Der Mann, der früher von einer Geschäftsreise nach Hause kam, wurde wütend, als er die Putzfrau mit seinen Zwillingen in einer Babytrage sah, doch als er sie singen hörte, erstarrte er. Dieses Schlaflied hatte seine Frau erfunden, die, wie man ihm erzählt hatte, die Kinder vor vier Monaten verlassen hatte …

„Nimm die Kinder sofort aus der Trage! Ich bezahle dich dafür, das Haus zu putzen.“

Als die Stimme des Mannes in der Tür erklang, erstarrte Lusines Hand auf der Marmorarbeitsplatte.

Einer der acht Monate alten Zwillinge schlief in der Trage an ihrer Brust.

Der andere saß auf ihrem Rücken, hielt ihren Kragen fest und lachte.

Aram stellte seine Tasche auf den Boden.

„Wo ist das Kindermädchen?“

„Sie ist heute nicht gekommen.“

„Und meine Mutter?“

Lusine hob den Blick.

„Frau Sona ist heute Morgen ausgegangen. Sie sagte, sie würde erst heute Abend zurückkommen.“

Aram trat näher, sichtlich verärgert.

Er war einen Tag früher von seiner Geschäftsreise zurückgekehrt.

Sechs Wochen lang hatte seine Mutter ihm jeden Abend versichert, den Kindern gehe es bestens, das Kindermädchen sei erfahren und es gebe keinen Grund zur Sorge.

Und jetzt stand seine Putzfrau mit beiden Kindern am Körper in seiner Küche.

„Wie lange geht das schon so?“

Lusine zog die gelben Handschuhe aus.

„Möchten Sie wissen, seit wann ich die Kinder so trage, oder seit wann man Ihnen nicht die Wahrheit sagt?“

Aram sah sie schweigend an.

In diesem Moment lachte der Kleine auf ihrem Rücken.

Lusine drehte den Kopf ein wenig.

„Ja, mein Sonnenschein, ich höre dich.“

Dann sang sie nur zwei Zeilen.

Aram wurde blass.

Dieses Lied hatte seine Frau im letzten Monat ihrer Schwangerschaft erfunden.

Sie hatte es nirgendwo veröffentlicht.

Sie hatte es niemand anderem vorgesungen.

„Woher kennst du dieses Lied?“

Lusine lächelte nicht mehr.

„Von ihrer Mutter.“

Aram klammerte sich an eine Stuhllehne.

„Meine Frau hat diese Kinder verlassen und ist weggegangen.“

„Ihre Frau ruft mich jeden Dienstag an und fragt, welcher der Jungen zuerst aufgewacht ist.“

***

Vier Monate zuvor war Nare ins Krankenhaus gekommen.

Nach der Geburt der Zwillinge schlief sie kaum noch, aß fast nichts und gestand ihrem Mann eines Tages, dass sie Angst hatte, mit ihren Gedanken allein zu bleiben.

Aram hatte sie hingebracht, damit sie Hilfe bekam.

Anfangs besuchte er sie jeden Tag.

Dann begann seine Mutter zu behaupten, Nare sei nach seinen Besuchen noch aufgewühlter.

„Der Arzt sagt, sie braucht Ruhe. Lass sie gesund werden, mein Sohn.“

Aram hatte nicht persönlich mit dem Arzt gesprochen.

Später würde ihn gerade dieser Gedanke am meisten quälen.

Zwei Wochen danach zeigte seine Mutter ihm eine Nachricht von Nares Nummer.

„Ich kann nicht in dieses Leben zurück. Kümmere du dich um die Kinder. Such nicht nach mir.“

Aram rief an.

Das Telefon war ausgeschaltet.

Am nächsten Tag erzählte Sona, sie sei im Krankenhaus gewesen, doch Nare sei bereits entlassen worden.

„Bei ihrer Mutter ist sie auch nicht. Sie hat beschlossen zu gehen. Jetzt musst du an die Kinder denken.“

Verletzt und verwirrt glaubte Aram ihr.

Danach vergrub er sich in seiner Arbeit und redete sich ein, wenigstens dadurch ein guter Vater zu sein, dass er Geld verdiente.

***

„Gib mir dein Telefon“, sagte er.

Lusine holte ein altes Handy aus ihrer Tasche.

Auf dem Bildschirm waren zahlreiche kurze Videos zu sehen.

