Der schwere Geruch von billigem, süßlichem Parfüm schlug mir bereits an der Tür entgegen.
Ich blieb im Flur stehen und hielt in der rechten Hand meinen schweren, versiegelten Arbeitskoffer.

Der Bodenbelag aus Polybutylen — ein spezieller, glatter Belag, der für die Behandlung mit alkalischen Mitteln ausgelegt war — war mit grauen, schmutzigen Spuren fremder Stiefel bedeckt.
Auf dem Spiegeltisch, auf dem normalerweise nur meine Desinfektionstücher und mein Dienstausweis lagen, standen in ordentlichen Reihen rosa und gläserne Fläschchen.
Daneben lag eine geöffnete Kosmetiktasche, aus der mit Foundation verschmierte Schwämmchen herausgefallen waren.
— Oh, du bist also doch zurück! — erklang aus der Tiefe des Flurs die helle, freche Stimme meiner Schwägerin.
Oksana kam aus meinem Schlafzimmer und trug meinen Frotteebademantel, den ich mir erst vor zwei Monaten gekauft hatte, während sie am Gürtel zupfte.
Zwischen den Zähnen hielt sie einen Zahnstocher.
— Stell deine Tasche auf den Boden, Diana — sagte sie, ohne auch nur daran zu denken, ihre Fläschchen wegzuräumen.
— Siehst du nicht, dass die Leute gerade ihre Sachen einräumen?
Meine Döschen stehen hier ordentlich sortiert, also fass nichts an.
Ich bewegte mich keinen Zentimeter.
Ich richtete das Titanarmband an meinem linken Handgelenk.
Der mattschwarze Bildschirm des Sensors blinkte leise mit einer grünen LED auf und erfasste meinen Puls — zweiundsiebzig Schläge pro Minute.
— Was machen deine Sachen in meinem Schlafzimmer, Oksana? — fragte ich.
Meine Stimme klang völlig ruhig, ohne das geringste Zittern.
— Wo sollen sie denn sonst sein? — Maxim kam gemächlich aus der Küche.
Er trug meine bequeme Arbeitshose, die ihm an den Knöcheln offensichtlich zu kurz war.
— Meine Schwester ist zu mir gekommen.
Für immer.
— Deine Schwester ist in einen Sonderblock eingezogen? — Ich ließ meinen Blick von meinem Mann zu Oksana wandern.
— Ohne Genehmigung der Sonderabteilung?
Maxim verzog das Gesicht und winkte ab, als würde er eine lästige Fliege verscheuchen.
— Jetzt geht das schon wieder los!
Schon wieder deine schlauen Begriffe.
Er trat näher und wollte meinen Koffer mit dem Fuß beiseiteschieben.
— Hör auf, dich lächerlich zu machen.
Wir haben alles ohne dich besprochen.
Mutter ist auch hier.
Sie sitzt in der Küche und trinkt Tee.
— Galina Michailowna ist ebenfalls hier? — Ich schloss meine Finger fester um den Griff des Koffers.
— Was hast du denn erwartet? — Oksana verschränkte die Arme vor der Brust und grinste unverschämt, während sie sich mit dem Ellbogen auf den Spiegeltisch stützte.
— Mama ist gekommen, um mir beim Einrichten zu helfen.
Das Schlafzimmer gehört jetzt mir.
Dort steht ein Doppelbett, für Wadik und mich reicht es genau.
Und Maxim wird dir auf dem Balkon den Schlafsessel ausklappen.
Oder er macht dir das Sofa im Wohnzimmer zurecht, wenn du von deiner Schicht hier auftauchst.
— Auf welchem Balkon? — fragte ich ruhig nach.
— Auf dem beheizten — meldete sich Galina Michailowna aus der Küche.
Sie erschien in der Tür und hielt meine Porzellantasse mit goldenem Rand in der Hand.
— Stell dich nicht so an, Diana.
Du bist eine erwachsene Frau, du wirst das schon aushalten.
