— Hier gehört dir nichts — erklärte mein Mann.

Am nächsten Tag hinterließ ich ihm eine vollkommen leere Wohnung.

Auf dem Küchentisch lag ein fremdes Baumaßband.

Daneben stand eine ungewaschene Tasse mit Kaffeeresten.

Und auf der teuren Vinyltapete in Elfenbeinfarbe hatte jemand drei dicke Kreuze mit Bleistift gezeichnet.

Elena stellte die Einkaufstüte schweigend auf den Boden.

Aus dem Schlafzimmer waren schlurfende Schritte und Gemurmel zu hören.

Sie ging den Flur entlang.

In der Tür des Schlafzimmers stand Ljudmila Petrowna.

Die Schwiegermutter hielt nachdenklich ein hölzernes Meterlineal an die Wand.

— Was machen Sie da? — fragte Lena.

Ihre Stimme klang trocken.

Ohne Begrüßung.

Die Schwiegermutter zuckte zusammen und ließ das Lineal fallen.

Es schlug mit einem dumpfen Geräusch auf dem deutschen Laminat auf.

Lena verzog innerlich das Gesicht.

— Ach, Lenotschka, du hast mich erschreckt.

Du bist schon da?

Antoscha und ich wollten nur mal ausmessen.

Hier ist eine gute Nische.

Wenn ihr euren Schrank wegnehmt, passt meine Ottomane perfekt hinein.

Und den Schrank schiebt ihr ins Wohnzimmer.

Dort ist viel Platz.

Lena umklammerte den Riemen ihrer Tasche so fest, dass ihre Knöchel weiß wurden.

— Ihre Ottomane? — wiederholte sie.

— Was für eine Ottomane in meinem Schlafzimmer?

Ljudmila Petrowna presste die schmalen Lippen zusammen.

Ihr Blick verlor augenblicklich seine falsche Sanftheit.

— In eurem Schlafzimmer, Elena Sergejewna, wird später das Kinderzimmer sein.

Später.

Und vorerst werde ich dort wohnen.

Wir haben beschlossen, meine Wohnung zu vermieten.

Weißt du, wie die Preise im Jahr zweitausendsechsundzwanzig sind?

Fünfzigtausend Rubel im Monat sind nicht zu viel.

Für Antoscha wird es Zeit, das Auto zu wechseln.

Die Eingangstür schlug zu.

Anton erschien im Flur.

Er zog seine Jacke aus und summte etwas vor sich hin.

Er sah seine Frau und seine Mutter einander gegenüberstehen.

Er erstarrte.

— Oh, Lenka, du bist heute früh dran.

Haben sie dir in der Klinik freigegeben? — Er versuchte zu lächeln.

Das Lächeln wirkte gezwungen.

— Niemand hat mir freigegeben — schnitt Elena ihm das Wort ab.

— Was passiert hier in meiner Wohnung?

Warum zeichnet deine Mutter mit Bleistift auf meine Tapete?

Anton seufzte schwer.

Er verdrehte die Augen.

Er hasste Skandale.

Er versteckte sich immer hinter dem Satz: „Du machst alles kompliziert.“

— Len, lass uns nicht gleich an der Tür hysterisch werden.

Mama wird bei uns wohnen.

Das ist vorübergehend.

Zwei Jahre, vielleicht drei.

Wir vermieten ihre Wohnung, und das Geld geht ins Familienbudget.

Du hast doch selbst gemeckert, dass wir zu lange für den Urlaub sparen.

— Du hast deine Mutter zu uns gebracht, ohne mich überhaupt zu fragen?

— Und warum sollte ich in meinem eigenen Haus um Erlaubnis fragen? — erhob Anton plötzlich die Stimme.

Er machte einen Schritt nach vorn und stellte sich schützend vor seine Mutter.

Ljudmila Petrowna schnaubte zufrieden.

Lena ließ den Blick von ihrem Mann zu ihrer Schwiegermutter wandern.

In ihr klickte etwas.

Wie ein straffer Schalter.

— In deinem Haus? — fragte Lena leise nach.

— Anton, wir haben diese Betonkiste vor fünf Jahren gekauft.

Nackter Beton.

Es gab hier nicht einmal Innenwände.

— Meine Mutter hat zwei Millionen Rubel für die Anzahlung gegeben! — erklärte Tocha und betonte jedes Wort.

