– Nach der Scheidung wird meine Mutter hier einziehen, – sagte Oleg.

– Das kleine Zimmer räumst du komplett leer.

Wenn du die Möbel brauchst, nimmst du sie mit.

Ich sah meinen Mann einige Sekunden lang an und versuchte zu verstehen, wann genau aus unserem Gespräch über die Scheidung plötzlich eine Diskussion über meinen Auszug geworden war.

– Wohin soll ich die Möbel denn mitnehmen?

Oleg legte sein Handy beiseite und antwortete bereits gereizt:

– Ira, wollen wir das jetzt wieder von vorne durchkauen?

Ich bleibe hier, Mama zieht zu mir.

Du suchst dir eine kleinere Wohnung.

Für dich allein sind zwei Zimmer sowieso zu viel.

Wir saßen in der Küche der Wohnung, die ich 2015 gekauft hatte.

Wir hatten 2019 geheiratet, und nach der Hochzeit war Oleg zu mir gezogen.

All die Jahre hatte ich diese Wohnung unser Zuhause genannt.

Es war mir nie in den Sinn gekommen, meinen Mann daran zu erinnern, dass es hier nur einen Eigentümer gab.

Oleg hatte daraus offenbar seine eigenen Schlüsse gezogen.

– Warum solltest ausgerechnet du hierbleiben? – fragte ich.

Er sprach in einem Ton, als würde er mir etwas völlig Selbstverständliches erklären:

– Weil ich seit sieben Jahren hier wohne.

Meine Arbeit ist in der Nähe, mein Fitnessstudio ist in der Nähe, ich kenne die Geschäfte hier.

Und du arbeitest von zu Hause aus.

Was macht es für dich für einen Unterschied, wo du wohnst?

Mama hat auch gesagt, dass es so vernünftiger wäre.

– Du hast das schon mit deiner Mutter besprochen?

– Natürlich.

Nach der Scheidung zieht sie hier ein.

Das Gespräch über unsere Scheidung war noch nicht einmal beendet, und sie hatten bereits entschieden, wo ich wohnen würde, wo Oleg bleiben würde und welches Zimmer Swetlana Wiktorowna bekommen sollte.

Am nächsten Tag kam meine Schwiegermutter selbst vorbei.

Ich arbeitete im kleinen Zimmer, als ich ihre Stimme im Flur hörte:

– Oleg, gib mir das Maßband.

Wenn Irina den Tisch mitnimmt, passt die Kommode auf jeden Fall hierher.

Ich kam aus dem Zimmer.

Swetlana Wiktorowna stand an der Wand und maß den freien Platz aus.

Oleg sah auf sein Handy und notierte die Maße.

– Was machen Sie da? – fragte ich.

Meine Schwiegermutter drehte sich vollkommen ruhig zu mir um.

– Wir schauen, welche meiner Möbel hier hineinpassen.

Es wäre schade, die Kommode zurückzulassen.

Die Regale nimmst du mit, die brauchst du ja für deine Arbeit.

– Wohin soll ich sie mitnehmen?

Sie runzelte die Stirn.

– In deine neue Wohnung.

Oleg hat gesagt, ihr hättet das bereits entschieden.

– Oleg hat es entschieden.

Mein Mann mischte sich sofort ein:

– Ira, wir haben gestern alles besprochen.

– Du hast mir gestern einen fertigen Plan präsentiert.

Swetlana Wiktorowna klappte das Maßband zusammen und sagte beschwichtigend:

– Warum über Formulierungen streiten?

Ihr zieht doch sowieso auseinander.

Oleg ist es gewohnt, hier zu wohnen.

Für dich ist es einfacher, dir etwas anderes zu suchen.

Ich sah auf das Maßband in ihrer Hand.

– Und warum wollen Sie eigentlich zu Oleg ziehen?

Meine Schwiegermutter war von der Frage sogar überrascht.

– Ich möchte meine Wohnung vermieten.

Warum soll sie leer stehen?

Ich werde hier mit meinem Sohn wohnen, und dort wohnen dann Mieter.

So ist es für alle bequem.

Jetzt verstand ich ihren Plan endgültig.

Oleg behielt sein vertrautes Viertel und die Wohnung.

