— Ich habe alles entschieden, wir ziehen zu Ihnen!
Klawdija blieb wie angewurzelt in ihrem eigenen Flur stehen, ohne überhaupt den Mantel ausgezogen zu haben.

Direkt vor ihr türmte sich ein Berg riesiger karierter Taschen und versperrte den Weg zur Treppe.
Daneben stand Regina mit in die Hüften gestemmten Händen, als wäre sie die Hausherrin.
Ihre ehemalige Schwiegertochter.
Der grelle Schal war zur Seite gerutscht, ihre Augen brannten vor Entschlossenheit, und auf ihren Lippen lag ein triumphierendes Lächeln.
— Guten Tag, Regina, sagte die Hausherrin langsam und betont, während sie das schwere Einkaufsnetz in die andere Hand nahm.
— Und woher hast du die Schlüssel zum Gartentor?
— Pjotr hat mir vor drei Jahren einen Zweitschlüssel gegeben, aber das spielt jetzt keine Rolle!
Regina zerrte gereizt an ihrem Schal, als hindere er sie am Atmen.
— Sie hören mir nicht zu, Klawdija Nikolajewna.
— Ich sage, dass die Jungs und ich eine Weile hier wohnen werden.
— Die Luft ist frisch, und die Natur ist schön.
Sie machte eine Pause und ließ ihren Blick durch die geräumige Eingangshalle schweifen.
— Und vor allem gehört zu Ihrer Straße das Einzugsgebiet des neuen Gymnasiums.
— Na und?
— Genau darum geht es!
— Für das Gymnasium brauche ich eine dauerhafte Anmeldung.
Klawdija knöpfte langsam ihren Mantel auf.
Sie hängte die Oberbekleidung an den Haken neben der Tür und versuchte, das unangenehme Kribbeln in ihren Fingern zu beruhigen.
Ihr Sohn Pjotr hatte sich vor drei Jahren von dieser tatkräftigen Frau scheiden lassen.
Er hatte ihr die Zweizimmerwohnung in der Stadt überlassen und war selbst in den Norden gegangen, um dort zu arbeiten.
Klawdija führte ein ruhiges Leben, kümmerte sich um ihren Garten und wartete darauf, dass ihre Enkel sie am Wochenende besuchten.
Und nun war jemand mit riesigen Taschen in ihr Haus eingedrungen.
— Regina, meine Liebe, von welcher Anmeldung sprichst du?
— Von einer ganz normalen!
Die ehemalige Schwiegertochter antwortete herausfordernd und trat einen Schritt auf ihre frühere Schwiegermutter zu.
— Ich bin die Mutter Ihrer Enkel.
— Ich habe ein Recht auf angemessene Bedingungen.
— Sie leben hier ganz allein und leisten sich drei Zimmer.
— Und uns ist es in der Stadt zu eng.
Sie trat mit der Stiefelspitze gegen die nächstgelegene karierte Tasche.
— Ich habe mich bereits erkundigt, das Verfahren geht schnell.
— Sie schreiben eine Einverständniserklärung, und wir gehen gemeinsam zum Einwohnermeldeamt.
— Die Leibeigenschaft wurde schon vor langer Zeit abgeschafft.
Klawdija ging um den Berg aus Gepäck herum und begab sich in die Küche.
— Ich werde niemanden bei mir anmelden.
— Erst recht nicht mit dauerhaftem Wohnrecht.
— Ich frage Sie nicht um Erlaubnis!
Die Besucherin folgte ihr, wobei ihre Absätze laut auf den Fliesen des Flurs klackten.
Offenbar hatte sie erwartet, dass die ältere Frau wie gewohnt den Mut verlieren, hektisch werden, Tee anbieten und nach einem Kompromiss suchen würde.
— Sie sind dazu verpflichtet!
— Pjotr zahlt lächerlich wenig Unterhalt, also können Sie das wenigstens mit Wohnraum ausgleichen.
— Pjotr zahlt eine ordentliche Summe.
Klawdija wies die Besucherin zurecht und schaltete das Licht über dem Esstisch ein.
— Ich habe die Zahlungsbelege gesehen.
— Mit diesen Beträgen könnte man die halbe Stadt ernähren.
— Auf dem Papier sieht es nur so aus, als wäre es viel!
Regina warf ihre glänzende Handtasche mit Schwung direkt auf die saubere Tischdecke.
— Haben Sie gesehen, was Winterkleidung für Kinder kostet?
— Und die Freizeitkurse?
— Und die Englisch-Nachhilfelehrer?
Sie stützte sich mit beiden Händen auf die Tischkante und beugte sich drohend nach vorn.
— Sie interessieren sich überhaupt nicht für das Leben Ihrer Enkel!
— Sie leben hier zu Ihrem Vergnügen und pflanzen Blümchen.
