Drei Jahre lang half ich meiner Schwiegermutter völlig unentgeltlich, bis ich zufällig in einer Schublade ihrer Kommode ein Notizbuch mit einem Plan zur Aufteilung meiner Wohnung fand.

— Sie haben es wohl auf fremdes Eigentum abgesehen, Rimma Nikolajewna?

Die oberste Schublade der alten Kommode klemmte wie immer.

Swetlana zog kräftiger am Griff.

Das Holz knarrte unangenehm.

Die Schublade rutschte mit lautem Krachen halb heraus, und Packungen mit Tabletten, alte Quittungen und Garnknäuel fielen auf den Boden.

Schwerfällig ging sie in die Hocke und sammelte die Blisterpackungen auf.

Sie brauchte doch nur ein Fläschchen Baldriantropfen für ihre Schwiegermutter.

Vor anderthalb Stunden hatte Rimma Nikolajewna angerufen und sie mit schwacher Stimme gebeten, dringend vorbeizukommen.

Sweta hatte gerade in der Küche zu tun gehabt.

Sie ließ die halb geformten Frikadellen liegen, wusch sich hastig die Hände, schlüpfte in ihre Jacke und fuhr mit dem Bus zwei Haltestellen zu ihr.

Und nun kroch sie über den fremden Fußboden und sammelte die verstreuten Sachen ein.

Zusammen mit den Tabletten war ein gewöhnliches Schulheft aus der Schublade gefallen.

Es war ein ganz normales Heft mit einem festen Wachstuchumschlag.

Swetlana hob es gedankenlos auf.

Zwischen den Seiten ragten einige Zettel hervor.

Sie öffnete das Heft nur, um die Zettel wieder hineinzulegen, doch ihr Blick blieb an einer vertrauten Handschrift hängen.

Für einen Moment erschienen ihr die Wörter wie eine sinnlose Aneinanderreihung von Buchstaben.

Auf dem linierten Blatt stand in Rimma Nikolajewnas ordentlicher Lehrerinnenschrift: „Swetkas Zweizimmerwohnung.

Vorgehensplan.“

Swetlana hörte auf zu atmen.

Sie ließ sich direkt auf den Teppich sinken.

Darunter folgten Punkte, bei deren Anblick ihr ein unangenehmer Schauer über den Rücken lief.

„Punkt eins.

Olegs Anmeldung.

Darauf bestehen, dass für die Poliklinik eine örtliche Anmeldung erforderlich ist.

Keine vorübergehende, sondern eine dauerhafte.“

„Punkt zwei.

Renovierung des Badezimmers.

Die Quittungen für Fliesen und Rohre unbedingt selbst aufbewahren.

Alle größeren Einkäufe dokumentieren.“

„Punkt drei.

Im Falle einer Scheidung beantragen, die Renovierung als erhebliche Wertsteigerung durch Investitionen des Ehemannes anzuerkennen.

Zuteilung eines Anteils oder Verkauf.“

Mit ungehorsamen Fingern blätterte Swetlana um.

Dort waren genau jene Quittungen aus dem Baumarkt angeheftet.

Die Quittungen für die Fliesen, den Fugenmörtel und die Rohre, die sie und Oleg im vergangenen Sommer gekauft hatten.

Die Quittungen, die im Oktober auf mysteriöse Weise von der Kühlschranktür verschwunden waren.

Drei Jahre.

Drei Jahre lang hatte sie für diese Frau völlig unentgeltlich geschuftet.

An den Wochenenden hatte sie die Böden gewischt, weil ihre Schwiegermutter ganz passend einen „Hexenschuss“ bekommen hatte.

Sie hatte schwere Einkaufstaschen vom Markt geschleppt, weil „Lieferung teuer ist und einem dort nur schlechte Lebensmittel untergeschoben werden“.

Stundenlang hatte sie in der stickigen Garderobe der Poliklinik gesessen und darauf gewartet, dass Rimma Nikolajewna alle Ärzte auf ihrer Liste abklapperte.

Und während sie die Hilfe gnädig angenommen hatte, plante ihre Schwiegermutter die ganze Zeit systematisch, wie sie sich ein Stück von Swetlanas Wohnung aneignen konnte.

Von der Wohnung, die Swetlana lange vor ihrer Heirat selbst gekauft hatte, nachdem sie sich in zwei Jobs krummgearbeitet hatte.

— Swetotschka, bist du dort eingeschlafen? — ertönte aus dem Zimmer eine quengelnde Stimme.

Swetlana richtete sich langsam auf.

Sie klemmte sich das Heft unter den Arm.

Das Fläschchen mit den Baldriantropfen ließ sie direkt auf der Kommode stehen und ging ins Wohnzimmer.

