— Willst du zu einer anderen gehen? Dann nimm auch deine Mutter mit, — bat Ljudmila leise, und der Koffer wurde wieder geöffnet.

Die Haustür fiel hinter ihr ins Schloss, der Aufzug seufzte und setzte sich in Bewegung, und Ljudmila lächelte während der ganzen Fahrt bis in den siebten Stock ihrem Spiegelbild in der Metallwand zu.

Drei Wochen mit einem mobilen Planetarium in kleinen Städten, drei Wochen mit aufklappbaren Kuppeln, kindlichen „Oh!“-Rufen in der Dunkelheit und Hotels mit Handtüchern in der Größe eines Taschentuchs.

Zu Hause warteten ihr eigenes Bett und ihre eigene Ruhe auf sie.

Der Schlüssel drehte sich sanft im Schloss, als hätte auch die Wohnung sie vermisst.

Im Flur stand Tamara Iwanowna, die Nachbarin von unten, bereits in Jacke und mit einer Tasche in der Hand.

— Ljudotschka! Du bist zurück! Wir zwei haben gerade noch die Serie zu Ende geschaut, die vierte Staffel, stell dir vor.

— Tamara Iwanowna, Sie sind mein persönliches Wunder, — sagte Ljudmila und stellte den Koffer an die Wand.

— Drei Wochen lang einen Menschen zu unterhalten, das ist eine Heldentat, dafür müsste man Ihnen eine Medaille geben.

— Nehmen Sie, ich habe Ihnen etwas mitgebracht.

— Bedruckte Lebkuchen, da ist so viel Minze drin, dass man eine Woche lang frei atmen kann.

— Ach was, warum denn…

— Weil man Gutes rechtzeitig bezahlen muss.

— Sonst verdirbt es wie Milch.

Tamara Iwanowna lachte und ging, und aus dem Inneren der Wohnung schaute ihre Schwiegermutter Nina Pawlowna hervor — im Morgenmantel, mit der Brille auf der Stirn, und sie sah aus, als hätte sie die ganze Zeit über die Tür bewacht.

Seit zwei Jahren wohnte sie hier, im hinteren Zimmer mit Balkon, und Ljudmila hatte sie nicht ein einziges Mal spüren lassen, dass sie nur ein Gast war.

Kein einziges Mal — denn Ljudmila konnte weder schweigend ertragen noch Kränkungen in sich ansammeln: Wenn sie etwas störte, sprach sie es sofort, ruhig und bis zum Ende aus.

— Du bist zurück, Ljuda.

— Hast du Hunger?

— Ich wärme dir das Abendessen auf, da ist noch Eintopf.

— Ich habe Hunger wie ein Bär im Frühling.

— Ich wasche mir nur die Hände und ziehe mich um, sonst bin ich mit dieser Jacke schon verwachsen.

Sie zog die Stiefel aus, lockerte die Schultern und ging ins Schlafzimmer.

Die Jeans kamen in die Wäsche, der Pullover über die Schultern, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Aus dem Inneren der Wohnung hörte man das Klappern eines Topfdeckels und das Murmeln des Fernsehers.

— Na, erzählen Sie, Nina Pawlowna, was gibt es hier Neues? — rief sie durch den Flur.

— Ist die Welt noch nicht untergegangen, haben die Nachbarn noch nicht alle untereinander geheiratet?

— Nichts Neues.

— Alles ruhig.

— Und wo ist Artjom?

— Ich habe ihm dreimal geschrieben, und von ihm kamen nur ein Herzchen und „beschäftigt“.

Nina Pawlowna schwieg.

Sie schwieg viel zu lange für jemanden, bei dem „alles ruhig“ war.

— Gestern hat er Lebensmittel gebracht.

— Milch, Eier, diesen Käse von dir mit den Löchern.

— Er hat alles hingestellt und ist gegangen.

— Hingestellt und gegangen, — wiederholte Ljudmila, als sie in den Flur kam.

— Schön.

— Ein Kurier und Sohn in einer Person.

— Ljuda, sei nicht böse auf ihn.

— Ich bin nicht böse.

— Ich wundere mich nur.

