— Ich habe hier schon alle für den Sommer eingeteilt.
— Mama im Juni, Swetka mit den Kindern im Juli, Witja im August.

— Habe ich doch gut ausgedacht, oder?
Marina antwortete nicht sofort.
Sie schälte die Karotte fertig, legte das Messer auf das Schneidebrett und richtete sich erst dann auf.
In der Küche saß außer ihnen beiden noch Swetka, ihre Schwägerin, Olegs Schwester.
Sie trank Tee, scrollte auf ihrem Handy und beobachtete aus dem Augenwinkel, wie ihr Bruder den Sommer anderer Leute verteilte.
— Das hast du dir ganz allein ausgedacht? — fragte Marina.
— Was gibt es da groß nachzudenken?
— Die Datscha steht leer, also sollen sich die Leute erholen.
— Der Sommer ist kurz.
— Aha.
— Ich habe es Mama schon gesagt.
— Sie hat sich gefreut.
— Sie zieht am ersten Juni ein und bleibt bis Ende des Monats.
— Frische Luft, Beete, das ist gut für sie.
Marina trocknete sich die Hände am Handtuch ab.
Dann hängte sie das Handtuch gerade auf, Ecke an Ecke.
— Und mich zu fragen?
— Was gibt es da zu fragen? — Oleg war ehrlich überrascht.
— Du warst doch nie dagegen.
Sie war nicht dagegen gewesen.
Genau das war der Trick.
Zwölf Jahre lang war sie nie dagegen gewesen.
Die Datscha stand nicht einfach so da.
Die Datscha gehörte ihren Eltern, Marina.
Das Grundstück sechzig Kilometer von der Stadt entfernt hatte ihr Vater ihr vor acht Jahren überschrieben, mit einer Schenkungsurkunde zu Lebzeiten, damit es später niemand aufteilen konnte.
Das Haus hatte sie noch als Studentin gemeinsam mit ihren Eltern fertiggebaut.
Oleg war später aufgetaucht, als es bereits die Veranda, den Brunnen und das Gewächshaus gab.
In zwölf Jahren Ehe hatte er in dieser Datscha zwei Nägel eingeschlagen und einmal einen Grill mitgebracht.
Dafür strömte jeden Sommer seine Verwandtschaft dorthin — um gefüttert zu werden, sich zu sonnen und herumzukommandieren.
— Gut, — sagte Marina.
— Und wer wird sie alle versorgen?
— Na, du bist doch zu Hause.
— Für dich ist das nicht schwer.
Swetka hob den Blick vom Handy.
— Marin, wirklich.
— Wir sind doch Familie.
— Wir fahren ja nicht ins Hotel.
— Als Familie, — wiederholte Marina.
Sie legte das Messer in die Schublade.
Sie schloss sie leise.
Sie hatte sechsundfünfzig Urlaubstage.
Angesammelt in drei Jahren: Sie arbeitete als Buchhalterin für zwei Firmen, nahm selten frei und verschob ihre Urlaubstage immer wieder.
Sechsundfünfzig Tage, die in der Familie längst als gemeinsame Ressource galten: Wenn sie im Sommer nicht arbeitete, bedeutete das, dass sie die Datscha bediente.
Im vergangenen Sommer hatte sie nachgerechnet.
Vom ersten Juni bis Ende August waren elf Personen auf dem Grundstück gewesen.
Die Schwiegermutter wohnte dort durchgehend.
Swetkas Kinder brachen die Johannisbeersträucher ab.
Witja, der Schwager, kam mit Freunden zum Schaschlikgrillen und hinterließ einen Berg Geschirr.
Marina hatte in diesem Sommer nach ihrer Schätzung etwa vierzig Mittagessen für die ganze Gesellschaft gekocht und war kein einziges Mal ans Meer gefahren.
Am Meer war sie seit sechs Jahren nicht gewesen.
— Dieses Jahr schaffe ich das so nicht, — sagte sie.
— Was heißt, du schaffst das nicht? — Oleg runzelte die Stirn.
— Was soll das bedeuten, du schaffst das nicht?
— Ich schaffe es nicht, drei Monate lang für alle zu kochen.
— Ich habe auch Urlaub.
— Aber du wirst doch in der Datscha sein.
— Was für ein Urlaub soll das denn sein?
— Meiner.
Swetka schnaubte.
— Ach, jetzt geht das los.
— Was geht los, Sweta?
— Nichts.
— Früher hast du alles normal genommen, und jetzt…
— Und jetzt was?