Einer der Kleinen nieste.

Der andere versuchte, sich umzudrehen.

Beide schliefen und hielten einander an den Händen.

Unter jedem Video standen Antworten derselben Frau.

„Sind ihre Äuglein heute in Ordnung?“

„Die Socke rechts ist zu eng. Kannst du sie wechseln?“

„Wenn er wieder nicht einschlafen kann, versuch es mit unserem Lied.“

Aram öffnete die letzte Sprachnachricht.

Er erkannte Nares Stimme sofort.

„Liebe Lusine, ich weiß, dass ich dich um etwas bitte, das nichts mit deiner Arbeit zu tun hat. Aber wenn du mir auch heute ein Video schicken könntest, wie sie lachen … Morgen reiche ich mit meinem Anwalt den Antrag ein. Ich werde nicht länger darauf warten, dass sie mir erlauben, meine Kinder zu sehen.“

Aram hob den Kopf.

„Was für einen Antrag?“

Lusine sah auf den Kopf des schlafenden Kindes.

„Ihre Frau glaubt, dass Sie ihr verbieten, das Haus zu betreten.“

„Ich habe seit vier Monaten nicht mit ihr gesprochen.“

„Sie auch nicht mit Ihnen.“

In der Küche war nur das leise Summen des Kühlschranks zu hören.

„Ruf sie an.“

Lusine wählte die Nummer.

Nare nahm nach dem zweiten Klingeln ab.

„Lusine, ich kann gerade nicht lange sprechen. Sind die Kleinen …“

„Nare.“

Stille.

Dann eine so leise Stimme, dass Aram das Telefon fester an sein Ohr drückte.

„Warum rufst du von ihrem Telefon aus an?“

„Wo bist du?“

„Interessiert dich das jetzt?“

Er wollte sagen: Ich wusste es nicht.

Doch vor seinem inneren Auge sah er seine Frau an der Krankenhaustür, an jenem letzten Tag, als sie ihn gebeten hatte:

„Kommst du morgen? Aber komm bitte selbst.“

Und am nächsten Tag hatte er seine Mutter geschickt.

„Nare, man hat mir gesagt, du seist weggegangen.“

Am anderen Ende fiel etwas herunter.

„Ich war dreimal zu Hause“, sagte sie. „Dreimal. Beim ersten Mal hat der Wachmann mich nicht einmal hereingelassen. Beim zweiten Mal kam deine Mutter zum Tor. Beim dritten Mal zeigte sie mir ein Schreiben mit deiner Unterschrift.“

„Was für ein Schreiben?“

„Dass ich mich den Kindern ohne deine Zustimmung nicht nähern soll.“

Aram setzte sich.

Einen Monat zuvor hatte seine Mutter ihm Unterlagen ins Büro gebracht.

Es ging um die Instandhaltung des Hauses, die Vermittlungsagentur für das Kindermädchen und die Versicherung der Kinder.

Er hatte sie während eines Telefonats unterschrieben.

Ohne sie zu lesen.

***

Sona kehrte am Nachmittag zurück.

Als sie ihren Sohn sah, rief sie erfreut:

„Warum hast du nicht gesagt, dass du kommst? Ich hätte Abendessen gemacht.“

Dann bemerkte sie das Telefon auf dem Tisch.

Auf dem Bildschirm war Nare zu sehen.

Sonas Lächeln verschwand.

„Du weißt nicht, was du tust“, sagte sie zu ihrem Sohn. „Ich habe monatelang versucht, diese Familie zusammenzuhalten.“

„Vor wem wolltest du sie beschützen?“

„Du hast sie damals nicht gesehen. Sie hat geweint und gezittert. Ich hatte Angst um die Kinder.“

Aus dem Telefon erklang Nares Stimme.

„Ich habe selbst um Hilfe gebeten, Sona. Auch dich habe ich gebeten: Hilf mir, damit ich schlafen kann.“

„Ich wusste nicht, wann du wieder gesund wirst.“

„Und deshalb hast du beschlossen, dass sie keine Mutter mehr haben?“

Sona wandte sich an Lusine.

„Und du? Hast du vergessen, wo dein Platz ist? Wozu habe ich dich hier behalten?“

Lusine löste langsam die Trage auf ihrem Rücken.

Aram trat näher und nahm seinen Sohn zum ersten Mal an diesem Tag auf den Arm.