Swetlana Wiktorowna zog zu ihrem Sohn und bekam die Möglichkeit, ihre eigene Wohnung zu vermieten.

Nur ich sollte die Adresse wechseln, eine Wohnung suchen, meine Sachen packen und mein Leben neu organisieren.

Und dieser großartige Plan funktionierte ausgerechnet auf Kosten meiner Wohnung.

– Bauen Sie die Kommode vorerst noch nicht auseinander, – sagte ich.

– Ihrem Einzug hier hat niemand zugestimmt.

Oleg runzelte die Stirn.

– Und was schlägst du vor?

Soll ich eine Wohnung mieten, obwohl diese hier vorhanden ist?

– Ich habe diese Wohnung, Oleg.

Du hast sie nicht.

– Ich habe sieben Jahre hier gelebt.

– Das weiß ich.

Swetlana Wiktorowna mischte sich ein:

– Niemand nimmt dir etwas weg.

Man kann sich doch auch vernünftig trennen.

Für Oleg ist es hier bequemer, für mich auch.

Du bist eine junge Frau, du wirst schon etwas Gutes für dich finden.

– Das heißt also, sich vernünftig zu trennen bedeutet, dass ihr es bequem habt und ich umziehen muss.

Meine Schwiegermutter steckte das Maßband missmutig in ihre Tasche.

Bevor sie ging, sagte sie ihrem Sohn, dass sie alles noch einmal in Ruhe besprechen würden.

Mit mir hatte sie offenbar nichts mehr zu besprechen.

Einen Tag später schickte mir Oleg eine Anzeige für eine kleine Wohnung in einem anderen Viertel.

Unter den Link schrieb er:

„Schau sie dir an.

Für dich allein reicht sie vollkommen.“

Ich öffnete die Fotos.

Eine ganz normale Wohnung.

Ein Zimmer, eine Küche und ein Flur.

Ich begann, die Entfernung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln zu prüfen und mir vorzustellen, wo ich meinen Schreibtisch aufstellen könnte.

Am Abend fand ich noch einige weitere Angebote.

Heute fällt es mir selbst schwer zu erklären, warum ich überhaupt damit angefangen hatte.

Wahrscheinlich ist es sehr leicht, sich nach einer Lösung zu richten, wenn zwei Menschen mehrere Tage lang so tun, als wäre die Entscheidung längst getroffen worden.

Oleg sah die Wohnungsanzeigen auf meinem Handy und entspannte sich sichtlich.

– Siehst du, – sagte er.

– Es gibt doch vernünftige Angebote.

Man darf sich nur nicht an einem einzigen Viertel festklammern.

Ich sah ihn an.

Oleg selbst weigerte sich kategorisch, das Viertel zu wechseln, gerade weil er daran gewöhnt war.

Diesen Widerspruch bemerkte er nicht einmal.

Am nächsten Tag schloss ich die Wohnungsanzeigen und holte die Unterlagen für meine Wohnung heraus.

Der Kaufvertrag hatte viele Jahre zwischen anderen Papieren gelegen.

Ich musste nicht ständig darin nachsehen, um mich daran zu erinnern, wann ich die Wohnung gekauft hatte.

2015.

Wir hatten 2019 geheiratet.

Noch am selben Tag holte ich mir eine Beratung und klärte, wie ich weiter vorgehen sollte.

Man erklärte mir das Wichtigste: die Scheidung ruhig abzuwickeln, die Unterlagen in Ordnung zu halten und keine eigenmächtigen Maßnahmen zu ergreifen.

Falls Oleg nicht freiwillig ausziehen wollte, sollte die Angelegenheit auf dem vorgesehenen rechtlichen Weg geregelt werden.

Das genügte mir.

Ich kehrte nach Hause zurück und löschte die gespeicherten Wohnungsanzeigen.

Am Abend fragte Oleg selbst:

– Na, hast du etwas Passendes gefunden?

– Ja.

Er wurde sofort interessiert.

– Welches Viertel?

– Dieses hier.

– Ich verstehe nicht.

– Ich bleibe hier.

Eine neue Wohnung suchst jetzt du.

Oleg sah mich einige Sekunden lang an.

– Meinst du das ernst?

– Ja.