Swetka fand keine Antwort.
Sie zuckte mit den Schultern und starrte wieder auf ihr Handy.
Marina wischte den Tisch ab, drehte das Wasser zu und ging aus der Küche.
Hinter ihrem Rücken sagte Oleg halblaut zu seiner Schwester, in dem Glauben, seine Frau höre ihn nicht:
— Beachte sie nicht.
— Sie beruhigt sich schon wieder.
— Wo soll sie denn hin?
Marina hörte es.
Und sie merkte sich auch das.
Am selben Abend rief die Schwiegermutter an.
Oleg schaltete ohne nachzudenken den Lautsprecher ein, wie er es immer tat, weil er glaubte, in der Familie gebe es keine Geheimnisse.
— Oleschek, sag ihr, sie soll den Dill dort nicht am Zaun säen.
— Letztes Jahr haben sie ihn am Zaun gesät, und er stand die ganze Zeit im Schatten.
— Marina versteht das nicht, erklär es ihr.
— Mama, ich sage es ihr.
— Und die Tomaten soll sie diesmal gleich anbinden.
— Sie läuft herum wie eine Zarin, als würde bei ihr alles von selbst wachsen.
Marina stand in der Tür.
Die Schwiegermutter sah sie nicht, aber sie sprach so, als wäre Marina verpflichtet zuzuhören.
— Und lass sie dieses Jahr nicht alle Erdbeeren zu Marmelade verkochen, — fuhr Zinaida Petrowna fort.
— Die Kinder kommen, sie sollen sie frisch essen.
— Sonst kocht sie wieder Gläser ein und die stehen dann nur herum.
Die Erdbeeren hatte Marina selbst gepflanzt.
Selbst gejätet.
Selbst gegossen.
Acht Beete, an den Wochenenden, auf den Knien.
— Zinaida Petrowna, — sagte Marina ins Telefon.
— Guten Abend.
Pause.
— Ach, du bist da.
— Genau, ich spreche gerade über den Dill.
— Dieses Jahr kümmere ich mich nicht um die Datscha.
— Wenn Sie Dill wollen, pflanzen Sie ihn selbst.
— Wie soll das heißen, selbst?
— Ich bin in meinem Alter.
— Ich habe Rücken.
— Ich habe auch einen Rücken.
— Oleg! — Die Stimme der Schwiegermutter schoss in die Höhe.
— Hörst du, wie sie mit mir spricht?
Oleg winkte seiner Frau mit der Hand, als wolle er sagen, sie solle weggehen und sich nicht einmischen.
Marina trat zur Seite.
Aber sie ging nicht weg.
— Mama, sie ist einfach müde.
— Der Sommer wird sich schon einrenken, — murmelte er.
— Bist du ein Mann oder was?
— Deine Frau wird deiner Mutter gegenüber frech, und du schweigst.
— In meinem Haus hätte es so etwas nicht gegeben.
In ihrem Haus.
Das Haus gehörte Marina.
Marina hörte es und merkte es sich.
— Ich komme am Ersten, — sagte die Schwiegermutter scharf.
— Damit alles bereit ist.
— Bettwäsche, Lebensmittel.
— Ich bin alt, für mich ist es schwer, durch die Läden zu laufen.
— Bis zum Ersten sind noch zwei Wochen, Mama, — sagte Oleg.
— Umso besser.
— Es gibt Zeit, sich vorzubereiten.
Sie legte zuerst auf.
Die Schwiegermutter legte immer zuerst auf.
Der Streit war nicht beendet.
Er wurde nur verschoben, wie eine Rechnung, die man irgendwann trotzdem bezahlen muss.
Die ganze Woche lief Oleg beleidigt herum.
Er sprach wenig und seufzte viel.
Abends ließ er Sätze in die Luft fallen wie „Familie muss zusammenhalten“ und „normale Menschen werfen Verwandte nicht raus“.
— Niemand wirft irgendwen raus, — sagte Marina einmal.
— Was tust du dann?
— Ich sage, dass die Datscha dieses Jahr anders funktioniert.
— Anders wie?
— Du wirst es erfahren.
Er schnaubte und ging zum Fernseher.
Marina stritt nicht.
Sie sammelte Fakten.
Zuerst ging sie in ihr Online-Banking.
Sie öffnete die Überweisungshistorie der letzten drei Jahre.
Sie fand, wonach sie gesucht hatte: Jeden Mai hatte sie Geld überwiesen — für Kohle, für die Lieferung von Erde, für die Reparatur der Brunnenpumpe, für neue Elektrik im Haus.