— Und ich muss ganz allein zwei Jungen großziehen!
— Du ziehst sie nicht allein groß.
— Sie haben einen Vater.
— Einen Vater, den sie höchstens einmal im Jahr sehen, wenn überhaupt!
— Er ruiniert seine Gesundheit im Norden doch nur deshalb, um deine Ansprüche zu finanzieren.
Klawdija ging zum Spülbecken und wusch ihre Hände unter fließendem Wasser, um sich eine Sekunde zum Nachdenken zu verschaffen.
Die Situation war vollkommen absurd.
Am Abend mit riesigen Taschen aufzutauchen, mit einem alten Schlüssel eine fremde Tür zu öffnen und anschließend Forderungen zu stellen.
Regina gehörte nicht zu den Menschen, die einfach nur zu Besuch kamen.
Hinter ihrer lauten Fassade verbarg sich immer eine genaue Berechnung.
— Also gut.
Die Besucherin setzte sich auf einen Hocker und schlug die Beine übereinander.
— Die Jungs habe ich vorerst bei meiner Mutter gelassen.
— Morgen bringe ich sie her.
— Wir nehmen das Zimmer im ersten Stock, dessen Fenster zum Garten zeigen.
— Dort ist es hell, und man kann gut Hausaufgaben machen.
Sie blickte sich wie eine Hausherrin in der Küche um, als plane sie bereits, die Möbel umzustellen.
— Und Sie bleiben unten im Schlafzimmer.
— Wir brauchen nicht viel.
— Wir werden friedlich zusammenleben.
— Sie helfen beim Kochen, schließlich muss ich arbeiten.
— Da hast du dir ja einiges vorgenommen.
— Wie bitte?
— Ich sage, du sollst deine Unterlippe wieder einziehen, bevor sie dir noch gegen die Knie schlägt.
Die Hausherrin trocknete ihre Hände mit einem Waffelhandtuch ab.
Sie drehte sich zu ihrer ehemaligen Schwiegertochter um und spürte, wie in ihr eine dumpfe Welle des Zorns aufstieg.
— Es wird kein Zimmer mit Blick auf den Garten geben.
— Es wird auch keine Anmeldung geben.
— Und hier wohnen werdet ihr ebenfalls nicht.
— Sind Sie noch bei Verstand?!
— Nimm deine Bündel und geh zurück in deine Zweizimmerwohnung.
— Das ist auch das Zuhause meiner Kinder!
Reginas Stimme überschlug sich zu einem Kreischen.
— Ich werde mich beim Jugendamt durchsetzen!
— Sie setzen Ihre eigenen Enkel auf die Straße!
— Was sind Sie nur für eine grausame Frau!
— Aus einer Wohnung im Stadtzentrum direkt auf die Straße?
Klawdija zog spöttisch die Augenbrauen hoch.
— Mach dich nicht lächerlich.
— In eurem Viertel gibt es zwei ausgezeichnete Schulen.
— Der Fußweg dauert fünf Minuten.
Sie zog einen Stuhl hervor und setzte sich der Besucherin gegenüber.
— Von hier aus müsste man zu deinem neuen Gymnasium mit zwei Bussen und einmaligem Umsteigen fahren.
— Im Winter.
— Im Dunkeln.
Regina zögerte kurz.
Ihre Augen huschten unruhig umher, und ihre Finger klammerten sich nervös um den Riemen ihrer glänzenden Handtasche.
Offensichtlich hatte sie nicht damit gerechnet, dass ihre Schwiegermutter die Verkehrsverbindungen und die Fahrpläne überprüfen würde.
— Dort gibt es einen mathematischen Schwerpunkt!
— Die Jungen brauchen Förderung!
— Sie verstehen die modernen Lebensumstände einfach nicht!
— Die Jungen brauchen Ruhe und einen geregelten Tagesablauf.
Klawdija sah sie geradewegs an, ohne den Blick abzuwenden.
— Und du, Regina, brauchst eine freie Wohnung.
In der geräumigen Küche wurde die Atmosphäre plötzlich äußerst unangenehm.
Die Besucherin hörte auf, mit dem Bein zu wippen, und setzte sich angespannt aufrecht hin.
— Was hat die Wohnung damit zu tun?
— Wir sprechen über die Kinder!
— Sehr viel.
Die Hausherrin verschränkte die Finger ineinander.
Es war Zeit, dieses Theater zu beenden.
— Meine Nachbarin Nina Wassiljewna war vor ein paar Tagen in der Stadt.
— Sie musste in die regionale Klinik, um ihren Rücken behandeln zu lassen.
Sie machte eine Pause.
— Und sie hat dich vor deinem Hauseingang gesehen.
— Du standest dort mit einem aalglatten Mann im Anzug.
— Ihr habt Papiere auf der Motorhaube eines Autos unterschrieben, und du hast mit Schlüsseln geklimpert.