Der Schlüssel kratzte im Schloss, und Artjom kam herein — die Jacke offen, das Handy in der Hand, sein Blick irgendwo an ihr vorbei gerichtet.

So kam er immer herein, wenn in ihm etwas brodelte: breit, laut, als würde er sich im Voraus möglichst viel Platz sichern.

— Oh, du bist zurück.

— Wie war die Dienstreise?

— Die Kuppel ist nicht weggeflogen, die Kinder sind nicht verloren gegangen, ich lebe noch.

— Und wie geht es dir?

— Normal.

Er warf einen Blick auf seine Mutter.

— Du könntest… in dein Zimmer gehen, ja?

— Wir müssen reden.

Nina Pawlowna nickte stumm und ging, wobei sie die Tür hinter sich anzog.

Ljudmila sah ihr nach und wandte sich dann ihrem Mann zu.

— „Reden“ heißt eigentlich, dass zwei Leute reden.

— Aber „reden“, nachdem man das Publikum hinausgeschickt hat, ist schon eher eine Ankündigung.

— Ljuda, fang nicht an.

— Ich habe gar nicht angefangen.

— Ich habe nur meine Schuhe ausgezogen.

Die Türklingel ertönte so fröhlich und so unpassend, dass beide zusammenzuckten.

Vor der Tür standen Dina und ihr Mann Slawik — vom Frost mit roten Wangen, mit einer Schachtel Kuchen, und ihren Gesichtern konnte man die Nachricht schon ablesen, bevor sie überhaupt etwas sagten.

— Wir kommen nur für drei Minuten! — erklärte Dina.

— Slaw, sag du es.

— Wir erwarten etwas, — verkündete Slawik feierlich.

— Also, sie erwartet etwas.

— Und ich warte daneben.

Ljudmila kreischte so laut, dass das Glas in der Vitrine klirrte, und umarmte ihre Freundin.

— Dina!

— Dina-a-a!

— Zwölf Jahre lang hast du mir erzählt, Kinder seien laut!

— Und was sagst du jetzt?

— Jetzt sage ich, dass laut wunderbar ist, — lachte Dina und wischte sich die Augen.

— Aber wein nicht, sonst fange ich auch an.

Artjom stand in der Küchentür, lächelte höflich und trommelte mit den Fingern gegen den Türrahmen.

Er gratulierte ihnen, schüttelte Slawik die Hand und machte sogar einen Scherz über mögliche Namen.

Und die ganze Stunde saß er in der Ecke des Sofas und starrte auf sein Handy, das auf seinem Knie lag und immer wieder aufleuchtete.

Dina und Slawik gingen kurz nach acht und ließen einen angeschnittenen Kuchen mit Himbeerstreifen auf dem Tisch zurück.

Ljudmila sammelte die Tassen ein, richtete sich auf und wollte in den Flur gehen.

— Ich hole Nina Pawlowna, ich schneide ihr ein Stück ab, sie liebt Himbeeren.

— Bleib stehen.

Artjom versperrte ihr den Weg.

— Wir müssen reden.

— Schon wieder?

— Heute bist du wie eine Türklingel: eine Taste, ein Satz.

— Ljuda, setz dich.

Sie setzte sich.

Dann griff sie, ohne den Blick von ihm abzuwenden, zum Regal, auf dem neben den Gewürzen ein kleines Fläschchen stand — Beruhigungstropfen, von denen Nina Pawlowna jeden Abend zwanzig Tropfen nahm.

— So, die Hilfsmittel sind vorbereitet, — sagte Ljudmila und stellte das Fläschchen in die Mitte des Tisches.

— Leg los.

— Ich warne dich nur gleich: Falls du sagen willst, dass dir hier alles zu eng ist — wir haben zweiundvierzig Quadratmeter, hier ist es für alle eng, ich habe sogar Mitleid mit dem Kühlschrank.

— Hör auf, dich zum Clown zu machen! — Seine Stimme überschlug sich.

— Ich habe die Scheidung eingereicht.

Die Stille dauerte nur sehr kurz.

Ljudmila schnappte nicht nach Luft, fing nicht an zu weinen und fragte auch nicht noch einmal nach.

Sie nahm ihr Handy, öffnete die App, scrollte nach unten — und dort, in einem weißen Rechteck, stand in gleichmäßiger Schrift der Scheidungsantrag.

