— Weck deine Frau auf! Deine Neffen sind nach der Fahrt hungrig. Sie soll wenigstens einen Kuchen backen. Wir sind bald da, — erklärte die Schwester ihres Mannes.

Der Schlaf übermannte Nina sofort, kaum dass ihr Kopf das Kissen berührt hatte — schwer, tief und traumlos, so wie nach zwei Schichten hintereinander.

Ihre Beine schmerzten, ihr Rücken tat weh, und der letzte Gedanke, den sie noch fassen konnte, bevor sie einschlief, war: „Morgen habe ich frei, dann schlafe ich mich richtig aus.“

Hinter der Wand tickte die Uhr, durch das gekippte Fenster zog die kühle Nachtluft herein, und das Laken war kühl und ein wenig feucht von der Frische.

Halb eins nachts.

Stille.

Die Stille wurde vom Klingeln eines Telefons zerrissen.

Nicht ihres — Andrejs.

Er schlief neben ihr, und das Klingeln riss ihn nicht sofort aus dem Schlaf.

Das Telefon vibrierte einmal, dann noch einmal, bevor ihr Mann es auf dem Nachttisch ertastete, ans Ohr hielt und heiser sagte:

— Hallo … Galja, bist du das?

Was rufst du denn so früh … also, so spät in der Nacht an …

Nina öffnete die Augen nicht.

Sie lauschte nur durch die letzten Reste des Schlafes hindurch.

Die Stimme von Galina, der Schwester ihres Mannes, war so laut, dass sie aus dem Lautsprecher drang und das ganze Zimmer erfüllte.

— Andrjuscha, wir kommen zu euch!

— ratterte Galina.

— Ich, Witja und die Jungs.

Wir kommen von der Datscha zurück, und es ist nur ein kleiner Umweg.

Da dachte ich, wir schauen bei meinem Bruder vorbei, warum sollten wir einfach vorbeifahren.

Die Jungs sind hungrig, sie sitzen den ganzen Tag schon im Auto.

Du, äh … weck deine Frau auf!

Deine Neffen kommen von der Fahrt und haben noch nichts gegessen.

Sie soll wenigstens einen Kuchen backen.

Wir sind bald da, in etwa anderthalb Stunden.

So, das war’s, stell schon mal den Wasserkocher an!

Dann ertönten nur noch kurze Signaltöne.

Galina verabschiedete sich nie.

Sie legte auf, als würde sie einen Punkt setzen.

Das Gespräch war beendet, weil sie es so entschieden hatte.

Andrej senkte das Telefon.

Er schwieg einen Moment.

Dann berührte er Nina vorsichtig an der Schulter.

— Nin.

Nina.

Schläfst du?

— Ich schlafe, — antwortete Nina, ohne die Augen zu öffnen.

— Galja hat angerufen.

Sie kommen zu uns.

Mit den Jungs.

Sie seien hungrig, sagt sie.

Sie bittet … na ja, vielleicht könntest du einen Kuchen backen.

Stehst du auf?

Jetzt öffnete Nina die Augen.

In der Dunkelheit wirkte die Zimmerdecke grau.

Sie lag da und hörte ihr eigenes Herz.

Gerade eben hatte es noch ruhig geschlagen, doch nun begann es schneller und wütender zu pochen.

— Wie spät ist es, Andrej?

— Na ja … halb eins.

— Halb eins nachts.

Ich habe zwei Schichten gearbeitet.

Ich habe mich vor zwanzig Minuten hingelegt.

Und deine Schwester möchte, dass ich aufstehe und einen Kuchen backe.

Mitten in der Nacht.

Für Gäste, die niemand eingeladen hat.

— Ach Nin, sie sind doch unterwegs gewesen …

— Sie kommen von der Datscha, Andrej.

Von ihrer eigenen Datscha.

Sie fahren hier vorbei und haben beschlossen, kurz hereinzuschauen.

Und sie haben nicht einmal gefragt, ob es uns passt.

Einfach nur: „Weck deine Frau auf, sie soll backen.“

Nina setzte sich im Bett auf.

Der Schlaf war endgültig verschwunden.

— Sag mal, findest du das selbst eigentlich normal?

Andrej begann unruhig hin und her zu rutschen.

— Na ja, wir sind doch Familie.

Was ist denn schon dabei?

Sie kommen, wir sitzen ein bisschen zusammen und trinken Tee.

— Um ein Uhr nachts.

Mit zwei Kindern, die gefüttert werden müssen.

Und natürlich werde ich sie füttern.

Nicht Galja, die einfach so vorbeikommt.

Nicht du.

Ich.

— Nin, fang jetzt nicht damit an.

Andrej verzog das Gesicht und zog die Decke höher.

— Back doch einfach diesen Kuchen, was kostet dich das schon?

Im Kühlschrank war doch, glaube ich, noch Teig.

Sonst ist Galja beleidigt.

Nina sah ihren Mann in der Dunkelheit an.

Und plötzlich empfand sie nicht mehr nur Wut, sondern vor allem Bitterkeit.

