— Ich habe für die Datscha schon eine halbe Million als Anzahlung genommen! — schrie die blass gewordene Schwiegermutter plötzlich.

— Du könntest wenigstens deinen Karton aus dem Weg räumen, Liebes.

In diesen Fluren bekommt man ohnehin kaum Luft.

Larissa Stepanowna schob den stabilen Pappkarton angewidert mit der Schuhspitze zur Seite.

Rita zog den Karton näher zu sich.

Aus den halb geöffneten Klappen schauten in Zeitungspapier gewickelte Knollen von Zuchtdahlien hervor.

Sie hatte sie vor einer Stunde auf einer Gartenmesse gekauft.

— Willst du schon wieder in der Erde herumwühlen?

Die ehemalige Schwiegermutter richtete den Kragen ihrer strengen Bluse.

— Deine ganze Jugend hast du in den Beeten vergeudet.

Hättest du lieber auf deinen Mann aufgepasst, solange ihr verheiratet wart.

Dann wäre unser Maxim vielleicht nicht aus der Familie weggegangen.

Aber du hattest ja nur deine Setzlinge im Kopf.

— Ihr Sohn ist gegangen, weil er nicht arbeiten wollte, Larissa Stepanowna.

Rita blickte auf die leere Wand im Empfangszimmer.

— Und die Beete haben uns damals ernährt.

— Ach, tu doch nicht so arm!

Die Schwiegermutter umklammerte ihre schwarze Handtasche noch fester.

— Die Beete hätten sie ernährt.

Mein Maxim ist ein kreativer Mensch.

Er brauchte Unterstützung.

Und du hast ihn mit deinem Alltag erstickt.

Aber macht nichts.

Es gibt Gerechtigkeit.

Grigori hat kurz vor seinem Ende alles in Ordnung gebracht.

Rita wandte sich ab.

Vor drei Jahren, als sie und Maxim sich scheiden ließen, hatte ihr Ex-Mann alles aus der Wohnung mitgenommen.

Er nahm sogar die Mikrowelle und den Staubsauger mit.

Er erklärte, dass er sich in einer anderen Stadt mit einer neuen Frau ein neues Leben aufbauen müsse.

Unterhalt hatte Rita von ihm kein einziges Mal gesehen.

Ihr Schwiegervater hingegen war aus einem ganz anderen Holz geschnitzt.

Grigori war der Einzige, der weiterhin Kontakt zu seiner Schwiegertochter hielt.

Er half mit Geld für die Schulausgaben seines Enkels.

Er kam vorbei, um die Elektrik zu reparieren.

Und er wiederholte immer wieder, dass sein Sohn zu einem Nichtsnutz geworden sei, er aber für seinen Enkel Verantwortung trage.

Vor einem Monat war der Schwiegervater gestorben.

Larissa Stepanowna wurde sofort äußerst aktiv.

Sie kam mit einer notariell beglaubigten Vollmacht ihres Sohnes.

— Ich habe übrigens schon Käufer für die Datscha gefunden.

Die Schwiegermutter beugte sich triumphierend zu Rita.

— Wir haben eine ordentliche Anzahlung genommen.

Sobald wir heute die Papiere erledigt haben, bringen wir den Verkauf sofort ins Rollen.

Das sind ernsthafte Leute, die warten nicht gern.

Rita drehte endlich den Kopf zu ihr.

— Sie verkaufen Grigoris Datscha?

— Welche denn sonst?

Die Schwiegermutter grinste.

— Mein verstorbener Mann, möge er in Frieden ruhen, ist im Alter endlich zur Vernunft gekommen.

Er hat begriffen, dass Blutsverwandtschaft wichtiger ist.

Er hat sein Testament auf Maxim umgeschrieben.

Sein gesamtes Eigentum bis auf den letzten Cent geht an seinen einzigen Sohn.

Also, Liebes, pack deine Harken zusammen.

Raus hier.

— Grigori hat dieses Haus mit seinen eigenen Händen gebaut.

Er liebte dieses Grundstück.

— Mir ist völlig egal, wer es gebaut hat!

Larissa Stepanowna winkte ab.

— Ich war seit fünfzehn Jahren nicht mehr dort und habe diese Mücken nicht gefüttert.

Grundstücke sind heute viel wert.

Wir verkaufen das Grundstück und kaufen Maxim ein vernünftiges Auto.

Wegen deiner Unterhaltsforderungen steckt er ja ständig in Schulden.

Die Sekretärin im Empfangszimmer räusperte sich.

— Kommen Sie bitte herein.

Boris Leonidowitsch erwartet Sie.

Larissa Stepanowna stürmte als Erste ins Büro.

