Sie hat eine Tochter – die soll putzen! – sagte Olesja.
Olesja drückte den einjährigen Timofej an sich und richtete ihm wieder einmal das Lätzchen.

Der Kleine wand sich im Kinderwagen und versuchte, nach den vorbeilaufenden Tauben zu greifen.
Der Sommertag war heiß, und der Spaziergang im Hof dauerte länger als gewöhnlich.
Das Telefon in ihrer Tasche klingelte, als Olesja gerade nach Hause gehen wollte.
Auf dem Display erschien der Name ihres Mannes.
— Hallo, mein Schatz.
Wie geht es dir?
— Ganz gut.
Hör mal, Mama hat angerufen.
Sie sagt, sie braucht nach der Renovierung Hilfe beim Putzen.
Morgen fahren wir zu ihr.
Olesja blieb mitten auf dem Gehweg stehen.
Denis sprach immer über alles so, als wäre die Sache bereits entschieden.
— Und was genau muss geputzt werden?
— Ach, nur ein bisschen Kleinkram.
Mama ein wenig helfen, du verstehst schon.
— Nein, ich verstehe es nicht.
Was bedeutet „ein bisschen“?
— Olesja, sie ist doch allein.
Meine Schwester arbeitet und hat keine Zeit.
Und du bist im Mutterschaftsurlaub und praktisch frei.
Olesja umklammerte den Griff des Kinderwagens fester.
Frei.
Als wären das Füttern rund um die Uhr, das Wechseln der Windeln und der ständige Schlafmangel ein Urlaub auf den Malediven.
— Gut.
Aber ich nehme Timka mit.
— Natürlich, Mama hat nichts gegen Kinder.
Vor ihrem Mutterschaftsurlaub hatte Olesja als Friseurin in einem Schönheitssalon im Stadtzentrum gearbeitet.
Ihre Kundinnen vereinbarten ihre Termine einen Monat im Voraus.
Damals war Denis stolz auf seine Frau und erzählte allen, was für eine geschickte Frau er hatte.
Jetzt erinnerte er sie bei jeder Gelegenheit daran, dass Olesja zu Hause saß und nichts tat.
Am nächsten Morgen ging Denis wie gewöhnlich zur Arbeit in die Fabrik.
Olesja packte eine Tasche mit Kindersachen, fütterte Timofej und machte sich auf den Weg zu ihrer Schwiegermutter.
Galina Iwanowna wohnte im Nachbarhaus, in einer Zweizimmerwohnung im dritten Stock.
Während Olesja mit dem Kinderwagen und der Tasche die Treppe hinaufstieg, spürte sie bereits die Müdigkeit.
Timofej begann zu quengeln – seine Mittagsschlafzeit rückte näher.
Die Tür wurde sofort nach dem Klingeln geöffnet.
— Oleschenka, komm herein, komm herein! – Galina Iwanowna trug einen Hausmantel und sah munter aus.
— Ich dachte schon, du hättest es dir anders überlegt.
Olesja betrat den Flur und erstarrte.
Die Wohnung sah aus, als wäre darin eine Bombe explodiert.
Auf dem Boden lagen Zeitungsschnipsel, und eingetrocknete Farbtropfen bedeckten das Linoleum mit Flecken.
Die Wände waren in einem zarten Hellblau gestrichen, doch überall waren die Handabdrücke der Handwerker zu sehen.
Eine dicke Staubschicht bedeckte sämtliche Oberflächen.
— Na, wie gefällt es dir? – Galina Iwanowna breitete die Arme aus.
— Schön, nicht wahr?
Nur haben diese unfähigen Handwerker ein solches Chaos hinterlassen.
Timofej begann noch lauter zu weinen.
Olesja schaukelte den Kinderwagen und versuchte, ihn zu beruhigen.
— Galina Iwanowna, was genau muss gemacht werden?
— Alles muss gewaschen und gründlich gereinigt werden.
Die Fenster müssen geputzt und die Farbe vom Boden entfernt werden.