Oksanotschka braucht nach der Scheidung eine Bleibe, ihre Nerven sind völlig ruiniert.
Und du hängst sowieso Tag und Nacht in deinem Institut herum, diese Wohnung brauchst du praktisch gar nicht.
Ich sah meine Schwiegermutter an.
Sie trank ruhig aus meiner Tasse und hinterließ auf dem weißen Porzellan eine fettige Spur ihres Lippenstifts.
— Das ist keine Wohnung, Galina Michailowna — antwortete ich.
— Das ist der isolierte Dienstwohnblock Nummer vier.
— Von mir aus auch Nummer fünf! — brüllte Maxim und machte einen Schritt auf mich zu.
— Hör auf, uns etwas vorzumachen!
Eine Wohnung ist eine Wohnung.
Eine Zweizimmerwohnung in Akademgorodok.
Du hast sie bekommen?
Du hast sie bekommen.
Also gehört sie uns.
Kapitel 2.
Die Herren des Lebens
Ich ging in die Küche, ohne meinen Dienstmantel auszuziehen.
Den Koffer stellte ich auf den speziellen Schrank an der Wand — den einzigen Ort, der vor Staub geschützt war.
Auf dem Küchentisch aus Edelstahl stand eine geöffnete Flasche exklusiven Schaumweins.
Genau jener Flasche, die mir der wissenschaftliche Rat zusammen mit einer Urkunde für eine geheime Forschungsarbeit über Stämme der dritten Gruppe überreicht hatte.
Daneben lagen zerknüllte Folie und der Korken.
— Ihr habt den Wein ohne meine Erlaubnis geöffnet — stellte ich fest.
— Meine Güte, es ist doch nur Wein! — Oksana kam hinter mir herein und setzte sich ohne jede Zurückhaltung auf meinen Stuhl, wobei sie die Beine übereinanderschlug.
— Wir feiern meinen Einzug.
Das dürfen wir.
Maxim hat gesagt, dass du dafür sowieso nichts bezahlt hast, die haben dir die Flasche auf der Arbeit einfach zugesteckt.
— Das ist ein Sammlerwein, Oksana.
Und er befand sich in einem verschlossenen Safemodul.
— Na und? — Maxim stellte sich neben seine Schwester und schenkte sich ein volles Glas ein.
Es war ein gewöhnliches facettiertes Trinkglas, das er aus dem Abtropfgestell genommen hatte.
— Den Code zu deinem Schrank habe ich schon vor langer Zeit gesehen.
Du hast ihn jedes Mal vor meinen Augen eingegeben.
Meine Güte, eine Flasche!
Wegen so etwas machst du gleich ein Drama.
— Du hast mein persönliches Safemodul geöffnet? — Ich sah meinem Mann direkt in die Augen.
— Ja, habe ich! — mischte sich Galina Michailowna ein, setzte sich auf den zweiten Stuhl und breitete eine Serviette auf ihrem Schoß aus.
— Hör auf, deinen Mann zu verhören, Diana!
Hör lieber darauf, was vernünftige Menschen dir sagen.
Morgen nimmst du dir frei und fährst zum Bürgerzentrum.
— Warum soll ich zum Bürgerzentrum fahren?
— Was heißt warum? — Galina Michailowna runzelte die Stirn und klopfte mit dem Fingernagel gegen das Glas.
— Oksana muss hier angemeldet werden.
Und ihr Kind ebenfalls.
Damit es einen Platz im örtlichen Kindergarten bekommt.
In unserem Viertel sind die Wartelisten riesig, aber hier bei euch in Akademgorodok gibt es gute Schulen.
— Ich kann Oksana hier nicht anmelden — sagte ich ruhig.
— Weder Oksana noch ihr Kind.
— Und warum bitte nicht? — Die Stimme meiner Schwägerin wurde schrill.
Sie richtete sich auf und stemmte die Hände in die Hüften.
— Bist du etwa so geizig?
Ist dir für die eigene Schwester deines Mannes der Platz zu schade?
