Aber ihre Gesichter erstarrten bei der Testamentseröffnung, als klar wurde, dass sie mir ihr ganzes Geld und drei Häuser hinterlässt…
— Rennst du schon wieder zu deiner Reichen?

Die Stimme meiner Cousine Svetlana triefte vor Gift, als ich im Flur meinen Mantel zuknöpfte.
Ich schwieg.
Es hatte keinen Sinn zu antworten.
Das war ihr Morgenritual.
— Lass sie, Svetle — meldete sich träge aus dem Zimmer Tante Alevtina, ihre Mutter.
— Die Frau hat eben ihre „Arbeit“.
Sie verteilt Almosen.
Ihr Lachen brach gleichzeitig aus, laut und höhnisch.
— Ich habe Tante Elżbieta nur versprochen, ihr mit den Fenstern zu helfen, sie für den Winter abzukleben.
— Sie hat ihre Fenster schon im siebenundvierzigsten Jahr abgeklebt! — hörte Svetlana nicht auf, als sie in den Flur kam.
— Seine Jugend für irgendeine Oma zu verschwenden, von der du nicht einmal ein Paar zerrissene Socken erbst… Das ist wirklich ein Talent!
Sie musterte mich von Kopf bis Fuß: meinen gewöhnlichen Mantel, meine schlichten Schuhe.
— Nicht jeder lebt für ein Erbe, Svetle.
— Ach ja?
Und was ist dann dein Ziel?
Dich geistig zu bereichern, während du in irgendeinem Block die Böden wischst?
Ich nahm die Tasche.
Darin waren Lebensmittel für Tante Elżbieta und ein neues Buch, um das sie gebeten hatte.
— Mein Ziel ist, einem nahestehenden Menschen zu helfen.
— Nahestehend? — zischte Tante Alevtina, die in der Tür erschien.
Ihr Gesicht verzog sich vor altem Zorn.
— Diese „Nahestehende“ hat Großvaters Häuschen verkauft, unser Familiennest, um sich ein Loch im Zentrum zu kaufen!
Ihr ganzes Leben denkt sie nur an sich und hat niemandem auch nur einen Groschen gegeben!
Das war die Quelle ihres Hasses.
Das Häuschen im Kiefernwald, das Großvater für alle gebaut hatte, und Elżbieta — als älteste Tochter — auf ihren Namen übertragen ließ und nach seinem Tod verkaufte.
Sie hielten das für Verrat.
Ich sah ihre Gesichter an, verzerrt von Bosheit und Gier.
Nie hatten sie versucht, ihre Motive zu verstehen.
Mein Verhältnis zu meiner Tante interessierte sie nicht.
Ihre Geschichten, ihr wacher Verstand, ihr ironischer Blick auf die Welt — das alles war ihnen egal.
Sie sahen nur eine alte Frau im abgetragenen Morgenmantel.
Ich aber sah einen Menschen, der mir das Lesen beigebracht, mir Sternbilder gezeigt und mir beigebracht hatte, die Stimmen der Vögel zu unterscheiden.
— Du wirst schon sehen — zischte Svetlana hinter mir her.
Du wirst deine Wohnung irgendwelchen Sektenleuten vermachen.
Und du bleibst mit leeren Händen zurück.
Und mit deiner „Heiligkeit“.
Ich ging hinaus ins Treppenhaus.
Die Tür schlug hinter mir zu und schnitt ihre Stimmen ab.
Die Wohnung von Tante Elżbieta begrüßte mich mit dem Geruch getrockneter Kräuter und alter Bücher.
Alles war schlicht, aber unglaublich sauber.
Sie saß am Tisch, über eine große Karte der Finnischen Bucht gebeugt.
Neben ihr lagen nicht nur Dokumente, sondern auch ein Tablet mit Diagrammen und Tabellen.
— Ach, Kira, du bist da — sie hob den Kopf, und ihre Augen leuchteten.
— Ich arbeite hier ohne Pause.
— Was ist das? — ich zeigte auf die Karte.
— Nun ja, ich ordne alte Besitztümer — sie lächelte verschmitzt.
— Papierkram.
Vorsichtig faltete sie die Karte zusammen und schob die Dokumente in eine Mappe, aber ich schaffte es, die Worte „Mietvertrag“ und „Katasterplan“ zu erkennen.
— Haben die Verwandten wieder ein Konzert gegeben? — fragte sie, als würde sie meine Stimmung fehlerlos spüren.
Ich zuckte nur mit den Schultern.
— Sie zählen immer, Kira.
Sie zählen Groschen.
Und das Wichtigste sehen sie nicht.
Nun, das ist ihre Sache.
Sie nahm das Buch, das ich ihr gebracht hatte, und ihr Gesicht hellte sich auf.
— Danke dir, Liebes.
Nur du weißt, was ich wirklich brauche.
Nach ein paar Wochen klingelte das Telefon.
Die Stimme von Tante Alevtina klang süß wie ein überreifer Pfirsich.
— Kira, hallo, Liebes.
Wie geht es unserer Elżbieta?
Ich richtete mich auf.
— Gut, danke.
— Ich rufe wegen einer Sache an…
Ein Bekannter von Sveti, ein Makler, interessiert sich für Häuser in dieser Gegend.