Im Badezimmer sieht es ebenfalls schrecklich aus.
Du weißt doch, wie meine Tochter arbeitet – sie sitzt von morgens bis abends im Büro.
Sie hat keine Zeit, sich um den Haushalt zu kümmern.
Und du bist im Mutterschaftsurlaub und nicht besonders beschäftigt.
Olesja stellte den Kinderwagen in den Flur und holte den Laufstall heraus.
Während sie ihn aufbaute, zählte Galina Iwanowna weiterhin alle anstehenden Arbeiten auf.
— Die Küche muss ebenfalls gründlich geschrubbt werden.
Die Kunststoffpaneele sind dort völlig verschmiert.
Und die Fußleisten müssen in der ganzen Wohnung abgewischt werden.
Außerdem gibt es noch den Balkon – dort liegt ebenfalls Staub vom Abschleifen der Wände.
— Wo ist Larissa? – fragte Olesja nach der Tochter ihrer Schwiegermutter.
— Larissa ist bei der Arbeit.
Ich sage doch, sie hat keine Zeit.
Sie arbeitet als Buchhalterin und trägt eine große Verantwortung.
Olesja setzte Timofej in den Laufstall und gab ihm Spielzeug.
Der Kleine steckte sich sofort eine bunte Spielpyramide in den Mund.
Galina Iwanowna ging ins Zimmer und ließ Olesja mit dem Chaos nach der Renovierung allein.
In der Küche stellte Olesja fest, dass die Kunststoffpaneele tatsächlich mit Gipsflecken und fettigen Handabdrücken bedeckt waren.
Das Spülbecken war mit Bauschutt verstopft.
Olesja krempelte die Ärmel hoch und machte sich an die Arbeit.
Zuerst musste sie das Spülbecken reinigen, um Wasser einlassen zu können.
Danach musste sie unter dem Spülbecken Lappen und Reinigungsmittel hervorholen.
Die Paneele ließen sich nur schwer reinigen – der eingetrocknete Gips ließ sich mit einem normalen Schwamm nicht entfernen, sodass sie ihn mit den Fingernägeln abkratzen musste.
Timofej saß im Laufstall im Flur und quengelte von Zeit zu Zeit.
Olesja sah immer wieder nach ihm und prüfte, ob alles in Ordnung war.
— Galina Iwanowna, könnten wir den Laufstall vielleicht ins Zimmer stellen?
Hier ist es sehr staubig.
— Und wo soll ich dann vorbeigehen?
Das Zimmer ist klein, und ich habe die Möbel nach der Renovierung noch nicht umgestellt.
Olesja kehrte in die Küche zurück.
Die Gipsflecken ließen sich allmählich entfernen, doch die Arbeit ging nur langsam voran.
Ihre Hände wurden vom ständigen Reiben schnell müde.
Bis zum Mittag hatte sie nur die Hälfte der Paneele gereinigt.
— Möchtest du vielleicht etwas essen? – fragte Galina Iwanowna, als sie hereinschaute.
— Nein, danke.
Ich mache lieber weiter, solange Timka ruhig ist.
— Das ist auch besser so.
Es gibt schließlich noch viel zu tun.
Nach der Küche müssen die Fenster geputzt werden.
Und danach das Badezimmer.
Olesja wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn.
Der Schweiß lief ihr über den Rücken, obwohl der Tag gerade erst begonnen hatte.
Galina Iwanowna beobachtete ihre Arbeit und gab ihr immer wieder Ratschläge.
— Hier hast du nicht richtig geschrubbt.
Und dort ist auch noch ein Fleck.
— Galina Iwanowna, warum beauftragen Sie nicht eine Reinigungsfirma?
Nach einer Renovierung ist das ganz normal.
— Warum sollte ich dafür Geld ausgeben?
So viel Arbeit ist es doch gar nicht.
Und du bist frei und sitzt im Mutterschaftsurlaub zu Hause.
Timofej wurde immer unruhiger.
Es war Zeit, ihn zu füttern.
