— Und schon wieder ist das Geld an deine Verwandten gegangen? — Die Frau schüttelte den Kopf.

— Na schön, dann fahre ich eben ohne dich ans Meer, beschlossen.

— Hörst du dir eigentlich selbst zu? — Oleg fuhr auf, als hätte ihn jemand gezwickt.

— Was heißt hier „ohne dich“?

Bist du meine Frau oder was?

Was soll dieses Theater hier, hä?

Du packst einfach deine Sachen und fährst los, und mich lässt du hier zurück wie irgendeinen Gegenstand im Regal?

— Gegenstände, mein Lieber, verlangen wenigstens nicht jeden Monat ein neues Nachtschränkchen, — antwortete Nadja ruhig und legte sorgfältig ein leichtes Sommerkleid in den Koffer.

— Aber du schon.

Genauer gesagt nicht du, sondern dein ganzer eingeschworener Trupp.

— Wage es nicht, so zu reden! — Seine Stimme schoss in die Höhe, bis zu jener schrillen Grenze, hinter der nur noch Kreischen beginnt.

— Das ist meine Familie!

Meine Verwandten!

Und du bist geizig, genau das bist du!

Du hast dir Geld für deine Tickets zusammengespart und hältst jetzt die Nase hoch!

— Geizig, — wiederholte Nadja, als würde sie prüfen, wie belastbar dieses Wort war.

— Lustig.

Geizig ist also derjenige, der für den Urlaub gespart und dann „versehentlich“ alles bis zur letzten Münze verschenkt hat.

Und danach schaut er auf den Koffer eines anderen mit einem Gesicht, als hätte man ihn am helllichten Tag ausgeraubt.

— Ich habe Menschen geholfen! — Oleg begann mit großen, nervösen Schritten durch das Zimmer zu laufen.

— Großvater brauchte ein Gewächshaus!

Prothesen!

Das Kind meiner Schwester!

Und du?

Hast du ihnen auch nur ein einziges Mal einen Rubel gegeben?

Nein!

Du denkst doch nur an dich selbst, an deine geliebte Person!

— An mich selbst, — stimmte sie ohne die geringste Spur von Kränkung zu.

— Stell dir vor, ich gebe mein eigenes Geld tatsächlich für mich selbst aus.

Natürlich eine Ungeheuerlichkeit.

Die Nachbarn tuscheln bestimmt schon darüber.

Und du kannst dein Geld für wen auch immer ausgeben.

So hatten wir es doch vereinbart, erinnerst du dich?

„Jeder spart selbst.“

Das war übrigens deine Idee, mein Schatz.

— Ich dachte doch nicht, dass du das wörtlich nimmst! — Er warf die Hände in die Luft.

— Das war doch nur so gesagt, der Ordnung halber!

— Ach, der Ordnung halber, — nickte Nadja.

— Und ich Dumme habe es ernst genommen.

Genauso wie den Satz: „Ich habe alles unter Kontrolle.“

Du hattest es unter Kontrolle, unter Kontrolle — und dann hast du es doch losgelassen.

Direkt in Großvaters Gewächshaus hinein.

Die Tür ging ohne Klopfen auf — Galina hatte ihren eigenen Schlüssel, und sie hatte es nie für nötig gehalten, ihn nicht zu benutzen.

Sie trat mit strahlendem Gesicht ein, sah den geöffneten Koffer und warf die Hände fast genauso in die Luft wie ihr Sohn eine Minute zuvor.

— Nadjenka, mein Sonnenschein, ihr packt schon! — sang sie förmlich.

— Das ist ja großartig, genau richtig, man muss sich auch mal erholen!

Und wohin fliegt ihr?

— Ich fliege, — korrigierte Nadja sie sanft, ohne den Blick von ihren Sachen zu heben.

— Einzahl.

Meer, Sonne und keinerlei Gepäck in Form von Vorwürfen.

Galinas Lächeln erstarrte, als hätte jemand den Stecker gezogen.