— Weil eine Anmeldung in diesem Wohnblock ausschließlich über die Personalabteilung des Verteidigungsministeriums und die Direktion des Forschungsinstituts erfolgt — sagte ich und sah meinen Mann an.
— Ich habe dir das gesagt, Maxim.
Vor drei Jahren, als wir die Nutzungsvereinbarung unterschrieben haben.
Maxim drehte sich zu seiner Mutter um, seufzte schwer und setzte einen Gesichtsausdruck auf, als wäre er der größte Märtyrer der Welt.
— Mama, hörst du das?
Sie fängt schon wieder damit an.
Sie hat sich diese Märchen in den Kopf gesetzt und glaubt selbst daran.
— Maxim — ich trat einen Schritt auf ihn zu.
— Das sind keine Märchen.
Du bist hier nur vorübergehend als Ehepartner einer Mitarbeiterin gemeldet.
Du hast weder Verfügungsrecht noch das Recht, weitere Personen hier einzuquartieren.
— Diana! — Maxim schlug das Glas so hart auf den Tisch, dass Wein auf die sterile Oberfläche schwappte.
— Hör auf, hier den Chef zu spielen!
Du bist zu Hause und nicht in deinem Labor!
Bist du meine Frau oder was?
Meine Schwester ist auf der Straße gelandet!
Ihr Exmann hat ihr wegen seiner Schulden die Wohnung weggenommen, sie kann nirgendwohin!
Verstehst du das mit deinem vertrockneten Gehirn überhaupt?
— Ich verstehe, dass deine Mutter eine Zweizimmerwohnung in der Stroitelei-Straße besitzt — antwortete ich.
— Und Oksana ist dort gemeldet.
— Dort ist es zu eng! — unterbrach Galina Michailowna mich.
— Ich brauche dort Ruhe und Frieden, ich muss Validol nehmen!
Und hier habt ihr eine schöne Zweizimmerwohnung.
Und überhaupt, Diana, du solltest dich wie eine Frau benehmen.
Maxim ist das Familienoberhaupt.
Wenn er entschieden hat, dass seine Schwester bei euch wohnen wird, dann wird sie bei euch wohnen.
— Sie wird hier nicht wohnen — antwortete ich.
Oksana schnaubte laut und nahm direkt aus der Weinflasche einen Schluck, ohne sich um ein Glas zu kümmern.
— Ha!
Wir werden ja sehen, wie du mich hier rausbekommst.
Meine Sachen sind schon im Schlafzimmer.
Den Schrank habe ich leergeräumt, deinen ganzen Kram in Kartons gepackt und auf den Balkon gestellt.
Also gewöhn dich daran, Schwägerin.
Jetzt bin ich hier die Hausherrin.
Kapitel 3.
Die Zugangsgrenze
Schweigend verließ ich die Küche und ging ins Schlafzimmer.
Meine ordentlich gefalteten Sachen — Dienstblusen, Laborkittel und streng geschnittene Hosenanzüge — lagen als Haufen in einer Ecke auf dem Boden.
Die Kunststoffbehälter, in denen ich meine Bettwäsche aufbewahrte, waren ohne jede Rücksicht auf den Balkon geworfen worden und standen direkt auf dem kalten Beton.
Auf meinem Bett lag ein fremder Koffer, und über meine Tagesdecke waren die schmutzigen Jeans meiner Schwägerin geworfen worden.
In meiner Brust breitete sich eine trockene, klingende Schwere aus.
Es war keine Wut, sondern kalte Berechnung.
Ich ging zurück in den Flur.
Maxim stand an der Tür, lehnte mit der Schulter am Türrahmen und lächelte selbstzufrieden.
— Na, hast du dir alles angesehen? — fragte er.
— Hast du verstanden, dass es sinnlos ist, zu diskutieren?
— Maxim, schlag dir diesen Unsinn aus dem Kopf — sagte ich leise und trat dicht an ihn heran.
— Fahrt sofort weg.
Nimm deine Mutter, nimm deine Schwester, nehmt ihre Koffer und verschwindet.