Olesja wusch sich die Hände und ging zu ihrem Sohn.
— Galina Iwanowna, ich muss das Kind füttern.
— Natürlich, natürlich.
Aber mach schnell, sonst ist der Tag vorbei, und wir schaffen nichts.
Olesja fütterte Timofej und wechselte seine Windel.
Der Kleine war müde und schläfrig, wollte aber im Laufstall zwischen Staub und Baustellengeruch nicht einschlafen.
Olesja wiegte ihn in den Armen und sang ihm ein Schlaflied.
— Was ist, bist du schon müde? – fragte Galina Iwanowna.
— Ich dachte, junge Mütter wären belastbarer.
Olesja legte ihren Sohn wieder in den Laufstall und kehrte in die Küche zurück.
Die restlichen Paneele ließen sich schneller reinigen – ihre Hand hatte sich bereits an die Bewegungen gewöhnt.
Doch vor ihr lagen noch die Fenster, das Badezimmer und die Böden in der gesamten Wohnung.
Die Fenster waren in einem schrecklichen Zustand.
Sie waren mit Grundierungsstreifen, Spuren von Malerkrepp und eingetrockneten Farbtropfen bedeckt.
Olesja holte eine Trittleiter aus der Abstellkammer, stieg mit einem Schwamm und Glasreiniger darauf.
— Sei vorsichtig und fall nicht herunter – sagte Galina Iwanowna, die es sich mit einer Tasse Tee im Sessel bequem gemacht hatte.
— Sonst landest du noch im Krankenhaus.
Ihre Arme schmerzten von der ausgestreckten Haltung, und ihr Rücken tat wegen der unbequemen Position weh.
Timofej begann im Laufstall wieder zu quengeln.
Olesja stieg von der Leiter herunter und ging zu ihrem Sohn.
Der Kleine streckte die Arme nach ihr aus und wollte auf den Arm genommen werden.
— Timka, halte bitte noch ein wenig durch.
Mama ist fast fertig.
Doch das war nicht wahr.
Bis zum Ende war es noch sehr weit.
Galina Iwanowna schmiedete inzwischen neue Pläne.
— Nach den Fenstern muss das Badezimmer gründlich geschrubbt werden.
Die Handwerker haben die Fliesen dort so verschmutzt – es ist einfach schrecklich.
Auch die Toilette und die Badewanne müssen gereinigt werden.
Danach müssen die Böden in der ganzen Wohnung gewischt werden.
Olesja nickte, ohne den Kopf zu heben.
Ihr Mund war trocken, und sie hatte Durst.
Doch sie durfte nicht aufhören – der Tag verging, und die Arbeit wurde nicht weniger.
Im Badezimmer war das Bild noch schlimmer.
Die Fliesen waren mit Schlieren von Zementstaub bedeckt, und in den Fugen steckten Mörtelreste.
Olesja kniete sich hin und begann, jede Fliese einzeln zu schrubben.
Timofej weinte inzwischen aus voller Kehle.
Olesja stand auf, wusch sich die Hände und ging zu ihrem Sohn.
Sie nahm ihn auf den Arm und wiegte ihn.
Der Kleine beruhigte sich und vergrub das Gesicht an der Schulter seiner Mutter.
— Warum hast du die Arbeit liegen lassen? – Galina Iwanowna verzog die Lippen.
— Das Kind wird ein wenig weinen und dann wieder aufhören.
— Galina Iwanowna, er braucht Aufmerksamkeit.
Timofej ist müde und möchte nach Hause.
— Was soll denn an ihm müde sein?
Er sitzt doch nur im Laufstall.
Früher wurden Kinder fest gewickelt und hingelegt – dann lagen sie den ganzen Tag ruhig da.
Und heute behandelt man sie, als wären sie aus Kristall.
Olesja kehrte mit ihrem Sohn auf dem Arm ins Badezimmer zurück.
Mit einer Hand zu arbeiten war unbequem, aber sie wollte Timofej nicht im Laufstall lassen.