Datum der Einreichung: Dienstag.

Vor drei Tagen.

An dem Tag, als sie in der Turnhalle einer Provinzschule stand und Drittklässlern die Ringe des Saturn zeigte.

— Du musst verstehen, ich habe lange darüber nachgedacht, — redete Artjom irgendwo neben ihr weiter.

— Wir sind einander fremd geworden, du bist ständig unterwegs, ich bin es leid, mit einem Menschen zu leben, der nie da ist…

Sie sah auf den Bildschirm, doch in ihrem Kopf lief aus irgendeinem Grund etwas ganz anderes ab.

Wie sie vor acht Jahren ein Sofa ohne Aufzug in den fünften Stock geschleppt und auf dem Treppenabsatz zwischen zwei Etagen gelacht hatten.

Wie er um sechs Uhr morgens aufgestanden war, um sie zum Bahnhof zu fahren.

Wie sie in der Küche zum Radio getanzt hatten, weil das Radio damals das einzige technische Gerät gewesen war, das sie besaßen.

— Hörst du mir überhaupt zu? — fragte Artjom gereizt und hob die Stimme.

— Ich höre dich.

— Bei mir lief gerade nur ein Film.

— Ein guter, alter.

— Der Abspann läuft schon.

Sie log sich nichts vor: Es hatte schon lange geknirscht.

Ein halbes Jahr voller kurzer Antworten, ein halbes Jahr voller „bin beschäftigt“, sein Rücken statt seines Gesichts.

Aber so — ein Antrag, ein Datum, Dienstag — damit hatte sie nicht gerechnet.

Nina Pawlowna erschien in der Tür.

Ihr Blick fiel erst auf den Kuchen, dann auf ihren Sohn, dann auf Ljudmila.

— Hattet ihr Besuch?

— Ich habe etwas gehört.

— Was war denn der Anlass?

— Gleich zwei Anlässe, Nina Pawlowna.

— Dina ist schwanger — das ist der erste.

— Und vor einer Minute hat Ihr Sohn mir mitgeteilt, dass er die Scheidung eingereicht hat.

— Das ist der zweite.

Die Schwiegermutter sank auf den Hocker, als wären ihr die Beine weggeschlagen worden.

Artjom zuckte zusammen.

— Ljuda, warum musstest du das vor ihr…

Ljudmila legte das Handy mit dem Bildschirm zu ihrem Mann auf den Tisch.

Ihr Finger glitt über die Schaltfläche.

— Schau genau hin.

— Hier ist dein Antrag.

— Hier ist meine Zustimmung.

— Ich werde dich nicht überreden: Du bist neununddreißig, deine Entscheidung ist wohlüberlegt, drei Tage lang hast du sie ziehen lassen wie einen Kombucha.

— Das war’s, wir sind geschieden.

— Der Koffer steht in der Abstellkammer, die Tür ist dort, den Griff musst du zu dir ziehen.

— Du… — Artjom rang nach Luft.

— Du willst nicht einmal fragen, warum?!

— Du hast schon geantwortet.

— Ganze drei Mal heute Abend: „reden“, „reden“, „reden“.

— Ich habe verstanden.

Sie stand auf, schaltete den Herd ein, goss Milch in einen kleinen Topf, gab einen Löffel Kakao hinein und schnitt, während alles warm wurde, Nina Pawlowna ein Stück Kuchen ab — das größte, mit einem Himbeerstreifen.

— Essen Sie.

— Heute ist ein doppelter Feiertag.

— Für Dina freue ich mich aufrichtig, und für Artjom aus Höflichkeit, aber ebenfalls ehrlich.

— Wie… — Nina Pawlowna fand endlich ihre Stimme wieder und blickte von einem zum anderen.

— Wie konnte es so weit kommen?

— Was habt ihr getan, hm?

— Kinder, was habt ihr nur getan?

— Mama, so ist es besser, — sagte Artjom schnell.

— Für alle ist es besser.

— Wir leben schon lange nicht mehr, wir existieren nur noch.

— „Existieren“ ist, wenn du um Mitternacht dein Handy anlächelst, — bemerkte Ljudmila.