— Und warum sollte ich? — Er kniff die Augen zusammen.
— Drohst du mir etwa?
— Ich drohe nicht.
Ich stelle lediglich eine Tatsache fest.
Dieses Objekt wird vom Sonderkontrolldienst überwacht.
Wenn das System registriert, dass sich nicht erfasste Zivilpersonen länger als zwei Stunden hier aufhalten, wird das als Verstoß der ersten Kategorie eingestuft.
Maxim brach in schallendes Gelächter aus.
Er lachte so laut, dass es durch den ganzen Flur hallte, und warf dabei den Kopf zurück.
Galina Michailowna sah aus der Küche und lachte mit ihrem Sohn.
— Ich kann nicht mehr!
Ein Verstoß gegen das Sicherheitsregime! — lachte mein Mann.
— Hast du das gehört, Mama?
Sie droht uns mit der Sonderkontrolle!
Diana, bist du wegen deiner Mikroben jetzt völlig durchgedreht?
Wer interessiert sich schon für deine Zweizimmerwohnung?
Welche Geheimdienste?
Du bist nur irgendeine Wissenschaftlerin, sitzt da für deine drei Groschen und machst dicke Backen, als würdest du im Kreml arbeiten!
— Ich arbeite an einem staatlichen Institut für Virologie — erinnerte ich ihn.
— Es ist mir völlig egal, wo du arbeitest! — brüllte Maxim, und sein Lächeln verschwand schlagartig.
Er trat einen Schritt vor und überragte mich.
— Du bist meine Frau.
Diese Wohnung wurde unserer Familie gegeben.
Und die Familie, das bin ich, meine Mutter und meine Schwester!
Hast du das verstanden?
— Verstehst du wirklich nicht, welche Konsequenzen das haben kann? — Ich sah ihn ehrlich überrascht an.
— Diana, du hockst Tag und Nacht in deinem Labor, während meine Schwester mit ihrem Kind keinen Platz zum Leben hat! — schrie Maxim.
In seiner Stimme vermischten sich Wut und die feste Überzeugung, im Recht zu sein.
— Ihre Situation ist katastrophal!
Ihr Ex hat sie ohne einen Cent zurückgelassen!
Und du sitzt auf deinen Quadratmetern wie ein Hund auf dem Heu!
Ist dir das etwa zu schade?
Wir haben dir doch eine Ecke gegeben!
Haben wir!
Also setz dich hin und halt dich zurück!
— Wohnblock vier ist eine Quarantäneschleuse der Kategorie „B“ — sagte ich deutlich und trennte jedes Wort voneinander.
— Im Falle einer Störung im Institut wird dieser Block in den Modus vollständiger Isolation versetzt.
Personen ohne Zugangsberechtigung der Stufe „Alpha“ dürfen sich hier nicht aufhalten.
Ihr habt diese Berechtigung nicht.
— Schluss jetzt! — schrie Galina Michailowna aus der Küche.
— Maxim, bring sie zum Schweigen!
Ich habe ihre Wahnvorstellungen satt!
Sie soll auf den Balkon gehen und schlafen, uns tut schon der Kopf von ihr weh!
Maxim grinste, trat näher und stützte seine Hand über meinem Kopf gegen die Wand, sodass er mir den Weg versperrte.
— Hast du gehört, was meine Mutter gesagt hat? — sagte er selbstgefällig und frech.
— Das Gespräch ist beendet.
Ab auf den Balkon.
Kapitel 4.
Signal „Quarantäne“
Ich sah ihm ins Gesicht.
Ich betrachtete die kleinen Falten an seinen Augen und das satte, selbstzufriedene Grinsen eines Menschen, der daran gewöhnt war, dass ich schwieg.
Ich hatte geschwiegen, als er mein Geld nahm, um das Auto seiner Mutter reparieren zu lassen.
Ich hatte geschwiegen, als er am Wochenende seine Freunde hierherbrachte.