— Wie bitte, allein? — fragte sie nach und ließ den Blick von ihrer Schwiegertochter zu ihrem Sohn und wieder zurück wandern.

— Oleschek, was redet sie da?

Warum allein?

— Weil sie uns alle verachtet! — warf Oleg sofort ein.

— Mich, dich, unsere ganze Verwandtschaft!

Wir sind ihr völlig egal!

— Galina, es ist einfacher, als es klingt, — Nadja richtete sich endlich auf und sprach ruhig, als würde sie einem verirrten Passanten den Weg erklären.

— Wir haben vereinbart, dass jeder selbst für den Urlaub spart.

Ich habe Geld zurückgelegt, auf Dinge verzichtet und gerechnet.

Ich habe genug gespart.

Und Ihr Sohn hat sein Geld … verteilt.

Ich werde nicht sagen, an wen und wofür, Sie wissen das ohnehin.

Und ich werde meinen Urlaub nicht absagen, nur weil jemand nicht in der Lage ist, zwei und zwei zusammenzuzählen.

— Wie unverschämt! — Galina presste eine Hand an die Brust.

— Hast du das gehört, mein Sohn?

Sie stellt dich vor deiner eigenen Mutter bloß!

Er habe sein Geld verteilt, sagt sie!

Dabei hat er doch alles für die Familie getan!

— Genau! — Oleg kniff plötzlich die Augen zusammen, und darin blitzte ein unangenehmer, klebriger Verdacht auf.

— Weißt du was, jetzt habe ich es verstanden!

Du nimmst mich nicht mit, weil du gar nicht allein fährst!

Du hast dort jemanden!

Einen Liebhaber, ja?

Gib es zu!

— Na endlich hast du es begriffen, — Nadja grinste und zog den Reißverschluss des Koffers zu.

— Ein halbes Jahr lang hast du das Geld zum Fenster hinausgeworfen, und deine Kombinationsgabe schaltet sich erst jetzt ein.

Natürlich habe ich einen Liebhaber.

Groß, reich und vor allem kann er sparen.

— Hast du das gehört?! — Galina rang nach Luft und drehte sich zu ihrem Sohn um, als suche sie Halt.

— Ganz offen!

Sie erniedrigt ihren eigenen Mann und erzählt vor seiner lebenden Mutter von ihrem Liebhaber!

Kein Gewissen hat sie!

— Galina, machen Sie sich keine Sorgen, — Nadja breitete mit gutmütigster Miene die Hände aus.

— Ihr Sohn hat schließlich auch bald Urlaub.

Datscha, sechshundert Quadratmeter Grundstück und frische Luft.

Er soll dort ebenfalls keine Zeit verschwenden — er kann sich ja jemanden in der Datschensiedlung suchen und sich ordentlich amüsieren.

Und wenn ich zurückkomme, sind wir wieder eine glückliche, starke Familie.

Alles fair und ganz modern.

Galina öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch die Worte blieben ihr im Hals stecken.

Sie sah ihre Schwiegertochter an, als spräche diese eine unbekannte Sprache, und konnte nicht begreifen, ob die Frau scherzte oder das alles vollkommen ernst meinte.

— Ich weiß nicht, was ihr heutzutage für Werte habt, — brachte sie schließlich mit zusammengepressten Lippen hervor.

— Zu unserer Zeit gab es so etwas nicht.

Klärt selbst, wer mit wem wohin geht.

In diesen Zirkus mische ich mich nicht ein.

Dann drehte sie sich beleidigt um und ging hinaus, wobei sie die Tür laut hinter sich zuschlug und eine Wolke empörter Stille zurückließ.

Oleg stand mit verschränkten Armen mitten im Zimmer und war überzeugt, dass seine Frau einfach nur launisch war.

Er hielt nicht einmal den Gedanken für möglich, dass sie tatsächlich ihren Koffer nehmen und abreisen würde.

— Du wirst nicht fahren, — sagte er zu ihrem Rücken, als sie den Koffer nahm.

— Das ist alles nur Show.