— Übrigens habe ich kein einziges Mal hineingesehen.

— Respekt ist eben so eine Sache, er lohnt sich nicht immer.

— Fang nicht an!

— Dein grauer Koffer steht links in der Abstellkammer hinter dem Staubsauger.

— Meinen rührst du nicht an, den brauche ich noch: Im April habe ich drei Städte.

Artjom stürmte aus der Küche.

Nina Pawlowna sah ihre Schwiegertochter an, und ihre Lippen bewegten sich tonlos.

Zwei Jahre — kein einziger Streit, kein einziger Vorwurf, ein eigenes Zimmer mit Balkon, Medikamente nach Liste, Arzttermine nach Vereinbarung.

Ljudmila saß etwa fünf Minuten lang schweigend da und war wütend.

Nicht auf ihn — auf sich selbst.

Ein halbes Jahr lang hatte sie seinen Rücken gesehen und geschwiegen, dabei hätte sie ihn an den Schultern packen und ein Gespräch verlangen müssen: Vielleicht hatte der Mensch eine Krise, vielleicht ein Problem, vielleicht Angst.

Sie hatte es nicht getan.

Und jetzt hatte sie innerhalb von neun Sekunden zugestimmt.

Aus dem Schlafzimmer hörte man das Knarren von Schranktüren und das Rascheln von Kleiderbügeln.

Ljudmila stand auf, öffnete die Tür unter der Spüle, zog eine Rolle Müllsäcke heraus — stabile, blaue, mit sechzig Litern Fassungsvermögen — und ging ins Schlafzimmer.

Die Säcke fielen weich aufs Bett, direkt auf den Stapel seiner Hemden.

— Ich bekomme alles in den Koffer, — brummte Artjom, ohne sich umzudrehen.

— Den Rest hole ich später, hör auf, dich so aufzuführen.

— Die sind nicht für dich.

— Die sind für die Sachen deiner Mutter.

Er richtete sich so abrupt auf, dass der Kleiderbügel klirrte.

— Was?..

— Du hast die Scheidung eingereicht.

— Das heißt, vor genau zehn Minuten ist Nina Pawlowna für mich zu einem fremden Menschen geworden.

— Einem guten, netten Menschen, aber einem fremden.

— Nimm sie mit.

Autorin: Wika Trel © 5527

— Bist du… bist du noch bei Verstand?!

— Sie lebt seit zwei Jahren hier!

— Sie lebte bei der Frau ihres Sohnes.

— Die Frau gibt es nicht mehr, die Stelle ist gestrichen.

— Die Logik ist so einfach wie ein Nagel.

Sein Gesicht nahm einen solchen Ausdruck an, dass Ljudmila nicht anders konnte und schnaubte.

— Hast du wirklich ernsthaft gedacht, du könntest deine Mutter bei mir lassen?

— Du rennst zu einer anderen, und ich soll hier jeden Abend zwanzig Tropfen abzählen?

— Übrigens, wer ist es eigentlich?

— Sag wenigstens ihren Namen, dann kann ich ihn auf die Glückwunschkarte schreiben.

— Das geht dich nichts an!

— Jetzt nicht mehr, da stimme ich dir zu.

— Aber die Säcke bleiben trotzdem blau.

Das Handy in seiner Tasche piepte.

Artjom griff danach wie ein Ertrinkender.

— Na bitte, — nickte Ljudmila.

— Die Anweisungen sind angekommen.

— Lies sie aufmerksam, da steht bestimmt: „Schatz, ich habe alles geregelt.“

— Aber merk dir: Deine Mutter geht zusammen mit dir hier raus.

— Halt endlich den Mund! — brüllte er so laut, dass das Glas in der Schranktür zitterte.

Die Ohrfeige klatschte laut.

Ljudmila senkte die Hand und sagte vollkommen ruhig:

— Schrei nicht.

— Hinter der Wand haben die Nachbarn ein Kind, es ist anderthalb Jahre alt.

— Wenn du schreien willst, geh ins Treppenhaus, dort ist die Akustik besser.

Artjom stand da, eine Hand an die Wange gepresst, und sah nicht einmal auf den Bildschirm.

Er wusste ohnehin, dass die Nachricht von Veronika war.