— Ohne dieses Geld hätten wir den Kredit nicht stemmen können.

Diese Wohnung gehört ihr genau so sehr, wie sie uns gehört.

— Zwei Millionen? — Lena lachte.

Kurz und scharf.

— Und die drei Millionen vierhundertfünfzigtausend Rubel aus meinem Erbe, die für Renovierung und Möbel draufgingen, hast du vergessen?

Mein Vater hat mir eine Datscha hinterlassen.

Ich habe sie bis auf die letzte Kopeke verkauft, damit wir wie Menschen leben können.

— Ach, mach dich nicht lächerlich! — meldete sich Ljuda zu Wort und spähte hinter der Schulter ihres Sohnes hervor.

— Ein paar Papiere an die Wände geklebt und sich gleich als Hausherrin aufgespielt.

Wen interessiert schon, wer die Toilette gekauft hat.

Die Wohnung läuft auf Antoscha!

Er zahlt die Hypothek.

Das stimmte.

In den Unterlagen war Anton Wiktorowitsch als Hauptkreditnehmer aufgeführt.

Lena war Mitkreditnehmerin.

Damals hatten sie entschieden, dass es wegen des Steuerabzugs einfacher so sei.

— Also bedeutet meine Meinung gar nichts? — Lena sah ihrem Mann direkt in die Augen.

— Lenka, beruhige dich.

Wir sind eine Familie — änderte der Mann seine Taktik.

Er versuchte, sie zu umarmen, doch sie trat einen Schritt zurück.

— Mama nimmt das Schlafzimmer.

Wir kommen vorerst im Wohnzimmer auf dem Sofa unter.

Was ist schon dabei?

Sie ist ein älterer Mensch.

— Meine Sachen liegen im Schlafzimmer.

— Du wirst sie umräumen.

Morgen ist Sonntag.

Dabei räumst du gleich ein paar Fächer im Schrank frei.

Mama hat viele Kartons.

Lena blickte auf die dicken Kreuze an der Wand.

Auf die teuren Steckdosen nach Maß.

Auf die Fußleisten aus Eiche.

— Nein, Anton.

Deine Mutter wird hier nicht wohnen.

Ihr Mann wurde rot.

Sein gutmütiges Gesicht verzerrte sich vor Bosheit.

— Weißt du was, Elena?

Hier gehört dir nichts!

Gar nichts!

Die Quadratmeter wurden mit Mamas Geld und meinem Kredit gekauft.

Und deine Zettelchen, deine Quittungen für Toiletten und Sofas, sind Staub.

Wenn ich will, zieht meine Mutter hier ein.

Wenn ich will, bringe ich meine Schwester her.

Und wenn es dir nicht passt, dort ist die Tür!

Im Flur hing Stille.

Man hörte nur das Brummen des Kühlschranks.

Genau jenes zweitürige Kühlschrankmodell für zweihunderttausend Rubel, auf das Lena zwei Monate lang aus dem Ausland gewartet hatte.

— Dort ist also die Tür? — wiederholte sie.

— Genau.

Und erspar uns das Theater.

Morgen früh fahre ich für zwei Tage auf Dienstreise nach Twer.

Ich komme Dienstagabend zurück.

Mama kommt mit mir.

Mit ihren Sachen.

Bis dahin muss das Zimmer leer sein.

Verstanden?

Er drehte sich um und ging in die Küche.

Die Schwiegermutter grinste triumphierend und trippelte ihrem Sohn hinterher.

Lena blieb im Flur stehen.

In ihr waren keine Tränen.

Keine Panik.

Da war nur eine eisige, absolute Leere.

Und eine böse Klarheit.

Der Sonntagmorgen begann mit dem Rauschen von Wasser.

Anton duschte.

Lena saß in der Küche.

Sie hatte die ganze Nacht nicht geschlafen.

Vor ihr lagen ein Tablet, ein Taschenrechner und ein dicker blauer Ordner mit Unterlagen.

Vor fünf Jahren, als sie die Schlüssel zu dieser Betonkiste bekommen hatten, hatte Lena den Prozess in die Hand genommen.

Anton fuhr in der Region von Baustelle zu Baustelle, und sie fuhr nach der Arbeit in Baumärkte.

Sie bewahrte gewissenhaft alle Quittungen auf.