Alle Zahlungen gingen von ihrer Karte ab.
Den Verwendungszweck schrieb sie immer sorgfältig, aus Gewohnheit einer Buchhalterin: „Reparatur Pumpe Datscha“, „Erde 6 Kubikmeter“, „Elektriker Datscha“.
Oleg hatte in drei Jahren keinen einzigen Rubel für die Datscha überwiesen.
Dafür hatte er sich im vergangenen Herbst eine Angelrute für zweiundfünfzigtausend gekauft.
Der Beleg hing in derselben Historie — Zahlung in einem Angelgeschäft.
Und die Implantate, für die Marina seit dem zweiten Jahr sparte, warteten immer noch: etwa zweihunderttausend, die ständig fehlten, weil „mal die Datscha, mal die Verwandten, mal der Sommer“ dazwischenkamen.
Sie setzte die Überweisungen in eine Spalte, wie sie es von der Arbeit gewohnt war.
Es ergaben sich fünfundfünfzigtausend für ein Jahr, hundertfünfundsechzigtausend für drei — nur für Materialien und Handwerker, ohne ihre eigene Handarbeit.
Die Zahl merkte sie sich.
Sie machte Screenshots.
Sie legte sie in einen eigenen Ordner auf dem Telefon.
Sie nannte ihn schlicht: „Datscha“.
Lena nahm beim dritten Klingeln ab.
— Na, die Verschollene.
— Warum rufst du an, ist etwas passiert?
— Es ist etwas passiert.
— Sag mal, ist deine Reise für Juli noch frei?
— Die für zwei Personen, nach Gelendschik.
In der Leitung wurde es still.
— Also.
— Wiederhol das.
— Die Reise.
— Im Juli.
— Im Frühling hast du gesagt, dass du den zweiten Platz nicht gekauft hast.
— Marina.
— Seit sechs Jahren sagst du mir „nächstes Jahr“.
— Meinst du es jetzt ernst, oder springst du wieder zwei Tage vorher ab?
— Ich meine es ernst.
— Nimm sie für zwei.
— Zehn Tage.
— Morgen überweise ich dir meine Hälfte.
— Und Oleg?
— Und die Datscha?
— Und deine Schwiegermutter, die dort jeden Sommer wie eine Statthalterin sitzt?
— Die Datscha bleibt dieses Jahr geschlossen.
Lena schwieg.
— Geschlossen, — wiederholte sie.
— Hörst du dir überhaupt selbst zu?
— Zwölf Jahre lang hast du für diese Horde gekocht.
— Ich war einmal im Juli bei dir, erinnerst du dich?
— Deine Schwiegermutter fragte mich, wer ich sei und warum ich ihre Erdbeeren esse.
— Ihre, Marin.
— Die Erdbeeren, die du gepflanzt hast.
— Ich erinnere mich.
— Und du hast geschwiegen.
— Ich habe geschwiegen.
— Und jetzt schweige ich nicht mehr.
— Gott sei Dank. — Lena atmete aus.
— Ich nehme sie.
— Für zwei, zehn Tage, Abflug am vierten Juli.
— Ich schicke dir gleich die Nummer, überweis.
— Schick sie.
— Und noch etwas. — Lenas Stimme wurde ernster.
— Bist du auf dieses Gespräch zu Hause vorbereitet?
— Die werden dich lebendig auffressen.
— Sollen sie es versuchen.
Eine Minute später kam eine Nachricht mit den Zahlungsdaten und dem Zusatz: „Gelendschik, Juli, unserer. Wage es nicht, abzuspringen.“
Marina überwies am selben Abend einundvierzigtausend.
Den Verwendungszweck schrieb sie eigenhändig: „Urlaub Juli“.
Der Ersatzplan war fertig, noch bevor der zweite Akt begann.
Am Samstag verkündete Oleg, dass die Schwiegermutter am Montag komme.
— Sie schaut sich dann gleich die Beete an.
— Am Montag arbeite ich, — sagte Marina.
— Dann lass ihr die Schlüssel da.
— Sie macht selbst auf.
— Sie hat keine Schlüssel.
— Wie, sie hat keine?
— Ich habe sie ihr gegeben.
— Wann?
Oleg stockte.
— Na.
— Im Frühling.
— Die Ersatzschlüssel.
Marina legte die Kelle hin.
— Die Ersatzschlüssel zur Datscha?