Er schob den Stuhl zurück.

– Und wohin soll ich gehen?

– Du öffnest die Anzeigen und suchst dir etwas aus.

– Ira, ich wohne seit sieben Jahren hier.

Meine Arbeit ist in der Nähe, mein ganzes gewohntes Leben ist hier.

– Dann kannst du ja in der Nähe suchen.

– Hast du eine Ahnung, wie schwierig das ist?

– Ja.

Genau das hast du mir in den letzten Tagen vorgeschlagen.

Oleg ging gereizt in der Küche auf und ab.

– Und Mama?

Sie wollte ihre Wohnung schon freimachen.

– Sie hat eine Wohnung, in der sie leben kann.

– Ich habe ihr das Zimmer versprochen.

– Du hast ihr ein Zimmer versprochen, das dir nicht gehört.

Jetzt erklärst du ihr das selbst.

Dieser Satz veränderte die Situation stärker als alle unsere bisherigen Gespräche.

Bis dahin hatte Oleg sich so verhalten, als wäre zwischen mir und seiner Mutter lediglich ein ärgerliches Missverständnis entstanden, das ausgerechnet ich irgendwie lösen musste.

Jetzt lag die Verantwortung wieder bei dem Menschen, der sich das alles ausgedacht hatte.

Ein paar Minuten später rief er Swetlana Wiktorowna an.

– Mama, bau die Möbel vorerst nicht auseinander.

Und entscheide auch noch nichts wegen deiner Wohnung.

Ich hörte ihre Antwort nicht, aber seinen nächsten Satz sagte Oleg deutlich lauter:

– Weil Irina hierbleibt.

Ein paar Minuten später klingelte mein Telefon.

– Irina, was soll das heißen, du bleibst? – fragte Swetlana Wiktorowna.

– Oleg hat mir das Zimmer versprochen.

– Dann sprechen Sie mit Oleg darüber.

– Ich habe den Leuten bereits gesagt, dass ich meine Wohnung vermieten will.

– Dann müssen Sie Ihre Pläne ändern.

– Verstehst du eigentlich, in welche Lage du uns bringst?

– Ja.

Vor ein paar Tagen haben Sie mich in genau dieselbe Lage gebracht.

Nur dass Sie sogar schon die Wand ausgemessen hatten.

Meine Schwiegermutter empörte sich darüber, dass erwachsene Menschen solche Fragen innerhalb der Familie klären sollten.

– Da stimme ich Ihnen zu, – antwortete ich.

– Man hätte damit anfangen sollen, mit der Eigentümerin der Wohnung zu sprechen.

Danach beendete sie das Gespräch.

Oleg kam gereizt zu mir.

– Musstest du so mit meiner Mutter reden?

Sie hat mir geglaubt.

– Genau deshalb musst du es ihr jetzt auch erklären.

Er wollte widersprechen, sagte aber nichts.

Am nächsten Abend öffnete Oleg selbst die Wohnungsanzeigen.

Zuerst stellte er als Suchgebiet nur unser Viertel ein.

Die erste Wohnung gefiel ihm wegen der Entfernung zu den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht.

Bei der zweiten störte ihn die Küche.

Die dritte lag weiter von seiner Arbeit entfernt, als ihm lieb war.

Nach einiger Zeit drehte er sein Handy zu mir.

– Schau mal.

Von hier aus ist mein Arbeitsweg morgens unpraktisch.

Ich sah auf den Bildschirm.

– Man darf sich nur nicht an einem einzigen Viertel festklammern.

Oleg erinnerte sich sofort an seinen eigenen Satz.

Er nahm das Handy wieder an sich und sagte nichts mehr.

In den folgenden Tagen sah er sich mehrere Wohnungen an.

Nach und nach erweiterte sich das Suchgebiet, während seine Liste unverzichtbarer Anforderungen immer kürzer wurde.

Als Oleg von einer weiteren Besichtigung zurückkam, zog er missmutig seine Jacke aus.

– Es ist gar nicht so einfach, eine vernünftige Wohnung zu finden.

Bei der einen ist die Küche klein, bei der anderen ist der Arbeitsweg ungünstig.

– Ich weiß.

– Du hast doch nur zwei Tage gesucht.