Jeden Werkvertrag.

Jeden Lieferschein für Fliesen, Steckdosen, Innentüren und Sanitäranlagen.

Die Zahl auf dem Taschenrechner blinkte: 3.454.200 Rubel.

Genau so viel hatte sie in diesen „Mamas Beton“ investiert.

Anton kam in die Küche.

Er roch nach teurem Parfüm.

Nach genau dem, das Lena ihm zum Jahrestag geschenkt hatte.

Er trug ein Hemd, das von ihren Händen gebügelt worden war.

— Hast du Kaffee gemacht? — warf er hin, während er seine Manschettenknöpfe schloss.

— Nein — antwortete Lena gleichmäßig.

Anton schnaubte.

Er ging zur Kaffeemaschine.

Er drückte auf den Knopf.

Die Maschine summte.

— Schmollst du schon wieder?

Kindergarten, Lenka.

Du schmollst ein bisschen, dann geht es vorbei.

Mama kommt am Dienstag um sechs Uhr abends.

Räum das Schlafzimmer frei.

Ich habe einen Transporter für ihre Sachen bestellt.

— Gute Fahrt — sagte sie, ohne den Blick vom Taschenrechner zu heben.

Anton trank den Kaffee in einem Zug aus und warf die Tasse ins Spülbecken.

Die Eingangstür fiel laut ins Schloss.

Das Schloss klickte zweimal.

Lena wartete genau zehn Minuten.

Dann nahm sie das Telefon und wählte eine Nummer.

Es klingelte lange.

Schließlich nahm jemand ab.

— Ja, Elena Sergejewna?

Es ist doch Wochenende — ertönte eine heisere, tiefe Männerstimme.

— Maksim.

Hallo.

Bist du mit deiner Brigade gerade auf einer Baustelle oder seid ihr frei?

Maksim war derselbe Vorarbeiter, der ihre Renovierung gemacht hatte.

Ein grimmiger Mann von fünfzig Jahren, der den Wert guter Werkzeuge und ehrlicher Arbeit kannte.

Damals hatten sie sich angefreundet.

Lena zahlte immer pünktlich und brachte den Männern warme Mittagessen.

— Wir sind bis Mittwoch frei.

Wir warten, bis der Estrich am Prospekt trocknet.

Was ist denn los?

Leckt irgendetwas?

— Nein, Max.

Nichts leckt.

Ich brauche einen Rückbau.

Einen vollständigen.

— Wen sollen wir zurückbauen? — verstand der Vorarbeiter nicht.

— Die ganze Wohnung, Maksim.

Ihr habt das alles doch aufgebaut, oder?

Jetzt muss es zerlegt werden.

Küche, Laminat, Spanndecken, Türen, Steckdosen und Sanitäranlagen raus.

Bis zu dem Zustand dieses Betons, den ihr damals vom Bauträger übernommen habt.

In der Leitung entstand ein langes Schweigen.

Max räusperte sich.

— Len… bist du bei klarem Verstand?

Das ist doch Barbarei.

Du hast dort Türen aus massiver Eiche.

Die Decken haben wir erhitzt und gespannt.

Das Laminat ist verklebt.

Hast du dich mit deinem Mann gestritten oder was?

— Ich lasse mich scheiden.

Die Wohnung hat sich als die seiner Mutter herausgestellt.

Mir wurde gesagt, dass hier nichts mir gehört.

Ich will meine Sachen mitnehmen.

Bezahlung zum doppelten Satz.

Wegen der Dringlichkeit.

Ihr habt achtundvierzig Stunden.

Am Dienstag um vier Uhr nachmittags muss hier alles leer sein.

Nimmst du den Auftrag an?

Wieder eine Pause.

— Max, zweihunderttausend in bar.

Sofort.

Die Umzugshelfer bezahle ich zusätzlich.

— In einer Stunde sind wir da — brummte Maksim.

Gegen Mittag herrschte in der Wohnung ohrenbetäubender Lärm.

Sechs Männer in Arbeitsanzügen kamen an.

Lena bestellte drei riesige Transporter mit Umzugshelfern und bezahlte die Miete für ein Lager am Stadtrand zwei Monate im Voraus.

Der Prozess begann.

Es stellte sich heraus, dass es viel schneller ging als das Bauen.

Abreißen ist nicht Bauen.