Ich dachte, wir sollten unserer Liza helfen.
Prüfen, ob mit den Dokumenten alles in Ordnung ist.
Er kann vorbeikommen und sie kostenlos beraten.
Damit man sie nicht übers Ohr haut.
— Ich glaube nicht, dass sie Hilfe braucht.
— Wie bitte!
Sie ist alt…
Du hättest sie nach dem Testament fragen können.
Wir sind Familie, wir müssen füreinander sorgen.
Mir schnürte es die Kehle zu.
— Ich werde sie nicht danach fragen.
Auf Wiedersehen.
Bei meinem nächsten Besuch war Tante Elżbieta unruhig.
— Stell dir vor, irgendein Mann war da.
Er sagte, er sei Gutachter von einer Versicherungsgesellschaft.
Angeblich sei die Installation im Haus alt, also müsse er das Risiko einschätzen.
Er stellte Fragen wie ein Staatsanwalt.
Über Besitz, Rechnungen, Verwandte…
Ich erstarrte mit einem Stapel Teller in den Händen.
Das war Alevtinas Plan.
Viel raffinierter, als ich vermutet hatte.
— Er fragte, wer mich besucht und wie oft.
Und er deutete ständig an, dass ältere Menschen leicht zu täuschen sind.
Als wollte er mich auf etwas vorbereiten…
Auf dem Bildschirm erschien der Name Svetlana.
Ich ging nicht ran, aber mein Herz schlug wie verrückt.
Ich wusste: Sie würden nicht aufgeben.
— Kira — sagte Tante Elżbieta leise, als würde sie meine Gedanken lesen — hab keine Angst.
Sie waren immer hungrig wie Wölfe.
Aber ich werde nicht zulassen, dass sie mich auffressen.
Ich sah sie an — klein, zierlich, mit einem Gesicht voller Falten.
Doch in ihren Augen lag eine Kraft, die ich mir nicht erklären konnte.
Die nächsten Tage waren eine harte Prüfung.
Vor dem Eingang tauchten „zufällige“ Leute auf.
Einer rauchte auf der Bank, der zweite maß etwas mit einem Maßband, der dritte fotografierte die Wände.
Ich hatte keinen Zweifel — das war Teil ihres Spiels.
— Sie setzen dich unter Druck — flüsterte ich, während ich Äpfel für den Kuchen schälte.
— Sollen sie drücken — antwortete sie ruhig.
— Ich bereite mich schon lange darauf vor.
Ein paar Tage später gab sie mir einen Umschlag.
— Drin sind Schlüssel.
Einer zur Wohnung, der andere zum Safe.
Wenn mir etwas passiert, wirst du wissen, wohin du gehen musst.
Ich wollte ihr widersprechen, aber es klingelte.
Auf der Schwelle standen Alevtina und Svetlana.
Zum ersten Mal ohne höhnisches Grinsen, mit falsch süßen Lächeln.
— Liza — begann Alevtina — wir sind Familie.
Wir machen uns Sorgen um dich.
Lass uns dir mit den Dokumenten helfen, mit diesen lästigen Sachen.
Wir sind doch keine Fremden.
— Nein — antwortete Tante Elżbieta fest.
— Ich habe Kira.
Svetlanas Gesicht verzog sich, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.
— Dummes altes Weib — zischte sie.
— Verstehst du nicht, dass sie dich ausnutzt?
Aber Tante Elżbieta holte eine Mappe aus dem Schrank.
— Willst du das sehen? — fragte sie ruhig.
Sie öffnete sie: darin lagen notariell beglaubigte Unterlagen.
— Alle meine Häuser und Konten sind längst übertragen.
Ich habe nur eine Erbin — Kira.
Die Stille war ohrenbetäubend.
Ich hörte das Ticken der Uhr an der Wand.
Die Gesichter meiner Verwandten wurden blass.
Alevtina öffnete den Mund, aber es kam kein Laut heraus.
Sie gingen hinaus und knallten die Tür so zu, dass die Scheiben klirrten.
— Warum… warum ich? — flüsterte ich, immer noch zitternd.
— Weil du die Einzige warst, die in mir einen Menschen gesehen hat — antwortete sie leise.
— Nicht eine alte Frau, nicht eine Schuldige, nicht eine Gierige.
Einfach Liza.
…Ein paar Monate vergingen.
Zusammen besichtigten wir die alten Häuser.
Eines verwandelten wir in eine kleine Bibliothek für Kinder, und das zweite — in ein Tageszentrum für ältere Menschen.
Das war ihr Traum: dass ihr Erbe dem Guten dient und nicht in gierige Hände fällt.
An einem winterlichen Morgen ging sie friedlich, im Schlaf.
Als ich ihr die Augen schloss, wusste ich es bereits: Meine Aufgabe ist, ihren Willen zu erfüllen.
Bei der Testamentseröffnung waren die Verwandten bleich wie die Wände.
Als der Notar meinen Namen aussprach, hielt niemand mehr den Atem an.
Nur Svetlana flüsterte heiser:
— Das ist unmöglich…
Aber ich wusste: Es ist möglich.
Weil Liebe mehr wiegt als Gier.
Und zum ersten Mal seit Jahren atmete ich erleichtert auf.
Ende.