Ich hatte geschwiegen, weil ich bis zu dreißig Stunden am Stück im Labor verbrachte und einfach keine Kraft für häusliche Streitereien hatte.
Er hatte meine Erschöpfung für Schwäche gehalten.
— Die Sachen meiner Schwester sind schon im Schlafzimmer, und du kannst verschwinden! — grinste mein Mann unverschämt, versperrte mir den Weg und klopfte mir gönnerhaft auf die Schulter.
Ich begann nicht mit ihm zu streiten.
Ich erhob meine Stimme nicht.
Ich versuchte ihm auch nicht zu beweisen, was längst in Gesetzen und Vorschriften festgeschrieben war.
Ich hob einfach meine linke Hand auf Brusthöhe.
Mit dem Finger meiner rechten Hand drückte ich den seitlichen mechanischen Knopf meines Titanarmbands, hielt ihn drei Sekunden lang gedrückt und gab einen kurzen persönlichen Code ein: vier, acht, zwei, null.
Der Bildschirm des Armbands, der eine Sekunde zuvor noch dunkelgrau gewesen war, leuchtete plötzlich in alarmierendem Scharlachrot auf.
Im Inneren der Wand — über der Eingangstür und an den Verbindungsstellen der Lüftungsschächte — klickte etwas laut und trocken.
— Was drückst du da? — Maxim runzelte die Stirn und starrte auf mein Handgelenk.
— Was soll dieser Mist?
Statt einer Antwort ertönte aus dem Eingangsbereich ein tiefes Dröhnen.
Eine massive Stahlpanzerplatte, die in den Türrahmen eingebaut und als gewöhnliche Verkleidung getarnt gewesen war, senkte sich mit lautem Krachen von oben nach unten.
Das Schloss verriegelte sich mit einem dumpfen metallischen Schlag, der an einen Schuss erinnerte.
Im selben Moment gingen an der Decke im Flur und in der Küche grellorange Notleuchten an.
Die Lüftung stockte kurz und wechselte mit einem leisen Zischen in den Modus eines geschlossenen Umluftkreislaufs.
— Hey! — schrie Oksana aus der Küche.
— Was ist mit dem Licht?
Warum ist alles orange?
Galina Michailowna stürzte in den Flur und ließ dabei die Tasse auf den Boden fallen.
Das Porzellan zerbrach in unzählige kleine Scherben.
— Diana!
Was hast du gemacht?
Warum ist die Tür zu? — kreischte meine Schwiegermutter.
Maxim sprang zur Tür und riss am Griff.
Der Griff bewegte sich keinen Millimeter.
Er war durch Riegel verriegelt, die so dick waren wie ein menschlicher Arm.
— Mach auf! — brüllte mein Mann und drehte sich zu mir um.
Auf seinem Gesicht erschien die erste, noch kaum bewusste Panik.
— Hörst du?
Mach sofort die Tür auf!
Das ist nicht lustig!
— Ich kann sie nicht öffnen — antwortete ich ruhig und lehnte mich mit dem Rücken an den Schrank mit meinem Koffer.
— Das Armband hat das Protokoll zur biologischen Isolation wegen unbefugten Eindringens aktiviert.
Das Signal wurde an die Zentrale des diensthabenden Offiziers des Sicherheitsdienstes übertragen.
— Welche Isolation?
Bist du völlig verrückt geworden? — Maxim rannte zu mir und packte mich am Ärmel meines Mantels.
— Hör mit diesem Zirkus auf!
Drück deinen Knopf wieder zurück!
— Einen „Zurück“-Knopf gibt es nicht — sagte ich und schüttelte seine Hand ab.
— Das Protokoll „Quarantäne-1“ kann nur durch die persönliche Anwesenheit des Schichtleiters und eines Vertreters der Sicherheitsuntersuchungsabteilung aufgehoben werden.
— Du lügst! — kreischte Oksana, rannte aus der Küche und klammerte sich an die Schulter ihres Bruders.
— Max, sie lügt!
Sie will uns nur Angst machen, damit wir verschwinden!
Mach etwas!