Der Kleine hielt sich an ihrem T-Shirt fest und schluchzte gelegentlich.
Gegen vier Uhr nachmittags war das Badezimmer fertig.
Die Fliesen glänzten, und die Sanitäranlagen strahlten in makellosem Weiß.
Doch die Böden in der gesamten Wohnung mussten noch gereinigt werden.
— Na also, jetzt sieht es schon besser aus! – bewertete Galina Iwanowna das Ergebnis.
— Jetzt machen wir uns an die Böden.
Und vergiss nicht, die Fußleisten abzuwischen.
Olesja sah auf die Uhr.
Bald war es sechs Uhr abends – die Zeit, zu der Denis normalerweise von der Arbeit zurückkam.
Timofej hing schwer und schläfrig in ihren Armen.
Ihr Rücken schmerzte, und ihre Hände brannten von den Reinigungsmitteln.
— Galina Iwanowna, kommt Larissa heute noch?
— Larissa?
Nein, natürlich nicht.
Sie arbeitet und geht danach ins Fitnessstudio.
Sie achtet eben auf ihre Figur, im Gegensatz zu manchen anderen.
Olesja antwortete nichts.
Die zusätzlichen Kilos waren nach der Geburt noch nicht verschwunden, und ihre Schwiegermutter ließ keine Gelegenheit aus, sie daran zu erinnern.
Das Reinigen der Böden dauerte lange.
Die eingetrocknete Farbe ließ sich nur schwer entfernen, und sie musste über dieselben Stellen mehrmals wischen.
Timofej quengelte und wollte etwas essen.
Olesja fütterte ihn direkt auf dem Flurboden, während sie neben dem Eimer mit schmutzigem Wasser saß.
— So etwas aber auch – Galina Iwanowna schüttelte den Kopf.
— Zu meiner Zeit haben Kinder nicht so oft gegessen.
Damals gab es einen strengen Tagesablauf.
Die Sonne neigte sich bereits dem Horizont zu, als Olesja das letzte Zimmer erreichte.
Timofej schlief inzwischen erschöpft von dem langen Tag in ihren Armen.
Galina Iwanowna machte bereits Pläne für den nächsten Tag.
— Morgen putzen wir den Balkon.
Außerdem räumen wir die Abstellkammer auf, denn dort muss nach den Handwerkern ebenfalls Ordnung geschaffen werden.
Olesja richtete sich langsam auf und trocknete ihre Hände an einem Handtuch ab.
Ihr Rücken schmerzte so sehr, dass sie am liebsten für immer in derselben Position verharrt wäre.
Ihre Hände zitterten vor Erschöpfung.
— Galina Iwanowna, ich muss nach Hause.
Timofej ist müde und braucht normalen Schlaf.
— Schon?
Du hast die Fußleisten nicht fertig gemacht.
Und die Fenster im Schlafzimmer sind immer noch trüb.
Olesja legte ihren schlafenden Sohn in den Kinderwagen und packte ihre Sachen zusammen.
Sie sah mitgenommen aus, ihre Haare waren zerzaust, und auf ihrem T-Shirt befanden sich Flecken von den Reinigungsmitteln.
— Na gut – seufzte Galina Iwanowna.
— Morgen machen wir weiter.
Danke natürlich.
Gut, dass du im Mutterschaftsurlaub bist und Zeit hast, der Familie zu helfen.
Olesja verließ schweigend und ohne sich zu verabschieden die Wohnung.
Ihre Hände zitterten vor Erschöpfung, als sie den Kinderwagen zum Aufzug schob.
Timofej schlief unter einer dünnen Decke, und seine Wangen waren von der stickigen Luft gerötet.
Er hatte den ganzen Tag in einem staubigen Flur zwischen Bauschutt verbracht und die Chemikalien der Reinigungsmittel eingeatmet.
Zu Hause badete Olesja zuerst ihren Sohn und zog ihm saubere Kleidung an.
Danach stand sie lange unter der Dusche und wusch den Staub und den Baustellengeruch von sich ab.