Du wirst dich beruhigen und es dir anders überlegen.

— Mein Lieber, — Nadja drehte sich schon in der Tür noch einmal um, — ich bin kein Luftballon, der abkühlen kann.

Erhol dich gut.

Und denk an die Siedlung — ich habe schließlich nicht gescherzt.

Die zwei Wochen vergingen leicht und beschwingt.

Damit ihr nicht langweilig wurde, machte Nadja jeden Tag Ausflüge, besichtigte Tempel, Gärten und sonnendurchflutete Buchten.

Ein älterer Mann versuchte ernsthaft, ihr den Hof zu machen — mit Blumen, Komplimenten und dem Angebot, ihr die Stadt zu zeigen.

Sie machte ihm höflich, aber bestimmt klar, dass sie kein Interesse hatte, und er zog sich würdevoll zurück.

Sie kehrte gebräunt, leicht und beinahe vollständig von den Vorwürfen anderer erholt nach Hause zurück.

Sie öffnete ihren Schrank und stieß zwischen ihren vertrauten Sachen auf etwas Fremdes: einen weichen Damenbademantel in Pfirsichfarbe und eine ungeöffnete Packung Unterwäsche, eindeutig nicht in ihrer Größe.

— Und was ist das für ein Fundstück? — sagte sie laut und betrachtete die neuen Sachen wie ein Ausstellungsstück im Museum.

— Ah, du hast es schon gefunden, — Oleg erschien ruhig in der Tür, sogar mit einer gewissen Trägheit.

— Du hast es doch selbst gesagt.

Erinnerst du dich?

„Amüsier dich, solange ich nicht da bin.“

Also habe ich mich amüsiert.

Nur auf der Datscha sind Mutter, Mücken und Fliegen, dort ist es ungemütlich.

Zu Hause ist es irgendwie angenehmer.

Nadja legte den Bademantel langsam zurück ins Regal und sah ihren Mann an, als stünde vor ihr ein sprechender Kleiderschrank.

— Du hast also beschlossen, dass ich das ernst gemeint habe? — fragte sie nach.

— Warum denn nicht? — Er zuckte mit entwaffnender Dreistigkeit die Schultern.

— Du hast dich dort amüsiert, ich mich hier.

Jetzt sind wir quitt.

Damit ist alles vergessen, und wir sind wieder eine glückliche Familie.

Es ist doch alles fair, du hast es selbst vorgeschlagen.

— Weißt du, — sie verzog nur die Mundwinkel zu einem Grinsen, — ich habe dir natürlich vieles zugetraut.

Aber dass ausgerechnet diesen Satz wörtlich nehmen würdest und nicht „Lass uns erwachsen sein“, nicht „Lass uns gemeinsam sparen“, nicht „Lass uns aufeinander achten“ — das ist wirklich Talent.

Von allem, was ich in einem halben Jahr gesagt habe, hast du dir genau einen Satz ausgesucht.

Und natürlich ausgerechnet den über Fremdgehen.

— Was ist denn schon dabei?! — Er begann erneut hochzukochen.

— Du hast es doch selbst erlaubt!

Du hast damit angefangen!

— Ich habe es erlaubt, — nickte Nadja.

— Und jetzt erlaube ich dir noch etwas anderes.

Sie öffnete die Schranktür weiter, zog seine Hemden mitsamt den Kleiderbügeln heraus und trug sie zum Ausgang.

— Was machst du da?! — Oleg stürzte ihr hinterher.

— Halt!

Das sind meine Sachen!

— Ganz genau, — stimmte sie zu und riss die Wohnungstür auf.

— Deine.

Und genau deshalb fahren sie jetzt zu dir.

Hemden, Pullover, Jeans — all das flog methodisch, ohne Taschen und ohne Zeremonie, auf den Treppenabsatz.

Oleg lief hektisch hin und her, sammelte die Sachen vom Boden auf, und seine Stimme überschlug sich in hohen, gekränkten Tönen.

— Bist du verrückt geworden!