Wegen ihr war diese ganze Geschichte überhaupt erst ins Rollen gekommen.

Ljudmila ging zurück in die Küche.

Nina Pawlowna saß mit gesenktem Kopf da und zerknüllte eine Serviette zwischen den Fingern.

Ljudmila tat diese Frau leid — wirklich, ohne Theater.

Vor zwei Jahren hatte Nina Pawlowna ihre Wohnung verkauft und das gesamte Geld ihrer Tochter Alisa gegeben, die Zwillinge bekommen hatte.

Alisa wohnte in einer anderen Stadt und hatte geschworen: „Mama, zwei Jahre — dann kaufen wir dir eine Einzimmerwohnung, ehrlich.“

Damals hatte Ljudmila gesagt: „Sie soll bei uns wohnen.“

Zwei Jahre waren vergangen.

Von einer Einzimmerwohnung existierte nicht einmal ein Entwurf.

— Ljuda… — Nina Pawlowna hob die Augen.

— Ich verstehe alles.

— Jetzt bin ich für dich niemand mehr.

— Sie sind für mich nicht niemand.

— Sie sind ein Mensch, mit dem ich vierundzwanzig Monate lang ein Badezimmer geteilt habe, ohne dass wir uns auch nur ein einziges Mal gestritten hätten.

— Das ist selten, dafür gibt es eine Medaille.

— Gib mir einen Tag.

— Zwei.

— Ich werde das klären, ich rufe Alisa an, ich…

In der Tür erschien Artjom mit dem Koffer in der Hand.

— Meine Mutter fährt nirgendwohin!

— Sie bleibt hier, und damit basta!

— Sie hat ein krankes Herz, sie darf nicht hin und her geschleppt werden!

Nina Pawlowna stand auf.

Sie ging zu ihrem Sohn.

Und sie schlug ihm ins Gesicht — kurz, mit dem Handrücken, so dass er mit der Schulter gegen die Wand flog, seine Lippe aufplatzte und ein roter Blutstropfen auf seinem Kinn erschien.

— Wage es nicht, mich dort zurückzulassen, wo mich niemand mehr haben will, — sagte sie leise.

— Was für eine Schande.

Dann ging sie in ihr Zimmer und schloss die Tür sorgfältig hinter sich.

Artjom wischte sich mit dem Handrücken über die Lippe und starrte Ljudmila an, als hätte sie ihn geschlagen.

— Zufrieden?

— Nicht besonders.

— Setz dich, rechnen wir.

— Die Miete für eine Einzimmerwohnung in eurer Gegend beträgt dreißigtausend.

— Dazu Medikamente, dazu Essen — noch einmal zwanzig.

— Macht fünfzig im Monat.

— Für drei Monate im Voraus also hundertfünfzig.

— Das ist für den Unterhalt deiner Mutter.

— Danach kümmerst du dich selbst darum, du bist ein erwachsener Mann, du hast doch Pläne und Inspiration.

— Willst du mich jetzt ausnehmen?!

— Ich habe dir eine Rechnung gestellt.

— Zwei Jahre lang habe ich sie ernährt, zu Ärzten gefahren und ihre Tropfen gekauft, und ich habe dich kein einziges Mal um einen Cent gebeten.

— Betrachte es so, als wäre heute der Wohltätigkeitsfonds meines Namens geschlossen worden.

Artjom riss ein Geldbündel aus der Innentasche seiner Jacke und warf es, ohne nachzuzählen, auf den Tisch.

Die Scheine fächerten sich auseinander.

— Erstick dran!

— Danke, ich passe auf.

Ljudmila legte die Scheine ordentlich aufeinander und beschwerte sie mit dem Salzstreuer.

— Und merk dir: Heute ist Freitag.

— Bis Montag, neun Uhr morgens, darf deine Mutter nicht mehr in dieser Wohnung sein.

— Sonst fahre ich sie am Dienstag zur Adresse deiner Freundin.

— Die Adresse finde ich schon, ich habe drei Wochen Übung in fremden Städten.

Er öffnete den Mund, sagte nichts, schnappte sich den Koffer und ging hinaus, wobei er die Tür offen stehen ließ.