In sieben Jahren Ehe hatte sie dieses „Sonst ist Galja beleidigt“ unzählige Male gehört.

Galja ist beleidigt, wenn man sie nicht empfängt.

Galja ist beleidigt, wenn man den Tisch nicht deckt.

Galja ist beleidigt, wenn man ihr im Sommer nicht das Kinderzimmer für ihre Jungs überlässt.

Die ganze Welt schien sich darum zu drehen, dass Galja bloß nicht beleidigt war.

Dass Nina selbst müde oder verletzt war, spielte keine Rolle.

— Und wenn ich beleidigt bin, Andrej?

— fragte sie leise.

— Darf man mich mitten in der Nacht aus dem Bett holen und an den Herd stellen, nur weil jemand gerade vorbeigefahren ist?

Wer bin ich eigentlich in diesem Haus?

Eine Bäckerei mit 24-Stunden-Service?

— Ach, jetzt geht das wieder los, — brummte Andrej und drehte sich zur Wand.

— Wenn du nicht willst, dann back eben nicht.

Ich werde selbst irgendetwas organisieren.

Aber Galja erklärst du dann selbst, warum es keinen Kuchen gibt.

Und genau dieses „Das erklärst du ihr selbst“ weckte in Nina endgültig nicht mehr den Schlaf, sondern etwas ganz anderes.

Etwas Altes, das sich über Jahre angesammelt hatte.

Um zu verstehen, warum Nina in dieser Nacht auf dem Bett sitzen blieb und nicht zum Herd ging, muss man eine Sache wissen.

Die Wohnung, in der sie lebten — eine Dreizimmerwohnung in einer ruhigen, grünen Gegend — gehörte Nina.

Nicht ihnen gemeinsam.

Nicht „Nina und Andrej“.

Sondern ihr.

Sie hatte sie von ihrer Großmutter geerbt beziehungsweise als Schenkung erhalten.

Die Großmutter hatte die Wohnung bereits zu Lebzeiten auf ihre Enkelin überschrieben, fünf Jahre bevor Nina heiratete.

Alles war vollkommen korrekt geregelt worden.

Schenkungsvertrag, Eintragung des Eigentumsübergangs, Grundbuchauszug, in dem als Eigentümerin Nina eingetragen war.

Nur Nina.

Geschenktes Eigentum wurde durch die Ehe nicht automatisch gemeinsames Eigentum.

Nina, die früher einmal in einer Rechtsberatung gearbeitet hatte, wusste das ganz genau.

Die Wohnung war ihr alleiniges Eigentum, und weder Andrej noch Galja noch irgendwelche Neffen hatten auch nur die geringsten Rechte daran.

In Wirklichkeit aber bestimmten in dieser Wohnung alle außer Nina selbst.

Galina kam, wann immer sie wollte.

Sie ließ ihre Jungs im Sommer dort.

„Du bist doch zu Hause, das macht dir doch nichts aus.“

Witja, Galinas Mann, reparierte sein Auto in ihrer Garage und lagerte sein Werkzeug in Ninas Abstellraum.

Wenn die Schwiegermutter aus dem Dorf kam, belegte sie das Schlafzimmer, während Nina und Andrej sich mit dem Sofa im Wohnzimmer begnügen mussten.

Und all das geschah in Ninas eigener Wohnung.

In jener Wohnung, die ihre Großmutter ihr mit den Worten geschenkt hatte:

„Das ist deins, Enkelkind.

Deine Festung.

Damit du immer einen Ort hast, an dem du deinen Kopf hinlegen kannst, und damit dich niemand aus deinem eigenen Zuhause vertreiben kann.“

Eine Festung.

Eine schöne Festung, in der die Hausherrin um ein Uhr nachts geweckt wurde, um für unangemeldete Gäste Kuchen zu backen.

In sieben Jahren hatten sich so viele solcher Situationen angesammelt, dass man sie kaum noch zählen konnte.

Im vergangenen Sommer hatte Galina die Jungs „für eine Woche“ gebracht und sie dann zwei Monate dagelassen.

Sie rief erst an, als sie bereits mit dem Auto wegfuhr.

— Nin, du hast doch nichts dagegen?

Witja und ich wollen in den Süden fahren, und mit den Kindern wissen wir nicht wohin.

Du hast doch eine große Wohnung, das macht dir doch nichts aus.

Sie sind ganz ruhig, du wirst sie gar nicht bemerken.

Die „ruhigen“ Jungs hatten innerhalb einer Woche die halbe Küche verwüstet.

Und aus „du wirst sie gar nicht bemerken“ wurden zwei Monate, in denen Nina für vier Personen kochte, Wäsche wusch, die Jungen ins Bett schickte und ihre Streitereien schlichtete.

Und all das nach der Arbeit.

Andrej hob nur die Hände.

— Das sind doch meine Neffen, was soll man machen?