Offenbar hatte sie Angst, ihre Schwiegertochter könnte sich den bequemeren Stuhl sichern.

Der Notar saß hinter einem großen Schreibtisch.

Vor ihm lag ein Stapel Dokumente.

Mit einer Handbewegung deutete er den Frauen auf die Stühle.

— Setzen Sie sich bitte.

Wir sind hier zusammengekommen, um die Erbschaftsangelegenheit nach dem Tod von Grigori Borissowitsch zu eröffnen.

— Genau!

Larissa Stepanowna ließ sich auf einen Stuhl fallen und legte sofort ihren Pass auf den Tisch.

— Hier sind die Unterlagen.

Ich vertrete die Interessen des direkten Erben.

Schreiben Sie alles auf meinen Sohn um.

Und erklären Sie dieser Person, dass sie hier keinerlei Rechte hat.

Boris Leonidowitsch schob die Dokumente der Schwiegermutter an den Rand des Tisches.

— Einen Moment bitte.

Gehen wir der Reihe nach vor.

Das Nachlassverfahren wurde tatsächlich eröffnet.

Grigori Borissowitsch hat ein Testament hinterlassen.

Laut dem Text vermacht er sein gesamtes Eigentum seinem Sohn Maxim Grigorjewitsch.

— Ich habe es doch gesagt!

Die Schwiegermutter warf Rita einen triumphierenden Blick zu.

— Na, wie schmeckt dir das?

Du dachtest wohl, nur weil du dem Alten Süppchen gebracht hast, würde er dir alles überschreiben?

Daraus wird nichts!

Gesetz ist Gesetz.

Rita stellte den Karton mit den Dahlien auf ihre Knie.

— Ich habe Grigori um nichts gebeten.

Ich habe ihm geholfen, weil er seinem Enkel geholfen hat.

Im Gegensatz zu Ihrem Maxim.

— Wage es nicht, das Kind hier hineinzuziehen!

Larissa Stepanowna hob die Stimme.

— Mein Sohn zahlt so viel, wie er kann.

Er hat eben seine Umstände!

Boris Leonidowitsch, stellen Sie die Erbbescheinigung für die Datscha aus.

Meine Käufer stehen schon in den Startlöchern.

Der Notar sah die Schwiegermutter über den Rand seiner Brille hinweg an.

— Eine Erbbescheinigung für das Gartengrundstück kann ich nicht ausstellen.

Weder Ihnen noch Ihrem Sohn.

Larissa Stepanownas Hand blieb regungslos auf dem Tisch liegen.

— Und warum bitte nicht?

Das Testament umfasst doch das gesamte Eigentum!

Die Datscha ist sein Eigentum!

Er hat sie vor dreißig Jahren bekommen!

— Das Testament bezieht sich auf das Eigentum, das dem Erblasser zum Zeitpunkt seines Todes gehörte.

Boris Leonidowitsch blätterte das oberste Blatt um.

— Der entscheidende Punkt ist, dass das Gartengrundstück mit dem Haus Grigori Borissowitsch zum Zeitpunkt seines Todes nicht gehörte.

Die Schwiegermutter blinzelte mehrmals.

— Wie soll das heißen, es gehörte ihm nicht?

Wem gehörte es dann?

Der Notar sah zu Rita.

— Es gehört Margarita Nikolajewna.

Und zwar ausschließlich ihr.

Vor dem geöffneten Fenster fuhr ein Straßenreinigungsfahrzeug vorbei.

Larissa Stepanowna drehte sich langsam zu ihrer ehemaligen Schwiegertochter.

— Was hast du angestellt, du gerissene Schlange?

Sie beugte sich nach vorn.

— Wann hast du es geschafft, den Alten übers Ohr zu hauen?

Er war in den letzten Jahren doch gar nicht mehr bei klarem Verstand!

Wir werden das anfechten!

Ich werde Anwälte einschalten!

— Ich würde Ihnen nicht raten, Geld für Anwälte auszugeben.

Der Notar zog ein altes, vergilbtes Formular aus dem Stapel.

— Das wäre sinnlos.

— Ich werde beweisen, dass sie ihn betrogen hat!

Er hätte niemals die Datscha irgendeiner fremden Frau überschreiben können und seinen eigenen Sohn ohne etwas zurücklassen!

Rita seufzte.

— Grigori hat niemanden ohne etwas zurückgelassen.

Maxim hat von ihm die Wohnung seiner Großmutter bekommen, die er erfolgreich versoffen und verkauft hat.

Und die Datscha haben Grigori und ich gemeinsam aus den Ruinen wieder aufgebaut.

Sie sind ja nicht einmal hingefahren.

— Es geht dich einen Dreck an, wohin ich gefahren bin!

Die Schwiegermutter schlug mit der Handfläche auf den Tisch.