— Das war nur wegen einer Versicherung!
— Wegen einer Versicherung für die Vermietung der Wohnung?
Klawdija sprach diese Worte so scharf aus, dass Regina am ganzen Körper zusammenzuckte.
— Du hast doch eine Anzeige im Internet veröffentlicht.
— Auf den Fotos waren die unverwechselbaren Tapeten zu erkennen.
— Zweizimmerwohnung langfristig zu vermieten.
— Der Preis ist nicht gerade niedrig.
— Keine Haustiere erlaubt.
Reginas Gesicht bedeckte sich mit roten Flecken.
Es war die altbekannte weibliche List, sich hinter den Interessen der Kinder zu verstecken, wenn man die eigenen finanziellen Probleme auf Kosten anderer lösen wollte.
— Na und?!
Sie platzte damit heraus und verlor den letzten Rest ihres höflichen Tons.
— Ja, ich vermiete sie!
— Wovon soll ich denn leben?
— Ich habe mir einen neuen Wagen auf Kredit gekauft!
— Jeden Monat muss ich eine riesige Summe bezahlen!
— Deshalb habe ich beschlossen…
— Du hast beschlossen, dich deiner ehemaligen Schwiegermutter auf den Hals zu setzen.
Klawdija schüttelte den Kopf und staunte über diese unverfrorene Dreistigkeit.
— Die Wohnung vermieten, die Mieteinnahmen zur Bank bringen und damit deinen Kredit abbezahlen und den Unterhalt für deine eigenen Wünsche ausgeben.
Sie deutete mit einer Handbewegung durch das Haus.
— Und die Großmutter soll die Jungen hier an der frischen Luft versorgen.
— Nebenkosten müsstest du ebenfalls nicht bezahlen.
— Ein perfekter Plan.
— Wirklich genial.
— Sie müssen uns helfen!
Regina ging erneut zum Angriff über, weil sie spürte, wie ihr der Boden unter den Füßen entglitt.
— Ich habe Ihnen Enkel geboren!
— Ich trage Ihren Familiennamen!
— Für die Enkel danke ich dir.
— Ich liebe und verwöhne sie.
— Du kannst sie an den Wochenenden herbringen.
Klawdija sprach mit Nachdruck und betonte jedes einzelne Wort.
— Ich werde Kuchen backen und mit ihnen zum See fahren.
— Aber wohnen werdet ihr hier nicht.
— Zwei Hausherrinnen vertragen sich nicht in einer Küche, schon gar nicht bei deinen Ansprüchen.
— Sie sind einfach nur geizig!
— Das waren Sie schon immer!
Regina sprang vom Hocker auf.
Ihre Handtasche fiel polternd zu Boden, aber sie beachtete es nicht einmal.
— Sie klammern sich an Ihre Quadratmeter!
— Hier stehen ganze Palasträume leer, während wir kaum über die Runden kommen!
— Mit einem Kredit für einen neuen glänzenden Geländewagen?
Die Hausherrin antwortete ohne die geringste Spur von Mitleid.
— Natürlich ist es schwer.
— Du hättest nach deinen finanziellen Möglichkeiten leben sollen, statt vor deinen Freundinnen anzugeben.
— Ich rufe morgen sofort Petja an!
Regina begann nun offen zu schreien.
— Er wird Ihnen schon zeigen, was Sache ist!
— Er wird seine Rechte geltend machen!
— Das ist schließlich auch sein Erbe!
— Ruf ihn an.
Klawdija erhob sich schwerfällig vom Tisch.
Ihr Rücken schmerzte nach der Gartenarbeit, doch dafür hatte sie jetzt keine Zeit.
Sie ging zur Küchenzeile, auf der ihr Mobiltelefon lag.
— Soll ich ihn vielleicht sofort selbst anrufen?
Sie nahm das Gerät in die Hand.
— Ich erzähle ihm von dem neuen Wagen aus dem Autohaus.
— Von den Mietern in seiner ehemaligen Wohnung.
— Und davon, dass du den Unterhalt, den er sich bei eisiger Kälte verdient, für deine Kredite ausgibst.
Regina verstummte, und die Worte blieben ihr im Hals stecken.
Ein Anruf bei ihrem ehemaligen Ehemann war offensichtlich kein Bestandteil ihres perfekten Plans gewesen.
Pjotr war kein streitsüchtiger Mann, doch wenn er erfuhr, wofür das Geld bestimmt für seine Söhne tatsächlich ausgegeben wurde, würde er möglicherweise Fragen stellen.
Vielleicht würde er sogar Quittungen und Kontoauszüge verlangen.
Er konnte es nicht ausstehen, wenn man ihn zum Narren hielt.
— Sie brauchen ihn nicht anzurufen.
Die Besucherin presste die Worte zwischen den Zähnen hervor und blickte finster nach oben.