Ljudmila schloss sie selbst und drehte den Schlüssel im Schloss um.

Draußen war es kalt und leer.

Artjom stellte den Koffer auf den Asphalt, entsperrte sein Handy und las endlich die Nachricht.

„Tjom, hallo.

Ich habe überreagiert.

Mein Mann und ich haben miteinander gesprochen, ich bleibe bei ihm.

Sei mir bitte nicht böse, so ist es für alle richtig.

Lass uns den Kontakt beenden.

Veronika.“

Er las die Nachricht noch einmal.

Wegen dieser Zeilen hatte er am Dienstag den Scheidungsantrag eingereicht.

Wegen dieser Zeilen hatte er seine Mutter vom Tisch weggeschickt, in seiner eigenen Wohnung die Stimme erhoben und an einem einzigen Abend zwei Ohrfeigen kassiert.

— Eine Stunde, — flüsterte er in die Dunkelheit.

— Konntest du das nicht eine einzige Stunde früher schreiben?

— Eine Stunde!

Er verfluchte Veronika mit ihrem „so ist es für alle richtig“.

Er verfluchte seine Frau, die nicht geweint, sich nicht an seinem Ärmel festgehalten und nicht gesagt hatte „Lass uns noch einmal darüber nachdenken“, sondern einfach mit dem Finger auf die Zustimmung getippt und auf die Abstellkammer gezeigt hatte.

Er verfluchte sich selbst — den Idioten, der aus einer Laune heraus die Tür hinter sich zugeschlagen hatte.

Das Handy vibrierte.

Alisa.

— Hör mir zu, — begann er sofort.

— Ich bringe Mutter nicht zu dir, du hast Zwillinge, das verstehe ich, aber…

— Das verstehst du ganz richtig, — unterbrach ihn seine Schwester.

— Geld für eine Wohnung habe ich nicht zurückgelegt, wir haben eine Hypothek und renovieren.

— Die Scheidung hast du selbst angefangen, also kümmere dich selbst darum.

— Und weißt du was, Tjom?

— Schäm dich.

Das Freizeichen ertönte.

Also hatte Ljudmila bereits angerufen.

Natürlich hatte sie es geschafft, sie erledigte immer alles sofort, ohne lange Anlaufzeit, und genau das brachte ihn zum Verzweifeln.

„Warum musste sie sich da einmischen?“, dachte er, obwohl er selbst wusste, wie idiotisch diese Frage war.

Er stand unter einer Straßenlaterne, den Koffer neben seinem Fuß, und zählte.

Keine Freundin mehr — sie hatte geschrieben „Lass uns den Kontakt beenden“.

Keine Frau mehr — es gab ihre Zustimmung in der App.

Keine Schwester mehr — nur noch das Freizeichen.

Und in der Wohnung seiner Ex-Frau wartete seine Mutter, die er dort hatte zurücklassen wollen wie ein Möbelstück.

Für einen Moment kam ihm der Gedanke, zurückzugehen, zu klingeln und zu sagen: „Ich habe überreagiert.“

Dann erinnerte er sich an die klatschende Hand und daran, wie gleichmäßig ihre Stimme geklungen hatte, ohne auch nur ein einziges Zittern.

Wenn du zurückgehst, fliegst du mitsamt dem Koffer die Treppe hinunter, und Ljudmila wird dir aus Höflichkeit sogar noch die Tür aufhalten.

Das Handy piepte erneut.

Kostja, ein alter Freund.

„Hab gehört, deine Frau hat dich rausgeworfen.

Komm her, für ein paar Tage kannst du bleiben, aber das Sofa quietscht.“

Also hatte sie auch Kostja schon informiert.

Artjom grinste mit seiner aufgeplatzten Lippe: Das war die erste und einzige gute Nachricht an diesem ganzen schrecklichen Abend.

🧳

Und in der Wohnung im siebten Stock schnitt Ljudmila ein zweites Stück Kuchen ab, stellte den Teller vor die Tür des hinteren Zimmers und sagte leise:

— Nina Pawlowna, kommen Sie heraus.

— Wir überlegen jetzt, wo wir Sie unterbringen.

— Aber nur mit Balkon — Sie sind schließlich an das Gute gewöhnt.

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