— Lenotschka, die Küche ist eingebaut! — rief Max durch das Kreischen des Akkuschraubers.

— Wenn wir die Fronten zusammen mit der Steinplatte abreißen, machen wir dir die Fliesen an der Rückwand kaputt!

— Schlagt die Fliesen ab! — rief Lena zurück.

— Alle Fliesen bis auf den Ziegel!

Die Fliesen gehören auch mir!

Spanische!

Dreitausend pro Quadratmeter!

Die Männer sahen einander an, zuckten mit den Schultern und nahmen die Bohrhämmer zur Hand.

Die Wohnung starb vor ihren Augen.

Aus dem Schlafzimmer wurde das italienische Bett hinausgetragen.

Der eingebaute Schwebetürenschrank wurde zerlegt.

Ljudmila Petrownas Lieblingsplatz, genau diese „gute Nische“, gähnte nun mit nackten Porenbetonblöcken.

Die Arbeiter rissen die Innentüren mitsamt den Zargen heraus.

Montageschaum wurde sichtbar.

Lena stand mit einem Notizblock im Flur und strich Positionen durch.

Leuchten?

Abgenommen.

Tapeten?

Lena nahm persönlich einen Spachtel, befeuchtete einen Schwamm und begann, den dicken Vinylbelag vom Putz zu reißen.

Die Streifen mit den dicken Bleistiftkreuzen flogen in schwarze Müllsäcke mit hundertzwanzig Litern Fassungsvermögen.

— Elena Sergejewna, die Toilette auch abmontieren? — rief einer der Installateure.

Lena blickte ins Bad.

Eine japanische Hänge-Toilette für achtzigtausend Rubel.

Die Installation war in einem Kasten verkleidet.

— Reißt den Kasten auf.

Schraubt die Toilette ab.

Die Whirlpool-Badewanne auch abklemmen.

Die Armaturen abschrauben.

— Dann lassen Sie ihn ohne Wasser.

Die Rohre müssen verschlossen werden — sagte der Installateur und kratzte sich am Hinterkopf.

— Verschließt sie mit den billigsten Plastikstopfen für vierzig Rubel.

Ich habe notiert: Alle Leitungen habe ich bezahlt.

Am Sonntagabend erinnerte die Wohnung an ein Kriegsgebiet.

In der Luft hing dichter Zementstaub.

Die Nachbarin von unten kam herauf, um sich wegen des Lärms des Bohrhammers zu beschweren.

Sie drohte, den Bezirksbeamten zu rufen.

Lena öffnete die Tür, zeigte ihren Pass mit Meldeadresse, die Heiratsurkunde und die Quittung für die Arbeiten.

Die Nachbarin tippte sich mit dem Finger an die Schläfe und ging.

Am nächsten Tag ging der Prozess weiter.

Die Fußleisten aus Eiche wurden herausgerissen.

Das Laminat ließ sich schwer lösen und hinterließ auf dem Betonestrich Fetzen von Kleber und Unterlage.

Antons Sachen packte Lena selbst.

Sie legte sie in schwarze Müllsäcke.

Seine teuren Anzüge, seine Krawatten, Hemden, Unterhosen und Socken.

Sie warf sie einfach in die Plastiksäcke und zog die Knoten fest.

Drei Säcke standen verwaist in der Ecke des Flurs.

Am Dienstag um zwei Uhr nachmittags war alles fertig.

Der letzte Transporter fuhr zum Lager.

Maksims Brigade stand im Treppenhaus.

Sie rauchten schweigend und blickten auf das, was von dem gemütlichen Nest übrig geblieben war.

Genauer gesagt auf das, was nicht übrig geblieben war.

In der Wohnung gab es nichts.

Überhaupt nichts.

Nackter grauer Beton auf dem Boden mit Streifen von Baukleber.

Abgeschabte Wände mit Fetzen grauen Putzes.

Aus den Wänden ragten traurig Kabelbündel — Lena hatte angeordnet, alle Steckdosen und Schalter der Marke Legrand herauszuschrauben.

Es gab keine einzige Innentür.

Es gab keine Kücheneinrichtung.

Aus dem Badezimmer war alles verschwunden.

Übrig blieben nur Plastikrümpfe von Rohren und eine nackte Betonnische.

Sogar der Spiegel wurde von der Wand gelöst.