Als Nina vorsichtig sagte, man hätte sie wenigstens vorher fragen können, fuhr die Schwiegermutter, die damals ebenfalls zu Besuch war, sie scharf an:

— Ach, was bist du denn für eine Tante?

Du hast keine eigenen Kinder, dann kümmer dich wenigstens um fremde.

Davon stirbst du nicht.

„Du hast keine eigenen Kinder.“

Für Nina, die nicht schwanger werden konnte, waren diese Worte wie ein Messer.

Aber sie schwieg.

Wieder einmal schwieg sie.

Dann war da noch die Sache mit dem Schlafzimmer.

Wenn die Schwiegermutter für ein oder zwei Monate aus dem Dorf kam, zog sie ganz selbstverständlich in Ninas und Andrejs Schlafzimmer.

„Mir als alter Frau tut auf dem Sofa der Rücken weh.“

Nina und ihr Mann schliefen während dieser Monate im Wohnzimmer auf einem ausziehbaren Sofa.

In ihrer eigenen Wohnung.

Sie überließen das einzige Schlafzimmer einer Besucherin, die nicht einmal auf den Gedanken kam, dass sie ihnen Umstände bereitete.

— Andrej, könnte sie nicht wenigstens einmal fragen?

— hatte Nina eines Tages gesagt.

— Was gibt es da zu fragen?

Sie ist doch meine Mutter.

Wir halten das schon aus.

Dieses „Wir halten das schon aus“ hörte Nina seit sieben Jahren.

Halte durch.

Gib nach.

Fang keinen Streit an.

Blamiere uns nicht vor der Familie.

Und sie hielt durch, gab nach und fing keinen Streit an.

Mit jedem Mal wurde sie in ihrem eigenen Zuhause unsichtbarer und rechtloser.

Bis sie schließlich nur noch wie ein Schatten zwischen ihren eigenen Wänden existierte.

Nina hatte lange ausgehalten.

So war sie eben.

Sie mochte keine Konflikte, machte Zugeständnisse und dachte immer wieder: Na gut, es ist Familie, ich halte das schon aus.

Einmal hielt sie es aus.

Dann ein zweites Mal.

Und irgendwann merkte sie nicht einmal mehr, wie aus ihrer Geduld eine feste Regel geworden war.

Ihre stille Nachgiebigkeit betrachteten inzwischen alle als selbstverständlich.

Aus der Hausherrin war eine Dienstmagd in einem Haus geworden, das ihr selbst gehörte.

Und heute Nacht, um halb eins, machte etwas in ihr Klick.

Sie stand auf, zog ihren Bademantel über und ging in die Küche.

Andrej wälzte sich noch eine Weile herum, stand dann ebenfalls auf und schlurfte verschlafen und schlecht gelaunt hinter ihr her.

— Na also, geht doch, — brummte er, als er sah, dass sie in der Küche war.

— Ich wusste doch, dass du uns nicht im Stich lässt.

Nina antwortete nicht.

Sie stellte den Wasserkocher an.

Dann holte sie den besagten Teig aus dem Kühlschrank.

Sie legte ihn auf den Tisch.

Und setzte sich mit verschränkten Händen ihm gegenüber.

Andrej blickte abwechselnd auf den Teig und auf sie.

— Was ist?

Backst du jetzt oder nicht?

— Nein, — sagte Nina.

— Wie, nein?

Du bist doch aufgestanden.

— Ja, ich bin aufgestanden.

Um mir Tee zu machen.

Und um mit dir zu reden, bevor deine Schwester kommt.

Denn wenn sie da ist, hörst du mich nicht.

Dann hörst du nur sie.

Andrej verzog das Gesicht und setzte sich.

— Na gut, rede.

— Andrej.

Wem gehört diese Wohnung?

Er blinzelte.

— Was soll die Frage?

Uns.

— Nein.

Wem gehört sie laut den Dokumenten?

— Na ja … dir.

Von deiner Großmutter.

Und?

— Und genau darum geht es.

Nina sprach ruhig, doch innerlich war alles in ihr gespannt wie eine Saite.

— Das ist mein Zuhause.

Meins.

Und ich habe es satt, in meinem eigenen Zuhause die Dienstmagd zu spielen.

Ich habe es satt, dass deine Schwester hier bestimmt, als wäre es ihre Wohnung.

Ich habe es satt, mitten in der Nacht geweckt zu werden, um Kuchen zu backen.

Ich habe es satt, dass niemand mein „Nein“ hört, weil „Galja sonst beleidigt ist“.

Galja darf so viel beleidigt sein, wie sie möchte.

Das ist ihr Recht.

Und mein Recht ist es, um ein Uhr nachts in meiner eigenen Wohnung zu schlafen und nicht nach einem Anruf an den Herd zu springen.

— Nin, warum regst du dich so auf?

— Andrej wurde unruhig.

— Das ist doch nur eine Kleinigkeit.

Ein Kuchen.

— Es ist keine Kleinigkeit, Andrej.

Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Und aus diesen Tropfen ist in sieben Jahren ein ganzes Meer geworden.

