchtsort werden.
Doch unser Traum hatte sich in ein kostenloses Erholungsheim für die Verwandten meines Mannes verwandelt.
Jeden Freitag um Punkt sechs Uhr abends hielt ein kirschroter Wagen vor unserem Tor.
Der achtunddreißigjährige Stanislaw, Maxims Bruder, stieg aus, streckte sich und ging direkt zur Hängematte.
Sinaida Markowna folgte ihm mit leeren karierten Taschen, die ich bis Sonntagabend mit Essen füllen sollte.
— Dascha, wer mariniert denn Fleisch so?
Das wird doch trocken! — dröhnte die Stimme meiner Schwiegermutter an meinem Ohr, während ich an meinem wohlverdienten freien Tag am Spülbecken stand.
— Und bring Stasik Mineralwasser, die Hitze bekommt ihm nicht.
Die Lebensmittel verschwanden in Lichtgeschwindigkeit.
Bauernkäse, ausgewähltes Schweinefleisch und frisches Gemüse — bis Samstagabend erschreckten die leeren Regale des Kühlschranks mit ihrer weißen Kahlheit.
Maxim musste das Auto starten und zum Dorfladen fahren, wo er jedes Mal eine beträchtliche Summe ausgab.
Die Verwandten hatten nicht ein einziges Mal auch nur einen Laib Brot mitgebracht.
An jenem Abend, als ich zum vierten Mal an diesem Tag Stanislaws Geschirr abwusch, begannen meine Hände unkontrolliert zu zittern.
Ein Teller glitt mir aus der Hand und zersprang klirrend auf den Fliesen.
Maxim war sofort bei mir.
Er ging in die Hocke, sammelte die Scherben auf und blickte in mein blasses Gesicht.
— Schluss, es reicht, — sagte er leise und nahm mir das Handtuch aus der Hand.
— Du bist völlig erschöpft.
— Max, sie fressen unser gesamtes Haushaltsbudget auf, — flüsterte ich und hielt die aufsteigenden Tränen zurück.
— Ich kann nicht länger ihre Dienerin sein.
Mein Mann war schon immer ein sanfter Mensch gewesen und vermied Streit mit seiner herrschsüchtigen Mutter.
Doch als er meinen Zustand sah, nickte er entschlossen.
— Wenn wir es ihr direkt sagen, gibt es einen riesigen Skandal, und Mama wird uns danach jahrelang nicht anrufen, — sagte er und legte den Arm um meine Schultern.
— Wir müssen dafür sorgen, dass sie von selbst keine Lust mehr haben, hierherzukommen.
Die Lösung brachte mich auf eine Idee, die von meiner Kollegin Oksana stammte.
Sie interessierte sich für östliche Praktiken und hatte mir einmal in der Mittagspause von einer tibetischen Körperreinigung erzählt.
Kein Fleisch, keine schnellen Kohlenhydrate, kein Salz und kein Zucker.
Nur Kräuter, rohes Gemüse und ungewürztes Soja.
Am Donnerstag fuhren Maxim und ich nach der Arbeit auf den Markt.
Wir machten bewusst einen großen Bogen um die Fleischstände.
In unseren Taschen landeten Bündel bitterer Rucola, grüner Sellerie, rohe Rote Bete, Leinsamen und Sojafleisch, das sich von der Konsistenz her wie ein fester Schwamm anfühlte.
Am Freitagabend ertönte das vertraute Hupen.
Sinaida Markowna riss wie gewöhnlich das Gartentor auf.
— Daschenka, macht den Grill an!
Stasik hat so sehr im Stau gelitten, er braucht sofort ein paar Schaschlikspieße!
Ich trat in einer sauberen Schürze auf die Veranda und strahlte mein ehrlichstes und breitestes Lächeln aus.
— Sinaida Markowna, Stas!
Wir haben fantastische Neuigkeiten für euch.
Max und ich haben bemerkt, wie müde ihr in der Stadt werdet, und beschlossen, uns um eure Gesundheit zu kümmern.
In unserem Wochenendhaus startet ein vollständiges Detox-Programm!
Das Gesicht meiner Schwiegermutter wurde lang.
Misstrauisch schnupperte sie in der Luft.
— Was denn für ein Detox?
Und wonach riecht das hier … als hätte jemand Heu aufgebrüht?
— Das ist ein Sud aus Brennnesseln und Klettenwurzel! — verkündete Maxim munter, als er aus dem Haus kam.
— Das hilft dem Körper.
Kommt an den Tisch, das Abendessen ist fertig.
Auf dem Holztisch standen Tonschalen.
Darin schwappte eine dicke grüne Masse.
Es war eine Cremesuppe aus Sellerie und Spinat, die nur mit Wasser und ohne ein einziges Salzkorn gekocht worden war.
In der Mitte des Tisches türmte sich ein Berg Sojafrikadellen, die mit Leinsamen bestreut waren.
Stanislaw ließ sich schwer auf einen Stuhl sinken.
Er stach mit der Gabel in eine Sojafrikadelle.
Sie federte elastisch zurück und gab ein leises, dumpfes Geräusch von sich.
— Was ist das denn? — fragte er mit plötzlich heiserer Stimme.
— Und wo ist das Schweinefleisch?
— Stas, Schweinefleisch ist schlecht für die Blutgefäße! — tadelte ich ihn liebevoll und goss den dunklen Klettenwurzelsud in die Tassen.
— Das ist reines pflanzliches Eiweiß.
Kaut gründlich, jeder Bissen muss vierzigmal gekaut werden.
Sinaida Markowna schöpfte etwas von der grünen Suppe.
Kaum berührte die Flüssigkeit ihre Lippen, schluckte sie krampfhaft und begann zu husten.
— Daschenka, gibt es vielleicht Brot?