Der Kleine sah ihm einen Moment ins Gesicht und streckte dann die Hand nach Lusine aus.

Diese kleine Geste schmerzte Aram mehr als das ganze Gespräch.

„Ich weiß, was meine Aufgabe ist“, sagte Lusine. „Von acht bis zwei putze ich. Aber um zwei konnte ich nicht gehen, weil das Kindermädchen, das Sie bestellt hatten, nicht da war.“

Aram sah seine Mutter an.

„Du hast gesagt, sie sei den ganzen Tag hier.“

Sona presste die Lippen zusammen.

„Die Agentur war teuer. Und Lusine war sowieso hier.“

„Ich habe zwei Kinder betreut und das Haus geputzt, für dasselbe Gehalt“, fuhr Lusine fort. „Und gestern haben Sie mir gesagt, dass Sie mich entlassen, wenn ich ihrer Mutter noch ein einziges Foto schicke.“

Sona wurde laut.

„Willst du jetzt wegen dieser Frau meine Familie zerstören?“

Aram sah auf das Kind in seinen Armen.

„Mama, du musst jetzt gehen.“

***

Nare kam am Abend nach Hause.

Sie blieb an der Tür stehen, als rechnete sie noch immer damit, dass jemand sie nicht hereinlassen würde.

Lusine saß mit den Kindern auf einem Teppich auf dem Boden.

Nare kniete sich vor sie.

Einer der Kleinen griff neugierig nach dem Riemen ihrer Handtasche.

Der andere sah ihr ins Gesicht und begann, sich unruhig zu bewegen.

Nare biss sich auf die Lippe.

„Sie haben mich vergessen.“

Lusine blieb sitzen.

„Singen Sie.“

Zunächst brachte Nare keinen Ton heraus.

Dann sang sie dieselben beiden Zeilen.

Der Kleine hielt still.

Sah sie an.

Und lächelte.

Nare hielt sich die Hände vor den Mund, konnte ihr Weinen aber nicht zurückhalten.

Aram stand im Flur.

Er wollte zu ihnen gehen, sie alle umarmen und sagen: Ich werde alles wiedergutmachen.

Aber er blieb stehen.

An diesem Abend sagte Nare nicht, dass sie ihm verzieh.

Sie übernachtete im Zimmer neben dem Wohnzimmer.

Sie stellten die Kinderbetten dorthin.

Aram brachte nacheinander die Windeln, die Fläschchen und die saubere Kleidung.

Wenn er nicht wusste, was wohin gehörte, fragte er.

Zum ersten Mal war er derjenige, der Fragen stellte.

***

In den folgenden Monaten sprachen sie viel miteinander.

Manchmal nur über die Kinder.

Manchmal waren die Gespräche so schmerzhaft, dass sie sich danach stundenlang nicht in die Augen sahen.

Nare setzte ihre Behandlung und die psychologische Beratung fort.

Aram lernte, zwei Kinder ins Bett zu bringen, von denen eines bei Licht einschlief und das andere nur im Dunkeln.

Sie berechneten die Vergütung für Lusines unbezahlte Arbeitsstunden.

Sie erklärte sich bereit, als Kindermädchen zu bleiben, mit klar geregelten Arbeitszeiten.

Für die Reinigung des Hauses stellten sie jemand anderen ein.

Eines Tages hörte Aram zufällig, wie Nare zu ihr sagte:

„Ich weiß nicht, wie ich dir dafür danken soll, dass du meinen Platz bewahrt hast.“

Lusine räumte gerade die gespülten Fläschchen ein.

„Ich habe Ihren Platz nicht bewahrt, Nare. Ich habe Ihre Kinder nur im Arm gehalten, bis Sie kommen konnten.“

Einige Monate später war wieder Lachen aus der Küche zu hören.

Aram blieb in der Tür stehen.

Diesmal trank Lusine in aller Ruhe Kaffee.

Nare saß am Tisch und fütterte einen der Jungen mit Brei.

Der andere saß auf Arams Arm und versuchte mit aller Kraft, seine Krawatte zu erwischen.

„Du bist spät dran“, sagte Nare.

Aram sah auf die Uhr.

Dann nahm er die Krawatte ab, legte sie auf einen Stuhl und setzte sich zu ihnen.

„Heute müssen die anderen warten.“

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