Rimma Nikolajewna lag auf dem Sofa und rückte fürsorglich ihr geliebtes Seidentuch am Hals zurecht.

Ihre geschminkten Lippen verzogen sich zu einer leidenden Grimasse.

Neben dem Sofa stand ein Standventilator, obwohl draußen November war.

— Mein Herz rast so sehr — jammerte sie, als sie ihre Schwiegertochter mit leeren Händen sah.

— Man hat überhaupt keine Ruhe.

Wo sind die Tropfen?

Ich habe dich doch gebeten, dich zu beeilen.

In meinem Alter ist damit nicht zu spaßen, weißt du.

Swetlana trat näher.

Sie warf das Heft auf den Couchtisch.

Direkt auf die gehäkelte Spitzendecke.

— Die Rechnung geht nicht auf, Rimma Nikolajewna — sagte Sweta ruhig.

Die Schwiegermutter schielte zum Tisch.

Ihr Gesicht wurde augenblicklich lang.

Für einen Moment sah sie tatsächlich krank aus.

Aber nur für einen Moment.

Die erfahrene Kämpferin fasste sich schnell wieder.

— Warum wühlst du in meinen Sachen herum? — fuhr Rimma Nikolajewna wütend auf.

Ihre Stimme war plötzlich wieder kräftig.

Von der Herzschwäche und der abgehackten Atmung war keine Spur mehr.

— Der neugierigen Warwara wurde auf dem Markt die Nase abgerissen! — stellte die Schwiegermutter scharf fest und versuchte, nach dem Heft zu greifen.

Swetlana hielt ihre Hand fest.

Sanft, aber bestimmt schob sie das Notizbuch an den Rand des Tisches.

— Ich habe nach Baldriantropfen gesucht.

Und dabei einen Geschäftsplan gefunden — sagte Swetlana und tippte mit dem Finger auf den Wachstuchumschlag.

— Die Renovierung des Badezimmers also?

Eine erhebliche Wertsteigerung?

— Was ist denn dabei? — Die Schwiegermutter presste die Lippen zusammen und durchbohrte ihre Schwiegertochter mit Blicken, hielt es dann aber doch nicht länger aus.

— Mein Sohn investiert sein Geld in diese Wohnung!

— Sein Geld? — fragte Swetlana und spürte, wie sich in ihr eine hartnäckige Ruhe ausbreitete.

— Die Fliesen haben wir von meiner Prämie gekauft.

— Er lebt dort!

Er schlägt Nägel in die Wände!

Er hat die Tapeten geklebt! — Rimma Nikolajewna gab nicht nach.

— Soll er im Fall der Fälle etwa mit nacktem Hintern auf der Straße landen?

— Im Fall der Fälle? — Sweta steckte die Hände in die Taschen ihrer Hausjacke.

— Wir hatten doch eigentlich nicht vor, uns scheiden zu lassen.

— Das Leben ist lang — zog Rimma Nikolajewna gehässig in die Länge und lehnte sich in die Kissen zurück.

Die Krankheit war endgültig vergessen.

— Heute ist alles Liebe und Romantik, und morgen setzt du ihn vor die Tür.

Und er hat keine eigene Bleibe.

Dabei steckt er ein Vermögen in deine Renovierung!

Es muss Gerechtigkeit geben!

— Gerechtigkeit?

Swetlana sah die Frau an, deren Fenster sie vor drei Tagen geputzt hatte.

Die Frau, der sie zum vergangenen Neujahr ein sündhaft teures Blutdruckmessgerät geschenkt und dafür Geld aus dem Familienbudget abgezwackt hatte.

— Sie sammeln Quittungen, um sich ein Stück meiner Wohnung abzuschneiden — stellte Sweta fest.

— Hinter meinem Rücken.

Sie rechnen aus, wie viel jeder eingeschlagene Nagel wert ist.

— Mein Sohn ist doch kein Idiot, der sein gesamtes Eigentum auf irgendeine fremde Frau überschreibt!

Er denkt an seine Zukunft! — erklärte die Schwiegermutter stolz.

Im Flur knarrte die Schwelle unter einem Fuß.

Die Eingangstür fiel zu, und eine Jacke raschelte.

Oleg schaute ins Zimmer.

Er trug ein einfaches T-Shirt über seiner Arbeitskleidung und einen abgenutzten Rucksack über der Schulter.

Offenbar hatte seine Mutter auch ihn wegen ihres Blutdrucks angerufen und von der Baustelle weggeholt.

— Oh, Swet, du bist hier — sagte er, zog seine Jacke aus und ging ins Wohnzimmer, während er sich über das müde Gesicht rieb.

— Mama, wie ist dein Blutdruck?

Gibt es etwas zu essen?

Ich bin völlig erledigt.

— Ausgezeichnet — kam Swetlana ihm zuvor.