Die Jungs den ganzen Sommer.

Deine Mutter in unserem Schlafzimmer.

Witjas Werkzeug im Abstellraum.

Hast du mich auch nur ein einziges Mal gefragt, ob das für mich in Ordnung ist?

Hast du auch nur einmal zu deiner Schwester gesagt: „Galja, das ist Ninas Wohnung, lass uns Nina fragen“?

Kein einziges Mal.

Für dich ist das, was mir gehört, automatisch gemeinschaftlich.

Und das Gemeinschaftliche wird so genutzt, wie es deiner Familie gerade passt.

Andrej schwieg.

Draußen fuhr irgendwo in der Ferne ein Auto vorbei.

Sie waren es noch nicht.

Dafür war es zu früh.

— Du verstehst das nicht, — sagte er schließlich.

— Bei uns in der Familie war das immer so.

Wir halten zusammen.

Wir machen untereinander keine Umstände.

Unsere Mutter hat uns so erzogen.

Die Türen stehen offen, und für einen Gast gibt man das Letzte her.

— Dann gib dein Letztes her, Andrej.

Nina sah ihm in die Augen.

— Dein eigenes Letztes.

Aber ihr gebt das her, was mir gehört.

Meine Wohnung.

Meinen Schlaf.

Meine Kraft.

Meine freien Tage.

Es ist leicht, großzügig zu sein, wenn jemand anderes dafür bezahlt.

Er schwieg und rieb sich über die Stirn.

— Und noch etwas, — fuhr Nina fort.

Ihre Stimme wurde leiser, aber fester.

— Erinnerst du dich an letzten Sommer?

Die Jungs waren zwei Monate hier.

Ich komme nach der Schicht nach Hause, und da sitzen vier Leute, alle hungrig, alles liegt kreuz und quer.

Und ich renne bis Mitternacht herum.

Und deine Mutter sagt zu mir: „Du hast keine eigenen Kinder, dann kümmer dich wenigstens um fremde.“

Hast du das gehört?

Du hast es gehört.

Und du hast geschwiegen.

Weißt du eigentlich, wie ich mich dabei gefühlt habe?

Andrej senkte den Kopf.

— Ich wusste nicht, dass dich das so …

— Du hast nicht darüber nachgedacht.

Genau das ist das Problem.

Niemand hat darüber nachgedacht.

Alle haben nur darüber nachgedacht, was für sie bequem ist.

Und weil es für mich angeblich bequem war zu schweigen, haben es alle einfach so angenommen.

Wenn sie schweigt, ist sie einverstanden.

Wenn sie sich nicht beschwert, ist alles in Ordnung.

Aber für mich war nichts in Ordnung, Andrej.

Seit sieben Jahren war es für mich nicht in Ordnung.

Ich hatte nur Angst, dass ich die Böse bin, wenn ich etwas sage.

Die Streitlustige.

Diejenige, wegen der „Galja beleidigt ist“.

— Nin …

— Lass mich ausreden.

Ich habe es satt, Angst davor zu haben, unbequem oder schlecht zu sein.

Lieber bin ich unbequem und lebendig, als bequem und völlig ausgelöscht.

Ich möchte in meinem eigenen Zuhause die Hausherrin sein und nicht ein Möbelstück, an dem sich alle die Füße abwischen, weil es schweigt und sich nicht wehrt.

Andrej sah sie an.

In seinen Augen lag Verwirrung.

Aber keine wütende, sondern eine hilflose Verwirrung.

So, als würde jemand plötzlich ein vertrautes Bild aus einer ganz anderen Perspektive sehen.

— Ich habe das wirklich nicht bemerkt, — sagte er.

— Ehrlich.

Ich dachte immer, wir leben einfach so.

Alle sind zufrieden.

— Alle außer mir.

Aber mich sieht man ja nicht, oder?

Ich schweige schließlich.

Er öffnete den Mund, um zu widersprechen, fand aber keine Worte.

Denn es war die Wahrheit.

Und er wusste es.

Das Telefon klingelte.

Galina.

— Andrjuscha, wir sind gleich da!

Noch ungefähr zwanzig Minuten.

Ist der Kuchen fertig?

Die Jungs verhungern schon fast!

Andrej sah Nina an.

Nina sah ihn an.

Und in diesem Blick las er: Entscheide dich.

Jetzt.

Vor ihr.

Wer bist du in diesem Haus?

Der Mann der Hausherrin oder der Laufbursche deiner Schwester?

— Galja, — sagte Andrej.

Seine Stimme klang ungewohnt und etwas brüchig.

— Hör zu.

Es wird keinen Kuchen geben.

Am anderen Ende herrschte einen Moment Stille.

— Wie, keinen Kuchen?

Was soll das?

Ich habe doch gesagt, die Jungs sind hungrig!

— Galja, es ist ein Uhr nachts.

Nina hat zwei Schichten gearbeitet und sich gerade erst hingelegt.

Ich werde sie nachts nicht an den Herd schicken.