— Die, die bei mir im Flur hingen?
— Ja, ich dachte, sie könnten verloren gehen, und habe sie Mama zur Aufbewahrung gegeben.
Da war es.
Die Schwiegermutter hatte seit zwei Monaten die Schlüssel zu einem fremden Haus — zur Aufbewahrung.
Ohne die Besitzerin zu fragen.
— Gut, — sagte Marina.
Sie ging in den Flur.
Der Schlüsselbund am Haken war nicht da.
Dort hing nur ihr Arbeitsbund mit dem Marienkäfer-Anhänger.
— Wo ist der zweite Bund, Oleg?
— Doch bei Mama.
— Habe ich gesagt.
— Und hast du deine Mutter gefragt, als du ihn verteilt hast?
Er antwortete nicht.
— Das heißt, du hast die Schlüssel zu meinem Haus genommen und sie deiner Mutter gegeben.
— Ohne es mir zu sagen.
— Warum führst du dich so auf?
— Das ist doch Mama, kein fremder Mensch.
— Das ist mein Haus, nicht unser gemeinsames.
— Schon wieder du mit deinem „mein Haus“.
— Zwölf Jahre zusammen, und bei dir ist alles „mein“.
— Die Schenkungsurkunde läuft auf mich.
— Vor dir.
— Wenn du willst, lesen wir sie gemeinsam.
Oleg winkte ab und ging.
Am Montag kam die Schwiegermutter.
Sie öffnete die Tür mit ihrem Schlüssel, machte es sich auf der Veranda bequem und kommandierte gegen Abend bereits Swetka am Telefon herum, was sie im Juli mitbringen solle, „wenn die Küche ja sowieso arbeitet“.
Marina kam gegen acht von der Arbeit zurück.
Auf dem Küchentisch lag ein Zettel der Schwiegermutter in großer Handschrift: „Kauf morgen ein Huhn, mach Brühe, es kommen Leute, um zu schauen, wessen Kinder zuerst fahren.“
„Wessen Kinder zuerst fahren.“
Sie teilten bereits ihren Sommer unter sich auf.
Sie erstellten einen Ankunftsplan für ihre Datscha, ihr Haus, ihren Herd.
Marina nahm den Zettel.
Sie zerriss ihn nicht.
Sie legte ihn in den Ordner, zu den Screenshots.
Auch das gehörte zu den Unterlagen.
Dann ging sie zur Kommode im Schlafzimmer der Schwiegermutter — diese hatte ihre Tasche offen gelassen.
Aus der Seitentasche ragte der vertraute Bund mit dem grünen Anhänger.
Marina nahm die Schlüssel und legte sie zu sich.
Am Dienstag nahm sie sich eine Stunde früher frei und fuhr zum Schlosser in ihrem Viertel — eine Werkstatt im Souterrain des Nachbarhauses mit dem Schild „Schlösser. Schlüssel.“
Hinter dem Tresen stand ein nicht mehr junger Mann in blauer Jacke.
— Guten Tag.
— Ich brauche ein neues Schloss für die Datscha-Tür.
— Und den Einbau.
— Können Sie am Wochenende kommen?
— Was für eine Tür?
— Holz, Metall?
— Holz, stabil.
— Jetzt ist ein Zuhaltungsschloss drin.
— Wechseln wir den Zylinder oder den ganzen Schlosskasten?
— Alles.
— Und ich brauche drei Schlüsselsätze.
Der Meister notierte die Adresse in einem abgegriffenen Notizbuch.
— Funktioniert das alte Schloss noch?
— Warum wechseln Sie es?
— Die Schlüssel sind in fremde Hände geraten, — sagte Marina.
— Ich will, dass nur meine hineinpassen.
Der Meister grinste, ohne den Kopf zu heben.
— Bekannte Geschichte.
— Das halbe Viertel kommt damit zu mir.
— Mal der Schwiegersohn, mal die Verwandtschaft, mal der Ex.
— Wir machen das, Hausherrin.
— Am Samstag um zehn komme ich vorbei.
— Danke.
— Die Hälfte als Anzahlung. — Er nannte die Summe.
— Den Rest nach getaner Arbeit.
Sie überwies ihm das Geld direkt vor Ort per Telefonnummer.
Den Beleg speicherte sie.
Gewohnheit.
Der Skandal brach am Mittwoch aus.
Die Schwiegermutter bemerkte morgens, dass die Schlüssel fehlten, durchwühlte ihre Tasche und rief Oleg bei der Arbeit an.