Tritt die Tür ein!
— Womit soll ich sie eintreten? — brüllte Maxim und hämmerte mit den Fäusten gegen die Stahlplatte.
— Das Ding ist mit Metall verstärkt!
Diana, du Miststück, mach auf!
Genau zwei Minuten und vierzig Sekunden vergingen.
Hinter der Stahltür war das schwere Stampfen vieler Stiefel zu hören.
Dann ertönte ein lautes metallisches Klopfen gegen die Panzerplatte.
— Einsatzgruppe für Notfallbeseitigung! — dröhnte aus dem Gegensprecher eine trockene, durch die Membran verstärkte Stimme.
— Objekt Nummer vier!
Persönliche Kennnummer und Status der biologischen Bedrohung nennen!
Ich ging zum Kommunikationsgerät an der Wand und drückte die Taste.
— Leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin Romanowa, persönliche Kennnummer Null-vier-siebzehn.
Im Objekt wurde der unbefugte Aufenthalt von drei Zivilpersonen ohne Schutzausrüstung und Sonderzugangsberechtigung festgestellt.
Die automatische Verriegelung der Schleuse wurde aktiviert.
— Verstanden, Null-vier-siebzehn — antwortete die Stimme aus dem Lautsprecher.
— Wir verwenden den Entriegelungsmechanismus.
Alle Personen im Inneren stellen sich an die gegenüberliegende Wand und nehmen die Hände hinter den Kopf.
— Was heißt hier „Hände hinter den Kopf“? — kreischte Galina Michailowna und rutschte an der Wand zu Boden.
— Wer sind Sie überhaupt?
Ich bin russische Staatsbürgerin!
Ich werde mich beschweren!
Maxim, tu doch etwas!
Aber Maxim konnte nichts tun.
Er stand an der verriegelten Tür, bleich wie die Wand, und ließ seinen wilden, verwirrten Blick zwischen mir und der scharlachrot leuchtenden Warnlampe hin- und herwandern.
Mit einem metallischen Schleifen fuhr die Stahlplatte nach oben.
Durch die schmale Öffnung stürmten sofort vier Gestalten in massiven, leuchtend gelben Chemie- und Bioschutzanzügen, mit isolierenden Gasmasken und automatischen Waffen vor der Brust.
Hinter ihnen trat ein Mann in einem strengen dunklen Mantel ohne Abzeichen ein — der Schichtleiter Denis Sergejewitsch.
— Niemand bewegt sich! — befahl der erste Einsatzbeamte knapp und richtete ein Gerät zur radiologischen und biologischen Kontrolle auf die Gruppe an der Wand.
Oksana stieß einen schrillen, fast unmenschlich hohen Schrei aus und fiel auf die Knie, während sie ihren Kopf mit den Händen bedeckte.
— Nicht schießen!
Bitte!
Das war alles mein Bruder!
Maxim hat mich hierhergebracht!
Ich wusste von nichts! — schluchzte sie und verschmierte ihre Wimperntusche über das ganze Gesicht.
Galina Michailowna verdrehte die Augen und sank langsam zur Seite, sodass ihr Kopf auf dem schmutzverschmierten Boden des Eingangsbereichs aufschlug.
Denis Sergejewitsch trat auf mich zu und nickte knapp.
— Diana Wiktorowna.
Verletzung der Perimetersicherheit?
— Jawohl, Denis Sergejewitsch — antwortete ich.
— Der Bürger Romanow Maxim Sergejewitsch hat mithilfe eines unrechtmäßig erlangten Codes Zugang zum Safemodul erhalten, ist in das Sicherheitsobjekt eingedrungen, hat unbefugte Personen hineingebracht und versucht, den dienstlichen Wohnblock an sich zu bringen.
Der Ermittler wandte sich Maxim zu.
— Bürger Romanow?
— Ich… ich bin ihr Mann! — stammelte Maxim.
Sein Unterkiefer zitterte so stark, dass seine Zähne klapperten.
— Ich bin ihr Ehepartner!