Auf ihren Händen waren rote Flecken von den aggressiven Reinigungsmitteln zurückgeblieben, und unter ihren Fingernägeln steckte Schmutz.
Denis kam gegen sieben Uhr abends gut gelaunt und zufrieden nach Hause.
Er setzte sich mit einer Flasche Bier vor den Fernseher.
— Na, wie sieht es bei Mama aus?
Hast du ihr geholfen?
Olesja saß im Sessel gegenüber und fütterte Timofej.
Der Kleine trank gierig aus der Flasche, und man sah ihm an, dass der Tag anstrengend gewesen war.
— Denis, kannst du dir vorstellen, wie es dort aussieht?
Die Wohnung befindet sich nach der Renovierung in einem schrecklichen Zustand.
Ich habe den ganzen Tag Farbe, Gips und Baustaub entfernt.
— Na und?
Mama ist doch schon alt, und es fällt ihr schwer.
Ist es für dich etwa so schwierig, ihr zu helfen?
Olesja nahm Timofej auf den anderen Arm und sah ihren Mann aufmerksam an.
— Wo ist Larissa?
Deine Mutter hat eine Tochter, die im Nachbarviertel wohnt.
— Larissa arbeitet.
Sie hat genug zu tun.
— Ich habe ebenfalls gearbeitet.
Und ich werde wieder arbeiten, wenn mein Mutterschaftsurlaub vorbei ist.
Warum fällt die Hilfe für deine Eltern automatisch mir zu?
Denis nahm einen Schluck Bier und wechselte den Kanal.
— Du bist jetzt doch frei.
Du bist im Mutterschaftsurlaub und zu Hause.
— Frei? – Olesja versuchte, leise zu sprechen, damit ihr Sohn nicht aufwachte.
— Denis, hast du gesehen, wie ich den heutigen Tag verbracht habe?
Das Kind saß im Laufstall zwischen Baustaub, atmete Chemikalien ein und weinte vor Erschöpfung.
— Ach, es war doch nur ein Tag.
Davon wird er nicht sterben.
— Und morgen plant deine Mutter eine Fortsetzung.
Der Balkon, die Abstellkammer und noch irgendetwas.
Denis sah seine Frau erstaunt an.
— Und was ist daran schlimm?
Eine Familie muss einander helfen.
— Gut.
Dann fährst du morgen hin.
Du nimmst Timofej mit und verbringst den Tag damit, die Wohnung deiner Mutter zu putzen.
— Ich arbeite.
— Arbeitest du auch am Wochenende?
Denis schwieg einen Moment und winkte dann ab.
— Gut, greif mich nicht gleich an.
Ich werde mit Mama sprechen und ihr sagen, dass sie dich nicht so belasten soll.
Olesja legte Timofej in sein Bettchen und setzte sich neben ihren Mann auf das Sofa.
— Denis, verstehst du den Unterschied zwischen helfen und die gesamte Arbeit erledigen?
Heute habe ich acht Stunden am Stück geputzt.
Mit einem einjährigen Kind.
Das ist keine Hilfe, sondern Ausnutzung.
— Ach, komm schon.
Mama meint es nicht böse.
— Vielleicht meint sie es nicht böse.
Aber Galina Iwanowna hat eine Tochter namens Larissa, die in einem Geschäft arbeitet und am Wochenende mit ihren Freundinnen im Café sitzt.
Warum bittet sie nicht sie?
— Larissa hat Rückenschmerzen.
— Und mein Rücken tut nicht weh?
Nach dem heutigen Tag kann ich kaum laufen.
Das Gespräch geriet in eine Sackgasse.
Denis vertiefte sich in sein Telefon, und Olesja ging das Abendessen zubereiten.
Sie war niedergeschlagen, und ihre Hände brannten noch immer von den Reinigungsmitteln.
Am nächsten Tag rief Galina Iwanowna gegen zehn Uhr morgens an.
— Oleschenka, wie geht es dir?
Kommst du heute?