— Er arbeitet dort sehr hart, und er darf sich nicht aufregen.
— Er hat hohen Blutdruck.
— Wie rührend deine Fürsorge doch ist.
Klawdija legte das Telefon auf die Arbeitsplatte.
Dann trat sie dicht an ihre ehemalige Schwiegertochter heran.
Ihre Stimme war nicht laut, doch sie klang so scharf, dass die Luft zu vibrieren schien.
— Du hast dieses Haus nicht gebaut.
— Du hast keinen einzigen Kopeken darin investiert.
— Pjotr ist mit nur einem Koffer gegangen und hat dir alles überlassen, was ihr gemeinsam erworben hattet.
Sie deutete mit der Hand in Richtung Flur.
— Lebe dein Leben.
— Sieh zu, wie du zurechtkommst.
— Bezahle deine Kredite.
— Aber betrete mein Grundstück nicht mit deinen schmutzigen Stiefeln.
— Sie werden das bereuen!
— Nimm die Taschen und verschwinde.
Klawdija ging als Erste in den Flur.
— Und leg die Schlüssel auf die Kommode.
— Den Zweitschlüssel, den Pjotr dir gegeben hat.
— Du brauchst ihn hier nicht mehr.
— Kommt überhaupt nicht infrage!
— Das sind die Schlüssel des Vaters meiner Kinder!
— Ich habe das Recht auf freien Zugang zum Grundstück!
— Die Schlüssel kommen auf die Kommode.
Klawdija verschränkte die Arme vor der Brust, erinnerte sich dann jedoch daran, dass sie diese Haltung nicht ausstehen konnte, und steckte die Hände stattdessen in die Taschen ihrer Hausjacke.
— Sonst wähle ich sofort Pjotrs Nummer.
— Dann soll er die Frage deines Zugangs und deiner Mieter klären.
Sie sahen einander mehrere lange Sekunden lang an.
Regina atmete schwer, und ihr Gesicht war vor hilflosem Zorn mit roten Flecken übersät.
Sie war es gewohnt, ihren Willen mit Druck, Geschrei und Manipulationen mithilfe der Kinder durchzusetzen.
Sie war es gewohnt, dass ihr ehemaliger Mann nachgab, nur um ihre hysterischen Szenen zu vermeiden.
Doch bei ihrer Schwiegermutter funktionierte diese Methode nicht.
Es gab nichts, woran sie anknüpfen konnte.
Die Besucherin öffnete ruckartig die Seitentasche ihrer Handtasche, zog einen Schlüsselbund mit Anhänger heraus und warf ihn klirrend auf das Schuhregal.
— Ersticken Sie doch an Ihrem Haus!
Sie packte die nächstgelegene große Tasche, stöhnte angestrengt unter ihrem Gewicht und schleifte sie zur Eingangstür.
— Ich werde nie wieder einen Fuß zu Ihnen setzen!
— Und Ihre Enkel werden Sie ebenfalls nicht mehr sehen!
— Sie werden sogar vergessen, wie Sie heißen!
— Bis zum Wochenende.
Klawdija korrigierte sie friedlich und hielt die Tür fest, damit die Besucherin mit ihren Taschen nicht die Türrahmen beschädigte.
— Am Samstag erwarte ich die Jungs zu Pfannkuchen mit Marmelade.
— Bringst du sie nicht selbst, komme ich und hole sie ab.
— Und wenn du sie mir nicht mitgibst, rufe ich ihren Vater an.
— Ich denke, wir haben uns verstanden.
Die Tür fiel hinter Regina ins Schloss.
Klawdija ging nicht zum Fenster.
Sie hörte lediglich, wie ihre ehemalige Schwiegertochter wütend das Gepäck in den Kofferraum stopfte, wie eine Autotür zuschlug und wie der Motor des großen Wagens aufheulte, der für sie eigentlich viel zu teuer war.
Die Hausherrin hob die hingeworfenen Schlüssel auf.
Das Metall fühlte sich kalt zwischen ihren Fingern an.
Morgen musste sie einen Handwerker rufen und die Schließzylinder am Gartentor und an der Eingangstür austauschen lassen.
Nur für alle Fälle.
Menschen ändern sich nicht, und wenn jemand beschlossen hat, auf Kosten anderer zu leben, wird er seine glänzende Idee nicht ohne Weiteres aufgeben.
Er wird nach Schlupflöchern suchen.
Sie ging zurück in die Küche und drückte den Schalter des elektrischen Wasserkochers.
Durch das leicht geöffnete Fenster strömten die abendliche Kühle und der Geruch von feuchtem Laub herein.
Keine fremden Taschen.
Kein Geschrei über eine dauerhafte Anmeldung.
Nur das gleichmäßige Summen des kochenden Wassers.