Wenn ihr Tee trinken wollt, kommt vorbei, dann trinken wir Tee.

Aber nachts werden keine Kuchen gebacken.

— Du …!

Galinas Stimme wurde schrill.

— Sie hat dich gegen mich aufgehetzt, stimmt’s?

Diese Frau von dir!

Ich wusste immer, dass sie eingebildet ist!

Sie hält deine Familie wohl nicht einmal für Menschen!

Wir kommen mit offenem Herzen zu euch, und sie …

— Galja, — unterbrach Andrej sie.

Und Nina hörte zum ersten Mal seit sieben Jahren Festigkeit in seiner Stimme, die sich gegen seine Schwester richtete.

— Das ist ihre Wohnung.

Die von ihrer Großmutter.

Ihre Wohnung.

Und wenn sie nachts keine Gäste möchte, dann ist das ihr Recht.

Wenn ihr auf einen Tee kommen wollt, seid ihr willkommen.

Wenn ihr ohne Kuchen keinen Tee trinken wollt, dann eben ein anderes Mal.

Das war’s.

Fütter die Jungs an einer Tankstelle.

Dort gibt es alles.

Und er legte auf.

Zum ersten Mal in seinem Leben legte er bei seiner Schwester einfach auf.

In der Küche wurde es sehr still.

Der Wasserkocher begann zu kochen, klickte und schaltete sich aus.

Andrej saß da und starrte auf den Tisch.

Man sah ihm an, wie schwer ihm dieses Gespräch gefallen war.

Seine Hände zitterten leicht.

— Das war’s, — sagte er dumpf.

— Jetzt wird sie eine Woche lang schmollen.

Und sie wird sich bei Mutter beschweren.

Dann geht es richtig los.

— Soll sie doch, — sagte Nina.

— Für dich ist das leicht zu sagen.

— Für mich ist es nicht leicht, Andrej.

Überhaupt nicht.

Sie schob ihm eine Tasse hin.

— Aber weißt du, was noch schwerer gewesen wäre?

Aufzustehen und diesen Kuchen zu backen.

Wieder einmal.

Und morgen wieder.

Und in einem Jahr wieder.

Und in zehn Jahren aufzuwachen und zu begreifen, dass ich mein ganzes Leben lang auf fremden Befehl Kuchen gebacken habe, während niemand auch nur einmal gefragt hat, was ich selbst eigentlich möchte.

Du eingeschlossen.

Andrej schwieg.

Dann nahm er die Tasse und trank einen Schluck.

— Ich habe wirklich nie gedacht, dass es für dich so schwer ist, — sagte er leise.

— Ich dachte, du hättest nichts dagegen.

Du hast doch immer geschwiegen.

— Ja, ich habe geschwiegen, — stimmte Nina zu.

— Und genau das war mein Fehler.

Ich dachte, wenn ich nett bin, wenn ich alles aushalte, dann werden mich die Menschen lieben.

Aber anscheinend ist es so: Je mehr man erträgt, desto weniger wird man wahrgenommen.

Ich selbst habe mich ausgelöscht, Andrej.

Und ihr habt euch alle an die leere Stelle gewöhnt.

Er blickte sie an.

In seinen Augen lag etwas Neues.

Keine Gereiztheit.

Kein „Jetzt geht das wieder los“.

Etwas wie Scham.

Und vielleicht zum ersten Mal der Versuch, sie wirklich zu sehen.

— Was möchtest du?

— fragte er.

— Soll ich überhaupt keinen Kontakt mehr zu meiner Familie haben?

— Nein.

Nina schüttelte den Kopf.

— Triff sie so oft du willst.

Liebe sie.

Hilf ihnen.

Aber auf deine Kosten und nicht auf meine.

Wenn du deine Schwester empfangen möchtest, dann empfange sie, bediene sie und kümmere dich selbst um sie.

Wenn du die Jungs im Sommer hierhaben willst, dann bring sie selbst herum, füttere sie selbst und beschäftige dich selbst mit ihnen.

Es ist deine Familie, Andrej.

Nicht meine Verpflichtung.

Und in meiner Wohnung fragst du mich vorher.

Als Hausherrin.

Denn ich bin die Hausherrin.

Das ist alles, worum ich bitte.

Dass man mich fragt.

Galina kam trotzdem.

Vierzig Minuten später schlugen unten im Hof Autotüren zu, und Stimmen waren zu hören.

Zu ihrer eigenen Überraschung war Nina ruhig.

Sie zog sich um, kämmte sich die Haare und stellte nun wirklich den Wasserkocher an.

Aber einen Kuchen backte sie nicht.

Auf dem Tisch standen Kekse, Süßigkeiten und Marmelade.

Tee.

Ein ganz normaler nächtlicher Tee für unangekündigte Gäste.

Ohne Selbstaufopferung.

Ohne den Geruch von verbranntem Mehl.

Ohne eine Stunde am Herd.

Galina kam herein, finster und kampfbereit.

Hinter ihr kamen Witja, der gähnte, und zwei schläfrige Jungs.