Oleg rief Marina an.
— Hast du Mamas Schlüssel genommen?
— Meine Schlüssel.
— Von meinem Haus.
— Jetzt reicht es aber! — Er hob die Stimme.
— Mama ist eine alte Frau, was veranstaltest du da?
— Komm heute Abend.
— Wir reden in ihrer Anwesenheit.
— Und ruf Swetka dazu, da sie ja über den Plan Bescheid weiß.
— Was für ein Plan?
— Heute Abend.
Am Abend versammelten sich alle.
Die Schwiegermutter saß in der Küche, in der Pose einer beleidigten Königin.
Swetka saß daneben, bereit, ihren Bruder zu unterstützen, und hatte sogar ihren älteren Sohn mitgebracht, den sie mit einem Tablet im Zimmer gelassen hatte.
Oleg stand in der Mitte, ohne zu wissen, auf wessen Seite er war, aber überzeugt, dass seine Frau schuld war.
— Na? — sagte Oleg.
— Erklär, warum du die Schlüssel genommen hast.
Marina setzte sich nicht.
Sie stand ruhig am Fenster, das Telefon in der Hand.
— Ich erkläre es sachlich.
— Die Datscha gehört mir.
— Schenkungsurkunde meines Vaters, auf mich ausgestellt, vor der Ehe.
— Sie ist kein gemeinsames Eigentum.
— Sie ist mein persönliches Eigentum.
— In jedem Fall.
— Das wissen wir doch, — winkte die Schwiegermutter ab.
— Warum wiederholst du das ständig?
— Wir sind doch Familie.
— Familie.
— Gut.
— Dann eine Frage.
— Wer hat in den letzten drei Jahren Kohle, Erde, Pumpe und Elektrik bezahlt?
Schweigen.
— Ich antworte.
— Ich. — Marina drehte das Telefon mit dem Bildschirm zu ihnen.
— Hier sind die Überweisungen.
— Mai letzten Jahres: Pumpe, achtzehntausend.
— Erde, zwölftausend.
— Elektriker, fünfundzwanzigtausend.
— Das Jahr davor dasselbe.
— Insgesamt in drei Jahren hundertfünfundsechzigtausend.
— Von meiner Karte.
— Oleg hat in dieser Zeit keinen einzigen Rubel überwiesen.
— Ich helfe anders, — brummte Oleg.
— Womit?
— Ich… na ja, ich bin ein Mann.
— Der Ernährer.
— Der Ernährer, — wiederholte Marina.
— Im Herbst eine Angelrute für zweiundfünfzigtausend.
— Hier ist der Beleg.
— Und für meine Implantate: „Halte noch durch, die Datscha ist wichtiger“.
Auf Olegs Wangenknochen traten rote Flecken hervor.
— Verfolgst du mich über die Karte?
— Das ist unsere gemeinsame Bank, Oleg.
— Du selbst hast mir vor drei Jahren den Zugang gegeben, damit ich die Nebenkosten bezahle.
— Vergessen?
Swetka rutschte unruhig auf dem Stuhl herum.
— Marin, was hat die Angelrute damit zu tun?
— Damit, Sweta, dass du im Juli mit zwei Kindern für einen Monat zu mir kommen wolltest.
— Kostenlos.
— Und außerdem hast du deiner Mutter noch vorgeschlagen, was ich einkaufen soll.
— Ich habe gar nichts vorgeschlagen! — Swetka lief rot an.
— Mama hat gesagt, wir sollen den Plan machen!
— Ich?! — Die Schwiegermutter drehte sich zu ihrer Tochter.
— Du hast angerufen und gejammert, wie schwer es dir in der Stadt mit den Kindern fällt!
— Du hast dir als Erste den Juli reserviert!
— Mama, du hast doch selbst gesagt, Oleg würde alles regeln, er sei der Hausherr!
— Der Hausherr, — sagte Marina leise.
Sie bemerkten nicht einmal, wie sie sich untereinander in die Haare gerieten.
Die Schwiegermutter schob die Schuld auf Swetka, Swetka auf ihre Mutter, Oleg versuchte, alle zu überschreien.
— Schluss jetzt! — brüllte er.
— Was führt ihr euch auf wie auf einem Basar?
— Du hast Mama die Schlüssel gegeben! — schrie Swetka.
— Du hast gesagt, alles sei geregelt, Marinka würde keinen Mucks machen!
Oleg verstummte.
Marina sah ihn an.
— Also keinen Mucks.