— Der Blutdruck ist normal.

Der Eroberungsplan ebenfalls.

Oleg blinzelte verständnislos.

Er sah von seiner Frau zu seiner Mutter.

Dann bemerkte er das Heft auf dem Tisch.

Seine Schultern sanken sofort herab, und sein Blick wanderte unruhig umher.

— Oleg, sie hat in meinen Schubladen herumgewühlt! — jammerte Rimma Nikolajewna sofort und wechselte augenblicklich die Taktik, indem sie sich als Opfer darstellte.

— Ohne zu fragen!

Nicht einmal im eigenen Zuhause hat man seine Ruhe!

Überhaupt kein Respekt vor älteren Menschen!

Swetlana ignorierte ihre Schwiegermutter.

Sie trat auf ihren Mann zu.

— Wusstest du davon?

— Wovon? — Oleg versuchte, zum Fenster zurückzuweichen, und vermied es, ihr ins Gesicht zu sehen.

— Von diesem Notizbuch, Oleg.

Von den Quittungen, die deine Mutter sorgfältig abheftet, um später vor Gericht die Renovierung des Badezimmers nachzuweisen.

Oleg schwieg.

Er starrte auf die Spitzen seiner Schuhe.

— Na ja … Mama macht sich einfach Sorgen — murmelte er vor sich hin und zerknüllte den Träger seines Rucksacks.

— In ihrem Alter ist das eben so.

Sie steigert sich hinein.

Sie fantasiert.

— Sie fantasiert?

Swetlana trat ganz nah an ihn heran.

— Die Quittungen für die Fliesen, Oleg.

Woher hat sie die Quittungen?

Oleg trat von einem Fuß auf den anderen.

— Ich hatte sie mit einem Magneten am Kühlschrank befestigt — fuhr Sweta methodisch fort.

— Und dann waren sie verschwunden.

Ich habe den ganzen Abend die Küche durchsucht.

Du hast gesagt, du hättest sie zusammen mit den alten Werbeprospekten weggeworfen.

— Swet, du machst aus einer Mücke einen Elefanten — begann Oleg versöhnlich und versuchte zu lächeln.

— Das sind doch nur Zettel.

Das ist überhaupt nicht wichtig.

Wer soll denn dein Badezimmer aufteilen?

Niemand hatte irgendetwas vor …

— Genau das ist der Punkt.

Niemand — antwortete Swetlana.

Plötzlich sah sie das gesamte Bild vollkommen klar vor sich.

Ohne Illusionen.

Ohne den Versuch, ihren Mann zu rechtfertigen.

Da lief sie nach der Arbeit in die Apotheke, um Tabletten für Rimma Nikolajewna zu kaufen.

Sie nahm sich die Zeit dafür und sparte an sich selbst.

Und währenddessen nahm Oleg ganz vorsichtig die Quittungen vom Kühlschrank ab.

Er steckte sie in seine Tasche.

Und brachte sie zu seiner Mama.

Damit sie sie zu den Akten heften konnte.

Zwei Frauen in einem Haus, wie man so sagt.

Nur dass die eine die Böden wischte und Borschtsch kochte, während die andere belastendes Material sammelte.

Mit voller Unterstützung des geliebten Ehemannes.

— Seine Mutter sorgt sich um seine Zukunft!

Solange mein Sohn lebt, darf ich mich doch wohl um ihn sorgen! — meldete sich Rimma Nikolajewna erneut zu Wort, nachdem sie Unterstützung gespürt hatte.

Swetlana nickte kurz.

Sie ging zu dem Schrank unter dem Fernseher.

Dort lag in einer kleinen Kristallschale immer ein Ersatzschlüsselbund für ihre Wohnung.

Speziell für Oleg, falls er seine eigenen Schlüssel vergaß, und für Rimma Nikolajewna „für alle Fälle“.

Damit sie die Blumen gießen konnte, wenn sie in den Urlaub fuhren.

Swetlana griff nach den Schlüsseln.

Sie steckte sie in ihre Tasche.

Das Klirren des Metalls klang in der Stille erstaunlich laut.

— Was machst du da? — fragte ihr Mann misstrauisch und trat einen Schritt vor.

— Ich beende meine Wohltätigkeit — sagte Swetlana und rückte den Kragen ihrer Jacke zurecht.

— Sweta, hör mit diesem Theater auf — brummte Oleg unzufrieden.

In seiner Stimme waren die vertrauten herrischen Untertöne zu hören.

— Leg die Schlüssel zurück.

Hör auf, wegen nichts eine Hysterie zu veranstalten.

Komm mit nach Hause, ich habe Hunger.

— Nach Hause gehe ich allein — sagte Sweta und zog den Reißverschluss bis ganz nach oben.