Der Flur ist noch nicht fertig, und die Decke in der Küche muss abgewischt werden.
Olesja atmete tief durch und sammelte ihre Gedanken.
— Galina Iwanowna, ich komme heute nicht.
— Wie bitte, du kommst nicht?
Wer soll denn dann alles fertig machen?
— Ich weiß es nicht.
Vielleicht kann Larissa am Wochenende helfen?
— Larissa hat Rückenschmerzen.
Außerdem arbeitet sie viel und ist müde.
— Galina Iwanowna, ich bin ebenfalls müde.
Ich habe ein einjähriges Kind, das ständig Aufmerksamkeit braucht.
— Aber du bist doch im Mutterschaftsurlaub.
Du hast freie Zeit.
— Mutterschaftsurlaub ist kein Urlaub.
Es ist Arbeit rund um die Uhr und ohne freie Tage.
Galina Iwanowna schwieg eine Weile und seufzte dann beleidigt.
— Na gut.
Dann werde ich eben alles selbst fertig machen.
— Oder Sie wenden sich an eine Reinigungsfirma.
Nach einer Renovierung ist das eine normale Vorgehensweise.
— Woher soll ich so viel Geld nehmen?
Ich bin schließlich Rentnerin.
— Dann bitten Sie Larissa.
Sie verdient Geld und kann es sich leisten, für ihre Mutter eine Reinigung zu bezahlen.
Das Gespräch endete mit einer kühlen Verabschiedung.
Olesja legte das Telefon zur Seite und verspürte Erleichterung.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hatte sie ihrer Schwiegermutter Nein gesagt und ihren Entschluss nicht weiter erklärt.
Einige Tage später erhielt sie eine Sprachnachricht von Galina Iwanowna.
Ihr Ton klang beleidigt und vorwurfsvoll.
— Olesja, natürlich verstehe ich, dass du deine eigenen Angelegenheiten hast.
Aber ich hatte meine ganze Hoffnung auf dich gesetzt.
Larissa sagt, dass ihr Rücken schmerzt und sie sich nicht bücken kann.
Und du bist für mich wie eine Tochter, deshalb dachte ich, du würdest mir helfen.
Es sieht so aus, als würdest du dich nicht besonders gut verhalten.
Olesja hörte sich die Nachricht zweimal an und nahm dann eine Antwort auf.
— Galina Iwanowna, ich bin nicht Ihre Tochter, sondern Ihre Schwiegertochter.
Und die Hilfe innerhalb einer Familie muss gleichmäßig auf alle Kinder verteilt werden und darf nicht nur auf einer Person lasten.
Wenn Larissa Rückenschmerzen hat, soll sie eine Reinigungskraft engagieren.
Ich stehe niemandem ständig zur Verfügung, um fremde Arbeit zu erledigen.
Die Nachricht war hart, aber ehrlich.
Olesja zögerte lange, bevor sie sie abschickte, und drückte schließlich auf die Taste.
Es reichte ihr, für alle bequem zu sein.
Am Abend kam Denis mit düsterer Miene von der Arbeit nach Hause.
— Mama hat angerufen.
Sie sagt, du hättest ihr unhöflich geantwortet.
— Nicht unhöflich, sondern ehrlich.
— Du hättest einfach schweigend helfen sollen, wie eine normale Frau.
Du hättest keine Szene machen müssen.
Olesja legte das Buch zur Seite, das sie vor dem Schlafengehen gelesen hatte, und wandte sich ihrem Mann zu.
— Denis, warst du selbst nach der Renovierung in der Wohnung deiner Mutter?
— Nein, warum?
— Hast du gesehen, in welchem Zustand dort alles ist?
Kannst du dir vorstellen, wie viel Arbeit das ist?
— Na ja, putzen ist eben putzen.
— Acht Stunden am Stück Farbe, Gips und Baustaub entfernen.
Mit einem einjährigen Kind, das vor Müdigkeit und stickiger Luft weint.
Ist das für dich normal?