Den Jungs war es ehrlich gesagt völlig egal, ob es Kuchen oder Kekse gab.

Hauptsache, sie bekamen etwas zu essen und durften anschließend schlafen.

— Na, guten Abend, — sagte Galina giftig und musterte den Tisch.

— Auf einen Kuchen brauchen wir also nicht zu hoffen.

Alles klar.

Gastfreundschaft auf höchstem Niveau.

— Hallo, Galja, — sagte Nina ruhig.

Ohne Provokation, aber auch ohne sich einzuschmeicheln.

— Kommt rein, setzt euch.

Es gibt Tee, Kekse und Himbeermarmelade.

Die habe ich selbst gekocht.

Die Jungs bekommen gleich etwas zu essen.

Aber Kuchen gibt es leider keinen.

Nachts backe ich nicht.

Ich habe heute zwei Schichten gearbeitet.

— Früher hast du gebacken, — bemerkte Galina bissig.

— Früher habe ich gebacken, — stimmte Nina zu.

— Aber jetzt werde ich es nicht mehr tun.

Und Galja, lass uns ehrlich sein.

Du hast um ein Uhr nachts angerufen und befohlen, mich zu wecken, damit ich dir einen Kuchen backe.

Du hast nicht gefragt, ob es mir passt.

Du hast nicht gefragt, ob ich müde bin.

Du hast einfach gesagt: „Weck deine Frau auf, sie soll backen.“

Sag mal, würde es dir gefallen, wenn ich so mit dir umgehen würde?

Galina öffnete den Mund.

Dann schloss sie ihn wieder.

Witja schnaubte hinter ihr leise und sah weg, als wollte er sagen: Da hat sie allerdings recht.

— Wir sind doch Familie, — sagte Galina verwirrt, aber ohne ihren bisherigen Angriffston.

— Ja, wir sind Familie, — nickte Nina.

— Dann lass uns auch wie eine Familie miteinander umgehen.

Mit Respekt.

Kommt gern zu Besuch.

Ich freue mich immer.

Aber auf eine normale, menschliche Art.

Ruf tagsüber an.

Frag mich.

Sag: „Wir würden gern vorbeikommen, passt es dir?“

Und ich werde euch empfangen, backen und den Tisch decken.

Gern sogar.

Aber nicht auf Befehl mitten in der Nacht.

Einverstanden?

Galina schnaubte, setzte sich aber.

Eine Weile schwieg sie und betrachtete den Tisch.

Dann hielt sie es nicht mehr aus.

— Seit wann bist du eigentlich so … kämpferisch?

Früher hast du nie widersprochen.

— Früher habe ich schon widersprochen, Galja.

Nur in Gedanken.

Nina schenkte Tee ein.

— Ich habe gelächelt und alles gemacht.

Aber innerlich hat sich alles angesammelt.

Heute ist es eben nach außen gekommen.

Tut mir leid, wenn es hart klang.

Aber lieber einmal hart und ehrlich als noch sieben Jahre schweigen.

— Hm.

Galina nahm ihre Tasse.

— Witja sagt mir übrigens auch immer, ich soll dich nicht wie eine Dienstmagd herumkommandieren.

Ich dachte nur, du machst das gern.

Du hast doch immer gesagt: „Kein Problem, natürlich, kommt vorbei.“

— Genau, — sagte Nina leise.

— Ich habe „kein Problem“ gesagt, und ihr habt „kein Problem“ gehört.

Aber niemand hat gefragt, was mich dieses „kein Problem“ eigentlich kostet.

Ich bin selbst schuld, Galja.

Ich habe euch daran gewöhnt.

Aber ab heute machen wir es anders.

Witja, der bisher geschwiegen hatte, meldete sich plötzlich aus der Ecke.

— Sie hat recht.

Gut gemacht, Nina.

Galja, du übertreibst manchmal wirklich.

Menschen um ein Uhr nachts wegen eines Kuchens anzurufen, darauf muss man erst einmal kommen.

— Du sei still, — fauchte Galina ihn an.

Aber nicht mehr wirklich böse.

Man sah, dass sie langsam nachgab.

— Na gut.

Ich habe verstanden.

Ich werde tagsüber anrufen.

Und vorher fragen.

Nach einer kurzen Pause fügte sie mürrisch hinzu:

— Aber deinen Kuchen backst du verdammt lecker.

Den mit Kohl.

Deshalb wollte ich ihn ja.

— Wenn du tagsüber und ganz normal kommst, backe ich dir einen mit Kohl, — lächelte Nina.

— Sogar zwei.

Galina sah ihren Bruder an.

Andrej stand neben seiner Frau.

Nicht getrennt von ihr.

Nicht abseits.

Sondern neben ihr.

Und das war neu.

Normalerweise hatte er sich bei solchen Auseinandersetzungen versteckt, geschwiegen oder seiner Schwester zugestimmt.

Jetzt aber stand er Schulter an Schulter mit Nina.