— Boris Leonidowitsch, erklären Sie diesen Wisch für ungültig!

Das ist Betrug!

Der Notar schob das vergilbte Formular näher an den Rand des Tisches.

— Es liegt keinerlei Betrug vor.

Die Transaktion ist völlig transparent.

Vor zehn Jahren hat Grigori Borissowitsch einen Schenkungsvertrag zugunsten von Margarita Nikolajewna abgeschlossen.

Zu seinen Lebzeiten.

Die Übertragung wurde ordnungsgemäß registriert.

— Vor zehn Jahren?

Larissa Stepanownas Stimme überschlug sich.

— Damals waren die beiden doch noch verheiratet!

— Genau.

Eigentum, das durch eine Schenkung erworben wurde, gilt nicht als gemeinschaftlich erworbenes Ehevermögen.

Es unterlag bei der Scheidung nicht der Aufteilung.

Und es gehört auch jetzt nicht zur Erbmasse.

Die Schwiegermutter ließ sich gegen die Rückenlehne ihres Stuhls sinken.

— Lüge.

Eine Schenkung kann man leicht rückgängig machen.

Wir sagen einfach, dass kein Geld geflossen ist.

— Bei einer Schenkung muss auch kein Geld fließen.

Boris Leonidowitsch nahm seine Brille ab.

— Grigori Borissowitsch bestand damals außerdem auf einer wichtigen Bedingung.

Margarita Nikolajewna hat ordnungsgemäß die Steuer auf die geschenkte Immobilie bezahlt.

Die Steuern wurden vor zehn Jahren entrichtet.

Die Angelegenheit ist abgeschlossen.

Kein Gericht wird eine solche Klage annehmen.

Rita erinnerte sich noch gut an diesen Tag.

Sie hatte einen Kredit aufnehmen müssen, um diese Steuer zu bezahlen.

Maxim hatte damals einen schrecklichen Streit angefangen.

Er schrie, sie würde das Familienbudget für diese alte Bruchbude verschwenden.

Doch ihr Schwiegervater blieb unerbittlich.

Er zwang sie dazu, alles offiziell abzuwickeln.

Larissa Stepanownas Überheblichkeit war plötzlich verschwunden.

— Und was ist mit der Anzahlung?

Sie starrte den Notar an.

— Wie bitte?

— Ich habe eine Anzahlung für den Verkauf der Datscha genommen!

Fast eine halbe Million!

Ich habe das Geld Maxim schon überwiesen, er hat sich bereits ein Auto ausgesucht!

Rita stand von ihrem Stuhl auf.

— Das sind Ihre Probleme, Larissa Stepanowna.

Zahlen Sie die Anzahlung in doppelter Höhe zurück, so wie es vorgesehen ist.

— Du gerissene Schlampe!

Die Schwiegermutter sprang auf.

— Du hast das alles geplant!

Du hast nur darauf gewartet, dass er stirbt, damit du uns ins Elend stürzen kannst!

— Ich habe niemanden ins Elend gestürzt.

Rita nahm ihren Karton.

— Ich habe einfach mein eigenes Leben gelebt.

Und das werde ich auch weiterhin tun.

Und Sie können Ihr Testament genießen.

Boris Leonidowitsch, da war doch noch die alte Garage, oder?

— Ja.

Eine Garage im Industriegebiet und ein Moskwitsch aus dem Jahr 1992.

Das geht an Maxim Grigorjewitsch.

— Ein ausgezeichnetes Erbe für einen kreativen Menschen.

Auf Wiedersehen.

Sie verließ das Büro.

Hinter ihrem Rücken hallten Larissa Stepanownas Beschimpfungen her, doch Rita verlangsamte nicht einmal ihren Schritt.

Ein paar Tage später war das Wetter herrlich sonnig.

Rita fuhr früh am Morgen zu ihrer Datscha.

Sie zog ihre alte Windjacke an, holte dieselben Zeitungspäckchen hervor und ging zum Blumenbeet neben der Veranda.

Die Schwiegermutter hatte tatsächlich versucht, ihr Probleme zu machen.

Sie rief mit Drohungen an und verlangte, dass Rita wenigstens die Anzahlung zurückzahlte, die sie den verhinderten Käufern hatte erstatten müssen.

Doch Rita blockierte einfach ihre Nummer.

Sie grub ein kleines Loch in die weiche Erde.

Vorsichtig setzte sie die erste Dahlienknolle hinein.

Grigori hatte diese Blumen sehr geliebt.

Von nun an würden sie hier jedes Jahr blühen.

Auf ihrem eigenen Grundstück.

Niemand hatte mehr das Recht, ihr vorzuschreiben, was sie zu tun hatte.

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