Es war kalt.

Im November heizten die Heizkörper ordentlich.

Doch Lena erinnerte sich, dass sie die italienischen Gusseisenheizkörper für zwölftausend Rubel pro Sektion gekauft hatte.

Auch sie wurden abgeschraubt, und an den Steigleitungen wurden billige Absperrkappen montiert.

Ein eisiger Novemberzug wehte durch die Wohnung.

— Die Eingangstür auch raus? — fragte Max finster und drückte seine Zigarette aus.

Lena sah auf die massive Stahltür mit Spiegelpaneel.

Sie hatte hundertzwanzigtausend dafür bezahlt.

— Raus damit, Max.

Schneidet die Scharniere durch.

— Lenka, du bist eine harte Frau.

Du lässt ihn im Winter in einer offenen Betonkiste zurück?

— Ich bin nicht hart.

Ich bin gerecht.

Sollen Antoscha und Ljudotschka Mamas Beton selbst bewachen.

Die Tür wurde ausgebaut.

Stattdessen nagelte Max aus reiner Gutmütigkeit ein Stück billiges Sperrholz an die Türöffnung, das er bei den Mülltonnen vor dem Haus gefunden hatte.

Von innen stützte er es mit einem Ziegelbruchstück ab.

Lena bezahlte die Männer.

Sie schüttelte jedem die Hand.

Sie blieb allein zurück.

Sie saß auf einem billigen zusammenklappbaren Angelstuhl von Decathlon.

Im grauen Beton hallte jede ihrer Bewegungen wider.

Die Uhr an ihrem Handgelenk zeigte 17:45.

Sie wartete.

Die Schritte im Treppenhaus ertönten fünf Minuten vor sechs.

Die Stimmen waren laut.

— Vorsichtig, Umzugshelfer!

Vorsichtig tragen, da ist Kristall drin! — kommandierte Ljudmila Petrowna.

— Alles gut, Mama.

Stellt die Kartons hier in den Vorraum — dröhnte Antons Stimme.

Ein Klirren von Schlüsseln war zu hören.

Der Metallschlüssel klirrte, stieß aber ins Nichts.

Anton fluchte.

Lena stand auf.

Sie ging zur Öffnung, schob den Ziegel mit dem Fuß zur Seite und warf das Sperrholz beiseite.

Anton stand auf dem Treppenabsatz mit den Schlüsseln in der ausgestreckten Hand.

Hinter ihm schnaufte Ljudmila Petrowna und hielt einen Ficus in einem riesigen Topf umklammert.

Daneben hielten zwei düstere Umzugshelfer ein Schlafsofa und drei karierte Taschen.

Sie starrten Lena an.

Dann wanderten ihre Blicke hinter ihren Rücken.

Der Ficus fiel Ljudmila Petrowna aus den Händen.

Der Topf zersprang mit einem trockenen Knirschen.

Erde verteilte sich auf den Fliesen des Treppenhauses.

Anton schwieg.

Sein Mund öffnete sich langsam.

Er blinzelte.

Dann noch einmal.

Er versuchte, tiefer in die Wohnung zu schauen, aber es gab nichts zu sehen.

Leere.

Graue Flecken.

Drähte ragten aus den Wänden wie tote Würmer.

Ziegelsplitter.

Stücke von erstarrtem Schaum.

Kein Licht, keine Wärme, keine Gemütlichkeit.

Ein absoluter, steriler Nullpunkt.

— Was… was ist das? — presste Anton Igorewitsch heiser hervor.

Seine Stimme zitterte und kippte in ein Piepsen.

— Eure Wohnung — antwortete Elena ruhig.

— Wie du gesagt hast.

Hier ist nichts von mir mehr.

Nur eure zwei Millionen Anzahlung in Form eines Monolithen.

Ich habe meine Sachen mitgenommen.

— Sachen?! — kreischte die Schwiegermutter.

Sie griff sich ans Herz und lehnte sich an die Wand.

— Du hast die Wohnung zerstört, Kriminelle!

Wilde Menschen!

Polizei!

Ich rufe die Polizei!

Raub!

Ljudmila Petrowna begann krampfhaft in ihrer Handtasche zu wühlen und ließ Lippenstift und Tabletten auf den Boden fallen.

Lena verschränkte die Arme vor der Brust.

— Rufen Sie an, Ljudotschka.

