„Jetzt wird wenigstens dein Kleid sauber, meine Liebe.“
Das hörte ich eine Sekunde, bevor ich unter Wasser geriet.
Als ich wieder auftauchte, lief die Musik noch immer. Jemand hielt ein Champagnerglas in der Hand, jemand anderes hatte sein Handy erhoben. Und mein Mann stand nur drei Schritte entfernt und sah mich an, als wäre zufällig eine fremde Frau in seinen Pool gefallen.
Ich konnte schwimmen.
Aber in diesem Moment bekam ich keine Luft.

Nicht wegen des Wassers.
Sondern wegen des Blicks des Mannes, mit dem ich seit zwölf Jahren verheiratet war.
An diesem Abend feierten wir das fünfzehnjährige Bestehen von Davits Firma. Der Garten unseres Hauses war beleuchtet, auf den Tischen standen teure Blumen, und die meisten Gäste waren Menschen, deren Frauen mich nur grüßten, wenn ihre Männer neben ihnen standen.
Ich war seit dem Morgen in der Küche gewesen. Die Küchenhilfe war nicht gekommen, und ich wollte nicht, dass der Abend darunter litt. Als ich endlich nach oben ging, um mich umzuziehen, blieb Davit in der Tür stehen und betrachtete mein weißes Kleid.
„Hast du nichts anderes? Das ist viel zu schlicht.“
Er selbst hatte es mir zu unserem letzten Hochzeitstag gekauft.
Ich erinnerte ihn nicht daran.
In den letzten Jahren gab es vieles, was ich nicht mehr sagte.
Mane kam kurz nach neun.
In einem violetten Kleid, mit hochgesteckten Haaren und jener Selbstsicherheit, mit der man gewöhnlich das eigene Haus betritt.
Davit stellte sie als die Verantwortliche für die Geschäftsentwicklung vor. Ich wusste bereits seit drei Monaten, dass ihre Beziehung nicht auf die Arbeit beschränkt war.
Einmal hatte ich einen Ohrring im Auto gefunden.
Dann eine Hotelrechnung.
Und in letzter Zeit hatte mein Mann angefangen, sein Handy sogar mit ins Badezimmer zu nehmen.
Ich hatte ihn noch nicht damit konfrontiert. Unsere zehnjährige Tochter Lusine schlief vor ihren Klassenarbeiten ohnehin schon schlecht. Ich wollte zuerst herausfinden, was ich tun sollte, wo ich wohnen könnte und wie ich es unserem Kind sagen sollte.
Doch an diesem Abend hatte Mane beschlossen, alles zu beschleunigen.
Sie kam am Poolrand auf mich zu, während ich die leeren Gläser einsammelte.
„Wird es dir nicht zu viel, ständig andere zu bedienen?“
„Stell dein Glas bitte auf den Tisch.“
Sie lächelte.
„Ich rede nicht nur von dem Glas.“
Ich sah zu Davit. Er konnte uns sehen. Er kam sogar ein Stück näher, blieb dann aber stehen.
Mane legte mir eine Hand auf die Schulter.
„Manche Frauen begreifen einfach nicht, wann ihre Zeit vorbei ist.“
Ich schob ihre Hand weg.
„Sprich in meinem Haus nicht so mit mir.“
Ihr Lächeln verschwand.
„In deinem Haus?“
Dann kam der Stoß.
Mein Absatz rutschte weg, das Tablett fiel klirrend zu Boden, und das kalte Wasser schloss sich über meinem Kopf.
Als ich mich am Beckenrand festhielt, trat einer der Gäste vor.
Davit hielt ihn mit einer Handbewegung zurück.
„Ganz ruhig. Ani kann schwimmen.“
Diese Worte taten mehr weh als der Stoß selbst.
Mane stand über mir und versuchte nicht einmal, ihr Lachen zu verbergen.
„Das war ein Scherz. Du hättest nicht so ein Drama daraus machen müssen.“
In diesem Moment erschien mein Schwiegervater an den Glastüren.
Artashes hatte in den letzten Monaten nur selten das Haus verlassen. Nach seiner Operation wurde er schnell müde. Ich war es, die ihn zu Untersuchungen fuhr, seine Medikamente sortierte und manchmal stundenlang denselben Geschichten aus seiner Jugend zuhörte.
Davit rief gewöhnlich den Fahrer an.
Mein Schwiegervater kam langsam zum Pool.
„Schaltet die Musik aus.“
Seine Stimme war nicht laut, aber alle verstummten.
Ein junger Kellner streckte mir die Hand entgegen. Mit seiner Hilfe stieg ich aus dem Wasser. Artashes zog sein Jackett aus und legte es mir um die Schultern.
Dann sah er seinen Sohn an.
„Morgen kommst du mit zum Anwalt. Ich widerrufe deine Vollmacht zum Verkauf dieses Hauses.“
Davits Gesichtsausdruck veränderte sich.
„Papa, dafür ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt.“
Ich wandte mich zu ihm.
„Was für ein Verkauf?“
Einige Sekunden lang sagte niemand etwas.
Dann meinte Mane, als verstünde sie nicht, warum sie schweigen sollte:
„Sie hätte es doch sowieso bald erfahren.“
Davit warf ihr einen scharfen Blick zu.
An diesem Blick erkannte ich, dass sie mein Leben bereits miteinander besprochen hatten. Sie hatten entschieden, wann ich es erfahren würde, wohin ich gehen sollte und vermutlich sogar, was ich mitnehmen durfte.
Alle waren vorbereitet gewesen.
Außer mir.
„Und wo sollte Lusine wohnen?“, fragte ich.