Aus dem Zimmer schaute Swetkas Sohn heraus, etwa zehn Jahre alt.
— Mama, warum schreit ihr alle?
— Tante Marina hat doch gesagt, dass die Datscha ihr gehört.
— Geh ins Zimmer! — brüllte Swetka.
Der Junge zuckte mit den Schultern und ging.
Doch sein Satz blieb in der Luft hängen.
Eine dichte Stille legte sich über den Raum.
— Jetzt zu den Regeln, — sagte Marina ruhig.
— Wenn ihr alle Pläne so sehr liebt.
Sie legte das Telefon mit dem Bildschirm nach unten auf den Tisch.
— Die Datscha gehört mir.
— Wer kommt, kommt, wenn ich einlade.
— Nicht nach Olegs Plan.
— Ich koche dann, wenn ich selbst will, und für die Menschen, die ich selbst eingeladen habe.
— Kein „ein Monat mit Kindern“.
— Wenn ihr wollt, könnt ihr für ein Wochenende zu Besuch kommen, mit euren eigenen Lebensmitteln und euren eigenen Händen an den Beeten.
— Was sind das für Sitten? — rang die Schwiegermutter nach Luft.
— Meine.
— In meinem Haus.
Sie sagte es zum ersten Mal laut, und im Raum schien etwas einzurasten.
— Und das Schloss habe ich bereits wechseln lassen.
— Am Samstag baut der Meister ein neues ein.
— Drei Schlüsselsätze.
— Einer für mich, einer für Oleg, falls er anfängt, sich wie ein Ehemann zu benehmen und nicht wie ein Reiseveranstalter für seine Verwandtschaft.
— Der dritte Ersatzsatz bleibt bei mir.
— Und ich? — fragte die Schwiegermutter.
— Sie kommen auf Einladung.
— Du hast kein Recht dazu! — Die Schwiegermutter erhob sich halb.
— Ich bin die Mutter!
— Ich fahre seit zwölf Jahren in dieses Haus!
— Sie fahren hin.
— Als Gast.
— Die Eigentümerin bin ich.
— Wenn Sie es prüfen wollen, gehen Sie zu einem Anwalt.
— Schenkung, persönliches Eigentum.
— Man wird Ihnen dasselbe sagen.
Oleg schwieg.
Zum ersten Mal an diesem Abend fand er nichts zu sagen.
— Und noch etwas, — fügte Marina hinzu.
— Im Juli bin ich nicht da.
— Ich fahre mit Lena nach Gelendschik.
— Für zehn Tage.
— Meine zehn Tage von sechsundfünfzig.
— Und wir?! — rutschte es Swetka heraus.
— Und ihr benehmt euch wie erwachsene Menschen.
— Die Datscha bleibt geschlossen.
Sie nahm den Zettel der Schwiegermutter vom Tisch, denselben mit Brühe und Huhn.
Sie hob ihn höher, damit alle ihn sehen konnten.
— Den behalte ich.
— Zur Erinnerung.
— Wie ihr mir hier meinen Plan gezeichnet habt.
Und sie legte ihn zurück in den Ordner.
Die Schwiegermutter fuhr noch am selben Abend weg und lehnte das Abendessen stolz ab.
Swetka ging ihr nach und warf zum Abschied hin, dass sie „so etwas nicht erwartet“ habe und dass „die Familie damit nicht endet, du wirst es noch bereuen“.
Sie führte ihren Sohn an der Hand hinaus.
Oleg blieb.
Er saß lange allein in der Küche.
— Du fährst wirklich? — fragte er schließlich.
— Wirklich.
— Und ich?
— Du denkst nach, — sagte Marina.
— Zwölf Jahre lang hast du deine Verwandten zu mir gebracht, damit sie sich durchfüttern lassen.
— Nicht ein einziges Mal hast du gefragt, ob es schwer für mich ist.
— Jetzt denk selbst nach.
— Mama ist beleidigt.
— Kommt vor.
— Ist das alles, was du sagst?
— Das ist alles.
Er antwortete nicht.
Aber er hörte auch auf zu streiten.
Am Donnerstag unternahm die Schwiegermutter einen zweiten Versuch und rief selbst an, ohne Oleg als Vermittler.
— Marina.
— Ich habe nachgedacht.
— Ich bin bereit, im Juni zu kommen, wie vereinbart.
— Na gut, ich schaue mir die Beete selbst an, ich helfe dir.
— Allein schaffst du das nicht.
— Zinaida Petrowna, im Juni bin ich nicht jeden Tag in der Datscha.