— Und du, Oleg, bleibst hier.

Ihr habt hier schließlich ein Familienunternehmen.

Geschäftspläne, Quittungen und Zukunftsaussichten.

Ich möchte eure Vorstandssitzung nicht stören.

— Du wirfst mich wegen irgendeines Heftes raus? — empörte sich ihr Mann.

— Wegen des senilen Unsinns einer alten Frau?

Ich habe doch überhaupt nicht gelesen, was sie da schreibt!

— Ich werfe dich nicht wegen des Heftes raus.

Sondern weil du ihr diese Quittungen selbst gebracht hast.

Du hast dich vorbereitet.

Du hast dir einen Rückzugsweg geschaffen.

Da liegt also der Hase im Pfeffer.

Oleg öffnete den Mund.

Offenbar wollte er etwas Gewichtiges und Verletzendes sagen, doch ihm fielen keine Worte ein.

Swetlana drehte sich zu ihrer Schwiegermutter um.

— Die Leibeigenschaft wurde vor langer Zeit abgeschafft, Rimma Nikolajewna.

Nächsten Samstag wischen Sie Ihre Böden selbst.

Und zur Poliklinik fahren Sie mit dem Bus.

Sie sind doch voller Energie, wenn Sie derart komplizierte Intrigen aushecken können.

— Wie kannst du es wagen! — fuhr die Schwiegermutter auf und griff sich ans Herz, dieses Mal offenbar wirklich.

— Oleg!

Hörst du, wie sie mit deiner Mutter spricht?

— Mama, fang nicht an — verzog Oleg das Gesicht und fasste sich an den Kopf.

— Swet, jetzt reicht es wirklich.

Du hast dich aufgeregt, und jetzt ist gut.

Swetlana wartete nicht auf weitere Rechtfertigungen.

Sie drehte sich um und ging in den Flur.

Niemand hielt sie auf.

Oleg war viel zu sehr daran gewöhnt, dass sie immer als Erste nachgab.

Erst als sie die Eingangstür öffnete, hörte sie aus dem Zimmer Rimma Nikolajewnas gedämpftes Gemurmel.

— Du wirst schon sehen, sie wird noch angekrochen kommen.

Wer braucht sie schon mit einem solchen Charakter?

Selbst schuld!

Swetlana ging einfach hinaus.

Die Tür fiel hinter ihr zu und trennte sie von der fremden Wohnung.

Ein Monat verging.

Der Winter hatte endgültig Einzug gehalten und die Stadt mit dem ersten scharfkantigen Schnee bedeckt.

Swetlana saß in der Küche ihrer Zweizimmerwohnung und trank in aller Ruhe ihren Morgenkaffee.

Oleg war bei seiner Mutter wohnen geblieben.

In der ersten Woche rief er jeden Abend an.

Zuerst versuchte er, Mitleid zu erregen, und erzählte, wie sehr seine Mutter ihn mit ihren Nörgeleien nervte.

Dann beschuldigte er Swetlana der Geldgier und schrie wegen der zerstörten Familie.

Er verlangte das Geld für die berüchtigten Fliesen zurück.

Swetlana überwies ihm schweigend die Hälfte des Preises auf seine Karte.

Ohne Kommentar.

Einfach, um diese Angelegenheit für immer abzuschließen.

Danach hörten die Anrufe auf.

Rimma Nikolajewna versuchte einige Male, über gemeinsame Bekannte zu ihr durchzudringen.

Sie ließ einer Nachbarin rührselige Geschichten darüber ausrichten, wie schwer es für sie sei, bei Glatteis Lebensmittel einzukaufen, und dass ihr Blutdruck jeden einzelnen Tag schwankte.

Doch Swetlana hatte längst alle Nummern blockiert.

Sie ließ den Blick durch ihre Küche schweifen.

Sauber, hell und vollständig ihr Eigentum.

Sie erinnerte sich an das gewöhnliche Schulheft mit dem Wachstuchumschlag.

Seltsamerweise verspürte sie keinen Groll.

Nur eine gewaltige, unglaubliche Erleichterung.

Wie glücklich es sich doch gefügt hatte, dass die oberste Schublade der alten Kommode damals geklemmt hatte.

Andernfalls hätte sie bis zur Rente schwere Taschen vom Markt geschleppt.

Sie hätte Borschtsch gekocht und an den Wochenenden die Böden geschrubbt, ohne auch nur zu ahnen, dass sie lediglich eine Zeile in einem fremden Vorgehensplan war.

Swetlana spülte ihre Tasse aus, stellte sie in den Abtropfständer und begann, sich für die Arbeit fertig zu machen.

Heute musste sie nach der Schicht nirgendwohin eilen.

Sie musste niemanden retten.

Und das war wunderbar.

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