Und sein Schweigen sagte deutlicher als Worte: Ich stehe auf ihrer Seite.

— Ja, ja, wir haben es verstanden, — brummte Galina und setzte sich an den Tisch.

Sie nahm einen Keks.

— Himbeermarmelade, sagst du?

Lass mich probieren.

Mutter hat sie genauso gekocht.

Und dieses „Lass mich probieren“ klang beinahe friedlich.

Wie ein Rückzug.

Wie der erste kleine Riss in einer Mauer, die Nina sich sieben Jahre lang nicht zu berühren getraut hatte.

Die Gäste fuhren erst gegen Morgen wieder.

Die Jungs wurden gefüttert und bekamen Tee.

Galina wurde sogar wieder freundlicher.

Nicht sofort, sondern langsam.

Gegen Ende saßen sie noch länger zusammen, redeten, erinnerten sich an Dinge aus Andrejs Kindheit und lachten.

Als Galina ging, zögerte sie an der Tür.

Plötzlich sagte sie leise, sodass nur Nina es hören konnte:

— Du … entschuldige.

Wegen der Nacht.

Ich habe einfach nicht nachgedacht.

Ich bin es gewohnt, dass du … na ja … nie Nein sagst.

— Genau darum geht es, — sagte Nina sanft.

— Du bist es gewohnt.

Alle sind es gewohnt.

Es ist Zeit, sich das wieder abzugewöhnen.

Galina nickte und presste die Lippen zusammen.

Ob beleidigt oder beschämt, ließ sich nicht sagen.

Dann ging sie hinaus.

Als sich die Tür hinter den Gästen geschlossen hatte, lehnte Nina sich an den Türrahmen.

Die Müdigkeit kam wieder.

Aber es war eine andere Müdigkeit.

Keine bedrückende.

Eher eine reinigende.

Als hätte sie lange einen schweren Sack getragen und ihn endlich auf den Boden gestellt.

Andrej trat zu ihr und umarmte sie unbeholfen von hinten.

— Verzeih mir, — sagte er an ihrem Hinterkopf.

— Ich habe wirklich … all die Jahre nichts gesehen.

Ich war einfach daran gewöhnt, dass du alles selbst machst, und habe nicht darüber nachgedacht.

— Ich weiß, — sagte Nina.

— Von jetzt an wird es anders.

Er drehte sie zu sich.

— Ich verspreche es.

Nina sah ihren Mann an.

Sie wollte ihm glauben.

Sie wollte es wirklich.

Aber sie wusste zu gut, wie leicht Versprechen um vier Uhr morgens nach einer schweren Nacht ausgesprochen werden.

Und wie schwer es ist, sie später im Alltag einzuhalten, wenn Galina wieder anruft, die Schwiegermutter wieder zu Besuch kommt oder wieder jemand für Nina entscheidet, womit sie ihre Zeit in ihrem eigenen Zuhause verbringen soll.

— Wir werden sehen, Andrej, — sagte sie.

— Versprechen ist leicht.

Versprich mir nichts.

Wenn Galja das nächste Mal anruft, erinnere dich einfach an diese Nacht.

Und frag mich.

Frag mich nur ein einziges Mal, bevor du ihr „Ja“ sagst.

Das ist alles, was ich brauche.

Er nickte ernst, als hätte er tatsächlich verstanden.

Nina löste sich aus seiner Umarmung und ging ins Schlafzimmer.

Sie legte sich hin.

Das Laken war noch immer kühl.

Durch das gekippte Fenster zog noch immer die frische Morgenluft herein.

Nur draußen wurde es bereits hell.

Ihr freier Tag begann.

Und sie hatte vor, ihn zu verschlafen.

Ein paar Tage später erzählte Nina ihrer Freundin Sweta davon.

Sie waren schon seit der Schulzeit befreundet.

Sie saßen in einem Café, und Sweta hörte zu und schüttelte den Kopf.

— Nin, du bist unglaublich.

Sieben Jahre hast du geschwiegen, und dann rebellierst du plötzlich mitten in der Nacht.

— Nicht plötzlich, — sagte Nina.

— Es hat sich angesammelt.

Galja und ihr Kuchen haben das Fass einfach zum Überlaufen gebracht.

Weißt du, wie das manchmal ist?

Man hält aus und hält aus, und dann kommt irgendeine Kleinigkeit, und plötzlich ist Schluss.

Es ging nicht einmal um den Kuchen.

Sondern darum, dass sie nicht einmal gefragt hat.

Sie hat einfach befohlen, mich zu wecken.

Als wäre ich kein Mensch, sondern nur eine Funktion.

— Und wie ist Andrej jetzt?

— Ich weiß es nicht.

Nina drehte ihre Tasse zwischen den Händen.

— Er hat versprochen, dass es anders wird.

Aber Versprechen sind leicht.

Ich habe ihm gesagt, er soll nichts versprechen.

Er soll mich einfach wenigstens manchmal fragen.

Mal sehen, wie lange er das durchhält.