— Ich arbeite.
— Dann passe ich eben auf!
— Auf ein fremdes Haus muss niemand aufpassen.
— Es bleibt geschlossen.
— Ich bin also fremd?!
— Das Haus gehört mir.
— Man kommt auf Einladung.
— Ich rufe Sie an, wenn ich Sie einlade.
— Ich komme zu meinem Sohn, nicht zu dir!
— Ihr Sohn wohnt in der Stadt, in der Wohnung.
— Die Adresse kennen Sie.
Die Schwiegermutter schnappte nach Luft und legte auf.
Als Erste, wie immer.
Am Samstag kam der Meister.
Er baute das neue Schloss ein und übergab drei Schlüsselsätze.
Marina prüfte in seiner Anwesenheit jeden Schlüssel im Schloss.
Einen Satz reichte sie Oleg über den Tisch — ohne Anhänger, ohne Zeremonie.
— Hier.
— Wenn du hinfährst, dann als Gast, nicht als Verwalter.
Er nahm ihn schweigend.
Er drehte die Schlüssel in der Hand, als würde er sie nicht erkennen.
Der Meister sammelte sein Werkzeug ein, unterschrieb in seinem Notizbuch und nahm die zweite Hälfte der Summe.
— Gutes Schloss, Hausherrin, — sagte er zum Abschied.
— Diesen Schlüssel hat nur, wem Sie ihn geben.
— Keine „Ersatzschlüssel bei Mama“.
— Genau so, — sagte Marina.
Im Juli fuhr Marina ans Meer.
Zehn Tage lang kochte sie keine einzige Brühe für eine Gesellschaft.
Sie schlief bis neun.
Sie aß, was jemand anderes zubereitet hatte.
Lena lachte, sie erkenne ihre Freundin nicht wieder: Zum ersten Mal seit sechs Jahren sprang sie nicht um sieben Uhr morgens auf, um Kartoffeln für eine Horde zu schälen.
Am fünften Tag rief Oleg an.
— Hör mal.
— Mama ist beleidigt.
— Sie sagt, du hättest sie aus der Familie geworfen.
— Ich habe sie nicht in mein Haus gelassen, damit sie dort kommandiert.
— Das sind zwei verschiedene Dinge.
— Sie will im August kommen.
— Sie soll mich anrufen.
— Ich entscheide.
— Du bist richtig hart geworden.
— Ich bin normal geworden, — sagte Marina.
— Hart war ich früher, zu mir selbst.
Oleg schwieg am Telefon.
Im Hintergrund war der Fernseher zu hören.
— Also… ich habe die Beete gegossen.
— Und die Tomaten angebunden.
— Selbst.
Marina lächelte ins Telefon.
Zum ersten Mal hatte er in der Datscha etwas ohne Erinnerung getan.
— Gut gemacht, — sagte sie.
— Kommt vor.
— Witja hat angerufen.
— Er wollte im August mit Freunden zum Schaschlik kommen.
— Ich habe ihm gesagt, dass es nicht mein Haus ist und er dich anrufen soll.
— Und was sagte er?
— Er war beleidigt.
— Er sagte, du würdest die Familie zerstören.
— Und was hast du gesagt?
Oleg schwieg einen Moment.
— Ich sagte, die Familie habe der zerstört, der dich zwölf Jahre lang für eine kostenlose Köchin gehalten hat.
Marina antwortete nicht sofort.
Das war der erste richtige Satz von ihm in diesem ganzen Sommer.
— Gut, — sagte sie schließlich.
— Komm im August.
— Für ein Wochenende.
— Mit Lebensmitteln.
— Abgemacht.
Im August kam Witja trotzdem zur Datscha.
Mit zwei Autos voller Freunde, Kohle und Lautsprecher — ohne Vorwarnung, aus alter Gewohnheit.
Das Tor war verschlossen.
Das Schloss war neu.
Der alte Schlüssel, den er gewöhnlich im Handschuhfach aufbewahrte, passte nicht.
Er rief Marina an.
— Marin, was soll das?
— Ich stehe am Tor, und es ist abgeschlossen.
— Der Schlüssel passt nicht.
— Das Schloss wurde gewechselt.
— Und mich warnen?
— Hast du gewarnt, dass du kommst?
— Ich bin doch immer so gekommen!
— Früher ja.
— Jetzt nur auf Einladung.
— Diesmal habe ich dich nicht eingeladen.
— Ich habe die Jungs in den Autos!
