Drei Jahre nach dem Tod meiner Mutter fühlte sich unser Haus immer noch schwer vor Stille an.
Dad und ich gingen vorsichtig durch jeden Tag und taten so, als würde der leere Stuhl am Esstisch nicht so sehr wehtun, wie er es tatsächlich tat.
Dann begann Dad, Alexis zu daten.
Vier Monate später zogen sie und ihre Tochter Brianna bei uns ein.
Eines der ersten Dinge, die Alexis tat, war, jede Spur meiner Mutter wegzupacken.
Brianna war in meinem Alter und ging auf meine Schule.
Zuerst waren sie und Alexis still und leise gemein.
Dann wurden sie dreister.
Als die Ballsaison begann, gab Dad Alexis Geld, damit sie für uns beide Kleider kaufte.
Zum ersten Mal lächelte sie mich an, als würde sie sich wirklich um mich kümmern.
Doch am nächsten Abend, als sie mir den Kleidersack reichte, wusste ich, dass etwas nicht stimmte.
Darin war ein altes senfgoldenes Kleid, das schwach nach Lagerung roch.
Auf der anderen Seite des Flurs schrie Brianna vor Freude über ihr funkelndes blaues Kleid.
Beim Abschlussball sorgte Brianna dafür, dass mich alle bemerkten.
„Hat heute Abend jemand eine Wette verloren?“, rief sie.
Die Leute lachten.
Ich wollte verschwinden.
Dann kam Frau Carter, eine der Lehrerinnen, zu mir herüber und bat darum, mein Kleid ansehen zu dürfen.
Nachdem sie die Nähte betrachtet hatte, füllten sich ihre Augen mit Tränen.
„Emma“, flüsterte sie, „deine Mutter hat das bei ihrem Abschlussball getragen.“
Mein ganzer Körper erstarrte.
Alexis hatte mir kein hässliches Kleid gekauft.
Sie hatte das alte Ballkleid meiner Mutter vom Dachboden genommen und versucht, es zu benutzen, um mich zu demütigen.
Ich ging direkt zu ihr, vor den Eltern, die als Aufsichtspersonen da waren.
„Wo ist das Geld, das mein Vater dir für mein Kleid gegeben hat?“
Ihr Lächeln verschwand.
„Dieses Kleid gehörte meiner Mutter“, sagte ich.
„Du hast Dad angelogen und zugelassen, dass alle über mich lachen.“
Die Eltern um sie herum wurden still.
Dann erschien Dad und hörte endlich die Wahrheit.
Alexis flehte mich an, das Kleid auszuziehen.
Ich blickte auf den Stoff hinunter, den meine Mutter einst getragen hatte, und schüttelte den Kopf.
„Nein.
Du dachtest, das würde mich beschämen.
Aber das ist das bedeutungsvollste Kleid, das ich je getragen habe.“
In jener Nacht stand ich im Kleid meiner Mutter unter den Lichtern des Abschlussballs, und zum ersten Mal seit Jahren fühlte es sich an, als wäre sie wieder bei mir.