„Ani, wir reden später.“
„Wo?“
Er strich sich nervös über die Stirn.
„Wir hätten dir eine Wohnung gesucht.“
„Wir hätten.“
Selbst in diesem Moment sprach er noch immer für sie beide.
Mein Schwiegervater lehnte seinen Gehstock an einen Stuhl.
„Das Haus ist auf meinen Namen eingetragen. Ich habe dem Verkauf zugestimmt, weil mein Sohn mir erzählt hat, ihr hättet gemeinsam beschlossen, ins Ausland zu ziehen. Er sagte, ihr hättet eine Schule für Lusine ausgesucht.“
Ich sah Davit an.
Zwei Wochen zuvor hatte unsere Tochter ihn angefleht, wenigstens einmal zu ihrer Schulaufführung zu kommen. Er hatte keine Zeit gefunden.
Aber er hatte bereits ein anderes Land für sie ausgesucht.
„Und das Geld?“, fragte ich.
Artashes antwortete nicht. Die Antwort kam durch Manes plötzliche Bewegung: Sie packte Davit am Arm.
„Du hast gesagt, dass du bald die Anzahlung bekommst.“
Unter den Gästen wurde ein Flüstern laut.
Davit versuchte, sie beiseitezuziehen, doch sie riss sich los.
„Ich habe meine Wohnung auf deinen Wunsch zum Verkauf angeboten. Erinnerst du dich?“
Mein Mann wurde blass.
Jetzt war nicht mehr ich diejenige, die alle anstarrten.
Artashes setzte sich auf den nächsten Stuhl. Seine Hände zitterten, und ich reichte ihm ganz automatisch ein Glas Wasser.
Er umfasste mein Handgelenk.
„Letzte Woche hast du mich gebeten, mit Davit zu sprechen. Du hast gesagt, dass die Kleine ihren Vater vermisst. Und ich habe dir gesagt, du würdest dir zu viele Sorgen machen.“
Seine Augen füllten sich mit Tränen.
„Verzeih mir.“
Das Schwerste an diesem Abend war, genau diese Worte zu hören. Ich hatte so lange darauf gewartet, doch ausgesprochen wurden sie von dem einzigen Menschen, der mich nicht ins Wasser gestoßen, nicht belogen und nicht dort zurückgelassen hatte.
Die Gäste begannen zu gehen. Einige wichen meinem Blick aus, andere fragten leise, ob ich Hilfe brauchte.
Mane ging als eine der Ersten. Davit folgte ihr nicht.
Er kam zu mir, als ich bereits an der Treppe stand.
„Jetzt wirst du wegen eines einzigen dummen Vorfalls alles zerstören.“
Ich sah auf das Wasser, das von meinem nassen Kleid auf den Boden tropfte.
„Lusine ist heute bei meiner Großmutter. Morgen hole ich sie ab. Bis dahin überlegst du dir, wie du ihr erklärst, warum du ausziehst.“
„Wer sagt, dass ich ausziehe?“
Hinter mir ertönte die Stimme seines Vaters.
„Ich.“

Drei Monate später lebten meine Tochter und ich noch immer in demselben Haus. Das Scheidungsverfahren lief. Artashes bot an, uns das Haus zu schenken, doch ich bat ihn, zunächst alle Angelegenheiten in Ruhe zu klären.
Ich wollte mein Leben nicht länger auf Versprechen aufbauen.
An einem Sonntag stellte sich Lusine an den Poolrand und fragte:
„Mama, warum schwimmst du diesen Sommer nicht?“
Ich wollte gerade eine meiner üblichen Antworten geben: Ich habe zu viel zu tun, das Wasser ist kalt.
Dann zog ich meine Badeschuhe aus.
Meine Tochter nahm meine Hand, und wir gingen gemeinsam ins Wasser.
Dieses Mal wartete ich nicht darauf, dass mir jemand die Hand reichte.
Ich wusste bereits, wie ich wieder herauskam.