— Ich habe Kohle gekauft!
— Willst du mich verarschen?
— Witja, — sagte Marina ruhig.
— Das Haus gehört mir.
— Wenn du Schaschlik willst, gibt es Plätze im Waldpark, es gibt Anlagen.
— Fahr dorthin.
— Das ist eine Schweinerei!
— Kommt vor.
Er schrie noch eine Minute, dann legte er auf.
Er ließ die Autos wenden.
Den Freunden sagte er, die Schwägerin habe „völlig abgehoben“.
Die Freunde zuckten mit den Schultern und fuhren woandershin, um Fleisch zu grillen.
Marina steckte das Telefon zurück in die Tasche.
Sie schloss die Bank-App, in der sie gerade geprüft hatte, ob ihr Gehalt eingegangen war.
Dann kehrte sie zum Beet zurück.
Drei Monate vergingen.
Der Oktober kam.
Die Schwiegermutter war im August nicht mehr gekommen.
Sie hatte angerufen und versucht zu sagen: „Ich habe als Mutter ein Recht“, aber Marina hatte geantwortet, dass in einem Haus der Eigentümer das Recht habe zu entscheiden, und die Eigentümerin sei sie.
Zinaida Petrowna legte auf.
Eine Woche später rief sie selbst wieder an und bat darum, für ein Wochenende zu Besuch kommen zu dürfen.
Marina ließ sie kommen.
Die Schwiegermutter brachte ihren eigenen Quark mit und sagte zum ersten Mal seit zwölf Jahren kein Wort über Dill.
Sie saß still da, aß Erdbeermarmelade und lobte sie.
Auch Swetka änderte ihren Ton.
Im Herbst schrieb sie vorsichtig im Messenger: „Marin, könnten wir über die Maifeiertage für ein paar Tage kommen? Ich bringe Lebensmittel mit, ehrlich, und ich koche selbst.“
Marina antwortete knapp: „Könnt ihr.
Für ein paar Tage.
Mit Lebensmitteln.“
Und sie setzte einen Punkt.
Swetka schickte einen Daumen hoch und drei Herzen.
Marina ignorierte die Herzen.
Witja rief nach der Sache mit dem Tor nicht mehr an.
Er ließ über Oleg ausrichten, dass er beleidigt sei.
Marina ließ zurückrichten, dass er so lange beleidigt sein könne, wie er wolle, der Schlüssel werde dadurch nicht auftauchen.
Oleg verstand es nicht sofort.
Noch im Juli schmollte er und hielt seine Frau für hartherzig.
Doch bis zum Herbst schien etwas in ihm umzuschalten.
Er begann zu fragen, bevor er jemanden einlud.
Er brachte selbst eine neue Pumpe zur Datscha, bezahlte mit seiner eigenen Karte, und Marina sah in der gemeinsamen Bank eine Überweisung mit dem Verwendungszweck „Pumpe Datscha“.
Eine kleine Zeile, aber sie sah sie lange an.
Für ihre Implantate hatte Marina schließlich gespart: Das Geld, das früher für den Sommer anderer Leute draufgegangen war, war bei ihr geblieben.
Sie machte für November einen Arzttermin.
Als Oleg davon erfuhr, bot er an, die Hälfte dazuzuzahlen.
Sie dachte nach und stimmte zu, nicht wegen des Geldes, sondern weil er es von sich aus angeboten hatte.
Ende Oktober fuhr Marina hin, um die Datscha für den Winter zu schließen.
Allein.
Sie entschied selbst, dass es Zeit war, und schloss selbst das Haus mit dem neuen Schloss ab.
Auf dem Küchentisch lag derselbe Ordner — sie hatte die Screenshots nie gelöscht, sondern sie aufbewahrt wie eine Quittung für eine bezahlte Schuld.
Die Nachbarin rief über den Zaun:
— Marin, warum bist du dieses Jahr allein?
— Früher stand hier bei euch doch ein ganzes Regiment, es war immer laut.
— Früher stand es hier, — sagte Marina.
— Jetzt kommt man auf Einladung.
Sie prüfte den Riegel am Gewächshaus, löschte das Licht auf der Veranda und schloss das Tor ab.
Der Schlüssel — ein einziger, an einem schlichten Stahlring, ohne Marienkäfer und ohne grünen Anhänger — lag in ihrer Jackentasche.
Ihr Schlüssel zu ihrem Haus.
Marina stieg ins Auto und fuhr zurück in die Stadt.