Rufen Sie ruhig an.

Nur habe ich dem Bezirksbeamten gestern schon alles gezeigt.

Ich habe einen Ordner voller Quittungen, so dick wie ein Finger.

Für jeden Nagel, für jede Laminatdiele und für jede Armatur.

Das Gericht wird auf meiner Seite sein.

Alles Eigentum wurde mit dem Geld aus dem Verkauf meiner geerbten Datscha gekauft.

Quittungen sind vorhanden.

Kontoauszüge sind vorhanden.

Ich habe mein Eigentum mitgenommen.

Anton kam endlich wieder zu sich.

Er machte einen Schritt nach vorn, direkt in die Erde des Ficus.

— Lenka… bist du verrückt geworden?

Du hast die Eingangstür ausbauen lassen!

Wie sollen wir hier schlafen?!

Heute Nacht wird es minus fünf!

— Nicht mein Problem.

Du hast den Kredit, also schläfst du hier.

Kuschelt euch mit deiner Mutter auf ihrer Ottomane zusammen, dann wird euch warm.

Die Kunststofffenster hat der Bauträger eingesetzt, die habe ich also gelassen.

Es zieht nicht allzu stark.

— Wo sind meine Sachen?! — brüllte Anton.

Sein Gesicht bedeckte sich mit roten Flecken.

— Meine Anzüge!

Meine Dokumente!

Lena nickte in die Ecke des Flurs.

Dort drängten sich auf einer Schicht Betondstaub verlassen drei schwarze Müllsäcke mit hundertzwanzig Litern Fassungsvermögen.

— Dort.

Alles, was dir gehört, ist dort.

Die Waschmaschine habe ich auch mitgenommen, also musst du deine Unterhosen im Waschbecken waschen.

Ach, Moment.

Das Waschbecken habe ich auch mitgenommen.

Das Wasser ist abgestellt.

Die Toilette ist draußen, um die Ecke, bei McDonald’s.

Genauer gesagt im ehemaligen „Wkusno i totschka“.

Sie nahm ihre Handtasche.

Sie warf sie sich über die Schulter.

— Du… du bist krank, Lenka — flüsterte ihr Mann.

Er sah sich um, und langsam wurde ihm das Ausmaß der Katastrophe klar.

In seinem Kopf fügten sich die Zahlen zusammen.

Er schuldete der Bank noch vier Millionen.

Und eine Renovierung auf diesem Niveau würde jetzt, im sechsundzwanzigsten Jahr, etwa fünf Millionen kosten.

Auf seiner Karte lagen höchstens hunderttausend Rubel.

Ljudmila Petrowna stöhnte und rutschte an der Wand hinunter.

— Antoscha… mir ist schlecht.

Gib mir Wasser.

— Es gibt kein Wasser, Mama! — fuhr er sie so heftig an, dass sie zusammenzuckte.

— Es gibt keine Rohre!

Sie hat alles abgeschnitten, diese Hexe!

Ich verklage dich wegen Beschädigung der Wohnung!

Lena lachte.

Aufrichtig und leicht.

— Verklag mich.

Aber kauf zuerst eine Tür.

Denn hier ist jetzt Durchgangsverkehr.

Und ja, die Schlüssel gebe ich nicht zurück, das hat keinen Sinn.

Schlösser gibt es ja auch nicht mehr.

Sie ging zur Treppe.

Die beiden Umzugshelfer mit dem Sofa traten respektvoll zur Seite und machten ihr den Weg frei.

Einer von ihnen sah ihr mit einem Blick nach, in dem sich Entsetzen und Bewunderung mischten.

Lena ging ins Erdgeschoss hinunter, trat auf die Straße und atmete die frostige Novemberluft ein.

Irgendwo hinter ihr, im vierten Stock, war der hysterische Schrei der Schwiegermutter zu hören.

Lena zog das Telefon aus der Tasche, blockierte die Nummern ihres Mannes und seiner Mutter und bestellte ein Taxi.

Zum ersten Mal seit vielen langen Monaten konnte sie wieder frei durchatmen.

Und wie hättet ihr gehandelt: Hättet ihr dem Verräter wenigstens die Eingangstür und die Toilette gelassen, oder hättet ihr ebenfalls alles bis zum letzten Nagel mitgenommen?

Teile es mit deinen Freunden