Ganz normales Weißbrot?
— Hefe ist streng verboten! — erklärte Maxim und schob sich mit sichtbarem Appetit eine Pflanzenfrikadelle in den Mund.
Wir wechselten einen verschmitzten Blick, denn eine Stunde vor ihrer Ankunft hatten wir in der Stadt ausgiebig Steaks gegessen und konnten uns dieses Schauspiel deshalb leisten.
Das Abendessen verlief begleitet vom Zirpen der Grillen draußen und den schweren Seufzern meiner Schwiegermutter.
Stanislaw kaute etwa zehn Minuten lang lustlos auf den Sojafasern herum, erklärte dann, ihm sei plötzlich schlecht geworden, und ging ins Schlafzimmer.
Sinaida Markowna trank heißes Wasser ohne alles und blickte mit tiefer Traurigkeit auf den strahlend weißen, aber vollkommen leeren Kühlschrank.
Der Samstagmorgen wurde zu einer echten Belastungsprobe.
Zum Frühstück servierte ich einen Smoothie aus gekeimtem Weizen und Roter Bete.
Das Getränk schmeckte nach feuchter Erde.
Dazu gab es knochenharte Kleieknäckebrote.
— Das nehme ich nicht in den Mund, — zischte Stanislaw und wurde beim Anblick des dunkelroten Smoothies blass.
— Davon wird mir schlecht.
Habt ihr wenigstens Nudeln?
— Nur glutenfreie Nudeln aus grünen Bohnen, — bot ich mitfühlend an.
— Möchtest du welche?
Sie brauchen vierzig Minuten zum Kochen.
Sinaida Markowna saß mit eingefallenem Gesicht da.
Ohne ihren gewohnten Kaffee mit Sahne und ohne süßes Gebäck wirkte sie völlig verloren.
— Dascha … was gibt es zum Mittagessen? — fragte sie leise, ohne auch nur zu versuchen, von dem steinharten Knäckebrot abzubeißen.
— Einen Festtagssalat! — rief ich und schlug begeistert die Hände zusammen.
— Roher Kürbis mit Ingwer und gebackener Tofu!
Und am Abend gehen wir barfuß über das nasse Gras, meditieren und fangen Energie ein.
Die Reinigung muss bis in jede einzelne Zelle eindringen!
Der Bruder meines Mannes hörte auf zu kauen.
Langsam wandte er den Blick seiner Mutter zu.
In seinen Augen stand das unverfälschte Erstaunen eines erwachsenen Mannes, dem man das Essen weggenommen hatte und der nun gezwungen wurde, über Gras zu laufen.
Den ganzen Tag streiften sie wie Schatten über das Grundstück.
Stanislaw versuchte, zum Dorfladen zu fahren, doch der war wegen einer Inventur geschlossen.
Gegen Abend, als ich mit lautem Knirschen begann, den harten Kürbis auf einer groben Reibe zu raspeln, stürmte meine Schwiegermutter in die Küche.
Sie hatte sich bereits in ihre Stadtkleidung umgezogen und umklammerte nervös ihre leere Tasche.
— Daschenka, richte Max aus … wir fahren nach Hause, — sagte sie, wich meinem Blick aus und zupfte hektisch an ihrem Kragen.
— Wir haben völlig vergessen, dass Tante Walja morgen feiert.
Wir müssen noch ein Geschenk suchen.
— Wie, ihr fahrt schon? — fragte ich, legte die Reibe beiseite und setzte mein enttäuschtest Gesicht auf.
— Sinaida Markowna, wir haben das Detox-Programm doch noch gar nicht beendet!
Morgen früh steht ein Salat aus frischem Löwenzahn auf dem Plan!
Ich habe auf dem Feld schon die zartesten Blätter ausgesucht.
Beim Wort „Löwenzahn“ ertönte im Flur ein lauter Krach — Stanislaw war über seine eigenen Schuhe gestolpert, weil er so schnell wie möglich zur Tür hinauswollte.
— Ein anderes Mal, Dasch!
Ganz bestimmt ein anderes Mal! — rief er von der Veranda und ließ die Autoschlüssel klimpern.
Maxim und ich standen am Tor und sahen zu, wie der kirschrote Wagen mit durchdrehenden Reifen auf die unbefestigte Straße schoss und eine dichte Staubwolke hinter sich zurückließ.
Sobald das Auto hinter der Kurve verschwunden war, zog mein Mann mich an sich und brach in lautes, ansteckendes Gelächter aus.
— Hast du sein Gesicht gesehen? — brachte Maxim zwischen zwei Lachanfällen hervor.
— Der Löwenzahn war der letzte Tropfen!
Ich lächelte glücklich, löste die Bänder meiner Schürze und ging in die Küche.
Aus einem Versteck hinter den Einmachgläsern in der hintersten Speisekammer holte ich eine Stange aromatische Rohwurst, ein Stück ausgezeichneten Käse und ein frisches Baguette hervor.
Fast drei Monate vergingen.
Unser Wochenendhaus wurde wieder zu jenem friedlichen Ort, an dem es nach Blumen und hausgemachtem Abendessen duftete.
Sinaida Markowna ruft meinen Mann jetzt einmal pro Woche an, findet aber jedes Mal einen Grund, eine Fahrt zu uns abzulehnen.
Bei jedem Gespräch erzähle ich ihr mit fröhlicher Stimme, dass wir inzwischen nur noch von Schmelzwasser und gekeimtem Leinsamen leben.
Man sagt, Stanislaw habe nach jenem Wochenende gelernt, sich selbst Pelmeni zu kochen.
Und ich habe eine wichtige Lektion gelernt: Manchmal reicht es aus, rechtzeitig eine Klettenwurzel hervorzuholen, um den eigenen Frieden zu schützen.