Denis schwieg, kratzte sich am Hinterkopf.
— Vielleicht war es tatsächlich ziemlich viel.
— Denis, deine Mutter hat eine Tochter.
Larissa ist eine gesunde erwachsene Frau, arbeitet in einem Geschäft und wohnt im Nachbarviertel.
Warum soll die ganze Hilfe an mir hängen bleiben?
— Ich weiß es nicht.
Mama ruft immer dich an.
— Weil ich schweige und alles mache.
Larissa kann Nein sagen.
— Vielleicht sollten wir Mama tatsächlich eine Reinigungskraft bezahlen?
Sie hat kein Geld, aber wir könnten ihr helfen.
— Das können wir.
Aber ich werde nicht allein dafür bezahlen.
Larissas Gehalt ist höher als mein Mutterschaftsgeld.
Denis nickte und erkannte an, dass seine Frau recht hatte.
— Gut.
Ich werde mit Mama sprechen.
Ich sage ihr, dass ich im Unrecht war.
Galina Iwanowna rief nicht mehr an und bat nicht mehr um Hilfe beim Putzen.
Einige Tage lang herrschte Stille.
Dann erwähnte sie in einem Gespräch mit Denis nebenbei, dass Larissa endlich gekommen war und die Fenster im Schlafzimmer geputzt hatte.
— Nur die Fenster? – fragte Denis überrascht.
— Nun, sie hat auch die Böden gewischt.
Sie sagt, ihr Rücken tue weh und sie könne nicht mehr machen.
— Und der Rest?
— Den Rest erledige ich nach und nach selbst.
Ein bisschen jeden Tag und ohne Eile.
Olesja lächelte innerlich.
Offenbar hatte Larissa doch genug Kraft gefunden, ihrer Mutter zu helfen.
Früher war es einfach bequemer gewesen, alles auf die Schwiegertochter abzuwälzen.
Am Wochenende fuhr Denis selbst zu seiner Mutter und half ihr, die Möbel wieder an ihren Platz zu stellen.
Galina Iwanowna begrüßte ihren Sohn freudig, bewirtete ihn mit Mittagessen und zeigte ihm das Ergebnis der Renovierung.
Dass Olesja sich geweigert hatte zu putzen, erwähnte sie nicht mehr.
Einen Monat später war die Wohnung der Schwiegermutter vollständig in Ordnung gebracht.
Olesja erfuhr es zufällig, als Denis erzählte, dass er bei seiner Mutter vorbeigeschaut hatte, um zu sehen, wie es ihr ging.
— Es ist sehr schön geworden.
Mama ist zufrieden.
— Und wer hat den Rest erledigt?
— Larissa hat nach und nach alles gemacht.
Sie kam an den Wochenenden.
— Siehst du?
Offenbar waren ihre Rückenschmerzen doch nicht so schlimm.
Denis zuckte mit den Schultern.
— Anscheinend nicht.
Du hast damals richtig gehandelt.
Wir hätten nicht alles auf dich abwälzen dürfen.
Olesja umarmte ihren Mann und küsste ihn auf die Wange.
— Hauptsache, du hast es verstanden.
Galina Iwanowna bat ihre Schwiegertochter nie wieder um Hilfe beim Putzen.
Wenn etwas Schweres getragen oder repariert werden musste, rief sie ihren Sohn an.
Bei gewöhnlichen Hausarbeiten wandte sie sich an ihre Tochter.
Olesja blieb einfach Denis’ Ehefrau und Timofejs Mutter und wurde nicht zur kostenlosen Haushälterin für die gesamte Familie.
Die wichtigste Lektion, die Olesja aus dieser Geschichte lernte, lautete: Solange man schweigt und alles erträgt, wird man ausgenutzt.
Sobald man ein einziges Mal entschieden Nein sagt, stellt sich plötzlich heraus, dass es für das Problem viele andere Lösungen gibt.
Früher wollte nur niemand danach suchen, solange es eine bequeme und kostenlose Möglichkeit gab.