— Aber du hast das richtig gemacht, — sagte Sweta und legte ihre Hand auf Ninas.

— Wirklich.

Ich kenne dich seit hundert Jahren.

Du konntest noch nie Nein sagen.

Du hast allen geholfen und alles allein getragen.

Ich dachte schon, du würdest dein ganzes Leben lang vor allen anderen zurückstecken.

Und jetzt sieh dich an.

Du hast endlich deine Grenzen gezogen.

— Meine Grenzen, — lächelte Nina schief.

— Dabei gehört mir diese Wohnung ohnehin.

Laut den Papieren.

Ich hatte es nur vergessen.

Weißt du, was das Verrückteste ist?

Die Wohnung gehört mir.

Ich bin die einzige Eigentümerin.

Und trotzdem habe ich mich sieben Jahre lang wie eine Untermieterin benommen.

Wie jemand, den man jederzeit bitten könnte zu gehen.

— Jetzt wird dich jedenfalls niemand mehr darum bitten.

— Jetzt nicht mehr, — sagte Nina leise.

— Jetzt weiß ich wieder, wem dieses Zuhause gehört.

Die Bewährungsprobe kam, wie Nina erwartet hatte, schon bald.

Etwa drei Wochen später.

Die Schwiegermutter rief an.

Sie wollte kommen, um „eine Weile zu bleiben und sich vom Dorfleben zu erholen“.

Nach dem alten Ablauf bedeutete das einen Monat im Schlafzimmer, Nina und Andrej auf dem Sofa, Kochen für drei und ununterbrochene Ratschläge darüber, wie man richtig zu leben hatte.

Früher hätte Andrej einfach gesagt:

„Mama, natürlich, komm.“

Und Nina anschließend vor vollendete Tatsachen gestellt.

Nina spannte sich an.

Sie erwartete genau das.

Doch Andrej legte das Telefon auf, drehte sich zu seiner Frau und sagte:

— Mutter möchte kommen.

Ein bisschen zu Besuch bleiben.

Er schwieg kurz.

— Wie findest du das?

Passt es dir?

Und … hör mal, ich dachte, vielleicht richten wir ihr diesmal das kleine Zimmer her und nicht unser Schlafzimmer?

Sonst schlafen wir wieder einen Monat lang auf dem Sofa.

Irgendwie ist das nicht richtig.

Nina sah ihren Mann an.

Etwas Warmes bewegte sich in ihr.

Er hatte gefragt.

Zum ersten Mal seit sieben Jahren hatte er gefragt.

Und ganz von selbst, ohne ihre Erinnerung, hatte er an das Schlafzimmer gedacht.

— Sie kann kommen, — sagte Nina.

— Ich habe nichts dagegen.

Wirklich nicht.

Und danke, dass du an das andere Zimmer gedacht hast.

Wir richten ihr das kleine Zimmer her.

Dort ist es gemütlich.

Was das Kochen betrifft, werde ich kochen, aber du hilfst mit.

Einverstanden?

— Einverstanden, — nickte Andrej.

Nach kurzem Schweigen fügte er hinzu:

— Ich habe nach dieser Nacht mit dem Kuchen viel nachgedacht.

Du hattest recht.

Ich habe meine Familie auf deine Kosten geliebt.

Das war bequem.

Aber ich sollte es auf meine eigenen Kosten tun.

Nina lächelte.

Noch war nichts endgültig geklärt.

Die Schwiegermutter war noch nicht angekommen.

Vor ihnen lag ein ganzer Monat.

Und in einem Monat konnte viel passieren.

Aber etwas Entscheidendes hatte sich verschoben.

Der kleine Riss in der alten Mauer war ein Stück größer geworden.

Nina schloss die Augen.

Nicht in jener Nacht, sondern jetzt, als sie an diese Nacht zurückdachte.

Und sie fragte sich, ob sich wirklich alles ändern würde.

Würde Andrej sich auch in einem Jahr noch an diese Nacht erinnern?

Würde er sie immer fragen?

Oder nur so lange, wie sein schlechtes Gewissen noch frisch war?

Oder würde eines Tages alles wieder von vorne beginnen?

Würde das Telefon wieder klingeln?

Und würde wieder jemand sagen:

„Weck deine Frau auf, sie soll backen“?

Sie wusste es nicht.

Aber eines wusste sie so sicher wie nie zuvor.

Was auch immer in Zukunft passieren würde, auf fremden Befehl würde sie nicht mehr aufstehen und an den Herd gehen.

Das war ihr Zuhause.

Ihre Festung.

Und die Hausherrin darin war jetzt sie.

Andrejs Telefon auf dem Nachttisch leuchtete kurz auf.

Eine Nachricht war gekommen.

Wahrscheinlich von Galina.

Nina sah nicht nach.

Sie drehte sich zur Wand und schlief ein.

Fest und ruhig.

Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich in ihrer eigenen Wohnung wirklich zu Hause.

Wenn du möchtest, kann ich auch **Teil 5 im exakt gleichen Format** übersetzen.

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