– Und in diesen zwei Tagen hattest du bereits entschieden, was für mich geeignet ist.

Er sah mich an und sprach das Thema nicht mehr an.

Auch Swetlana Wiktorowna kam nicht mehr mit einem Maßband vorbei.

Eines Tages kam sie gerade kurz bevor Oleg zu einer weiteren Wohnungsbesichtigung aufbrechen wollte.

– Vielleicht mietest du vorerst noch nichts, – sagte sie zu ihrem Sohn.

– Vielleicht ändert Irina ihre Entscheidung ja noch.

– Wird sie nicht.

– Rede noch einmal mit ihr.

Erklär ihr, dass du es mir bereits versprochen hast.

Oleg hatte dieses Gespräch offensichtlich satt.

– Mama, ich habe dir ein Zimmer versprochen, über das ich gar nicht verfügen durfte.

Das war mein Fehler.

Ich suche mir eine andere Wohnung.

Swetlana Wiktorowna sah in meine Richtung.

– Und wo soll ich dann wohnen?

– Bleib vorerst in deiner Wohnung.

– Du hast etwas ganz anderes gesagt.

– Ich habe mich geirrt.

Ich musste mich nicht mehr einmischen.

Nach einiger Zeit fand Oleg eine passende Wohnung.

Sie lag in einem anderen Viertel.

Der Weg zur Arbeit dauerte länger.

Dafür war die Wohnung in einem guten Zustand und bezugsfertig.

Sie hatte nur ein Zimmer.

Als Oleg seiner Mutter davon erzählte, fragte Swetlana Wiktorowna sofort:

– Und wo soll ich wohnen?

– Mama, du bleibst in deiner Wohnung.

– Und was ist mit der Vermietung?

– Vorerst wird daraus nichts.

– Großartig.

Erst versprichst du mir das eine, jetzt sagst du etwas anderes.

Oleg antwortete müde:

– Ich habe doch schon gesagt, dass ich mich geirrt habe.

Am Tag des Umzugs kam Swetlana Wiktorowna, um ihrem Sohn mit den Kartons zu helfen.

Über das kleine Zimmer sprach sie nicht mehr.

Oleg nahm seine Kleidung, Bücher, seine persönlichen Geräte und die Dinge mit, die ihm gehörten.

Wir hatten alles vorher abgesprochen, deshalb entstand kein neuer Streit.

Als Letztes holte er seine Sporttasche aus dem Schrank.

Mit genau dieser Tasche war er damals nach unserer Hochzeit bei mir eingezogen.

Im Flur nahm Oleg die Wohnungsschlüssel von seinem Schlüsselbund und legte sie auf die Kommode.

– Ich hätte nie gedacht, dass ich hier einmal ausziehen würde, – sagte er.

– Ich war ein paar Tage lang auch überzeugt davon, dass ich diejenige sein würde, die auszieht.

Er sah mich genauer an.

– Warum hast du deine Meinung geändert?

– Ich habe die Unterlagen überprüft.

Und ich habe aufgehört, dein Wohnungsproblem mit meiner Wohnung zu lösen.

Oleg antwortete nichts.

Er nahm seine Tasche und ging.

Die Scheidung wurde abgeschlossen, als wir bereits getrennt lebten.

Swetlana Wiktorowna blieb in ihrer eigenen Wohnung.

Die Idee, sie für einen Umzug zu ihrem Sohn freizumachen, gab sie auf.

Oleg gewöhnte sich an sein neues Viertel und an den längeren Arbeitsweg.

Ein paarmal kam er noch vorbei, um vergessene Sachen abzuholen.

Das Letzte war ein Ladegerät, das im Schrank liegen geblieben war.

In einer Nachricht schrieb Oleg:

„Ich glaube, es ist noch bei dir in der Wohnung.“

Ich fand das Ladegerät und gab es ihm bei unserem nächsten Treffen.

Die Schlüssel hatte er zurückgegeben.

Swetlana Wiktorowna blieb in ihrer eigenen Wohnung.

Das kleine Zimmer wurde wieder ausschließlich von mir zum Arbeiten genutzt.

Ihre Kommode blieb schließlich an ihrer alten Adresse.

Teile es mit deinen Freunden