Das ist unsere Wohnung!
Wir haben nur eine Familienangelegenheit geklärt!
Diana, sag es ihnen!
Sag ihnen, dass wir uns nur gestritten haben!
Denis Sergejewitsch zog ein Formular für die Festnahme aus seiner Mappe.
— Objekt der Kategorie „A-eins“.
Artikel 283 des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation — unbefugtes Eindringen in ein Sicherheitsobjekt, in dem hochgefährliche Materialien aufbewahrt werden.
Beamte, die Eindringlinge sichern.
Zwei Einsatzkräfte in gelben Schutzanzügen traten auf Maxim zu.
Das trockene, harte Klicken von Stahlhandschellen ertönte.
— Diana! — schrie mein Mann, als ihm die Arme auf den Rücken gedreht wurden.
— Diana, zieh die Anzeige zurück!
Sag ihnen etwas!
Die stecken mich doch ins Gefängnis!
Diana!
Ich antwortete nicht.
Ich sah einfach nur zu, wie sie ihn in den sterilen Korridor hinausführten.
Kapitel 5.
Sicherheitsprotokoll
Die Desinfektion und die Aufnahme der Dokumente dauerten weitere anderthalb Stunden.
Ein spezieller Reinigungsdienst entfernte sämtliche fremden Gegenstände aus dem Raum: Oksanas Koffer, die auf den Balkon geworfenen Kartons und die rosa Parfümfläschchen.
Alles wurde in luftdichte gelbe Behälter mit der Kennzeichnung für biologische Entsorgung verpackt — so verlangten es die Vorschriften des Sicherheitsdienstes.
Galina Michailowna und Oksana wurden unter Bewachung in einem Spezialfahrzeug abtransportiert, damit sie Aussagen machen und sich einer achtundvierzigstündigen sanitären Quarantäne unterziehen konnten.
Maxim wurde direkt in die vorläufige Haftanstalt des behördlichen Sicherheitsdienstes gebracht.
In der Wohnung wurde es wieder still.
Die Techniker ersetzten die beschädigte Verkleidung im Flur, überprüften die Dichtheit der Abdichtungen und verschwanden schweigend, nachdem sie die Außentür mit dem regulären elektronischen Schloss verriegelt hatten.
Ich ging zum Küchentisch.
Die Scherben meiner Porzellantasse waren bereits entfernt worden.
Die Edelstahloberfläche war mit einer Desinfektionslösung, die leicht nach Ozon und Alkohol roch, bis auf Spiegelglanz gereinigt worden.
An der Wand neben dem Eingang hing ein kleines Messingschild.
Darauf stand in strengen, in das Metall geprägten Buchstaben: „Dienstwohnblock Nr. 4. Leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin Romanowa D. W. Persönliche Kennnummer 04-17“.
Ich zog meinen Mantel aus und hängte ihn ordentlich auf einen Kleiderbügel im Schrank.
Dann ging ich zum Fenster und öffnete den kleinen Fensterflügel.
Frische, kühle Luft aus Nowosibirsk strömte in den Raum und vertrieb endgültig die letzten Reste des fremden süßlichen Parfüms.
Auf dem Küchentisch lag das von Denis Sergejewitsch zurückgelassene Dokument — eine Kopie des Protokolls über den Entzug des Ausweises des Bürgers Romanow M. S. und die Aufhebung seines Rechts auf vorübergehenden Aufenthalt.
Ich nahm das Dokument, faltete es in der Mitte und legte es in die unterste Schublade meines Schreibtisches.
Direkt neben den Scheidungsantrag, den ich bereits vor einem Monat vorbereitet hatte, mich aber noch immer nicht getraut hatte zu unterschreiben.
Morgen um acht Uhr begann ein neuer Arbeitstag im Labor.
Nach welchem Prinzip bestimmt ein Mensch eigentlich jene Grenze, an der die Dreistigkeit anderer aufhört, wie ein Familienproblem zu wirken, und zu einer Bedrohung für das eigene Leben wird?