Du hast selbst gesagt, ich soll mich amüsieren!

Ich habe dir geglaubt!

Wofür bestrafst du mich jetzt?!

— Für deine Leichtgläubigkeit, — warf Nadja ihm zu und trug die nächste Ladung hinaus.

— Ein halbes Jahr lang hast du mir nicht geglaubt, als ich über das Geld gesprochen habe.

Und diesmal hast du mir sofort geglaubt.

Ganz schön ärgerlich, oder?

Er versuchte, sie am Arm zu packen, um sie aufzuhalten, und bekam sofort eine kurze, schallende Ohrfeige.

Nicht einmal aus Wut, sondern eher wie ein Punkt am Ende eines langen Gesprächs.

— Fass mich nicht an, — sagte sie leise und sehr deutlich.

— Das ist das Einzige, worum ich dich ernsthaft bitte.

In diesem Moment ertönte leise das Signal des Aufzugs, und die Türen öffneten sich.

Aus der Kabine trat genau die Besitzerin des pfirsichfarbenen Bademantels — Kristina — und blieb wie angewurzelt stehen, als sie die überall auf dem Treppenabsatz verstreuten Sachen und den zerzausten Oleg sah, der zwischen ihnen in der Hocke herumkroch.

— Oh, — brachte sie nur heraus.

— Kristina, warte, du verstehst das falsch! — Oleg sprang auf sie zu.

— Nein, ich glaube, ich habe alles genau richtig verstanden, — sie machte einen vorsichtigen Schritt zurück in den Aufzug.

— Solche Abenteuer kann ich mir nicht leisten.

Wir hatten unseren Spaß, und jetzt reicht es.

Mach’s gut.

Die Aufzugtüren schlossen sich und brachten sie nach unten, zurück in ein ruhiges Leben ohne fremde Skandale.

Oleg blieb zwischen dem Haufen seiner Sachen und der fest verschlossenen Tür seiner eigenen Wohnung stehen.

Noch vor ein paar Stunden war in seiner Vorstellung alles vollkommen normal gewesen.

Er hatte auf den Abend gewartet und sich vorgestellt, wie er seine zurückkehrende Frau begrüßen würde, wie sie zusammensitzen, reden und sich versöhnen würden.

Und jetzt trat er auf dem Treppenabsatz von einem Fuß auf den anderen und hatte sogar Angst zu klopfen — er hatte deutlich das Gefühl, die Tür würde sich nur öffnen, um danach noch fester zugeschlagen zu werden.

Das Telefon gab einen kurzen Ton von sich.

Auf dem Display leuchtete eine Nachricht seiner Mutter, schlicht und alltäglich: „Sohn, überweis mir fünftausend, dringend.“

Oleg ließ sich langsam auf die oberste Treppenstufe sinken, starrte auf diese Worte und sagte zum ersten Mal laut, ohne sich an jemanden zu richten:

— Wegen dieser fünftausend ist am Ende alles auseinandergebrochen.

Hinter der geschlossenen Tür weinte und schrie Nadja nicht.

Sie stellte den Koffer in die Ecke, nahm den fremden Bademantel mit zwei Fingern aus dem Regal und trug ihn auf den Treppenabsatz hinaus, wo sie ihn vorsichtig direkt in die Hände ihres verdutzten Mannes legte.

— Nimm ihn mit, du kannst ihn noch gebrauchen, — sagte sie durch den Spalt der halb geöffneten Tür.

— Und überweis deiner Mutter das Geld trotzdem.

Du bist doch schließlich unser großzügiger Mann.

Nur ab jetzt eben vom Sofa eines anderen aus.

— Nadja, komm, lass uns doch reden … — begann er kläglich.

— Wir haben bereits geredet, — antwortete sie sanft.

— Ein ganzes halbes Jahr lang.

Du warst nur ständig damit beschäftigt, Geld zu verteilen.

Aber zuzuhören hast du bis heute nicht gelernt.

Und die Tür schloss sich leise, ohne Wut und ohne Knall.

Endgültig.

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